Im Zentrum dieser Forschungskonzeption stehen gelingende Maßnahmen und Angebote, die es der heutigen Schulsozialarbeit ermöglichen, Kinder und Jugendliche aus geflüchteten Familien im Schulalltag zu unterstützen. Der Begriff der Teilhabe versteht sich an dieser Stelle als Notwendigkeit einer gelingenden eigenen Entfaltung und Selbstbestimmung der individuellen Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen. Teilhabe versteht sich nicht nur als Ziel, sondern auch als Mittel zur Erreichung einer verantwortungsvollen eigenständigen Persönlichkeit in der Gesellschaft. Teilhabe gilt in diesem Fall nicht vorrangig einer Beteiligung am Unterricht oder am Arbeitsmarkt, sondern als Überbegriff für die Zugänglichkeit der sensiblen Zielgruppe.
Die Aufgabe der Schulsozialarbeit ist demnach nicht nur das Vermitteln der Sprache. Ebenso werden Möglichkeiten zum selbstständigen Spracherwerb geboten, als auch die Motivation dafür gestärkt. Bildungserfolg ist demnach im Idealfall nicht Ziel der Schulsozialarbeit, sondern logische Konsequenz.
Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung und Forschungsgegenstand
2. Forschungsstand
3. Methodologische Positionierung
4. Forschungsfeld
5. Erhebungsmethoden
5.1 Experteninterviews mit Schulsozialarbeitern
5.2 Episodische Interviews mit Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung
6. Sampling
7. Auswertungsmethoden
7.1 Die Auswertung von Experteninterviews
7.2 Die Auswertung episodischer Interviews: Thematisches Kodieren
8. Reflexion des Arbeitsprozesses
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit entwickelt eine qualitative Forschungskonzeption, um zu untersuchen, wie Schulsozialarbeiter*innen die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung im schulischen Alltag wirksam stärken können. Dabei steht das Ziel im Fokus, praxisrelevante Erkenntnisse zu gewinnen, die über eine rein sprachliche Förderung hinausgehen und die soziale Integration sowie die Selbstbestimmung der Zielgruppe in den Mittelpunkt stellen.
- Bedeutung der Schulsozialarbeit in Zeiten der Fluchtzuwanderung
- Teilhabe und soziale Interaktion im schulischen Kontext
- Methoden zur Erhebung von Expertenwissen bei Schulsozialarbeiter*innen
- Methoden der episodischen Befragung bei Kindern und Jugendlichen
- Reflexion wissenschaftlicher Forschungs- und Auswertungsprozesse
Auszug aus dem Buch
5.1 Experteninterviews mit Schulsozialarbeitern
Die Befragung der Schulsozialarbeiter erfolgt mit Hilfe von Experteninterviews. Experteninterviews stellen eine spezielle Anwendungsform von Leitfadeninterviews dar (vgl. Flick 2007, S. 214). Die zu befragende Person wird dabei als Experte/Expertin für die zu erforschende Thematik und als Stellvertreter*in einer speziellen Gruppe betrachtet (vgl. ebd., S. 214). „Experten sind Personen, die über ein spezifisches Rollenwissen verfügen, solches zugeschrieben bekommen und eine darauf basierende besondere Kompetenz für sich selbst in Anspruch nehmen“ (Przyborski/Wohlrab-Sahr 2010, S. 133). Aus dieser Definition folgt, dass jede Person nur in Bezug auf ein bestimmtes Wissensgebiet als Experte/Expertin betrachtet werden kann.
