In der vorliegenden Hausarbeit wird der Zusammenhang zwischen dem Bezug von Sozialhilfe und der Erwerbsneigung diskutiert. Einführend wird hierzu die Sozialhilfe skizziert und erläutert. Im zweiten Schritt soll die Wirkung der Sozialhilfe auf das Arbeitsangebotsverhalten von Arbeitnehmern untersucht werden, um die Frage, wie sich die Sozialhilfe auf die Erwerbsneigung von arbeitslosen Erwerbspersonen auswirkt, zu untersuchen. Im letzten Schritt sollen die Ergebnisse der kritischen Auseinandersetzung mit der Institution der Sozialhilfe auf alternative Auswege hin mit Blick auf die Niederlande untersucht werden.
Die Fragestellung soll unter der These, daß eine eventuell geringere Erwerbsneigung von Sozialhilfebeziehern nicht in der "Arbeitsunlust", d.h. in der fehlenden Motivation der arbeitslosen Erwerbspersonen zur Arbeit, liegt, sondern auch durch die Struktur und den Aufbau der Sozialhilfe selbst bedingt ist, bearbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Sozialhilfe und Erwerbsarbeit im Sozialstaat
2. Das System der sozialen Sicherung in Deutschland- Zur Einordnung der Sozialhilfe
3. Die Sozialhilfe als eine Institution der sozialen Sicherungssysteme
3.1 Grundlagen der Sozialhilfe
3.2 Die Bestimmungen des BSHG – Mittel und Bedingungen der Sozialhilfe
3.3 Die Leistungen der Sozialhilfe nach dem BSHG
3.3.1 Hilfe zum Lebensunterhalt
3.3.2 Hilfe in besonderen Lebenslagen
4. Das neoliberale Arbeitsmarktmodell
4.1 Zentrale Annahmen des neoliberale Arbeitsmarktmodells
4.2 Der Zusammenhang zwischen Erwerbsarbeit und Lohnniveau
4.3 Die Auswirkungen der Sozialhilfe auf das Arbeitsangebot
4.4 Die Mittel des Sozialamtes zur Integration in den Arbeitsmarkt
5. Das Niederländische System der Sozialhilfe
5.1 Niederländische versus deutsche Sozialhilfe
5.2 Grundlagen der Berechnung von Sozialleistungen
5.3 Steuerungsinstrumente zur (Re-)Integration in den Arbeitsmarkt
5.4 Ehrenamtliche Mitarbeiter „BMWer“
5.5 Zumutbarkeitsregelungen
5.6 Das niederländische Prämiensystem
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Sozialhilfe und Erwerbsarbeit, um zu prüfen, ob die unterstellte mangelnde Erwerbsneigung von Sozialhilfebeziehern tatsächlich auf individueller Arbeitsunlust beruht oder strukturell durch das Sozialhilfesystem selbst bedingt ist.
- Strukturanalyse des deutschen Sozialhilfesystems (BSHG)
- Theoretische Fundierung mittels des neoliberalen Arbeitsmarktmodells
- Untersuchung der Auswirkungen von Transferleistungen auf das Arbeitsangebot
- Vergleichende Analyse des niederländischen Sozialhilfesystems
- Diskussion von Reformansätzen zur Arbeitsmarktintegration
Auszug aus dem Buch
4.1 Zentrale Annahmen des neoliberale Arbeitsmarktmodells
Die neoliberale Theorie unterliegt einigen Grundbedingungen, welche erfüllt sein müssen, damit das Modell wie angenommen funktioniert. Für die Auseinandersetzung mit der Arbeitsmarkttheorie sind fünf Grundannahmen relevant :
a) es herrscht auf dem Markt vollkommene Konkurrenz in allen Bereichen,
b) alle Anbieter von Arbeit sind homogen (auf einem speziellen Arbeitsmarkt),
c) jeder Marktteilnehmer ist jederzeit vollkommen informiert,
d) die Arbeitnehmer (Arbeitsanbieter) sind vollkommen flexibel und mobil sowie
e) die Unternehmen auf dem Markt können jederzeit ihre gesamte Produktion gewinnmaximal absetzen.
