Das Ziel dieser Arbeit ist das Bankensystems der Russischen Föderation zu untersuchen und zu analysieren.
Der Brockhaus definiert Banken als „Unternehmen, die Bankgeschäfte betreiben, wenn der Umfang dieser Geschäfte einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert.“
Eine starke Industrienation braucht starke Banken. Die Banken sind die Adern der Geldwirtschaft, die alle ihre Glieder verbinden und mit Geldmitteln versorgen. Kapital ist - neben den Köpfen - der wichtigste Rohstoff der modernen Wirtschaft, und es sind die Banken, die diesen Rohstoff dorthin lenken, wo er benötigt wird: zu den Unternehmen. Sie stellen den Zahlungsverkehr und damit die Arbeitsteilung und den Ablauf der Wirtschaftsprozesse sicher. Ein funktionierendes Bankensystem ist unabdinglich für eine prosperierende Marktwirtschaft.
Die Entwicklung des Bankensystems in Russland verlief immer unstetig und schwierig. Zur Zarenzeit litten sie unter unausgereiften Gesetzen. In der Sowjetunion wurde ihre Rolle stark beschnitten und auf wenige administrative Funktionen begrenzt. Die Umstellung auf die Marktwirtschaft brachte die Notwendigkeit der Veränderung des Bankenwesens mit sich. Die Rolle der Banken wurde von der russischen Regierung lange Zeit unterschätzt. Allzu lange sahen viele, die wirklich Einfluss auf die russischen Banken hatten, sie nur in der Rolle als Financiers des Staates, als Instrument, um die ehemalige staatliche Großunternehmen finanziell am Leben zu erhalten, und auch als ein Mittel schnell reich zu werden. Der Missbrauch des Bankensystems und eine verfehlte Geld-und Finanzpolitik nach 1990 waren wesentliche Ursachen der Wirtschaftskrise in der Mitte der 90er und der Finanzkrise des Jahres 1998. Eine aktive Förderung der Banken und Schaffung von gesetzlichen Rahmenbedingungen für ein marktwirtschaftlich funktionierendes Bankensystem findet erst heutzutage statt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die Entwicklung des Bankensystems im historischen Überblick
a. Vom Geldverleih zum Online-Banking
b. Russische Banken vor 1917
c. Banken als Staatsorgane
II. Die Strukturreformen seit Ende der 80er Jahre
a. Liberalisierung des Bankensystems
b. Die Krise von 1998 (Ursachen und Auswirkungen auf die Banken)
III. Die heutige Struktur des Bankensystems, Kritik und Vorschläge der Weltbank
a. Gesetzeslage und Kontrollorgane
i. Die Rolle der Zentralbank
ii. Zahlungsverkehr
iii. ARCO – Agentur für Bankenrestrukturierung
b. Die Staatsbanken
i. Sberbank – der Goliath
ii. Regierungsbanken
c. Russische Privatbanken
i. Die Rolle im Wirtschaftsleben
ii. „Taschenbanken“
d. Ausländische Bankhäuser in Russland
i. Gesetzliche Beschränkungen
ii. KMB-Bank - erfolgreiches Projekt für den Mittelstand
IV. Perspektiven für die weitere Entwicklung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und analysiert die Entwicklung des Bankensystems der Russischen Föderation. Die Forschungsfrage konzentriert sich dabei auf den historischen Wandel, die strukturellen Reformen seit den 1980er Jahren sowie die Bewertung der heutigen Bankenlandschaft unter Berücksichtigung der Empfehlungen internationaler Institutionen wie der Weltbank.
- Historische Entwicklung russischer Banken von der Zarenzeit bis zur Sowjetunion.
- Analyse der Systemkrise von 1998 und deren Auswirkungen auf den Bankensektor.
- Struktur des heutigen russischen Bankensystems (Staatsbanken, Privatbanken, Auslandsbanken).
- Kritische Würdigung der Bankenaufsicht und rechtlicher Rahmenbedingungen.
- Perspektiven für zukünftige Entwicklungen, insbesondere im Bereich Einlagensicherung und Hypothekenmarkt.
