Tragik und Komik in Shakespeare's 'The Merchant of Venice'


Hausarbeit, 2002
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Definition: Komödie
2.2 Komische Elemente in The Merchant of Venice
2.3 Definition: Tragödie
2.4 Tragische Elemente in The Merchant of Venice

3. Schlussbetrachtung

4. Bibliographisches Verzeichnis

1. Einleitung

Die meisten Gelehrten zu Shakespeare’s Zeit waren davon überzeugt, dass alles in der Welt in Ordnungssysteme eingebettet und dadurch in seiner Besonderheit eindeutig determinierbar war. Auch in der Literatur herrschte eine solche Ordnung, nämlich das System der Gattungen, welches Dramen in Tragödien , Komödien und Historien unterteilte. Auch Shakespeare’s Dramen versuchte man den verschiedenen Gattungen zuzuordnen, was sich jedoch teilweise als ein schwieriges Unterfangen herausstellte, nicht zuletzt aufgrund des fließenden Übergangs zwischen den Gattungen des elisabethanischen Gattungssystems. Als eines der am schwierigsten determinierbaren Dramen Shakespeares stellte sich dabei das -Ende des 16. Jahrhunderts entstandene- Drama The Merchant of Venice[1] heraus. Kaum eines seiner Dramen hat solch divergierende Auslegungen und Interpretationen erfahren und bei keinem anderen besteht eine solche Uneinigkeit bei der Zuordnung zu einer bestimmten Gattung. Diese verwunderliche Tatsache ist zum einen in der Wandlung des Shylock- Bildes im Laufe der verschiedenen Epochen begründet, zu einem gewissen Anteil auch in der Komposition des Stückes, da es mehrere Handlungen heterogener Art mit unterschiedlichem dramatischen Potenzial enthält. Shakespeare verzichtete darauf, alle Elemente zu einem in sich völlig stimmigen Ganzen zusammenzufügen und alle Widersprüche und Ungereimtheiten zu beseitigen. In den frühen Jahren seines Bestehens wurde das Drama der Komödie zugeordnet, und im 19. Jahrhundert der Tragödie, dazwischen lagen zahlreiche weitere Bezeichnungen. Diese Ambivalenzen verweisen auf eine tieferliegende Zweischichtigkeit der dramatischen Struktur, welche im folgenden beleuchtet wird. Um mehr Klarheit über diese Struktur zu erlangen wird in dieser Arbeit das Drama The Merchant of Venice nach den Gesichtspunkten der Komik und der Tragik untersucht. Ausgehend von Definitionen der jeweiligen Gattungen -Komödie und Tragödie- werden im ersten Teil der Arbeit die komischen und im zweiten Teil die tragischen Elemente aufgezeigt. Dabei wird in erster Linie von der Sicht des damaligen elisabethanischen Publikums ausgegangen, wobei jedoch bei der Figur des Shylock eine Differenzierung vorgenommen wird, um den wichtigsten Grund der Differenzen bei der Gattungszuordnung nachvollziehbar zu machen. In der darauffolgenden Schlussbetrachtung wird auf der Basis der im vorherigen herausgestellten Elemente versucht, zu einem Ergebnis zu kommen, welches eine erneute gattungsbezogene Zuordnung einschließt.

2. Hauptteil

2.1 Definition: Komödie

Die Komödie ist gekennzeichnet durch eine Handlung, die sich im Bereich des Alltäglichen abspielt und dabei Themen wie z.B. Beruf, zwischenmenschliche Beziehungen und Probleme und Alltagsbeschäftigungen zum Inhalt hat. Die Komödie ist somit eine sehr gesellschaftsbezogene Gattung, in der anfängliche Konflikte und Verstimmungen heiter gelöst werden und gegebenenfalls menschliche Schwächen und Missstände der Zeit, oder das Missverhältnis zwischen Schein und Sein verhöhnt werden. Die Komödienfiguren gehören meist einem sozial niedrigeren Rang an als die Tragödienfiguren. Die Komödie dient zur Illustration allgemeiner, universeller Aspekte und deshalb tendiert sie dazu, die Figuren eher typisiert darzustellen. Auf wenig tiefgründige Verwicklungen, wie z.B. Verstellung, Verkleidung oder Verwechslung folgt durch eine Überraschung immer ein gutes Ende, bei dem die „Guten“ triumphieren und die „Schlechten“ bestraft werden. Der Ton der Komödie, d.h. die Sprachebene ist nicht gehoben, wie bei der Tragödie, sondern einfach und umgänglich, typischerweise Prosa. Die im allgemeinen angestrebte Wirkung der Komödie ist es, den Zuschauer zu belustigen und seine angenehme Aufmerksamkeit zu erlangen. Jedoch ist Komik nicht immer für jeden verständlich.

