Das Denken in theoretischen Modellen als Leitidee der Wirtschaftswissenschaften


Seminararbeit, 1998
19 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 LITERATURVERZEICHNIS

2 VERZEICHNIS DER ABKÜRZUNGEN UND SYMBOLE

3 EINFÜHRUNG

4 DAS DENKEN IN MODELLEN
4.1 Modell und Wissenschaftstheorie
4.2 Modelltheorie
4.2.1 Begriffsdefinitionen
4.2.2 Modellaufbau
4.2.3 Arten von Modellen in der Wissenschaftstheorie
4.2.3.1 Ideelle und materielle Modelle
4.2.3.2 Interne und externe Modelle
4.2.4 Art der Darstellung
4.3 Modellbildung
4.3.1 Modellogik
4.3.2 Modellphysik
4.3.3 Der Modellgedanke in den Formal- und in den Realwissenschaften
4.3.4 Sprachregelungen beim Modellbau
4.3.4.1 Nominaldefinitionen
4.3.4.2 Bedeutungsanalyse
4.3.4.3 Begriffsexplikation

5 MODELLE IN DER WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFT
5.1 Besonderheiten des wirtschaftswissenschaftlichen Modells
5.2 Unterschiedliche Ansichten
5.3 Die historische Entwicklung
5.4 Beispiele für Modelle in den Wirtschaftswissenschaften
5.4.1 Homo oeconomicus
5.4.2 Ein einfacher Biermarkt
5.5 Denken in Modellen als Leitidee der Wirtschaftswissenschaften
5.5.1 Max Weber und die Werturteilsfreiheit
5.4.1 Das Denken in Modellen als Möglichkeit, kulturwissenschaftliche Zusammenhänge zu erfassen

6 MODELLKRITIK

7 INDEX

1 Literaturverzeichnis

Brandt, Karl: Geschichte der deutschen Volkswirtschaftslehre, Band 2. Freiburg, 1993.

Brinkmann, Gerhard: Analytische Wissenschaftstheorie. Einführung und Anwendung auf einige Stücke der Volkswirtschaftslehre. München: Oldenburg, 1991.

Eichborn, Wolfgang: Die Begriffe Modell und Theorie in der Wirtschaftswissenschaft.

Heins, Volker: Max Weber zur Einführung. Hamburg: Junius, 1990.

Kleinwefers, Jens: Einführung in die volkswirtschaftliche und wirtschaftspolitische Modellbildung. München: Vahlen, 1983.

Mankiw, Gregory: Macroeconomics, Third Edition: Harvard, 1997.

Savigny, Eike von. Grundkurs im wissenschaftlichen Definieren. 3. Auflage, München 1980.

Seifert, H: Einführung in die Wissenschaftstheorie 1. 11. Auflage, München: 1991.

Wagner: Ökonomische Modelltheorie. Frankfurt: 1979.

Wirtschaftslexikon, Gabler, 1990.

Wirtschaftswissenschaftliches Studium, Heft 7 und 8: 1972.

Zschocke, Dietrich: Modellbildung in der Ökonomie. München: Vahlen, 1995

2 Verzeichnis der Abkürzungen und Symbole

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Einführung

Ein Modell ist eine vereinfachte, gedankliche Hilfskonstruktion, welche die wesentlichsten Merkmale eines Ausschnittes der Wirklichkeit wiedergibt und der Lösung quantitativer und qualitativer Probleme dient.

Das Wort Modell geht auf das lateinische Wort modus oder auf dessen Verkleinerungsform modulus zurück. Diese Wörter hatten die Bedeutung das Maß bzw. Maßstab und das kleine Maß.

Modelle treffen Aussagen über die Realität, oder besser gesagt, über den im Modell bewußt wiedergegebenen Ausschnitt aus der Realität, andere Teile der Realität können im Modell verändert oder nicht wiedergegeben werden.

Zum Beispiel ist ein Landschaftsbild ein vom Maler geformtes (modelliertes) Modell der jeweiligen Landschaft. Es gibt einen Ausschnitt der Realität wieder, andere Teile werden nicht oder verändert wiedergegeben (z. B. durch unrealistische Farbgebung). Anhand des Gemäldes können später Aussagen über die Realität getroffen werden, beispielsweise über die Höhe der wiedergebenen Berge. Die Qualität der Aussagen hängt hierbei von der Qualität des zugrundeliegenden Modells, also der Exaktheit des Bildes.