Auszug aus dem Buch
a. Vom Geldverleih zum Online-Banking
Bereits aus dem alten Babylon werden Zeugnisse über reges Finanzleben überliefert. Die Geldverleiher des Hauses „Igibi“ kontrollierten das Geschäftsleben der Stadt. Sie gaben Kredite, nahmen Einlagen an und vertraten ihre Kunden bei Geldgeschäften jeglicher Art. [6]
Im antiken Griechenland waren Priester die ersten, die Einlagen der Bevölkerung annahmen. Bedingt durch aktive Handelstätigkeiten der griechischen Police, entwickelte sich ein diversifiziertes Finanzsystem. Aus der Zeit sind auch erste Gesetze über die Finanztätigkeit bekannt, in denen die Rechte und Pflichten der Gläubiger und Kreditoren aufgeführt waren.
Das alte Rom übernahm das griechische Finanzsystem. Aber das Geschäft wurde stärker reguliert. So waren die Geschäftsleute verpflichtet, genauestens Buch über alle getätigten Geschäfte zu führen, einmal in chronologischer Reihenfolge (adversarium) und parallel dazu im Hauptbuch (Codex rationum mensae). Im Hauptbuch hatte jeder Kunde eine eigene Seite, aufgeteilt in Kredit- (acceptum ferre) und Debitteil (expensum ferre). Beide Bücher mussten im Streitfall dem Gericht vorgelegt werden. [6] Damit entstand ein Vorläufer, der im Mittelalter in Venedig eingeführten doppelten Buchführung, die dann allgemeine Verbreitung erfuhr.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Die Entwicklung des Bankensystems im historischen Überblick: Beleuchtung der wechselvollen Geschichte russischer Banken bis hin zum Zusammenbruch der Sowjetunion.
II. Die Strukturreformen seit Ende der 80er Jahre: Untersuchung der ersten Reformschritte unter Gorbatschow und Jelzin sowie der Ursachen für das Scheitern, das in der Krise von 1998 gipfelte.
III. Die heutige Struktur des Bankensystems, Kritik und Vorschläge der Weltbank: Analyse der aktuellen Bankenlandschaft, der Gesetzgebung und der Rolle der Aufsichtsorgane basierend auf Berichten der Weltbank.
IV. Perspektiven für die weitere Entwicklung: Diskussion zukünftiger Entwicklungsmöglichkeiten unter Einbeziehung der Einlagensicherung sowie des Wachstums von Hypotheken- und Konsumentenkreditmärkten.
Schlüsselwörter
Russische Föderation, Bankensystem, Zentralbank, Sberbank, Transformationsökonomie, Finanzkrise 1998, Weltbank, Bankenaufsicht, Einlagensicherung, Privatisierung, Konsolidierung, Kreditwesen, Geldpolitik, Hypothekenmarkt, Taschenbanken.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung, den strukturellen Veränderungen und dem aktuellen Zustand des russischen Bankensystems vom historischen Rückblick bis zur Gegenwart.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen der historische Wandel, die Auswirkungen der 1998er Krise, die Rolle staatlicher versus privater Banken sowie die Modernisierung unter dem Einfluss der Weltbank.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine fundierte Analyse und Bewertung der russischen Bankenlandschaft sowie die Identifikation von Herausforderungen für deren zukünftige Stabilität.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literatur- und Dokumentenanalyse, insbesondere auf Berichte der Weltbank, russische Bankengesetze sowie Analysen verschiedener Finanzexperten.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Rolle der Zentralbank, das Geschäftsmodell von Staats- und Privatbanken sowie die Bedeutung ausländischer Institute detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Transformationsökonomie, Finanzkrise 1998, Zentralbank, Einlagensicherung und Bankenaufsicht charakterisiert.
Wie bewertet der Autor die Rolle der „Taschenbanken“?
Der Autor ordnet diese als undurchsichtige Institute ein, die primär ihre Muttergesellschaften bedienen und die Stabilität des Finanzsektors durch unsaubere Praktiken gefährden.
Welchen Einfluss hatte die „Sberbank“ auf das russische Bankensystem?
Die Sberbank wird als dominierender Akteur („der Goliath“) beschrieben, der aufgrund seiner Größe und staatlichen Rückendeckung eine zentrale, aber aus marktwirtschaftlicher Sicht teils kritisch zu betrachtende Rolle einnimmt.
- Citation du texte
- Magister Artium Stanislaw Sajdok (Auteur), 2005, Die Entwicklung des Bankensystems der Russischen Föderation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56410