Gegenstand der Zusammenfassung ist die Lektüre "Wahrheit und Methode - Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik" von Hans-Georg Gadamer. Zu Beginn der Sitzung wird erwähnt, dass in den ersten Sitzungen zunächst Vorgriffe von Gadamers Gedankenkonzept entwickelt werden, sodass ein erstes, genaues Verständnis des Lektüretextes sehr subtil werden könne. Lernen sei immer eine Überforderung und ein Verhältnis von Verstehen und Nicht-Verstehen. Die philosophische Hermeneutik ist eine Kunstlehre des Verstehens und stellt Fragen, unter welchen Bedingungen wir verstehen und was mit dem Begriff "Verstehen" gemeint ist. Der hermeneutische Zirkel ist die zentrale Denkfigur der Hermeneutik. Gadamer stellt in seiner Lektüre den Unterschied zwischen dem ontologischen hermeneutischen Zirkel und den methodischen hermeneutischen Zirkel vor.
Inhaltsverzeichnis
Einstieg
Diskussion zum Textabschnitt 1
Diskussion zum Textabschnitt 2
Diskussion zum Textabschnitt 3
Diskussion zum Textabschnitt 4
Zielsetzung & Themen
Ziel dieses Protokolls ist die systematische Zusammenfassung und wissenschaftliche Aufarbeitung der Seminarsitzung zur philosophischen Hermeneutik nach Hans-Georg Gadamer. Es steht die kritische Auseinandersetzung mit dem hermeneutischen Zirkel sowie dem Begriff des Vorurteils im Zentrum der Betrachtung.
- Grundlagen der philosophischen Hermeneutik bei Gadamer und Heidegger
- Differenzierung zwischen methodischem und ontologischem hermeneutischen Zirkel
- Die hermeneutische Spirale und der Prozess des Textverstehens
- Rehabilitation des Vorurteilsbegriffs in der Aufklärungskritik
- Das Spannungsfeld zwischen Korrespondenztheorie und konstruktivistischem Verstehen
Auszug aus dem Buch
Diskussion zum Textabschnitt 1
Zum ersten Textabschnitt wird zuerst das Fremdwort vitiosum geklärt: Ein vitiosum sei ein zirkulärer Anstoß: Ein logisch unzulässiger Beweis, bei dem das zu Beweisende offen oder verdeckt schon in den Prämissen steckt. In den Sätzen: „Alle rechte Auslegung muss sich gegen die Willkür von Einfällen und die Beschränktheit unmerklicher Denkgewohnheiten abschirmen und den Blick >auf die Sachen selber< richten […].“ und „Wer einen Text verstehen will, vollzieht immer ein Entwerfen.“, scheint ein Widerspruch zu stecken, da zum einen Denkgewohnheiten abgelegt und zum anderen das Entwerfen notwendig für ein Textverständnis sei. Der Anspruch, dass der Text eine Sinnganzheit ergibt, kann jedoch erst im weiteren Fortsetzen der Lektüre erhoben werden. Gadamer beschreibt das Textverstehen als ein zirkuläres System: Jedes Textverständnis setzt ein Vorverständnis voraus und jedes Textverständnis verführt zu einem weiteren Vorverständnis, welches wieder Voraussetzung für ein erweitertes Textverständnis ist.
Die Vorstellung des Verstehens ähnelt also einer hermeneutischen Spirale, die mit einer wiederkehrenden Reflexion einhergeht, da nicht wieder bei dem ersten Vormeinung begonnen wird, sondern diese durch das Textverständnis revidiert und geändert wird: Wir erkennen nur das, was wir selbst konstruiert haben. Interpreten sind beispielsweise vorgeprägt durch Erziehung, Freunde und Umwelt. Das Verständnis vom Text hat eine eigene Dimension, die unsere Vormeinung bestätigen, modifizieren oder widerlegen kann. Texte können durch Hypothesen, empirische Erfahrung und Revision unsere Vormeinung verändern. Dadurch können wir im Idealfall am Ende der Spirale eine Reflexion unser eigenen Vormeinungen bilden und den Text als solchen verstehen, sodass Vormeinung und Gegenstand übereinstimmen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einstieg: Einführung in Gadamers Hermeneutik mit Fokus auf den Unterschied zwischen dem methodischen und dem ontologischen hermeneutischen Zirkel.
