Welche Herausforderungen entstehen bei einer Inklusion von Kindern mit Behinderung in allgemeinen Schulen?


Hausarbeit, 2018

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Was bedeutet der Begriff „Inklusion“?
2.2 Was bedeutet der Begriff „Integration“?
2.3 Abgrenzung von Inklusion und Integration

3. Herausforderungen für Inklusion im Bildungssystem Deutschlands

4. Schulbegleitungen durch Sonderpädagogen – Hilfe für Lehrkräfte oder zusätzliche Belastung?

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Vielfach wird diskutiert, wie die Gesellschaft mit Schülerinnen und Schülern mit Behinderung in Bezug auf Schule und Unterricht umgehen soll. Sollten sie anders behandelt werden als Menschen ohne Behinderung und dementsprechend auf eine gesonderte Schule gehen, in der sie durch Sonderpädagogen betreut und ihrer geistigen bzw. körperlichen Entwicklung angemessen unterrichtet werden? Oder sollten sie am „normalen“ Unterricht von Grund- und Weiterführenden Schulen teilnehmen und keine gesonderte Betreuung erfahren? Auch mir persönlich fällt es schwer mir eine Meinung zu dem Thema zu bilden. Wenn ich darüber nachdenke, wie ich als Lehrkraft mit Kindern mit Behinderung umgehen soll, ohne eine entsprechende Ausbildung in dem Bereich Sonderpädagogik zu haben, stelle ich mir viele Fragen: „Welche Herausforderungen entstehen für Lehrkräfte bei einer Inklusion?“ „Macht es überhaupt Sinn, dass Kinder mit Behinderungen am „normalen“ Unterricht teilnehmen?“ „Welchen Nutzen tragen die Schülerinnen und Schüler mit Behinderung bei einer Teilnahme am „normalen“ Unterricht?“ und „Welche Auswirkungen hat eine Teilnahme von behinderten Schülerinnen und Schülern auf die Lernergebnisse der Kinder ohne Behinderung?“

Ich denke dieses Thema ist ein sehr komplexes, aktuelles Thema mit vielen Vor- und Nachteilen für alle Beteiligten. Wie diese Vor- und Nachteile aussehen können, was Inklusion bedeutet und warum dieses Thema in der Gesellschaft so umstritten ist werde ich in dieser Hausarbeit herauszuarbeiten.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Was bedeutet der Begriff „Inklusion“?

Der Begriff „Inklusion“ ist erstmals im Jahr 2008 durch die Ratifizierung der Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte der Menschen mit Behinderung (im Folgenden abgekürzt mit UN-BRK) aufgetreten, bevor es im darauf folgenden Jahr (2009) durch das Inkrafttreten zu einem prominenten Schlagwort geworden ist. Das Ziel der UN-BRK ist es, die bereits geltenden Menschenrechte für Menschen mit Behinderung zu bekräftigen und zu konkretisieren (vgl. Lübeck, 2018, S. 25).

„Menschen mit Behinderungen werden auch heute noch vorrangig als ‚Objekte‘ der Fürsorge oder der Medizin und nicht als ‚Inhaber‘ von Rechten betrachtet. Der Beschluss, eine universelle Menschenrechtsübereinkunft speziell für Menschen mit Behinderungen zu verabschieden, gründet sich auf die Tatsache, dass trotz des theoretisch vorhandenen Anspruchs auf sämtliche Menschenrechte den Menschen mit Behinderungen in der Praxis auch heute noch diese von den meisten Menschen als selbstverständlich betrachteten Grundrechte und Grundfreiheiten vorenthalten werden.“ (Deutscher Bundestag, 2008, S. 4)

Demnach soll für alle Menschen von vornherein eine uneingeschränkte Teilnahme an allen Aktivitäten möglich sein. Dabei soll es nicht zur Normalität werden, dass Behinderungen mit einem negativen Verständnis in Verbindung gebracht werden, sondern Ziel ist es, ein gemeinsames Leben aller Menschen mit und ohne Behinderung zu realisieren. Das heißt, es haben sich nicht die Menschen mit Behinderung an die Gesellschaft anzupassen, sondern das gesellschaftliche Leben Aller muss von Beginn an für alle Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, ermöglicht werden (UN-Behindertenrechtskonvention). Auf der Kultusministerkonferenz (KMK) 2011, wurde ein Beschluss verabschiedet, der Inklusion als umfassendes Konzept für das Zusammenleben ansieht.

„Inklusion in diesem Sinne bedeutet für den Bereich der Schule einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung für alle und das Erkennen sowie Überwinden von Barrieren.“ (Kultusministerkonferenz, 2011, S. 3)

In Kanada wird der Begriff Inklusion sowohl als Idealzustand als auch als Prozess verstanden.