Die Komödienkonzeption von Shakespeare ist etwas eigenwillig. Seine Komödienfiguren sind zwar niedrigeren Ranges als die Tragödienfiguren, trotzdem aber möglicherweise Herzöge oder Fürsten. Auch bei den Handlungen und Themen erfolgt zwar eine Verlagerung in den Bereich des Privaten und Familiären, trotzdem aber nicht unbedingt eine völlige Abkehr von Politischem und öffentlich Relevantem. Im großen und ganzen kann man sagen, die Komödie Shakespeares’ ist ein vorwiegend heiteres Stück, meist mit feierlicher Stimmung, in dem in der Regel alle überleben. Sein Ziel ist es, den Zuschauer zufrieden zu stellen, indem das Ende bei ihm ein angenehmes Gefühl hinterlässt. Zwischendurch soll hin und wieder mal gelacht werden, z.B. über Auftritte von Clowns oder über Aktions- und Situationskomik, die im Verlauf einer Handlung entsteht, oder einfach über komische Wortspiele und verbale Anzüglichkeiten. Nach englischer Tradition werden Ernst und Scherz auch oft miteinander verbunden und beispielsweise durch eine sogenannte „Vice-Figur“[1], welche durchaus auch komisch sein kann, das Laster verkörpert. Ein weiteres wichtiges Thema der elisabethanischen Komödie ist die Liebe. Als Musterbeispiel für private Angelegenheiten und als Objekt der Belustigung.

Eine ganz bestimmte Variante der Komödie, entwickelt von Shakespeare, ist die romantische Komödie. Dabei wird die Handlung von einer Liebesgeschichte zwischen meist aristokratischen Personen geprägt, die sich in ihrer idealisierten, märchenhaften und meist ländlichen Welt bewegen. Dabei kommt oft eine weibliche Heldin vor, manchmal in Verkleidung eines Mannes. Typischerweise spielen die Väter der liebenden Frauenfiguren eine dominante Rolle bei der Partnerwahl und die Liebenden müssen erst einige Hindernisse überwinden, bevor sie zueinander finden können. Die Grundstimmung ist meist festlich und mit Musik untermalt, daher bewegt sich auch die Sprachebene auf einem höheren Niveau, als bei der herkömmlichen Komödie, meist wird in Versform gesprochen. Verkleidung, Verwechslung, Schiffsbruch, Ungerechtigkeit und andere Probleme werden gelöst und führen zu einem “happy ending“, welches sich in Versöhnung und meistens einer Hochzeit äußert.

2.2 Komische Elemente in The Merchant of Venice

Mit Blick auf die vorhergehenden Konventionen der Komödie wird jetzt Shakeapeare’s Drama The Merchant of Venice genauer betrachtet und gezielt nach Komik untersucht. Das Drama weist vielfach komische Elemente auf, welche nun aufgezeigt und analysiert werden. Dabei wird in der Reihenfolge der Akte und Szenen des Stückes vorgegangen.