Modellhaftes Denken gibt uns die Möglichkeit, komplexe Wirtschaftswissenschaftliche Zusammenhänge denkbar und kommunizierbar zu machen. Doch nicht nur in den Wirtschaftswissenschaften werden Modelle verwendet, die Beschäftigung mit der Modellbildung und Modellanalyse begegnet uns in allen Wissenschaften und greift auch in wissenschaftstheoretische und philosophische Wissensgebiete hinein.

Um die Rolle des Modells in den Wirtschaftswissenschaften zu durchleuchten, werde ich zuerst auf die Rolle des Modells in der Wissenschaftstheorie eingehen, um so eine Informationsgrundlage für die anschließende Betrachtung der Rolle des Modells in den Wirtschaftswissenschaften zu haben. Dann werde ich die geschichtliche Entwicklung der Rolle des Modells in den Wirtschaftswissenschaften und den Konkurrenzkampf der ModellSichtweise mit der empirisch-historischen Sichtweise darstellen.

Auf die Rolle des Modells in der Betriebswirtschaftslehre werde ich hier nicht gesondert eingehen. Dieser Bereich wäre Thema eines eigenen Aufsatzes innerhalb dieses Seminars gewesen.1

4 Das Denken in Modellen

Wie bereits angesprochen, möchte ich zuerst das Wesen eines Modells sowie die Methoden der Modellbildung aus wissenschaftstheoretischer Sicht darstellen. Dafür ist auch eine kurze Abgrenzung einiger von der Wissenschaftstheorie in diesem Bereich verwendeter Begriffe sinnvoll.

4.1 Modell und Wissenschaftstheorie

Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Denken in Modellen ist eine Auseinandersetzung mit einer wissenschaftlichen Methode. Die so zustandekommenden Problematiken versucht die Wissenschaftstheorie als Wissenschaft, welche die Wissenschaft selbst als Erkenntnisobjekt hat, zu behandeln.

Um diese Themen wissenschaftlich korrekt diskutieren zu können, ist eine klare Abgrenzung und Definition der verwendeten Begriffe unabdingbar.

Unter Wissenschaftstheorie verstehen wir ein System von Sätzen, die über die Ordungsprinzipien handeln, durch deren Anwendung Erkenntnis zu Wissenschaft wird, und die Ableitung von Aussagen aus jenen Ordnungsprinzipien über bestimmte Probleme der wissenschaftlichen Erkenntnis.

4.2 Modelltheorie

4.2.1 Begriffsdefinitionen

Unter Wissenschaft verstehen wir geordnete Erkenntnis. Die Wissenschaft ist dabei sowohl Vorgang als auch Ergebnis des Ordnens der Erkenntnis.

Das Ordnen der Erkenntnisse geschieht nach h. M.2 in der Art, daß weniger allgemeine Aussagen den allgemeineren Aussagen untergeordnet werden.

Die Wissenschaft ist einzuteilen in die Formalwissenschaften und in die Realwissenschaften. Formalwissenschaften haben keinen direkten Bezug zu Sinneseindrücken, es sind dies die Wissenschaften Logik und Mathematik. Die anderen Wissenschaften, welche sich mit Sinneseindrücken auseinandersetzen, nennen wir Realwissenschaften. Sie sind wiederum aufzuteilen in Naturwissenschaften und Kulturwissenschaften. Die Wirtschaftswissenschaften gehören als Sozialwissenschaft den Kulturwissenschaften an.

Wenn ein Satz, welcher aus allgemeineren Sätzen hergeleitet wurde, sich auf die Vergangenheit bezieht, bezeichnen wir diesen Satz als Erklärung. Bezieht sich solch ein Satz auf die Zukunft , nennen wir ihn Prognose.

Eine Theorie ist ein System von Sätzen, aus dem weitere Sätze dedunzierbar sind. Theoreme sind Sätze, die aus den Sätzen einer Theorie herleitbar sind.

Axiome sind Sätze innerhalb einer Theorie, welche nicht aus den anderen Sätzen abgeleitet werden können.

