Dieser Aufsatz liefert eine wissenschaftstheoretische Beschreibung modellhaften Denkens an sich sowie eine Anwendung der gewonnenen Erkenntnisse auf die Wirtschaftswissenschaft. Ein Modell ist eine vereinfachte, gedankliche Hilfskonstruktion, welche die wesentlichsten Merkmale eines Ausschnittes der Wirklichkeit wiedergibt und der Losung quantitativer und qualitativer Probleme dient. Die Qualität der Aussagen, die ein Modell erlaubt, hängt hierbei von der Qualität des zugrundeliegenden Modells ab. Modellhaftes Denken eröffnet die Möglichkeit, komplexe Wirtschaftswissenschaftliche Zusammenhange denkbar und kommunizierbar zu machen. Doch nicht nur in den Wirtschaftswissenschaften werden Modelle verwendet, die Beschäftigung mit der Modellbildung und Modellanalyse begegnet uns in allen Wissenschaften und greift auch in wissenschaftstheoretische und philosophische Wissensgebiete hinein. Um die Rolle des Modells in den Wirtschaftswissenschaften zu durchleuchten, wird in diesem Aufsatz zunächst auf die Rolle des Modells in der Wissenschaftstheorie eingehen, um so eine Informationsgrundlage fuhr die anschließende Betrachtung der Rolle des Modells in den Wirtschaftswissenschaften zu haben. Dann wird die geschichtliche Entwicklung der Rolle des Modells in den Wirtschaftswissenschaften und den Konkurrenzkampf der Modell- Sichtweise mit der empirisch-historischen Sichtweise dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
3 EINFÜHRUNG
4 DAS DENKEN IN MODELLEN
4.1 Modell und Wissenschaftstheorie
4.2 Modelltheorie
4.2.1 Begriffsdefinitionen
4.2.2 Modellaufbau
4.2.3 Arten von Modellen in der Wissenschaftstheorie
4.2.3.1 Ideelle und materielle Modelle
4.2.3.2 Interne und externe Modelle
4.2.4 Art der Darstellung
4.3 Modellbildung
4.3.1 Modellogik
4.3.2 Modellphysik
4.3.3 Der Modellgedanke in den Formal- und in den Realwissenschaften
4.3.4 Sprachregelungen beim Modellbau
4.3.4.1 Nominaldefinitionen
4.3.4.2 Bedeutungsanalyse
4.3.4.3 Begriffsexplikation
5 MODELLE IN DER WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFT
5.1 Besonderheiten des wirtschaftswissenschaftlichen Modells
5.2 Unterschiedliche Ansichten
5.3 Die historische Entwicklung
5.4 Beispiele für Modelle in den Wirtschaftswissenschaften
5.4.1 Homo oeconomicus
5.4.2 Ein einfacher Biermarkt
5.5 Denken in Modellen als Leitidee der Wirtschaftswissenschaften
5.5.1 Max Weber und die Werturteilsfreiheit
5.4.1 Das Denken in Modellen als Möglichkeit, kulturwissenschaftliche Zusammenhänge zu erfassen
6 MODELLKRITIK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Denken in theoretischen Modellen als fundamentale Leitidee der Wirtschaftswissenschaften. Dabei wird analysiert, wie Modelle als gedankliche Hilfskonstruktionen dazu dienen, komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge abzubilden, zu strukturieren und für wissenschaftliche Analysen zugänglich zu machen.
- Wissenschaftstheoretische Grundlagen der Modellbildung
- Unterscheidung zwischen Formal- und Realwissenschaften im Modellbau
- Historische Kontroversen, insbesondere der Methodenstreit in der Ökonomie
- Methodik der Modellkonstruktion (Nominaldefinitionen, Begriffsexplikation)
- Reflexion über Objektivität, Werturteilsfreiheit und die Grenzen ökonomischer Modelle
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Arten von Modellen in der Wissenschaftstheorie
Die Wissenschaftstheorie kennt viele Klassifizierungsmerkmale für Modelle. Ich will nur zwei Unterscheidungsmerkmale herausgreifen:
4.2.3.1 Ideelle und materielle Modelle
Materielle Modelle sind solche, die aus greifbaren Stoffen bestehen, so z. B. eine Modelleisenbahn, ein Gemälde, eine Landkarte oder ein Modellflugzeug.
