Das Automobil hat in der Stadtplanung des 20. Jahrhunderts eine entscheidende Rolle gespielt. Straßen nehmen einen bedeutenden Anteil innerstädtischer Flächen ein, sie beeinflussen so die Erscheinungsform und die Lebensqualität einer Stadt. Die Stadt Boston hat im Jahr 2004 die Bauarbeiten für das größte Straßenbauprojekt in der Geschichte der USA abgeschlossen. Eine Hochstraße, die in den 1950er Jahren rücksichtslos durch den Kern der Stadt gezogen wurde und dabei große innerstädtische Bereiche entwertet hat, wurde rund 40 Jahre später unter die Erde verlegt. Damit hat die Stadt einen zentralen Bereich zurückerobert und die Gelegenheit genutzt, Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Die vorliegende Arbeit behandelt die Entwicklung von dem Bau einer Straße in Hochlage durch das Herz der Stadt bis zu ihrer Verlegung in den Untergrund als ein Beispiel verkehrsgerechter Planung, welches im Zusammenhang mit Stadterneuerung steht.
Die Untersuchung beginnt zunächst mit einem historischen Abriss der Planungsgeschichte Bostons. Dann wird auf die Stadtentwicklungspolitik des 20 Jahrhunderts eingegangen, insbesondere auf die Stadterneuerungspolitik der 1950er und 1960er Jahren und die Entwicklung des Kraftfahrzeugverkehrs und dessen Einfluss auf die Stadtplanung. Anschließend erfolgt eine Beschreibung der Planung und des Baus der ersten Hochstraße und deren Konsequenzen für die Stadt. Darauf folgt eine Darstellung der politischen Einflüsse und Vorgänge, welche eine Finanzierung und Durchführung des Projektes zur Untertunnelung bewirkt haben. Einer kurzen Skizzierung des Gesamtprojektes und der damit verbundenen Ingenieursleistungen schließt sich eine Vertiefung auf den zentralen Bereich an. Die behandelten Themenfelder bilden die Grundlage für eine kritische Schlussbetrachtung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Lage und Planungsgeschichte der Stadt
2.1. Landgewinnung durch Aufschüttungen
3 Stadterneuerung in den 1950er und 1960er Jahren
4 Planung und Bau der ersten Central Artery
4.1. Folgen für die Stadt und ihre Bewohner
5 Planung und Finanzierung des Central Artery Tunnel Projektes
5.1. Projektmanagement
6 Der Bau des CA/T
6.1. Ted Williams Tunnel
6.2. Charles River Bridges
6.3. Central Artery Tunnel
6.4. Verbindung zur South Station und zum Ted Williams Tunnel
7 Rose Kennedy Greenway
7.1. Bulfinch Triangle
7.2. North End
7.3. Wharf District
7.4. 20th Century Downtown
7.5. Chinatown/ Leather District
8 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das „Central Artery“-Projekt in Boston als ein Beispiel für verkehrsgerechte Planung im Kontext der Stadterneuerung. Dabei wird analysiert, wie die Stadt den Wandel von einer durch Hochstraßen zerschnittenen autogerechten Stadt hin zu einer Revitalisierung durch Untertunnelung vollzog, um die Lebensqualität im Stadtkern wiederherzustellen.
- Historische Stadtentwicklung und Planungsgeschichte Bostons
- Stadterneuerungspolitik der 1950er und 1960er Jahre
- Planung, Finanzierung und technischer Bau des Central Artery Tunnel (CA/T)
- Strategien zur Flächenrückgewinnung durch den Rose Kennedy Greenway
- Kritische Reflexion über Kosten-Nutzen-Verhältnisse von Großprojekten
Auszug aus dem Buch
4 Planung und Bau der ersten Central Artery
1920 waren in den USA 9 Millionen Fahrzeuge registriert, 1930 waren es schon 25 Millionen. Die Zahl der Lastkraftwagen stieg in der gleichen Zeit von 1,1 Millionen auf 3,7 Millionen. Die Bedeutung der zunehmenden Motorisierung für wirtschaftlichen Aufschwung, Arbeitsplätze und die allgemeine Mobilität steht außer Frage. Umweltpolitischen Aspekten wurde noch keine Bedeutung beigemessen. Jedoch machte sich der zunehmende Kraftfahrzeugverkehr in Form von überfüllten Straßen, vor allem in Innenstädten störend bemerkbar.
In Boston hatte dies nicht nur eine Minderung der Lebensqualität zur Folge, sondern wirkte sich auch auf die Immobilienpreise aus. Eine Studie über die Verkehrssituation in Boston, die vom Staat Massachusetts in Auftrag gegeben wurde, sprach in Bezug auf die Verkehrsituation in der Innenstadt bereits 1925 von „intolerable conditions“, und das in einer Zeit, in der nur jeder fünfte Bürger ein Auto besaß.