Deduktion nennen wir die Ableitung des Besonderen aus dem Allgemeinen. Die Deduktion der Axiome einer Theorie T1 aus einer anderen Theorie T2 nennen wir Reduktion jener speziellen au diese allgemeine Theorie.

Induktion nennen wir die Ableitung des Allgemeinen aus dem Besonderen. In der Praxis werden häufig statistische Gesetzesmäßigkeiten interpretiert um allgemeingültige Sätze formulieren zu können. Fraglich ist jedoch, ob der direkte Schluß einer empirischen Beobachtung den Schluß auf allgemeingültige Sätze zulassen kann. Dieses Problem wird in der Literatur als Induktionsproblem behandelt.

Als Hypothese kann jede beliebige Aussage bezeichnet werden, das Wort drückt den Vermutungscharakter aus.

4.2.2 Modellaufbau

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Definition

Wenn zwischen einem Objekt M und einem Objekt O (dem Modelloriginal) Analogien bestehen, ist M für ein kybernetisches System S (das Modellsubjekt) ein Modell von O, sofern Informationsbeziehungen zwischen S und M dazu beitragen können, Verhaltensbeziehungen zwischen S und O zu beeinflussen.3

Der Modellbegriff bezeichnet also, streng genommen, eine Dreiecksbeziehung zwischen einem Modell, einem Betrachter (Subjekt) und einem betrachteten Objekt. Festgemacht wird der Begriff zusätzlich an der Möglichkeit des Modells, den Betrachter in Bezug auf das Modell in seinem Verhalten zu beinflußen.

4.2.3 Arten von Modellen in der Wissenschaftstheorie

Die Wissenschaftstheorie kennt viele Klassifizierungsmerkmale für Modelle. Ich will nur zwei Unterscheidungsmerkmale herausgreifen:

4.2.3.1 Ideelle und materielle Modelle

Materielle Modelle sind solche, die aus greifbaren Stoffen bestehen, so z. B. eine Modelleisenbahn, ein Gemälde, eine Landkarte oder ein Modellflugzeug.

Ideelle Modelle haben kein physisches Äußeres, sind also nicht greifbar. Es sind reine Gedankenkonstrukte, welche sich höchstens in Sätzen oder Formeln ausdrücken lassen.

4.2.3.2 Interne und externe Modelle

Interne Modelle existieren nur innerhalb des Modellsubjektes (S), als Gedankengebilde oder Anschauung, welches Teile eines individuellen, subjektiven Weltbildes ist.

Externe Modelle sind alle Modelle, die keine internen Modelle sind, z. B. niedergeschriebene ökonomische Modelle oder eine Modelleisenbahn.

4.2.4 Art der Darstellung

Verbale Darstellung: In Form von Sätzen, z. B. Staatstheoretische Modelle.

Grafische Darstellung: In Form von Skizzen und Zeichnungen, z. B. Gemälde. Räumliche Darstellung: In physisch existenter Form, z. B. Modelleisenbahn.

Mathematische/Analytische Darstellung: In Form von Gleichungen und Funktionen, z. B. ökonomische Modelle.

4.3 Modellbildung

Innerhalb der Wissenschaftstheorie spielt bei der Modellbildung die Methodologie eine besondere Rolle. Vereinfacht gesagt bedeutet Methodologie die Lehre von den planmäßigen Verfahren und Wegen, die zu einem Ziel führen. Diese Teildisziplin der Wissenschaftstheorie spaltet sich in die deskriptive Methodologie, welche Methoden beschreibt, sowie in die normative Methodologie, welche Methoden vereinheitlicht, auf.

Die Methodologie der Modellbildung beschreibt dementsprechend entweder deskriptiv, wie ein bestehendes Modell gebildet wurde, oder es beschreibt normativ, wie neue Modelle zu bilden sind. Beschreiben bedeutet stets den Gebrauch einer Sprache, das Anwenden einer Logik und den Einsatz von Methoden des Beobachtens, Befragens, Messens und Auswertens. Etwas beschreiben erfordert sowohl die Fähigkeit zum Erkennen als auch zum Darstellen des Erkannten. Eine Methodologie der Modellbildung bedeutet somit allgemein eine Lehre von den Verfahren, wie eine Sprache zu gebrauchen, wie eine Logik anzuwenden und wie bezüglich eines Objektes Daten zu gewinnen und auszuwerten sind.

