Der Risikostrukturausgleich dient als finanzieller Ausgleichsmechanismus in sozialen Krankenversicherungssystemen zwischen den Krankenkassen. Um die Risikoselektion der Krankenkassen zu mindern, bezahlen die Kassen mit einer guten Risikostruktur ihrer Versicherten Ausgleichszahlungen an Versicherer mit schlechterer Risikostruktur.
Diese Arbeit dient als Überblick für den Weg zum Risikostrukturausgleich sowie über die gesamten Inhalte des Risikostrukturausgleiches, wobei auch auf seine Reformierung ausführlich eingegangen wird. Dabei werden auch die Disease-Management-Programme und der Risikopool beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wettbewerb contra Solidarität
2.1 Geschichtliche Entwicklung
2.2 Probleme der gegensätzlichen Ziele
2.3 Risikobegriffe
2.3.1 Risiko
2.3.2 Versicherungsrisiko der gesetzlichen KV
2.3.3 Risikostruktur
2.4 Wichtige Reformgesetze
2.4.1 Gesundheitsreformgesetz 1988
2.4.2 Gesundheitsstrukturgesetz 1992
3 Risikostrukturausgleich 1994
3.1 Bedeutung des Risikostrukturausgleichs
3.2 Die Ausgestaltung des Risikostrukturausgleichs
3.2.1 Die Inhalte
3.2.2 Die Technik des Risikostrukturausgleichs
3.3 Die Auswirkungen des Risikostrukturausgleichs
3.4 Unzulänglichkeiten des Risikostrukturausgleichs bis zu seiner Reform
4 Reform des Risikostrukturausgleiches 2001
4.1 Die Reform
4.2 Disease – Management – Programme 2002
4.3 Einrichtung eines Risikopools 2002
4.4 Morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich 2007
4.5 Bewertung
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert den Risikostrukturausgleich (RSA) innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von seiner Entstehung bis zur Reform 2001, um dessen Funktion, Bedeutung und Wirkungsweise im Spannungsfeld zwischen Wettbewerb und Solidaritätsprinzip darzustellen.
- Historische Entwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung und ihrer Reformbemühungen
- Theoretische Grundlagen des Versicherungsrisikos und der Risikostruktur
- Funktionsweise und Technik des Risikostrukturausgleichs (RSA)
- Auswirkungen der RSA-Transferzahlungen auf die Kassenlandschaft
- Analyse von Problemen wie Risikoselektion und Datenunsicherheit
- Die Reform des RSA: Disease-Management-Programme und morbiditätsorientierter Ausgleich
Auszug aus dem Buch
3.1 Bedeutung des Risikostrukturausgleichs
Der RSA wurde im Rahmen des Gesetzes zur Sicherung und Strukturverbesserung der GKV (Gesundheitsstrukturgesetz, GSG) vom 21. Dezember 1992 eingeführt. Aufgabe des GSG war es, die finanzielle Grundlage der GVK zu sichern und Beitragssatzstabilität zu erreichen. Der RSA diente dem Erhalt der Solidarität bei der Einführung der Kassenwahlfreiheit der GKV. Die Kassenwahlfreiheit für die Versicherten war ein entscheidender Schritt für mehr Wettbewerb im System der GKV und mehr Chancengleichheit der Versicherten. Vor Einführung des GSG existierte ein System von Zuweisungsklassen, zu denen alle Krankenkassen außer den Ersatzkassen gehörten. Viele Versicherte hatten nicht das Recht, von der für sie zuständigen Pflichtkasse in eine beitragsgünstigere Kasse zu wechseln.
Bei den Zuweisungskassen waren die Ortskrankenkassen für die Versicherungspflichtigen verantwortlich, für die keine andere Kasse zuständig war. Die Betriebs- und Innungskrankenkassen, die landwirtschaftlichen Krankenkassen, die Bundesknappschaft und die See-Krankenkasse waren für gesetzlich genau umschriebene Versichertenkreise zuständig, wobei insbesondere Versicherte der See-Krankenkassen, der Bundesknappschaft und der landwirtschaftlichen Krankenkassen kein Kassenwahlrecht hatten. Die Zuständigkeit der Ersatzkassen ergab sich aus ihren Satzungen und umfasste z. T. Arbeiter und z. T. Angestellte.
