Die Sozialstruktur der Familie und die Stellung von Mann und Frau im 1. Buch Mose im Vergleich zur heutigen Situation im westeuropäischen Bereich


Hausarbeit, 1996

8 Seiten, Note: 1-


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2 Die Sozialstruktur der biblischen Familie und Stellung von Mann und Frau

3. Vergleich mit der heutigen Situation im westeuropäischen Bereich; im besonderen an der Rechtslage in der Bundesrepublik Deutschland

4.Schlußbemerkung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In diesem kurzen Aufsatz möchte ich zuerst kurz die Struktur der nomadischen Familie in der Genesis umreißen. Dabei möchte ich mich auf einige charakteristische Wesenszüge beschränken, die auch vieles über die Stellung von Mann und Frau aussagen und dann am Schluß des ersten Kapitels das Verhältnis zwischen beiden noch etwas klarer herausarbeiten. Im zweiten Teil werde ich dann, laut der Aufgabenstellung, sie mit der heutigen Situation in meiner Gruppe vergleichen und dabei vor allem die Unterschiede herausstellen. Da ich Deutsche und in Deutschland aufgewachsen bin und von einem christlich westeuropäischen Bild geprägt wurde, habe ich beschlossen, die Situation im alten Testament mit der Situation hier, manifestiert in der Rechtslage zu vergleichen.

2 Die Sozialstruktur der biblischen Familie und Stellung von Mann und Frau

Die Entstehungszeit des Buches Genesis (1. Buch Mose) ist die Zeit der Patriarchen, die sich als Viehnomaden im mesopotamischen Bereich aufhalten.

Der Aufbau der nomadischen Familie läßt sich kurz mit den Begriffen patriarchalisch, patrilinear, endogam, patrilokal, polygen und extended umreißen. (Vgl. Somogyi 1985:134)1

“Zur patriarchalischen Familie gehören neben dem Vater, dem Oberhaupt der Sippe, seine Frauen und Nebenfrauen, seine verwitwete Mutter, seine unverheirateten Söhne und Töchter, seine verheirateten Söhne und deren Familien, seine verwitweten, kinderlosen Töchter, seine unverheirateten Schwestern und Brüder, manchmal seine jüngeren, bereits verheirateten Brüder sowie Sklaven und Dienstboten.” (Somogyi 1985:134). Das Oberhaupt der Sippe hat das Recht, über Leben und Tod all seiner Angehörigen zu bestimmen.

Die Sippenendogamie (Heirat innerhalb einer sozialen Gruppe) diente dazu festere Bande zwischen den Verwandten zu schaffen um sich gegen die anderen Gruppen zu behaupten. Diese verwurzelte Sitte kann man an Stellen wie 1.Mose 24,32 und 1.Mose 27,46 erkennen, in denen Isaak und Jakob in das Land ihrer Väter zurückgeschickt werden, um sich dort aus ihrer Verwandtschaft eine Frau zu holen, bzw. damit ihnen dort eine Frau ausgesucht wird. Den starken Zusammenhalt den die Verwandschaftsbande schaffen, erkennt man zum Beispiel daran, daß als Abraham die Kunde zukommt, daß sein Brudersohn gefangengenommen wurde diesem sogleich zur Hilfe eilt (Vgl. 1.Mose 14,14ff).

Die Abstammung ist patrilinear. Das Individuum gehört zur Linie seines Vaters, die Ehefrau wird ebenfalls Teil der Gruppe des Ehemannes. Diese Betonung der männlichen Linie wird durch verschiedene Sachverhalte deutlich. Erstens wird den Männern eine stark hervorgehobene Stellung zuerkannt. Gott wendet sich im Allgemeinen nur an Männer, an die momentanen Patriarchen oder an diejenigen die die Linie weiterführen werden. So zum Beispiel in 1.Mose 6.18 wo sich Gott nur an Noah als Stellvertreter seiner ganzen Sippe wendet oder in 1.Mose 17, wo Gott mit Abraham den Bund schließt.

Die Frauen finden in den Segnungen oft nicht einmal Erwähnung (Vgl. 1.Mose 9,1ff). Zweitens werden in der Genealogie meist nur Männernamen genannt (1.Mose 4,17-24; 1.Mose 10; 1.Mose 36). Drittens werden selbst bei wichtigeren Personen meist nur die Söhne aufgezählt, die einer Verbindung entsprangen (Vgl. 1.Mose 46,8).

Ebenso sind die Stammväter der Völker ausschließlich Männer (Vgl. 1.Mose 10; 1.Mose 36).

Im alten Testament ist die Polygynie (die Heirat eines Mannes mit mehreren Frauen) eine weitverbreitete Institution. Der Mann kann sowohl mehrere Frauen (Vgl. 1.Mose 28,7f; 1.Mose 29) als auch Nebenfrauen (Vgl. 1.Mose 25,6; 1.Mose 22,24) haben. Dabei ist die Nebenfrau rechtlos und darf nach dem Tod des Mannes nicht mehr heiraten.

Ihre Söhne haben allerdings das gleiche Erbrecht wie die der rechtmäßigen Frauen, durch den Vater kann dieses aber auf die Söhne der rechtmäßigen Frau übertragen werden. (Vgl. Somogyi 1985: 137-138)

Über eheliche Verbindungen läßt sich feststellen, daß es zwar keinen Fall von Bruder-Schwester Ehe gibt, aber eine Ehe zwischen Halbgeschwistern möglich ist (Abraham und Sara vgl. 1.Mose 20,12f). Ehe zwischen Onkel und Nichte (1.Mose 11,27) und vor allem zwischen Cousin und Cousine (1.Mose 24,15 und 29) sind auffallend häufig.