4.3.1 Modellogik

Unter Modellbildung verstehen wir einen Informations-Transfer und ein Modell als Ergebnis dieses Transfers.

Unter einem Zeichen oder Symbol wollen wir eine räumlich abgegrenzte Menge an Materie und Energie verstehen, der eine Bedeutung zugeordnet ist. Die Menge an Materie und Energie eines Zeichens wollen wir einen Zeichenträger oder ein Signal und die Bedeutung, die einem Zeichenträger oder einem Signal zugeordnet ist, wollen wir eine Nachricht nennen.

Information ist die Menge an Nachrichten, die zu einem bestimmten Zweck erzeugt wurde oder empfangen werden.

Desweiteren ist bei unseren Betrachtungen wichtig, daß wir davon ausgehen, daß auch nichtmenschliche Objekte eine Nachrichten empfangen werden können.

Der Informationstransfer vollzieht sich bei der Modellbildung in Form von Abbildungen. In jedem der Abbildungsvorgänge wollen wir eine Übertragung, einen Transfer sehen. Dabei soll das von einem Subjekt zu beschreibende Objekt als ein Sender fungieren und das Bild die Rolle eines Empfängers spielen.

4.3.2 Modellphysik

Zum Transport von Informationen sind Materie und Energie erforderlich. Eine Menge an Materie und Energie, mit deren Hilfe ein Zeichenträger transportiert werden kann, heißt Medium oder Kanal. Eine Einrichtung, die dazu dient, den Trägern einer Nachricht oder einer Informtion an ein vorgegebenes Medium anzupassen, heißt Wandler.

4.3.3 Der Modellgedanke in den Formal- und in den Realwissenschaften

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Ausgangspunkt des Modellgedankens in den Formalwissenschaften ist ein Axiomensystem. Axiome sind (siehe oben) ein System aus Sätzen, welches Widerspruchsfrei ist und in welchem kein Satz aus dem Anderen hergeleitet werden kann. Nach Euklid hatte ein Axiom evident, also unmittelbar einleuchtend zu sein. In den modernen Wissenschaften wird ein Axiom als Aussage angesehen, nach deren Bedeutung zu fragen als sinnlos erscheint.4

Auf der Grundlage dieses Axiomensystems werden dann mit Hilfe der symbolischen bzw. formalen Logik Theoreme hergeleitet. Theoreme und Axiome werden dann zusammen deduktive Theorie genannt.

Bei der Interpretation eines Axiomensystems geht jedes Axiom in einen Satz oder eine Aussage über, welcher wahr oder falsch sein kann. .Ist jede dieser Aussagen wahr, so nennt man die Interpretation ein Modell. Man kann auch sagen, die Interpretation des Axiomensystems sei eine Realisierung des Axiomensystems bzw. daß Modell erfüllt das Axiomensystem.

In den Realwissenschaften, z. B. in der Wirtschaftswissenschaft hingegen ist der Ausgangspunkt der Modellbildung kein präzise formuliertes Axiomensystem, sondern ein Teil der Realität, z. B. ein Gegenstand, ein Gedanke oder eine Idee.

[...]


1 In der BWL werden Modelle vorwiegend als Mittel zur Findung von Handlungsalternativen verwendet. Die Erläuterung dieser Art von Modelle würde jedoch nach meiner Meinung nicht in einen Aufsatz zur ‘Leitidee der Wirtschaftswissenschaften’ passen.

2 Popper

3 Vgl. Zschocke (1995)

4 Vgl. Hilbert (1918); Stegemüller (1973); Zschocke (1995).

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Details

Titel
Das Denken in theoretischen Modellen als Leitidee der Wirtschaftswissenschaften
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Lehrstuhl für empirische Wirtschafts- und Sozialforschung)
Veranstaltung
Modelle in den Wirtschaftswissenschaften
Note
2,3
Autor
Jahr
1998
Seiten
19
Katalognummer
V5666
ISBN (eBook)
9783638134767
ISBN (Buch)
9783638841825
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sehr dichte Arbeit.
Schlagworte
Modelle Wirtschaft
Arbeit zitieren
Dr. rer. pol. Christoph Sprich (Autor), 1998, Das Denken in theoretischen Modellen als Leitidee der Wirtschaftswissenschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5666

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