Reggio-Pädagogik. Philosophie und Konzept


Referat (Ausarbeitung), 2006

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fakten zur Reggio-Pädagogik
2.1 Geschichte/Entwicklung bis heute
2.1.1 Einige Daten zur Region
2.1.2 Entstehungs- und Entwicklungsbedingungen der
Reggio-Pädagogik
2.1.3 Loris Malaguzzi
2.2 Ziele
2.3 Grundannahmen

3. Erläuterungen der Grundannahmen
3.1 Rolle des Kindes
3.1.1 Bedeutung von Identität und Gemeinschaft
3.2 Rolle des Erwachsenen
3.2.1 Rolle der Erzieherin
3.3 Der Raum als „3. Erzieher“
3.4 Art und Rolle des Lernens
3.4.1 Art des Lernens
3.4.2 Rolle des Lernens
3.5 Bedeutung der Projekte
3.5.1 Projektmerkmale
3.5.2 Projektbeispiel

4. Resultierende Ableitungen zur Reggio-Pädagogik
4.1 Wesentliche Merkmale
4.2 Philosophie
4.3 Konzept
4.3.1 Die drei Hauptprinzipien
4.3.2 Ableitungen für die Konzeption

5. Schlussbetrachtung

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung:

Die Motive zur Bearbeitung der Thematik waren verschiedener Natur. Insgesamt aber wussten ich nicht viel darüber. Während meiner Ausbildung zur Erzieherin wurde die Reggio-Pädagogik leider nur kurz angerissen.

Um mir dieses Wissen in seinen Grundbausteinen anzueignen und somit diese Pädagogik intensiver kennen zu lernen und zu erforschen, haben ich es ausgewählt.

Bereits nach Beginn der Auseinandersetzung mit der Reggio-Pädagogik stellte ich fest, dass es ein sehr interessantes Gebiet mit vielen Einzelheiten ist, welche mir teilweise fremd vorkamen, da diese Pädagogik in unserer Gesellschaft selten zur Anwendung kommt.

Gleichzeitig machten ich die Feststellung, dass trotz dieser Andersartigkeit und Fremdartigkeit viele schlüssige und nachvollziehbare, in Ansätzen auch vertraute Faktoren und Prozesse innerhalb der Pädagogik vorhanden sind.

Spannend ist die Vernetzung von Geschichte, Wirtschaft und Gesellschaft, worauf sich die Reggianer ein Erziehungssystem aufgebaut haben, welche sich wechselseitig beeinflusst haben und es bis in die heutige Zeit noch tun.

In den folgenden Seiten habe ich versucht diese Beeinflussung in Ansätzen darzustellen, genauso die Folgen, die sich daraus ergaben. Es sind u.a. das Gesellschaftsbild, das Bild der einzelnen Mitglieder dieser Gesellschaft und einige weitere Grundannahmen, welche sich mit der Zeit weiterentwickelt haben. In einigen Bereichen habe ich genauer hingesehen und versucht in die Tiefe der Thematik zu gehen, da ich die Bereiche für dieses Thema ansprechend, interessant und relevant hielten.

Da die Reggianer kein vollständiges Konzept haben, sondern nach ihrer Philosophie und den Grundannahmen ihre Pädagogik leben, habe ich versucht die Philosophie und das Konzept herauszuarbeiten, abzuleiten und zu beschreiben, um es dem Leser näher zu bringen.

Viel Spaß beim Lesen.

2. Fakten zur Reggio-Pädagogik

2.1 Geschichte und Entwicklung

2.1.1 Einige Daten zur Region:

Die Reggio-Pädagogik hat ihren Namen von der Stadt, in der sie entwickelt wurde.

Die Stadt Reggio-Emilia liegt in Italien und gehört zur Region Emilia-Romagna.

Diese Region wird aus politischer Sicht auch „rote Region“ genannt.

Es leben 146.000 Einwohner in ihr und sie zählt zu den reichsten Kommunen Italiens.

Sie war sogar schon im Mittelalter eine der ersten freien Kommunen.

Durch den starken Zusammenhalt und durch das Engagement der Bürger hat die Kommune es zu einem wirtschaftlichen Wohlstand gebracht. Den wirtschaftlichen Wohlstand hat sie durch gut funktionierende landwirtschaftliche Betriebe und die florierende Kleinindustrie erreicht. Der größte Arbeitgeber in dieser Region ist die Reggiane.