Die Stadt erhob in den 30er Jahren die Bewältigung der Verkehrsprobleme zu einer Priorität. Damals standen noch wenig Mittel für den Bau von Straßen zur Verfügung. Der Staat Massachusetts investierte vorwiegend in Straßen in ländlichen Regionen. 1930 hatte die Landesregierung 10 Millionen Dollar in den Straßenbau von Massachusetts investiert, Boston wurde bei der Mittelverteilung jedoch völlig ignoriert. Die Stadt musste die Kosten für die Bewältigung der Verkehrsprobleme zunächst also überwiegend selbst tragen. Erstmals kam die Idee, eine Schneise durch die Innenstadt von Norden nach Süden zu schaffen, um Teile der Innenstadt für den Autoverkehr zugänglich zu machen und den Rest der Stadt zu entlasten. Die Pläne wurden sogar von der Stadt genehmigt, verschwanden dann aber aufgrund der fehlenden Mittel in der Wirtschaftskrise 1930 und dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges in der Schublade.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der autogerechten Stadtplanung und Vorstellung der Stadt Boston als Fallbeispiel.
2 Lage und Planungsgeschichte der Stadt: Überblick über die historische Entwicklung Bostons, geprägt durch Landgewinnung und private Initiativen.
3 Stadterneuerung in den 1950er und 1960er Jahren: Analyse der radikalen Abrisspolitik und des Leitbilds der autogerechten Stadt.
4 Planung und Bau der ersten Central Artery: Historische Entstehung der ursprünglichen Hochstraße und deren negative Auswirkungen auf die Stadtstruktur.
5 Planung und Finanzierung des Central Artery Tunnel Projektes: Untersuchung der politischen Entscheidungsprozesse und der Finanzierungsstrukturen des Untertunnelungsprojektes.
6 Der Bau des CA/T: Detaillierte technische Beschreibung der einzelnen Baumaßnahmen, inklusive Tunnel- und Brückenbauten.
7 Rose Kennedy Greenway: Vorstellung der städtebaulichen Nachnutzung der frei gewordenen Flächen durch Parks und kulturelle Einrichtungen.
8 Schlussbetrachtung: Kritische Würdigung des Projekts als Wendepunkt der Stadtplanung und Reflexion der Kosten im Vergleich zum gesellschaftlichen Nutzen.
Schlüsselwörter
Stadterneuerung, Boston, Central Artery, Tunnelbau, Verkehrsplanung, Autogerechte Stadt, Infrastruktur, Stadtentwicklung, Rose Kennedy Greenway, Urbanismus, Finanzierung, Großprojekt, Lebensqualität, Flächennutzung, Bürgerbeteiligung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die stadtplanerische Transformation Bostons, konkret den Übergang von der zerstörerischen autogerechten Planung der 1950er Jahre hin zum monumentalen Untertunnelungsprojekt „Central Artery“ (Big Dig).
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Planungsgeschichte, den Auswirkungen von Infrastruktur auf Stadtquartiere, der politischen Finanzierung von Großprojekten und der städtebaulichen Neugestaltung durch Grünflächen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Boston mit den Problemen des Automobilverkehrs umging und ob die Untertunnelung als erfolgreiches Beispiel für eine städtebauliche Fehlerkorrektur gewertet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Fallstudienarbeit, die historische Abriss- und Planungsprozesse analysiert, begleitet von einer kritischen Reflexion der bautechnischen und sozioökonomischen Ergebnisse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden chronologisch die Historie der Stadt, die Stadterneuerungspolitik des 20. Jahrhunderts, die Planung und der Bau der Hochstraße sowie das spätere CA/T-Projekt inklusive seiner technischen Herausforderungen diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Stadterneuerung, Central Artery, Verkehrsplanung, Infrastruktur, Flächenrückgewinnung und Lebensqualität.
Wie unterscheidet sich die Planungspraxis beim Bau der ersten Central Artery von späteren Projekten?
Während bei der ersten Hochstraße historisch gewachsene Viertel rücksichtslos enteignet und zerstört wurden, legte man bei der Untertunnelung (CA/T) einen stärkeren Fokus auf Bürgerbeteiligung und Schadensminimierung, wenn auch bei extrem hohen finanziellen Kosten.
Welche Rolle spielten die "Glasshäuser" im Projekt?
Die sogenannten "Garden Under Glass"-Gewächshäuser im Teilareal "20th Century Downtown" sollen als kulturelle Attraktion und Orientierungshilfe dienen, um den Besucher von der Stadthektik in die Wharf District Parks zu leiten.
Warum wird das Rathaus von Boston im Text kritisiert?
Das Rathaus wird aufgrund seiner Architektur als charakterloses Betongebäude beschrieben, das bei der Bevölkerung wenig beliebt ist und mittlerweile aufwendig saniert werden muss.
- Citar trabajo
- Bachelor of Science Sebastian Schlansky (Autor), 2006, Verkehrgerechte Planung in Verbindung mit Stadterneuerung am Beispiel des Central Artery Projektes der Stadt Boston, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56600