Diese Arbeit legt eine Analyse von Penke (1998) bezüglich der repräsentationalen Beeinträchtigung im Bereich syntaktischer Spuren im Agrammatismus dar. Dabei werden die in Abschnitt zwei erläuterten Hypothesen von Grodzinsky, Hickok et al. und Mauner et al. überprüft und beurteilt. Die Motivation dieser Studie liegt darin, die Ursache der Problematik der Kasusmarkierung agrammatischer Personen zu finden. Dies führt Penke letztlich Diskussion der kanonischen und nicht-kanonischen Wortstellung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Hintergründe
2.1 Hypothesen der Spurentilgung
3. Experiment
3.1 Methode, Probanden, Material, Ergebnisse
3.2 Kasusmarkierung an Objekten
4. Interpretation
5. Diskussion
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert die „Trace Deletion Hypothese“ von Penke (1998), um die Ursachen für Kasusmarkierungsprobleme bei agrammatischen Aphasikern zu identifizieren und die Validität gängiger Theorien zur Spurentilgung kritisch zu prüfen.
- Analyse der Spurentilgungshypothese nach Grodzinsky
- Untersuchung der Kasuszuweisung bei agrammatischer Sprachproduktion
- Experimentelle Überprüfung durch Eliziationsaufgaben und Spontansprachdaten
- Kritische Auseinandersetzung mit der Kongruenz von Subjekt und Verb
- Einfluss der kanonischen versus nicht-kanonischen Wortstellung
Auszug aus dem Buch
3.2 Kasusmarkierung an Objekten
Eine Rolle für die Auswertung bei dem Kärtchenexperiment spielt lediglich, dass das bewegte Objekt-wh-Element nicht-nominativisch markiert ist. Daher wird bei der Auswertung zwischen nicht-nominativisch und nominativisch unterschieden. Außerdem konnten nicht alle Antworten berücksichtigt werden, da eine Kasusmarkierung nicht immer eindeutig erschließbar war.
Insgesamt wurde allen berücksichtigten Objekt-wh-Elementen im Vorfeld ein Objektkasus und nicht der Nominativ zugwiesen. Dieses Ergebnis spricht eindeutig gegen die Theorie der Spurentilgung von Grodzinsky, denn es tritt nicht ein Fall auf, indem eine zweifache nominativische Kasuszuweisung erfolgt. Trotzdem ist eine Abweichung der Daten im Verlgeich zu denen der Kontrollgruppe erkennbar. In sechs Antworten von zwei der agrammatischen Versuchspersonen wurde das Objekt zwar richtig in das Vorfeld bewegt, jedoch in der VP-Position nicht getilgt, so dass das Objekt sichtbar in der Spur stand. Es kam zu Reaktionen wie „Wen hat sie jemanden gesehen?“ (Vp A). Demzufolge scheint das Problem der Aphasiker weniger in der Tilgung der Spuren zu liegen, sondern eher darin, dass das lexikalische Material in der Spur nicht getilgt werden kann und somit sichtbar bleibt. Außer die eben beschriebenen Antworten zeigten sich keine Beeinträchtigungen bei der Kasuszuweisung bewegter Objekte über deren Spuren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Untersuchung der syntaktischen Spurentilgung im Agrammatismus und stellt das Ziel der Prüfung verschiedener linguistischer Hypothesen dar.
2. Theoretische Hintergründe: Dieses Kapitel erläutert die Spurentilgungshypothese von Grodzinsky sowie weiterführende Ansätze von Hickok et al. und Mauner et al. zur Kasuszuweisung.
3. Experiment: Hier wird der methodische Aufbau der Studie, bestehend aus Eliziationsaufgaben und Spontansprachdaten, beschrieben und die Ergebnisse zur Kasusmarkierung an Objekten präsentiert.
4. Interpretation: Das Kapitel interpretiert die Ergebnisse, widerlegt die Theorie der Spurentilgung als Ursache für Agrammatismus und diskutiert die Bevorzugung der kanonischen Wortstellung.
5. Diskussion: Die Diskussion befasst sich mit weiterführenden Studien zu referentiellen und nicht-referentiellen wh-Fragen und der damit verbundenen Verarbeitungsaufwands-Problematik.
Schlüsselwörter
Agrammatismus, Spurentilgung, Kasusmarkierung, Default-Strategie, Referentialität, kanonische Wortstellung, Broca-Aphasie, Sprachproduktion, Sprachverständnis, Theta-Rollen, Syntax, Koindizierung, Satzperipherie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob die als „Trace Deletion Hypothesis“ bekannte Annahme, dass Agrammatiker aufgrund getilgter syntaktischer Spuren Schwierigkeiten bei der Kasusmarkierung haben, durch experimentelle Daten gestützt werden kann.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Themen sind die Kasuszuweisung bei bewegten Argumenten, die Rolle syntaktischer Spuren im Agrammatismus und die Bedeutung der Wortstellungspräferenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die kritische Evaluation der Theorie von Grodzinsky (1990) und vergleichbarer Ansätze, um zu klären, warum agrammatische Patienten Schwierigkeiten bei der korrekten Kasusmarkierung aufweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus der Analyse von Spontansprachdaten und einem Kärtchenexperiment zur Elizitation von wh-Fragen bei Broca-Aphasikern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung theoretischer Modelle, die detaillierte Beschreibung des Experiments mit elf Probanden sowie eine tiefgehende Interpretation der gewonnenen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie Agrammatismus, Spurentilgung, Kasusmarkierung und kanonische Wortstellung beschreiben.
Wie lautet die zentrale Schlussfolgerung zur Spurentilgungshypothese?
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass die Spurentilgungshypothese nicht haltbar ist, da in den Experimenten keine systematische Fehlzuweisung von Nominativkasus bei Objekten auftrat, die durch eine Spurentilgung zu erklären wäre.
Welche alternative Ursache für die Schwierigkeiten der Aphasiker wird angeführt?
Die Autorin argumentiert, dass Agrammatiker dazu tendieren, an der kanonischen Wortstellung (SVO) festzuhalten und die präverbale Konstituente vorrangig als Subjekt im Nominativ zu interpretieren.
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- Beate Bergmann (Author), 2006, Kritische Einwände zur Spurentilgungshypothese (Trace Deletion Hypothese), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56622