Wird in dieser Arbeit von der New Economy gesprochen, so ist die jüngste Evolution der Wirtschaftsgeschichte gemeint. Vertreter dieser Neuen Ökonomie sind Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen basierend auf modernen Informations- und Kommunikationstechnologien. Die kommerzielle Nutzung des Internets gilt als Ursprung für diese neue Ära der Wirtschaftsgeschichte, weswegen sie häufig auch als Internet-Ökonomie bezeichnet wird. Den Gegenpart zur New Economy bilden Vertreter aus traditionellen Branchen des produzierenden und verarbeitenden Gewerbes, der Dienstleistungsbereiche und des Handels. Mit einer Spur Vermessenheit werden diese gern unter dem Begriff Old Economy subsumiert. Ziel der Arbeit ist es, Gründe für das Scheitern von zahlreichen Unternehmen aus dem neuen Wirtschaftssegment und das Überleben von einigen wenigen herauszuarbeiten und daraus Rückschlüsse zu ziehen. Der Einstieg erfolgt durch das Aufzeigen von charakteristischen Merkmalen der New Economy. Eine markante Besonderheit, der Bezug zur Börse, wird separat beleuchtet. Exemplarisch werden dann zwei Vertreter des Neuen Marktes, des inzwischen abgeschafften Börsensegmentes für Unternehmen der New Economy, untersucht. Übergreifende Gemeinsamkeiten und letztendlich erfolgsentscheidende Unterschiede werden im Anschluss an die Einzeluntersuchung hervorgehoben. Nach dem Widerlegen von verbreiteten Mythen der New Economy werden aktuelle Tendenzen beschrieben und ein Ausblick in die Zukunft gegeben. Überleben wirklich nur „the fittest“? Und: Wie ist „the fittest“ in diesem Zusammenhang überhaupt zu verstehen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Merkmale der New Economy
3. New Economy und Börse
4. Unternehmensanalyse
4.1 Gescheiterter Vertreter der New Economy: Brokat Infosystems AG
4.2 Überlebender Vertreter der New Economy: OnVista AG
4.3 Vergleichende Zusammenfassung
4.3.1 Gemeinsamkeiten
4.3.2 Erfolgsentscheidende Unterschiede
5. Entmythisierung der New Economy
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel der Arbeit ist es, die Gründe für das Scheitern zahlreicher Unternehmen der New Economy sowie die Erfolgsfaktoren der wenigen überlebenden Unternehmen herauszuarbeiten, um daraus fundierte Rückschlüsse für wirtschaftliches Handeln zu ziehen.
- Analyse der Merkmale und Entwicklungsstadien der New Economy (Hype Cycle)
- Untersuchung der Rolle der Börse als Kapitalversorger für Wachstumsunternehmen
- Vergleichende Unternehmensanalyse anhand von Brokat Infosystems AG und OnVista AG
- Kritische Auseinandersetzung mit verbreiteten Mythen der New Economy
- Diskussion über die zukünftige Entwicklung und Verschmelzung von Real und New Economy
Auszug aus dem Buch
4.1 Gescheiterter Vertreter der New Economy: Brokat Infosystems AG
Der Beginn der Geschichte Brokats gleicht der vieler New Economy Firmen: fünf Studenten träumen Anfang der 90er Jahre von der Selbstständigkeit. Im Jahr 1994 gründen sie in Böblingen die Brokat Informationssysteme GmbH. Das Gründungskapital beträgt mit 50.000 DM gerade soviel, wie gesetzlich vorgeschrieben ist. Mit der Software „Twister“ – einer e Service-Plattform für Banken und Finanzdienstleister – als Schlüsselprodukt gelingt es Brokat schnell, erste Kunden zu gewinnen und den Umsatz innerhalb von 2 Jahren auf eineinhalb Millionen Euro zu steigern. Finanziert mit Wagniskapital werden Niederlassungen in London, Singapur und Zürich eröffnet. Expansion und das Etablieren des Brokat-Hauptproduktes Twister als weltweiten Standard für E-Service-Lösungen stehen vor langsamem und solidem Wachstum an erster Stelle.