Der erste Akt beginnt mit einem Gespräch zwischen Antonio, Salerio und Solanio. Sie unterhalten sich über Gefühle, (z.B. Antonio: “In sooth I know not why I am so sad,\ It wearies me, you say it wearies you; ...“I, 1, 1-2) und Geschäfte, (z.B. Salerio: “Your mind is tossing on the ocean,\ There where your argosies with portly sail …”I, 1, 8-9), welche unter anderem zu typischen Themen der Komödie gehören, da sie alltäglich und “weltlich” sind. Diese Art eines Gespräches im Sinne eines „small talks“ unter Freunden ist ein komisches Element, da der Zuschauer unbekümmert zuhören und zusehen kann ohne, dass bei ihm irgendein bedrückendes Gefühl entsteht. Der „small talk“ stellt eine leichte Unterhaltung für den Zuschauer dar, was ja auch ein Ziel der Komödie ist und besitzt die komische Form eines Frage-und-Antwort-Spiels. Ihre nachfolgende Verabschiedung enthält auch eine gewisse Komik. Mit Solerio’s Satz: “Here comes Bassanio your most noble kinsman,\ Gratiano, and Lorenzo. Fare ye well,\ We leave you now with better company.” (I, 1, 57-58), soll ein Spaß sein und Salerio’s Satz: “I would have stay’d till I had made you merry,\ If worthier friends had not prevented me.“(I, 1, 60-61), ist nur eine spaßige Ausrede dafür, dass die beiden gehen und sich nicht weiter Antonio’s Jammern anhören wollen. Ebenfalls komisch sind die erfolglosen Aufheiterungsversuche von Gratiano, der scheinbar nur unsinnige Sätze von sich gibt. (Bsp.: “Why should a man whose blood is warm within,\ Sit like his grandsire, cut in alabaster? ...“ I, 1, 83-84) Er ist der Spaßmacher der Szene und verhält sich wie ein Clown. (“Let me play the fool,\ With mirth and laughter let old wrinkles come, ...“ I, 1, 79-80) Sein Geschwätz wird von Bassanio ebenfalls auf komische Weise kommentiert: ”Gratiano speaks an invinite deal of nothing, more than any man in all Venice, his reasons are as two grains of wheat hid in two bushels of chaff: you shall seek all day ere you find them, and when you have them, they are not worth the search.” ( I, 1, 114-118) Bassanio spricht diese Sätze in Prosa und nicht in Versform, wie ansonsten alle anderen sprechen, eingenommen er selbst. Prosa ist die charakteristische Sprechform für eine Komödie und für witzvolle Bemerkungen, wie die von Bassanio über Gratiano. Antonio und Bassanio beginnen eine Konversation über eine Dame, in die sich Bassanio verliebt hat und für sich gewinnen möchte. (“In Belmont is a lady richly left,\ And she is fair, and, fairer than that word,\ Of wondrous virtues, …” I, 1, 161-163). Deshalb fragt er Antonio zum, wiederholte male, ob dieser ihm Geld borgen kann, damit er nicht mit leeren Händen vor ihr steht. Ein weiteres typisches Thema der Komödie wird dabei aufgegriffen, nämlich das Thema der Liebe und der Werbung um eine Angebetete, im Sinne eines Wettkampfes. (Bassanio: “... O my Antonio, had I but the means\ To hold a rival place with one of them, ...“ I, 1, 173-174) Das Thema Liebe war für die Bevölkerung Englands zur Shakespearezeit -die Elisabethaner- deshalb amüsant, weil sie ein besonders scharfes Auge für die komischen Aspekte des Verliebtseins hatten, nämlich für die Art und Weise, auf die Verliebte aus dem Rahmen der häuslichen und gesellschaftlichen Normalität fallen. Die elisabethanische Sichtweise betont vor allem bei der Werbung die spielerischen, komischen Aspekte. Das Thema Geld und die Themen Freundschaft und im weiteren Sinne Gefühle und Schwächen zeigen sind ebenfalls charakteristisch für eine Komödie, da es gewöhnliche, alltägliche Themen sind, mit denen sich jeder fast täglich auseinandersetzt. Der Schauplatz dieser ersten Szene ist die Handelsstadt Venedig, und damit als städtischer Schauplatz für eine Komödie charakteristisch. Die handelnden Figuren in dieser Szene sind mittelständisch, wenn auch aus dem gehobenen Mittelstand.