Die Region liegt an vierter Stelle des Pro-Kopf-Einkommen von ganz Italien. In Reggio verfügen 99% der reggianischen Kinder über einen Kindergartenplatz und für 40% stehen Krippenplätze zur Verfügung.[1]

2.1.2Entstehungs- und Entwicklungsbedingungen der Reggio-Pädagogik:

1797 schlossen sich Ferrara, Bologna und Reggio zur Republica Cispadana zusammen. Die dadurch entstandene Nationalflagge (grün-weiß-rot) hängt bis heute im reggianischen Rathaus.[2]

Die Region um Reggio wurde lange durch eine kommunistische und sozialistische Regierung geprägt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts schlossen sich die Bauern zusammen, um gegen die schlechten elenden Lebensbedingungen vorzugehen. Im beginnenden 20. Jahrhundert kamen die Sozialisten an die Macht.[3]

Der erste kommunale Kindergarten wurde 1912 gegründet. Man setzte sich zum Ziel mit dieser Gründung die Eltern bei der Kinderbetreuung zu unterstützen. Die Kinderbetreuung war zu dieser Zeit kostenlos, was aber in der heutigen Zeit nicht mehr möglich ist. Dieser Kindergarten musste in den 20iger Jahren geschlossen werden, weil die Faschisten die Macht übernommen hatten und der demokratische Ansatz von Kinderbetreuung verboten wurde.[4]

In der Region entwickelten sich ab circa 1943 starke Widerstandsbewegungen. Die deutsche, faschistische Besatzung wurde von den Partisanen bekämpft. Die Partisanen wurden von weiten Teilen der Bevölkerung unterstützt. Somit schlossen sich auch viele Unternehmen der Resistenza an, einer französischen Widerstandsbewegung. Als später die Westalliierten in die Stadt kamen hatte sich diese mit Hilfe der Resistenza selbst befeit.[5]

Tag der Befreiung war der 26. April 1945. In der Bevölkerung wurde das Selbstbewusstsein und das Gemeinschaftsgefühl gestärkt und es erwachte das Bedürfnis die gesellschaftlichen Verhältnisse zu demokratisieren. Darum entwickelten die Bürger ein neues Konzept für die Kindererziehung, um den bis 1945 in dieser Region herrschenden faschistischen Schulwesen etwas entgegenzusetzen. Das Schulwesen wurde bis dahin auch stark durch die Kirche beeinflusst. Das neu entwickelte Konzept beinhaltete soziale und demokratische Erziehungsformen.[6]

Damit wollten die Bürger ein demokratisches Verständnis als Grundlage für die Kinder schaffen, welches später die Investition für die Zukunft sein sollte. Es wurde gleich nach Kriegsende damit begonnen ein Kindergarten zu errichten. Ein wichtiger Grund dafür war, dass viele Kinder der Wanderarbeiterinnen unterversorgt waren. Deshalb war es notwendig eine rund um die Uhr Betreuung für die Kinder sicherzustellen. Die gesamte Bevölkerung beteiligte sich aktiv am Aufbau der Einrichtung. Es ist erstaunlich, wie groß der Zusammenhalt der Gesellschaft und das Engagement der Bevölkerung zu dieser Zeit war, da viele Familien in Trümmern lebten und ein massiver Nahrungsmangel herrschte.[7]

Das Land war vor dem 2. Weltkrieg von Flugzeug- und Waffenindustrie geprägt, wie z.B. die Reggiane, dieser wichtige Industriezweig wurde ein Angriffsziel der Alliierten. Dadurch wurden viele Arbeitsplätze der Frauen vernichtet und sie mussten als Wanderarbeiterinnen ihr Geld verdienen, damit sie ihre Familien ernähren konnten. Die Kinder wurden in dieser Zeit in nicht-kirchlichen Einrichtungen betreut.[8]

Von 1958 – 1963 fand in Italien das Wirtschaftswunder statt. Dies war ein weiterer Einschnitt in der Geschichte Italiens. Dadurch verbesserte sich der Lebensstandard und in den Frauen erwachte der Wunsch nach Erwerbstätigkeit und somit die Forderung nach einem neuem Erziehungswesen. Eine weitere Folge des Wirtschaftsbooms war eine riesige Bevölkerungswanderung vom Land in die Stadt. Hierbei wurde es deutlicher, dass beim Wohnungsbau, der Kinderversorgung und im öffentlichen Verkehrswesen wieder etwas unternommen werden musste.[9]

