Das Ziel der vorliegenden Hausarbeit war es, die Möglichkeiten der Angehörigenintegration auf einer Intensivstation aufzuzeigen sowie deren bisherige Umsetzung auf deutschen Intensivstationen darzulegen. Neben der Betreuung der Patienten sind es die Angehörigen, die im pflegerischen Fokus stehen. Die zunehmende Professionalisierung der Intensivpflege-kräfte, die Verknappung zeitlicher Ressourcen sowie das Nichtvorhandensein von Konzepten oder Leitlinien erschweren die Bemühungen um die Integration und Begleitung von Angehörigen. Im Ergebnis zeigt sich, dass Konzepte zur Familienkonferenz oder dem aktiven Angehörigentelefonat bisher keinen oder nur geringen Zugang auf deutschen Intensivstationen gefunden haben, während Empfehlungen zur angehörigenfreundlichen baulichen Ausstattung durchaus umgesetzt und Konzepte des Intensivtagebuchs oder der Informationsbroschüre bereits implementiert sind.
Die essentielle Bedeutung der Angehörigen für den Genesungsprozess ist den behandelnden Pflegekräften und Ärzten seit Langem bewusst. Gemäß einer Umfrage des Deutschen Krankenhaus Instituts e.V., veröffentlicht im Krankenhausbarometer 2007, gehören Patientenzufriedenheit, eine hohe Qualität der Leistungserbringung sowie ein gutes Image der Einrichtung zu den drei wichtigsten Unternehmenszielen von Krankenhäusern in Deutschland (Blum, Offermanns & Perner, 2007). Dahingehend ist eine bedürfnisorientierte und vernünftige Betreuung [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Die Intensivstation
2.1.1 Setting Intensivstation
2.1.2 Geschichte der Intensivmedizin
2.1.3 Zahlen und Fakten
2.2 Der Intensivpatient
2.3 Die Angehörigen
2.3.1 Definition Angehörige
2.3.2 Bedeutung der Angehörigen
2.3.3 Bedürfnisse der Angehörigen
2.3.4 Gesetzliche Rahmenbedingungen
3 Methodik
3.1 Ergebnisse der Datenbankrecherche
3.2 Ergebnisse der Recherche in der Deutschen Nationalbibliothek
4 Ergebnisse
4.1 Bauliche Voraussetzungen
4.2 Besuchsregelung
4.2.1 Besuchszeitmodelle
4.2.1.1 Offene Besuchsmodell
4.2.1.2 Restriktionsmodell
4.2.1.3 Vertragsmodell
4.2.2 Kinder als Besucher
4.3 Informationsbroschüre
4.4 Intensivtagebuch
4.5 Familienkonferenz
4.6 Aktives Angehörigentelefonat
4.7 Anwesenheit von Angehörigen während einer Reanimation
4.8 Zertifikat der Stiftung Pflege
5 Diskussion
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, bestehende Möglichkeiten zur Integration von Angehörigen auf Intensivstationen zu analysieren und deren aktuelle Umsetzung in deutschen Krankenhäusern kritisch zu beleuchten.
- Analyse der Bedürfnisse und der Bedeutung von Angehörigen für den Genesungsprozess.
- Untersuchung baulicher und organisatorischer Rahmenbedingungen für die Angehörigenarbeit.
- Evaluierung spezifischer Konzepte wie Besuchszeitmodelle, Intensivtagebücher und Familienkonferenzen.
- Diskussion der Herausforderungen bei der Implementierung dieser Konzepte im deutschen Klinikalltag.
Auszug aus dem Buch
4.4 Intensivtagebuch
Ein Intensivtagebuch ist ein Tagebuch, das bei einem sedierten und beatmeten Patienten mit einer Beatmungsdauer von drei oder mehr Tage und voraussichtlicher Überlebenschance von Pflegenden und Angehörigen geschrieben wird (Nydahl, o.J.). Es existiert keine einheitliche Vorschrift, wie ein Intensivtagebuch zu führen ist oder wie es aussehen soll. Die Gestaltung ist von Intensivstation zu Intensivstation unterschiedlich. Diese reichen von einzelnen Blättern, über ein formloses Heft, bis hin zum gebundenem Buch. Das passende Format kann von jeder Station individuell entwickelt werden. Das Tagebuch sollte sich frei zugänglich im Patientenzimmer bzw. am Patientenbett befinden.