Die zweite Szene des ersten Aktes spielt sich in Belmont ab und besteht aus einem Dialog zwischen der reichen Erbin Portia, um deren Gunst Bassanio werben möchte, und deren Zofe Nerissa. Portia äußert Nerissa gegenüber ihren Unmut über die testamentliche Bestimmung ihres Vaters, laut deren sie nur denjenigen heiraten darf, bzw. heiraten muss, der unter drei Kästchen aus Gold, Silber und Blei jenes wählt, welches ihr Foto beinhaltet. (Portia: “I may neither choose who I would, nor refuse who I dislike, so is the will of a living daughter curb’d by the will of a dead father: ...“ I, 2, 22-24) Dabei ist sie schon längst heimlich in jemand bestimmten verliebt. ( “I remember him well, and I remember him worthy of thy praise.” I, 2, 114-115) Das Thema der Kästchenwahl, welches man auch salopp als Brautlotterie bezeichnen kann ist dem Grundtyp nach eine Märchengeschichte und somit ein komisches Element, typisch für die romantische Komödie. Auf die ablehnenden Aussagen Portias reagiert Nerissa mit moralisierenden, weisen Sätzen. (“Your father was ever virtuous, and holy men at their death have good inspirations, - therefore the lott’ry that he hath devised in these three chests of gold, silver, and lead, whereof who chooses his meaning chooses you, will no doubt never be chosen by any rightly, but one who shall rightly love.” I, 2, 26-31) Portia reagiert leicht spöttisch auf Nerissa’s „Moralpredigt” und hält ihre eigene Moral auf witzige Art und Weise dagegen. (“If to do were as easy as to know what were good to do, chapels had been churches, and poor men’s cottages princes’ palaces, …” I, 2, 12- 14) Die beiden kommen auch auf die bisherigen Bewerber um ihre Hand zu sprechen. Dabei spricht Portia enorm spöttisch über jeden einzelnen von ihnen. (Bsp.: “God made him, and therefore let him pass for a man, ... ... if a throstle sing, he falls straight a-cap’ring, he will fence with his own shadow.” I, 2, 53-54, 57-58) Sie zieht dabei lustige Vergleiche und hat damit mit Sicherheit die elisabethanischen Zuschauer zum Lachen gebracht. Sie macht dabei auch Witze über die Herkunft der Herren und damit über ihre Rasse. Diese Art von Witz war zu Shakespeare’s Zeit ein beliebter Kunstgriff der Komödie, da solche Witze vom elisabethanischen Publikum als sehr lustig und unverwerflich empfunden wurden. Besonders, wenn sie das Publikum selbst betrafen, wie es bei dem jungen englischen Baron der Fall ist. (“... he is a proper man’s picture, but alas! Who can converse with a dumb-show? How oddly he is suited! …” I, 2, 67-69) Und noch mehr wurde gelacht, wenn der Witz den nächsten Nachbarn betraf, in diesem Falle den schottischen Herrn. (“... he hath a neighbourly charity in him, for he borrowed a box of the ear of the Englishman, and swore he would pay him again when he was able: I think the Frenchman became his surety, and seal’d under for another.” I, 2, 75-78) In der heutigen Zeit werden Witze über fremde Rassen jedoch kritisch betrachtet. Portia’s und Nerissa’s Humor erscheint jedoch unschuldig, da sie sich nicht über die menschlichen Laster, sondern über die Torheiten der Bewerber lustig machen und weil keiner unter ihrem Spott leiden muss, weil die betroffenen abwesend sind. Da alle bisherigen Anwärter das falsche Kästchen gewählt haben, kann man aber durchaus davon ausgehen, dass sie nicht sehr schlau sind und daraus ergibt sich ein weiteres komisches Element, nämlich, dass Belmont , überspitzt formuliert, zum „Versammlungsplatz internationaler Torheit“[2] wird, da die Anwärtermenge sehr hoch ist. Der gesamte Dialog wird in Prosa-Form gehalten, wodurch ebenfalls der komische, humorvolle Inhalt betont wird. Die bisher genannten Charaktere werden nicht in ihrer individuellen Art vorgestellt, sondern eher typisiert. Dies ist eine Konvention der Komödie, bei der der Situation, d.h. den Umständen die primäre Bedeutung zukommt, nicht dem Individuum. Die Wirkung dessen ist eine generelle Veranschaulichung von Allgemeinheiten und Weisheiten, im Sinne eines angestrebten Lerneffektes.

[...]


[1] Shakespeare, William, The Merchant of Venice

[2] Suerbaum, Ulrich, Der Shakespeare Führer,S.103

[3] Lyon, John, The Merchant of Venice-Twayne’s New Critical Introductions to Shakespeare, S . 40

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Tragik und Komik in Shakespeare's 'The Merchant of Venice'
Hochschule
Universität Trier
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
23
Katalognummer
V55839
ISBN (eBook)
9783638506922
ISBN (Buch)
9783638684811
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tragik, Komik, Shakespeare, Merchant, Venice
Arbeit zitieren
Miriam Weinmann (Autor), 2002, Tragik und Komik in Shakespeare's 'The Merchant of Venice', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55839

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