Ein Gebot ist das Leviratsgesetz, nach dem der Bruder eines Ehemannes, der kinderlos gestorben ist, dieser die Witwe zur Frau nehmen muß (Vgl. 1.Mose 38). Die Kinder, die dieser Verbindung entspringen, gelten als Kinder des ersten Mannes, sind dessen Erben und führen somit dessen Linie weiter. (Vgl. auch Somogyi 1985:139-140)

Der Vater wählt die Braut für den Sohn aus, dabei wird eine Frau aus der eigenen Großfamilie bevorzugt (1.Mose 24,4). Falls der Vater bereits gestorben ist, wählt die Mutter die Braut (1.Mose 21,21). Ist der potentielle Bräutigam ein Flüchtling, hat sich also von seiner Familie getrennt, so darf er die Braut frei wählen (1.Mose 26, 34-35). Die Frau muß prinzipiell nicht mit der Heirat einverstanden sein. Nach der Übergabe des ausgehandelten Brautpreises, der von der Familie des Bräutigams an den Brautvater gezahlt wird, ist die Ehe rechtmäßig. Die Braut erhält einen Teil des Brautpreises, Geschenke ihres zukünftigen Gemahls und Sklavinnen und Dienerinnen von ihrer alten Familie.

Bei der Hochzeit geht die Braut vom Besitz des Vaters in den Besitz des Ehemannes über. Allein der Mann hat das Recht, sich von seiner Frau scheiden zu lassen. (Vgl. Somogyi 1985:141-142)

Wenn man näher auf das Verhältnis zwischen Frau und Mann eingeht, verstärken sich die Machtunterschiede die bereits implizit dargestellt wurden. Der Mann ist Herr über die Frau: (Gott zu Eva): “Und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, aber er soll dein Herr sein” (1.Mose 3,16/2). Der Mann selbst stellt seinen Wert über den seiner Frau, so zum Beispiel im Falle von Abraham und Isaak, die um ihrer eigenen Ermordung vorzubeugen, ihre Frauen als ihre Schwestern ausgeben. Die Gefühle ihrer Frauen, die sich anderen Männern hingeben müssen, beziehen sie offensichtlich nicht in ihre Überlegungen ein. (Vgl. 1.Mose 20,11 und 26,7) Nach außen und offiziell steht der Mann also weit über der Frau. Nach innen bleibt ihr die mögliche Macht und Einfluß, die sie über den Haushalt und über den Kontakt mit ihrem Mann hat.

3. Vergleich mit der heutigen Situation im westeuropäischen Bereich; im besonderen an der Rechtslage in der Bundesrepublik Deutschland

Die dargestellte Sachlage zu Zeiten der Genesis möchte ich im folgenden mit der Situation im westlichen Europa vergleichen, die stark durch Gedanken des Christentums und der Aufklärung geprägt ist. Als Referenzpunkte werde ich das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und das Grundgesetz (GG) der Bundesrepublik Deutschland heranziehen, da diese in meinen Augen ein guter Spiegel und eine Manifestation der durchschnittlichen Vorstellungen und Idealbilder unserer Gesellschaft sind.

Im Unterschied zur nomadischen Familie ist unsere Gesellschaft nicht mehr so stark patriarchalisch geprägt. Es gibt in dieser starken Form kein Sippenoberhaupt mehr. Im ganzen sind die Familienzusammen-gehörigkeitsbande nicht mehr so stark. Die Großfamilie hat zu existieren aufgehört. Keiner hat die Macht über Leben und Tod seiner Angehörigen.

Die Endogamie, die den Zusammenhalt einer bestimmten Gruppe und deren Macht stärken sollte, also eine Art Überlebensmaßnahme der Gruppe war, ist Hand in Hand mit der Verbesserung der Lebensverhältnisse von einer Sache der Gruppe zu einer Sache des Individuums geworden. Heute ist zu beobachten, das vor allem außerhalb von verwandtschaftlichen Banden geheiratet wird.

Unsere Gesellschaft hat nicht mehr offensichtlich patrilineare Strukturen. Das Individuum ist sowohl Teil der Linie des Vaters als auch Teil der Linie der Mutter. Dies ist in der Art und Weise der Erstellung von Stammbäumen erkenntlich, die beide Linien zurückverfolgen.

[...]


1 Genaue Angaben siehe Literaturverzeichnis

2 Bibelzitierweise: Buch Kapitel, Vers / Zeile

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Sozialstruktur der Familie und die Stellung von Mann und Frau im 1. Buch Mose im Vergleich zur heutigen Situation im westeuropäischen Bereich
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Ethnologie)
Veranstaltung
Einführung in die Ethnologie - Proseminar
Note
1-
Autor
Jahr
1996
Seiten
8
Katalognummer
V542863
ISBN (eBook)
9783346186188
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar der Dozentin: "A good essay, clear and to the point."
Schlagworte
Stellung Mann Frau Familie altes Testament BGB Vergleich
Arbeit zitieren
Nicole Matthe (Autor), 1996, Die Sozialstruktur der Familie und die Stellung von Mann und Frau im 1. Buch Mose im Vergleich zur heutigen Situation im westeuropäischen Bereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542863

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