Dem Gesetzgeber ging es unter anderem darum, die unverändert bestehenden Wirtschaftlichkeits- und Finanzierungsprobleme der GKV zu beheben und zwar nicht, wie in vorherigen Gesetzen, durch Kurieren der Symptome, sondern durch Bekämpfung der Ursachen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entwicklung des solidarischen Wettbewerbs zwischen Krankenkassen und führt in die Notwendigkeit sowie die Zielsetzung des Risikostrukturausgleichs ein.
2 Wettbewerb contra Solidarität: Dieses Kapitel erörtert die historische Entwicklung der GKV ab 1945 und den Zielkonflikt zwischen Solidaritätsprinzip und Wettbewerbselementen sowie die grundlegenden Risikobegriffe.
3 Risikostrukturausgleich 1994: Das Kapitel detailliert die Einführung, die technische Ausgestaltung des Transfervolumens und die Auswirkungen des RSA sowie dessen Unzulänglichkeiten bis zur Reform.
4 Reform des Risikostrukturausgleiches 2001: Hier werden die Reformmaßnahmen, wie die Einführung von Disease-Management-Programmen und die Einrichtung eines Risikopools sowie der Ausblick auf den morbiditätsorientierten RSA, behandelt.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel resümiert die Funktionsweise und Problematik des RSA und bewertet die Auswirkungen der getroffenen gesetzlichen Rahmenbedingungen auf die GKV.
Schlüsselwörter
Gesetzliche Krankenversicherung, GKV, Risikostrukturausgleich, RSA, Wettbewerb, Solidaritätsprinzip, Risikoselektion, Gesundheitsstrukturgesetz, Risikopool, Disease-Management-Programme, Morbiditätsorientierung, Krankenkassen, Leistungsfähigkeit, Beitragsatzstabilität, Finanzkraft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des Risikostrukturausgleichs in der gesetzlichen Krankenversicherung, insbesondere dessen Funktion zur Umverteilung von Finanzmitteln zwischen Krankenkassen, um Wettbewerbsverzerrungen entgegenzuwirken.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen das Spannungsfeld zwischen Wettbewerb und Solidarität, die historische Entwicklung der GKV-Gesetzgebung, die Funktionsweise des Risikostrukturausgleichs und die Reformschritte, einschließlich DMP und Risikopools.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Risikostrukturausgleich von seiner Entstehung bis zur Reform 2001 in seiner Funktion und Bedeutung darzustellen und zu bewerten, ob das Modell den Wettbewerb und die Versorgung effektiv fördert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Analyse von Fachliteratur, Gesetzesgrundlagen und Reformen des Gesundheitswesens zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Wirkungsweise von Transfersystemen in der Krankenversicherung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Risikobegriffe, die detaillierte Beschreibung der RSA-Technik sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen auf Kassenarten und die Problematik der Risikoselektion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie GKV, Risikostrukturausgleich, Wettbewerb, Solidaritätsprinzip, Risikoselektion, Morbiditätsorientierung und Disease-Management-Programme geprägt.
Welche Rolle spielt die AOK bei der Bewertung des RSA?
Die AOK wird als Hauptempfänger des RSA identifiziert, wobei insbesondere die AOK Ost durch ihre frühe Vorreiterrolle bei der Einschreibung in Disease-Management-Programme hervorgehoben wird.
Warum war der Risikopool 2002 notwendig?
Der Risikopool wurde eingeführt, um Defizite des ursprünglichen RSA abzumildern und die wettbewerbsverzerrenden Nachteile durch extrem hohe Kosten bei Einzelfällen (Hochkostenfälle) zu reduzieren.
- Quote paper
- Andreas Niejahr (Author), A. Kopsch (Author), A. Noculak (Author), 2006, Management von Leistungsausgaben. Der Risikostrukturausgleich und die Steuerung der Risikostruktur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56293