In den frühen Jahren seines Bestehens wurde Shakespeare's "The Merchant of Venice" der literarischen Gattung der Komödie zugeordnet. Diese Zuordnung wurde im Laufe der Epochen bis zur heutigen Zeit immer wieder umstritten.
Die vorliegende Arbeit beleuchtet die Gründe für die Schwierigkeit einer eindeutigen Zuordnung des Dramas zu einer der literarischen Gattungen und unternimmt im Anschluss an eine systematische Untersuchung tragischer und komischer Elemente des Stückes den Versuch, eine angemessene Gattungsbezeichnung zu finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Definition: Komödie
2.2 Komische Elemente in The Merchant of Venice
2.3 Definition: Tragödie
2.4 Tragische Elemente in The Merchant of Venice
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das Drama "The Merchant of Venice" von William Shakespeare im Hinblick auf seine Gattungsambivalenz zwischen Tragik und Komik, wobei sie die gattungsspezifischen Elemente vor dem Hintergrund elisabethanischer Konventionen sowie moderner Interpretationsansätze analysiert.
- Gattungsdefinitionen von Komödie und Tragödie nach aristotelischem und elisabethanischem Verständnis.
- Analyse komischer Elemente und Figurentypen in Shakespeares Stück.
- Untersuchung tragischer Aspekte, insbesondere in Bezug auf die Figuren Antonio und Shylock.
- Wandel der Rezeption von Shylocks Rolle im historischen Kontext.
- Evaluation einer gattungsübergreifenden Einordnung als Tragikomödie.
Auszug aus dem Buch
2.2 Komische Elemente in The Merchant of Venice
Mit Blick auf die vorhergehenden Konventionen der Komödie wird jetzt Shakeapeare’s Drama The Merchant of Venice genauer betrachtet und gezielt nach Komik untersucht. Das Drama weist vielfach komische Elemente auf, welche nun aufgezeigt und analysiert werden. Dabei wird in der Reihenfolge der Akte und Szenen des Stückes vorgegangen.
Der erste Akt beginnt mit einem Gespräch zwischen Antonio, Salerio und Solanio. Sie unterhalten sich über Gefühle, (z.B. Antonio: “In sooth I know not why I am so sad,\ It wearies me, you say it wearies you; ...“I, 1, 1-2) und Geschäfte, (z.B. Salerio: “Your mind is tossing on the ocean,\ There where your argosies with portly sail …”I, 1, 8-9), welche unter anderem zu typischen Themen der Komödie gehören, da sie alltäglich und “weltlich” sind. Diese Art eines Gespräches im Sinne eines „small talks“ unter Freunden ist ein komisches Element, da der Zuschauer unbekümmert zuhören und zusehen kann ohne, dass bei ihm irgendein bedrückendes Gefühl entsteht. Der „small talk“ stellt eine leichte Unterhaltung für den Zuschauer dar, was ja auch ein Ziel der Komödie ist und besitzt die komische Form eines Frage-und-Antwort-Spiels. Ihre nachfolgende Verabschiedung enthält auch eine gewisse Komik. Mit Solerio’s Satz: “Here comes Bassanio your most noble kinsman,\ Gratiano, and Lorenzo. Fare ye well,\ We leave you now with better company.” (I, 1, 57-58), soll ein Spaß sein und Salerio’s Satz: “I would have stay’d till I had made you merry,\ If worthier friends had not prevented me.“(I, 1, 60-61), ist nur eine spaßige Ausrede dafür, dass die beiden gehen und sich nicht weiter Antonio’s Jammern anhören wollen. Ebenfalls komisch sind die erfolglosen Aufheiterungsversuche von Gratiano, der scheinbar nur unsinnige Sätze von sich gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Gattungszuordnung von Shakespeares "The Merchant of Venice" ein und umreißt die Untersuchungsmethode hinsichtlich der Komik und Tragik.
2. Hauptteil: Der Hauptteil definiert die Gattungen Komödie und Tragödie und analysiert entsprechende Elemente, Figurenkonstellationen und den Einfluss historischer Rezeptionsweisen auf das Stück.
2.1 Definition: Komödie: Dieses Kapitel erläutert die gattungsspezifischen Merkmale der Komödie, wie den Fokus auf Alltägliches, typisierte Figuren und ein versöhnliches, oft heiteres Ende.
2.2 Komische Elemente in The Merchant of Venice: Hier werden spezifische Szenen, Sprachstile und Figuren wie der Clown Launcelot analysiert, um die komischen Aspekte innerhalb des Dramas aufzuzeigen.
2.3 Definition: Tragödie: Das Kapitel bietet eine theoretische Grundlage zur Tragödie, basierend auf Aristoteles, und erläutert den Handlungsverlauf vom Glück ins Unglück sowie das Erregen von Mitleid und Furcht.
2.4 Tragische Elemente in The Merchant of Venice: Hier wird die Tragik anhand der Figuren Antonio und Shylock untersucht, wobei insbesondere die historische Wandlung der Wahrnehmung Shylocks beleuchtet wird.
3. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und schlägt eine Einordnung des Dramas als "romantische Tragikomödie" vor.
Schlüsselwörter
William Shakespeare, The Merchant of Venice, Komödie, Tragödie, Gattungszuordnung, Tragikomödie, Shylock, Antonio, Elisabethanisches Theater, Dramenstruktur, Komik, Tragik, Literaturwissenschaft, Gattungssystem, Rezeptionsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Drama "The Merchant of Venice" von William Shakespeare im Hinblick auf seine widersprüchliche gattungsspezifische Einordnung zwischen den Polen Komik und Tragik.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Definitionen von Komödie und Tragödie, die Analyse dramatischer Elemente im Textverlauf sowie der Einfluss von historischen Epochen auf die Interpretation der Figuren.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum das Stück schwer einer einzelnen Gattung zuzuordnen ist und zu begründen, warum eine Bezeichnung als "Tragikomödie" die komplexe Struktur am besten erfasst.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Gattungstheorien mit einer textnahen Untersuchung von Szenen und Figuren sowie einer historisch-rezeptiven Perspektive verknüpft.
Was bildet den Inhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil ist in Definitionen und Analysen gegliedert, wobei zunächst die theoretischen Gattungskonventionen geklärt und anschließend durch eine detaillierte Auswertung der Akte und Szenen auf das Werk angewendet werden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind Gattungsambivalenz, elisabethanisches Theater, Shylock, Antonio, romantische Komödie und Tragikomödie.
Wie verändert sich die Wahrnehmung der Figur Shylock im Laufe der Zeit?
Während Shylock zu Zeiten Shakespeares vorwiegend als komische Schurkenfigur wahrgenommen wurde, hat sich durch historische Ereignisse, insbesondere nach 1945, die Sichtweise hin zu einer tragischen, unterdrückten Figur gewandelt.
Warum wird Antonio als eine tragische Figur eingestuft?
Antonio wird als tragisch eingestuft, da er durch seine Melancholie, seine Selbstlosigkeit und seine lebensbedrohliche Situation in der Gerichtsszene Mitleid und Furcht beim Zuschauer weckt.
Welche Funktion hat die Figur Launcelot innerhalb der komischen Struktur?
Launcelot fungiert als klassischer Spaßmacher, der durch absurde Monologe, Wortspiele und humorvolle Verstrickungen die Stimmung im Drama auflockert und so das tragische Potential ausgleicht.
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- Miriam Weinmann (Author), 2002, Tragik und Komik in Shakespeare's 'The Merchant of Venice', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55839