„Inclusive education means that all students attend and are welcomed by their neighbourhood schools in age-appropriate, regular classes and are supported to learn, contribute and participate in all aspects of the life of the school. Inclusive education is about how we develop and design our schools, classrooms, programs and activities so that all students learn and participate together.” (Miesera, 2018, S. 5)

Das Wort Inklusion leitet sich von dem lateinischen Wort „inclusio“ ab, was in der deutschen Sprache mit dem Wort „Einschließung“ gleichzusetzen ist. Das Wort Exklusion kommt ebenfalls aus dem lateinischen „exclusio“ und bedeutet „Ausschließung“. Bei diesem Begriffspaar handelt es sich um eine Zuordnung bzw. einen Ausschluss von Personen in Gruppen und Gesellschaften (vgl. Miesera, 2018, S. 4).

2.2 Was bedeutet der Begriff „Integration“?

Vertreterinnen und Vertreter der Behindertenverbände kritisieren die deutschsprachige Übersetzung des Begriffes „Inklusion“. In der englischen Sprache wird dieser Begriff mit „Integration“ übersetzt. Dabei handelt es sich laut den Kritikerinnen und Kritikern um eine politisch motivierte Falschübersetzung, die die Intention des Dokuments der UN-BRK untergräbt und seine Implikationen für das Bildungssystem unzulässig abschwächt (vgl. Lübeck, 2018, S. 26).

„Das Übereinkommen spricht mit ‚inclusive education‘ eindeutig von einem inklusiven Bildungswesen und nicht – wie in der deutschen Übersetzung – von einem integrativen Bildungssystem. Inklusion und Integration sind nicht als Synonyme zu verwenden und haben unterschiedliche Ansatzpunkte. Mit der nunmehr vorliegenden Übersetzung zeigen die Bundesregierung und vor allem die Bundesländer, dass sie am bisherigen Bildungssystem keine gravierenden Änderungen vornehmen wollen. In Deutschland muss aber gerade in diesem Bereich gegenüber anderen Ländern viel aufgeholt werden. Das deutsche Bildungssystem ist von den Zielen des Übereinkommens erheblich entfernt und seit jeher von Ausgrenzung geprägt.“ (Bundesverband evangelische Behindertenhilfe 2008, S. 2)

2.3 Abgrenzung von Inklusion und Integration

Die Abgrenzungen der Begriffe „Inklusion“ und „Integration“ ist kein triviales Unterfangen. Weder der eine, noch der andere Begriff ist feststehend definiert. Verwendet werden beide Begriffe teilweise widersprüchlich, gegensätzlich oder synonym (vgl. Lübeck, 2018, S. 27).

„Was die Begriffe ‚Integration‘ und ‚Inklusion‘ […] genau beinhalten, ist offen und Gegenstand einer lebhaften und kontroversen wissenschaftlichen Diskussion, die von einem einheitlichen und einvernehmlichen Begriffsverständnis weit entfernt ist. Die terminologische Diskussion ist anarchisch: anything goes.“ (Wocken 2011, S. 59)

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Ein theoretisches Modell von Bürli hat große Verbreitung gefunden bei dem Versuch eine Abgrenzung der beiden Begriffe vorzunehmen. Dabei unterteilt er die Sonderpädagogik in vier Entwicklungsphasen. Diese sind Exklusion, Separation, Integration und Inklusion (vgl. Abb. 1). In der Phase der Exklusion werden Menschen mit Behinderungen vom öffentlichen Schulwesen ausgeschlossen. In der Phase der Separation werden ihnen Sonderschulen zur Verfügung gestellt, die eine Spezialisierung auf unterschiedliche Arten von Behinderungen vorweisen. Die Phase der Integration beschreibt eine allmähliche Aufweichung dieser strikten Trennung, sogar soweit, dass auch allgemeine Schulen wieder Kinder mit Behinderungen aufnehmen. Bürli sieht Integration als eine Art gesellschaftlicher Vorstufe von Inklusion:

„Teils nach der Integrationsphase, teils parallel zu ihr, teils mit gleicher, teils mit unterschiedlich akzentuierter Bedeutung wird Inklusion zum Zentralbegriff (UNESCO 1995). [...] Menschen mit unterschiedlichen Merkmalen und Fähigkeiten sollen selbstverständlich an Schule und Gesellschaft teilhaben können.“(Bürli, 1997, S. 64)

In der Phase der Inklusion besuchen schließlich alle Kinder uneingeschränkt und ungeachtet ihrer persönlichen Merkmale und Fähigkeiten, die allgemeine Schule unter dem Leitsatz: „Es ist normal, verschieden zu sein“ (Bürli, 1997, S. 64).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Welche Herausforderungen entstehen bei einer Inklusion von Kindern mit Behinderung in allgemeinen Schulen?
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Schule und Unterricht
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V539334
ISBN (eBook)
9783346139351
ISBN (Buch)
9783346139368
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inklusion, Integration, Exklusion
Arbeit zitieren
Robert Sielski (Autor), 2018, Welche Herausforderungen entstehen bei einer Inklusion von Kindern mit Behinderung in allgemeinen Schulen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539334

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