Mit Hilfe von Experteninterviews können drei verschiedene Formen des Expertenwissens gewonnen werden (vgl. ebd., S. 133). Zum einen können Experteninterviews Wissen über Zusammenhänge, Abläufe, Mechanismen und Regeln in Institutionen bereitstellen. Diese Wissensform der Experten/Expertinnen haben Meuser und Nagel als „Betriebswissen“ bezeichnet (vgl. ebd., S. 132). Zum anderen verfügen Experten/Expertinnen aufgrund ihres Status´ als Experte/Expertin über Deutungsmacht (vgl. ebd., S. 132). Deutungen der Experten/Expertinnen bestimmen in großem Maße die öffentliche Meinung zum jeweiligen Thema (vgl. ebd., S. 133). Mit Hilfe von Experteninterviews können diese Deutungen als spezifische Wissensform (Deutungswissen) erhoben werden. Drittens kann mit Hilfe von Experteninterviews „Kontextwissen“ erhoben werden. Kontextwissen stellt auf Bereiche ab, die im Kontext der Untersuchung stehen, nicht aber unmittelbar Gegenstand der Untersuchung sind. Kontextwissen liefert Zusatzinformationen, welche für die eigentliche Forschungsfrage ergänzend von Interesse sind (vgl. ebd., S. 133).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fragestellung und Forschungsgegenstand: Definition des zentralen Erkenntnisinteresses, welches die Förderung der Teilhabe von geflüchteten Kindern und Jugendlichen durch die Schulsozialarbeit untersucht.
2. Forschungsstand: Aufarbeitung der aktuellen Situation von Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung im deutschen Schulsystem unter Einbeziehung von Daten der Stadt Köln.
3. Methodologische Positionierung: Theoretische Begründung der Wahl qualitativer Forschungsmethoden und Abgrenzung zum quantitativen Paradigma.
4. Forschungsfeld: Beschreibung des Settings an Kölner Gesamtschulen als geeigneter Raum für die Untersuchung aufgrund der Ganztagsschulstruktur und langjähriger Erfahrung mit Schulsozialarbeit.
5. Erhebungsmethoden: Darlegung der gewählten Befragungsinstrumente, spezifisch Experteninterviews für Fachkräfte und episodische Interviews für die Zielgruppe der Schüler*innen.
6. Sampling: Erläuterung der Auswahlkriterien für die zu befragenden Personen und der methodischen Vorgehensweise bei der Kontaktaufnahme über Multiplikatoren.
7. Auswertungsmethoden: Vorstellung der Verfahren zur Datenanalyse, namentlich der qualitativen Inhaltsanalyse nach Meuser/Nagel sowie des thematischen Kodierens.
8. Reflexion des Arbeitsprozesses: Kritische Würdigung der Zusammenarbeit in der Forschungsgruppe und der Anwendung kollaborativer Tools während der Erstellung der Konzeption.
Schlüsselwörter
Schulsozialarbeit, Fluchtzuwanderung, Teilhabe, Qualitative Forschung, Experteninterview, Episodisches Interview, Integration, Ganztagsschule, Bildungszugang, Sozialpädagogik, Forschungskonzeption, Fallanalyse, Thematisches Kodieren, Schulerfolg, Beratung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit entwickelt eine qualitative Forschungskonzeption, um zu untersuchen, wie Schulsozialarbeit Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung im deutschen Schulalltag unterstützen kann.
Welche Themenfelder stehen dabei im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Integration in Regelklassen, die Bedeutung von Teilhabe für die Persönlichkeitsentwicklung sowie die Rolle der Schulsozialarbeit als Unterstützungssystem.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Wie können Schulsozialarbeiter*innen die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung stärken?“
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Das Vorgehen basiert auf Experteninterviews mit Schulsozialarbeiter*innen und episodischen Interviews mit betroffenen Schülern und Schülerinnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodologische Fundierung, die Auswahl des Forschungsfeldes, die detaillierte Beschreibung der Erhebungsinstrumente und die geplanten Auswertungsmethoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Schulsozialarbeit, Fluchtzuwanderung, Teilhabe, qualitative Forschung und soziale Integration.
Warum wurden gerade Gesamtschulen in Köln als Forschungsfeld gewählt?
Gesamtschulen bieten durch ihre Struktur als Ganztagsschulen viel Raum für soziales Lernen und verfügen bereits über eine langjährige Erfahrung mit Schulsozialarbeit.
Wie unterscheidet sich die Auswertung von Experteninterviews vom thematischen Kodieren?
Die Experteninterviews nach Meuser/Nagel fokussieren auf das Expertenwissen und Institutionen, während das thematische Kodieren stärker auf die individuellen Erzählungen und Erfahrungswelten der Schüler*innen ausgerichtet ist.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2017, Fluchterfahrung. Schulsozialarbeit bei bei Kindern und Jugendlichen aus geflüchteten Familien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541613