Die Frequenz der Tagebucheintragungen sollte bei einmal pro Schicht liegen, wobei man bei stabilen Verlauf die Eintragungen auf einmal täglich reduzieren kann. Der erste Eintrag spiegelt den Tag der Aufnahme wieder und fasst die Aufnahmeereignisse zusammen. Aus diesem Grund stellt er eine besondere Relevanz dar und ist deshalb umfangreicher als die Folgeeintragungen zu gestalten. Für Angehörige gibt es Platz ihre Gefühle, Träume, Wünsche, Ängste und besondere Ereignisse, wie zum Beispiel Geburtstage aufzuschreiben. Bilder vom Patienten, vom Patientenzimmer oder von der Umgebung können für den Patienten eine Hilfe bei der Aufarbeitung darstellen. Des Weiteren können selbstgemalte Bilder, Bilder von Familienfesten, Briefe und Postkarten mit in das Tagebuch geklebt werden.
In dieses Tagebuch gehören keine medizinischen Diagnosen, persönliche Konflikte, beleidigende Formulierungen oder juristisch fragwürdige Formulierungen. Das Tagebuch kann nach dem Aufenthalt auf der Intensivstation an den Patienten ausgehändigt werden oder zu einem späteren Zeitpunkt auf der Normalstation übergeben werden. Dem Weiterführen auf der Normalstation, auch durch den Patienten selbst, steht nichts im Weg. Nach Erhalt des Tagebuches kann der Patienten selbst entscheiden ob und zu welchem Zeitpunkt er es lesen möchte. Das Intensivtagebuch dient letztendlich als Kommunikationsmittel zwischen dem behandelnden Team und Angehörigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die wachsende Bedeutung der Angehörigenintegration auf Intensivstationen angesichts zunehmender Professionalisierung und Ökonomisierung.
2 Theoretischer Hintergrund: Es wird das Setting Intensivstation, die Situation des Patienten und die Rolle sowie die Bedürfnisse der Angehörigen definiert.
3 Methodik: Beschreibung des systematischen Vorgehens bei der Literatur- und Datenbankrecherche zur Informationsgewinnung.
4 Ergebnisse: Vorstellung verschiedener Konzepte zur Angehörigenintegration, wie bauliche Maßnahmen, Besuchsmodelle und Kommunikationsinstrumente.
5 Diskussion: Kritische Auseinandersetzung mit der bisherigen Umsetzung der Konzepte und den Hemmnissen in deutschen Krankenhäusern.
6 Fazit: Zusammenfassende Handlungsempfehlungen zur Stärkung der familienorientierten Pflege und Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Intensivstation, Angehörigenintegration, Intensivpflege, Patientenversorgung, Angehörigenbedürfnisse, Besuchszeiten, Intensivtagebuch, Familienkonferenz, Angehörigentelefonat, Familienorientierte Pflege, Gesundheitswesen, Kommunikation, Reanimation, Angehörigenfreundlichkeit, Pflegemanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle von Angehörigen auf Intensivstationen und untersucht Möglichkeiten, wie diese stärker in den pflegerischen Alltag integriert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die baulichen Voraussetzungen, Besuchsregelungen, die Unterstützung durch Informationsbroschüren und Tagebücher sowie kommunikative Ansätze wie Familienkonferenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den aktuellen Stand der Umsetzung von Konzepten zur Angehörigenintegration in deutschen Krankenhäusern darzulegen und den Nutzen für Patienten und Angehörige aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine systematische Literaturrecherche in verschiedenen wissenschaftlichen Datenbanken sowie eine begleitende Recherche in der Deutschen Nationalbibliothek durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkrete Instrumente der Angehörigenarbeit, wie das offene oder restriktive Besuchsmodell, das Intensivtagebuch und die Rolle von Kindern als Besucher.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Intensivstation, Angehörigenintegration, Patientenversorgung, familienorientierte Pflege und Kommunikation im klinischen Umfeld.
Was besagt das "aktive Angehörigentelefonat"?
Hierbei wird für jeden Patienten eine feste Bezugsperson bestimmt, die täglich zu einer vereinbarten Zeit durch das Pflegepersonal kontaktiert wird, um den Kommunikationsaufwand zu strukturieren.
Wie werden Kinder bei der Besuchsregelung berücksichtigt?
Die Arbeit zeigt, dass die Integration von Kindern als Besucher zwar den Genesungsprozess positiv beeinflussen kann, dies jedoch oft an individuelle Haltungen der Pflegenden und fehlende Konzepte geknüpft ist.
Welchen Stellenwert nimmt das Intensivtagebuch ein?
Es dient als evidenzbasierte Bewältigungsstrategie für Angehörige, wird jedoch in Deutschland aufgrund von personellen Kapazitätsgrenzen bisher nur zögerlich implementiert.
Was ist das Zertifikat der "Angehörigenfreundlichen Intensivstation"?
Eine Initiative der Stiftung Pflege e.V., die Kliniken auszeichnet, welche sich dazu verpflichten, Angehörige aktiv in das therapeutische Konzept und die Besuchsregelungen einzubeziehen.
- Arbeit zitieren
- Robin Scharfenberg (Autor:in), 2018, Möglichkeiten der Angehörigenintegration auf einer Intensivstation und deren Umsetzung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539627