Zusammenfassend beschreibt das Modell den idealen Arbeitnehmer als „homo oeconomicus“, welcher einkommensmaximierend handelt, vollkommen informiert sowie mobil und flexibel ist. Alle Arbeitnehmer sind homogen und daher untereinander frei substituierbar. Die Arbeitskraft ist ein Gut wie jedes andere auf dem Markt und unterliegt somit den Marktgesetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Sozialhilfe und Erwerbsarbeit im Sozialstaat: Einleitung in die Thematik der Vorurteile gegenüber Sozialhilfeempfängern und Formulierung der zentralen Forschungsfrage.
2. Das System der sozialen Sicherung in Deutschland- Zur Einordnung der Sozialhilfe: Einordnung der Sozialhilfe in das System der sozialen Marktwirtschaft und Abgrenzung zu anderen Sicherungssystemen.
3. Die Sozialhilfe als eine Institution der sozialen Sicherungssysteme: Darstellung der rechtlichen Grundlagen des BSHG, der verschiedenen Hilfearten und der Zielsetzung der Hilfe zur Selbsthilfe.
4. Das neoliberale Arbeitsmarktmodell: Theoretische Untersuchung der Arbeitsmarktdynamiken und Analyse der Auswirkungen von Mindesteinkommen auf das Arbeitsangebot.
5. Das Niederländische System der Sozialhilfe: Vergleichende Analyse der niederländischen Sozialgesetzgebung mit Fokus auf Integrationsinstrumente und Anreizsysteme.
6. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Bewertung der Übertragbarkeit niederländischer Ansätze auf das deutsche System.
Schlüsselwörter
Sozialhilfe, BSHG, Arbeitsmarkt, Erwerbsneigung, Sozialstaat, neoliberale Theorie, Arbeitsangebot, Integration, Transferleistungen, Armut, Arbeitslosigkeit, Niederlande, Mindestlohn, Sozialpolitik, Selbsthilfe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das Vorurteil, dass Sozialhilfeempfänger grundsätzlich arbeitsunwillig seien, und untersucht, ob stattdessen strukturelle Ursachen im Sozialhilfegesetz für eine geringere Erwerbsneigung verantwortlich sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Struktur der Sozialhilfe in Deutschland, die Arbeitsmarkttheorie im neoliberalen Kontext und ein internationaler Vergleich mit den Lösungsansätzen des niederländischen Sozialhilfesystems.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Verifizierung oder Falsifizierung der These, dass eine eventuell geringere Erwerbsneigung von Sozialhilfebeziehern durch den Aufbau der Sozialhilfe bedingt ist, anstatt durch eine fehlende Motivation der Betroffenen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse auf Basis arbeitsmarkttheoretischer Modelle durchgeführt, ergänzt durch einen rechtsvergleichenden Ansatz zwischen Deutschland und den Niederlanden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Armut, den spezifischen Bestimmungen des Bundessozialhilfegesetzes (BSHG), der mikroökonomischen Betrachtung von Arbeitsangebot und -nachfrage sowie der Evaluation niederländischer Steuerungsinstrumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialhilfe, BSHG, Arbeitsmarktintegration, Erwerbsneigung, Sozialstaat, neoliberale Markttheorie und Prämiensystem.
Welche Rolle spielen die sogenannten "BMWer" im niederländischen System?
Es handelt sich um ehrenamtlich tätige Gesellschaftsarbeiter, die Gespräche mit Antragstellern führen, um einen Missbrauch von Sozialleistungen zu vermeiden und den Hilfebedarf sowie die Arbeitsfähigkeit festzustellen.
Wie unterscheidet sich die Berechnungsgrundlage der Sozialhilfe zwischen Deutschland und den Niederlanden?
Während in Deutschland die Leistungen auf Eckregelsätzen basieren, die sich am individuellen Bedarf orientieren, wird in den Niederlanden der staatliche Mindestlohn als Berechnungsgrundlage herangezogen.
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- Tobias Thauer (Autor), 2002, Erwerbsarbeit und Sozialhilfe, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5632