1968 wurde das Gesetzes Nr.444 verabschiedet, welches die Einrichtung von staatlichen Kindertagesstätten beinhaltete. In diesem Gesetz wurde der Artikel 25 niedergeschrieben. Dieser sicherte den bis dahin schon bestehenden kommunalen Einrichtungen Subventionen zu. Durch die Verabschiedung des Gesetzes war es nun leichter private Kindertagesstätten zu kommunalisieren und neue Einrichtungen zu gründen.[10]

Die erste kommunale Krippe, welche 1971 öffnete, wurde nach der bekanntesten reggianischen Partisanenfamilie Cervis benannt. Deren 6 Söhne kamen durch die deutschen Faschisten ums Leben.[11]

Im Jahre 1972 wurden in Reggio zwei kirchlichen Kindertagesstätten kommunalisiert.

1976 – über 6 Tage lief in einem nationalen Radiosender eine Propagandaschlacht, ausgehend von der katholische Kirche gegen die kommunalen Kindertagesstätte, besonders aber gegen die reggianischen Einrichtungen. Diese Propagandaschlacht war auch der Auslöser für viele Diskussionen zwischen Leitungsräten der SCI und den Kirchenvertretern bezüglich dem Thema „religiöse Aspekte der Erziehung“. Das hatte für die Kirche zur Folge, dass die kommunalen Einrichtungen anerkannt wurden. Die katholische Kirche hat trotz allem im Kindergarten-Bereich eine starke Machtposition.

Dies wird deutlich, wenn man sich eine Untersuchung von 1985 anschaut. Aus dieser Untersuchung geht hervor, dass 30,2% der Kinder kirchliche Kindertagesstätten und 46,5% der Kinder kommunale SCI Einrichtungen besuchen.[12]

1967 fand ein nationaler Kongress in Bologna statt, wo über die Kleinkind-Pädagogik und über die Folgen der Gesetzesverabschiedung Nr.444 debattiert wurde.[13]

2.1.3 Loris Malaguzzi:

Loris Malaguzzi war der Begründer der Reggio-Pädagogik und wurde am 23.02.1920 in Corregio geboren und ist am 30.01.1994 in Reggio Emilia gestorben.

Er absolvierte ein Studium zum Grundschullehrer und arbeitete vier Jahre lang als Lehrer im Hochgebirge. 1943 wechselt er zu einer reggianischen Grundschule.

Nach dem zweiten Weltkrieg schloss er sich der Bürgerinitiative an, da er von deren Arbeit fasziniert war. Hierbei entwickelte er mit der Bevölkerung von Reggio ein neues Erziehungskonzept. Es wurde die erste Betreuungseinrichtung für die Kinder der Wanderarbeiterinnen gebaut. Ab 1972 war er langjähriger Leiter der kommunalen Kindertagesstätten.[14]

[...]


[1] Vgl. Schäfer, Gerd E.: Grundlagen der Reggio-Pädagogik

[2] Vgl. Göhlich, Michael; Fischer, R. G. (1997), S.135

[3] Vgl. ebenda, S.133

[4] Vgl. Schäfer, Gerd E.: Grundlagen der Reggio-Pädagogik

[5] Vgl. Schäfer, Gerd E.: Grundlagen der Reggio-Pädagogik

[6] Vgl. Becker-Textor, Ingeborg: Reggio-Pädagogik – Lebender Dialog zwischen Erwachsenen und Kindern, in: Pädagogik-Heute, S.38

[7] Vgl. Schäfer, Gerd E.: Grundlagen der Reggio-Pädagogik

[8] Vgl. ebenda

[9] Vgl. Göhlich, Michael; Fischer, R. G. (1997), S.137

[10] Vgl. ebenda, S.138

[11] Vgl. ebenda, S.136

[12] Vgl. Schäfer, Gerd E.: Grundlagen der Reggio-Pädagogik

[13] Vgl. Göhlich, Michael; Fischer, R. G. (1997), S.139

[14] Vgl. Ganzert, Nadine: Loris Malaguzzi

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Reggio-Pädagogik. Philosophie und Konzept
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V56937
ISBN (eBook)
9783638514941
ISBN (Buch)
9783638665001
Dateigröße
1669 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reggio-Pädagogik, Konzept
Arbeit zitieren
Mia Schmalenberg (Autor), 2006, Reggio-Pädagogik. Philosophie und Konzept, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56937

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