Nachdem im März bzw. April des Jahres 1998 die Umwandlung in eine AG vollzogen wurde, geht Brokat im September an die Börse – genauer gesagt an den Neuen Markt. Der Emissionspreis von 64 DM (32,72 EUR) pro Inhaber-Stammaktie brachte Eigenkapital von rund 40 Millionen DM ins Unternehmen. Beflügelt vom Hype um die New Economy und den Visionen des Vorstandes steigt der Aktienkurs im Jahr 1998 auf 132,94 EUR.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema New Economy ein, definiert den Begriff im Kontext der evolutionären Ökonomik und umreißt die Forschungsfrage nach den Ursachen für Erfolg und Scheitern.
2. Die Merkmale der New Economy: Hier werden die mikroökonomischen Bedingungen, die Rolle des Internets als Basistechnologie sowie der typische Hype Cycle bei technologischen Innovationen erläutert.
3. New Economy und Börse: Dieses Kapitel beleuchtet die besondere Abhängigkeit von New Economy-Unternehmen vom Kapitalmarkt und analysiert die Entwicklung des Neuen Marktes.
4. Unternehmensanalyse: Dieser Kernbereich vergleicht die Brokat Infosystems AG als gescheitertes Beispiel mit der OnVista AG als erfolgreich agierendem Unternehmen anhand von Strategie, Finanzen und Management.
5. Entmythisierung der New Economy: Hier werden sieben populäre Mythen der damaligen Zeit kritisch hinterfragt und als Fehleinschätzungen entlarvt, um den Blick für ökonomische Realitäten zu schärfen.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass kapitalistische Gesetzmäßigkeiten auch in der neuen Ökonomie gelten, und prognostiziert eine Verschmelzung von traditionellen Branchen mit modernen Internettechnologien.
Schlüsselwörter
New Economy, Börse, Neuer Markt, Unternehmensanalyse, Brokat Infosystems AG, OnVista AG, Wachstumsmarkt, Geschäftsmodell, Internet-Ökonomie, Hype Cycle, Wagniskapital, Kapitalmarkt, Insolvenz, Erfolg, Marktstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die unterschiedlichen Erfolgs- und Scheiternsursachen von Unternehmen der sogenannten New Economy zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Rolle der Börse bei der Finanzierung von Technologieunternehmen, die Bedeutung nachhaltiger Geschäftsmodelle und der Vergleich zwischen gescheiterten und erfolgreichen Marktteilnehmern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aus den Erfahrungen der New-Economy-Ära Rückschlüsse zu ziehen, warum manche Unternehmen langfristig überleben, während andere trotz hohem Wachstum insolvent gehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Unternehmensanalyse (Fallstudien), unterstützt durch die Auswertung von Bilanzkennzahlen sowie einer Literaturanalyse zum ökonomischen Kontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben theoretischen Grundlagen zur New Economy erfolgt eine detaillierte Fallstudienanalyse der Brokat Infosystems AG und der OnVista AG hinsichtlich GuV, Bilanzstruktur und Managemententscheidungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören New Economy, Neuer Markt, Internet-Ökonomie, Kapitalvernichtung, Geschäftsmodelle und Wettbewerbsvorteile.
Warum wird die Brokat Infosystems AG als Fallbeispiel gewählt?
Brokat dient als Negativbeispiel für ein Unternehmen, das durch Überinvestitionen in Akquisitionen, fehlende Kostenkontrolle und unrealistische Expansionsstrategien letztlich in die Insolvenz getrieben wurde.
Was unterscheidet OnVista als "Überlebenden" von gescheiterten Firmen?
OnVista zeichnete sich durch ein vorsichtiges, solides Wachstumsmanagement, eine ständige Anpassung der Geschäftsfelder an die Markterfordernisse und eine offene Kommunikation aus.
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- Sandra Lindemann (Author), 2005, Survival of the fittest. Eine Analyse der Ursachen von Überleben und Scheitern der Vertreter der New Economy, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56550