Diskussion zum Textabschnitt 1: Analyse des zirkulären Systems des Verstehens, visualisiert als hermeneutische Spirale, in der Vorverständnisse durch Textarbeit revidiert werden.
Diskussion zum Textabschnitt 2: Auseinandersetzung mit dem Begriff der Bewährung und der Falsifizierung von Vormeinungen im hermeneutischen Prozess.
Diskussion zum Textabschnitt 3: Untersuchung der Rehabilitierung des Vorurteilsbegriffs und der Kritik an der aufklärerischen Entmachtung der Überlieferung.
Diskussion zum Textabschnitt 4: Kritische Reflexion des wissenschaftlichen Ideals der Vorurteilslosigkeit und der methodischen Begründung von Urteilen.
Schlüsselwörter
Hermeneutik, Gadamer, Heidegger, hermeneutischer Zirkel, Verstehen, Vormeinung, Vorurteil, Aufklärung, Interpretandum, Sinnhorizont, Konstruktivismus, Korrespondenztheorie, Überlieferung, Methode, Wahrheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Sitzungsprotokoll grundsätzlich?
Das Protokoll dokumentiert die wissenschaftliche Diskussion zu zentralen Passagen aus Hans-Georg Gadamers Werk "Wahrheit und Methode" im Rahmen eines philosophischen Seminars.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Struktur des Verstehens, die Bedeutung von Tradition und Vorurteilen sowie die kritische Abgrenzung der philosophischen Hermeneutik zur positivistischen Wissenschaftsmethodik.
Was ist das primäre Ziel der untersuchten Argumentation?
Das Ziel ist es, den hermeneutischen Zirkel als produktiven Prozess zu begreifen und den negativen Begriff des "Vorurteils" im Kontext der Aufklärung neu zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird im Seminar verwendet?
Es wird eine hermeneutische Textanalyse praktiziert, die durch den Vergleich von Heidegger-Zitaten und Gadamers Ausführungen gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Interpretation von vier Textabschnitten, die sukzessive das Verständnis des Zirkels, der Bewährung von Entwürfen und die Kritik an der Begründungslogik der Aufklärung thematisieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die inhaltliche Ausrichtung?
Wesentliche Begriffe sind hermeneutische Spirale, Vorurteilshaftigkeit, Ontologie des Verstehens und die kritische Distanz zur rationalistischen Methode.
Wie unterscheidet Gadamer zwischen dem methodischen und ontologischen Zirkel?
Während der methodische Zirkel ein äußerliches Verhältnis zwischen Subjekt und Objekt annimmt, beschreibt der ontologische Zirkel die notwendige Verbundenheit von Interpret und Interpretandum durch die Tradition.
Was bedeutet "Entmachtung der Überlieferung" im Kontext der Arbeit?
Dieser Begriff kritisiert die aufklärerische Tendenz, Traditionen und überlieferte Meinungen pauschal als "Vorurteile" abzuwerten, um eine rein methodisch gesicherte Erkenntnis zu fordern.
Welches Beispiel wird zur Veranschaulichung der Korrespondenzproblematik genutzt?
Es wird das Szenario einer Gruppe von Fußballfans verwendet, um die Problematik zu verdeutlichen, dass Gegenstände immer durch die Vormeinung des Betrachters konstruiert wahrgenommen werden.
- Citar trabajo
- Lara Bösking (Autor), 2019, Hermeneutik und Hermeneutik-Kritik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540071