Ideelle Modelle haben kein physisches Äußeres, sind also nicht greifbar. Es sind reine Gedankenkonstrukte, welche sich höchstens in Sätzen oder Formeln ausdrücken lassen.
4.2.3.2 Interne und externe Modelle
Interne Modelle existieren nur innerhalb des Modellsubjektes (S), als Gedankengebilde oder Anschauung, welches Teile eines individuellen, subjektiven Weltbildes ist.
Externe Modelle sind alle Modelle, die keine internen Modelle sind, z. B. niedergeschriebene ökonomische Modelle oder eine Modelleisenbahn.
Zusammenfassung der Kapitel
3 EINFÜHRUNG: Definiert das Modell als vereinfachte Hilfskonstruktion und erläutert die Bedeutung modellhaften Denkens zur Kommunizierbarkeit komplexer Zusammenhänge.
4 DAS DENKEN IN MODELLEN: Analysiert das Wesen von Modellen aus wissenschaftstheoretischer Perspektive, inklusive Modellaufbau, Modellbildung und sprachlicher Präzisierung durch Definitionen.
5 MODELLE IN DER WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFT: Erörtert Besonderheiten wirtschaftswissenschaftlicher Modelle, den historischen Methodenstreit und die Rolle von Modellen als Gedankenexperimente.
6 MODELLKRITIK: Diskutiert die Grenzen der Modellabbildung und betont, dass Modelle stets fiktive Wirklichkeiten darstellen, deren Qualität nicht zwangsläufig an ihrer Realitätsnähe bemessen werden kann.
Schlüsselwörter
Wissenschaftstheorie, Modellbildung, Wirtschaftsmodelle, Methodenstreit, Homo oeconomicus, Nominaldefinition, Abstraktion, Erkenntnisobjekt, Werturteilsfreiheit, Gedankenexperiment, Rationalität, Deduktion, Induktion, Modellkritik, Systemtheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die wissenschaftstheoretische Bedeutung und die methodische Vorgehensweise bei der Erstellung von theoretischen Modellen in den Wirtschaftswissenschaften.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen die Definition und Klassifizierung von Modellen, die methodologischen Ansätze der Modellbildung sowie die historische Entwicklung und kritische Bewertung von Modellen in der Ökonomie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Denken in Modellen als zentrale Leitidee der Wirtschaftswissenschaften zu verdeutlichen und den Prozess sowie die Legitimation der Modellbildung wissenschaftlich zu durchleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine wissenschaftstheoretische Analyse vorgenommen, die auf einer deskriptiven Methodologie basiert und die logische Struktur sowie die Begriffspräzisierung von Modellen untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die wissenschaftstheoretische Grundlegung des Modells, die spezifische Anwendung auf wirtschaftswissenschaftliche Fragestellungen und eine historische Einordnung der Modellkritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Modellbildung, Wissenschaftstheorie, Methodenstreit, Homo oeconomicus und Werturteilsfreiheit.
Wie unterscheidet der Autor zwischen internen und externen Modellen?
Interne Modelle sind rein subjektive Gedankengebilde innerhalb eines Individuums, während externe Modelle eine niedergeschriebene oder physisch existierende Form annehmen.
Warum ist laut Autor die Begriffsexplikation bei der Modellbildung so wichtig?
Sie dient dazu, Mehrdeutigkeiten in der Fachsprache zu reduzieren, damit Modelle präziser werden und die Übertragung von Unschärfen auf die wissenschaftliche Analyse vermieden wird.
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- Dr. rer. pol. Christoph Sprich (Author), 1998, Das Denken in theoretischen Modellen als Leitidee der Wirtschaftswissenschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5666