Der Schutz geistiger Eigentumsrechte ist für zahlreiche Unternehmen angesichts großer Umsatzeinbußen durch Marken- und Produktpiraterie (Engl.: Counterfeiting) weltweit zu einer der größten Herausforderungen geworden. In der Öffentlichkeit zumeist verharmlost dargestellt (vgl. Handschuch/Koenen 2003, 69), findet der Betrug mit gefälschten Marken und Produkten heute in einem Ausmaß statt, das erhebliche Schäden für ganze Industriezweige nach sich zieht. Die Volksrepublik China gehört zu den Ländern mit den schwerwiegendsten Verletzungen von geistigen Eigentumsrechten (vgl. Blume 2004, 6). Dieser Tatsache müssen ausländische Unternehmen Beachtung schenken, wenn Sie nach der wirtschaftlichen Öffnung des Landes damit beginnen, das enorme Marktpotential des Reichs der Mitte zu erschließen. Besonders mittelständische Unternehmen laufen Gefahr, aufgrund mangelnden Schutzes der eigenen Technologie ihre Existenzgrundlage zu verlieren. Die vorliegende Arbeit untersucht die Probleme im Zusammenhang mit geistigem Eigentum (Engl.: Intellectual Property), denen ausländische Unternehmen in China begegnen. Zunächst werden im Folgenden die vielfältigen Ursachen für das Entstehen dieser Problematik analysiert, bevor darauf aufbauend der dritte Teil der Arbeit alternative Lösungsvorschläge zur Verminderung der Risiken und Schäden darlegt. Das Fazit greift abschließend die zentralen Aussagen der Arbeit auf und endet mit einem kurzen Ausblick vor dem Hintergrund der weiteren Eingliederung Chinas in die Weltwirtschaft. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Verletzungen geistiger Eigentumsrechte in China
2.1. Definition und Erläuterung geistiger Eigentumsrechte
2.2. Die Folgen der Verletzung geistiger Eigentumsrechte aus Unternehmersicht
2.3. Probleme beim Schutz geistiger Eigentumsrechte in China
2.3.1. Sozioökonomische und innenpolitische Aspekte
2.3.2. Kulturelle Aspekte
2.3.3. Rechtliche Aspekte
3. Lösungsmöglichkeiten zum Schutz geistigen Eigentums in China
3.1. Schutz durch integriertes Anti-Counterfeiting-Management
3.2. Vollständige Absicherung der eigenen Wertschöpfungskette
3.3. Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte auf dem Rechtsweg
3.4. Lobbying und Aufklärungsarbeit
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Probleme und Risiken im Zusammenhang mit dem Schutz geistigen Eigentums (Intellectual Property), denen ausländische Unternehmen bei ihrem Markteintritt in China gegenüberstehen, und erarbeitet entsprechende Lösungsstrategien.
- Analyse der Ursachen für die hohe Verbreitung von Produkt- und Markenpiraterie in China.
- Bewertung der sozioökonomischen, kulturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen.
- Darstellung von Ansätzen für ein integriertes Anti-Counterfeiting-Management.
- Untersuchung von Möglichkeiten zur rechtlichen Durchsetzung und präventiven Absicherung.
- Bedeutung von Lobbying und Beziehungsaufbau als strategische Instrumente.
Auszug aus dem Buch
2.3.1.Sozioökonomische und innenpolitische Aspekte
Ein zentraler Grund für die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität in diesem Zusammenhang sind die „mangelnden Anreize der zuständigen Akteure der Strafverfolgung/Rechtsdurchsetzung, konsequent gegen IP Verletzungen vorzugehen (…)“ (Blume 2004, 53). So gehören Fälschernetzwerke zu den wichtigsten Arbeits- und Steuereinnahmequellen für ganze Bezirke. Die Fälschungsindustrie stellt heute in einigen Städten Chinas einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Blume nennt in diesem Zusammenhang die Stadt Wenzhou, von deren 700 000 Einwohnern rund zwei Drittel direkt oder indirekt von der Fälscherindustrie leben (vgl. 2004, 38). Da die Finanzkraft der Kommunen und die Einkommen der Funktionärsschicht im chinesischen System derart stark von der örtlichen Industrie abhängen, kommt es hier immer wieder zu lokalprotektionistischen Entscheidungen und Maßnahmen (vgl. Blume 2004, 38). Das günstige Umfeld und der große Erfolg haben die Fälscherindustrie in den letzten Jahren für immer professionellere und kapitalstärkere Investoren attraktiv gemacht. Seit der drastischen Anhebung der Strafen für andere Delikte, wie Schmuggelgeschäfte, hat so u.a. auch das Organisierte Verbrechen (in China bekannt unter dem Stichwort „Triaden“, vgl. Vougioukas 2004) die Marken- und Produktpiraterie für eigene Zwecke, wie die Geldwäsche, entdeckt (vgl. Blume 2004, 46). Aus sozioökonomischer und innenpolitischer Perspektive bestehen also kaum Anreize für eine verstärkte Durchsetzung von geistigen Eigentumsrechten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Marken- und Produktpiraterie in China ein und beschreibt das Ziel der Arbeit, die Ursachen sowie Lösungsstrategien für ausländische Unternehmen zu analysieren.
2. Verletzungen geistiger Eigentumsrechte in China: Dieses Kapitel definiert geistige Eigentumsrechte, erörtert die negativen Folgen von deren Verletzung aus Unternehmersicht und analysiert die sozioökonomischen, kulturellen sowie rechtlichen Ursachen für den mangelnden Schutz in China.
3. Lösungsmöglichkeiten zum Schutz geistigen Eigentums in China: Dieses Kapitel stellt strategische Lösungsansätze vor, darunter ein integriertes Anti-Counterfeiting-Management, die Absicherung der Wertschöpfungskette, gerichtliche Durchsetzungswege sowie Lobbying-Aktivitäten.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass mangelnde Anreize bei Entscheidungsträgern das Kernproblem bleiben und betont die Notwendigkeit, dass ausländische Unternehmen aktiv persönliche Netzwerke und Lobby-Instrumente nutzen, um sich zu schützen.
Schlüsselwörter
Geistiges Eigentum, Intellectual Property, China, Produktpiraterie, Markenpiraterie, Schutzrechte, Anti-Counterfeiting-Management, Wertschöpfungskette, Guanxi, Lobbying, TRIPS Abkommen, Rechtsdurchsetzung, Plagiate, Investitionsschutz, Innovationen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Herausforderungen für ausländische Unternehmen durch Marken- und Produktpiraterie beim Markteintritt in China.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Ursachen für IP-Verletzungen in China sowie operative und strategische Schutzmöglichkeiten für Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Problematik zu analysieren und konkrete Lösungsansätze zur Verminderung von Risiken und Schäden für ausländische Unternehmen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Konzepte mit praktischen Beispielen und empirischen Erkenntnissen zur Situation in China verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert erst die Verletzungsformen und Ursachen (sozioökonomisch, kulturell, rechtlich) und erörtert darauf aufbauend Schutzstrategien wie das Anti-Counterfeiting-Management.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Geistiges Eigentum, Produktpiraterie, China, Guanxi, Rechtsdurchsetzung und Schutzinstrumente.
Welche Rolle spielt "Guanxi" in diesem Zusammenhang?
Guanxi beschreibt persönliche Netzwerke, die in China formelle Prozesse oft dominieren und einen wesentlichen Einfluss auf die lokale Durchsetzung von Gesetzen haben.
Warum ist der Schutz für geistiges Eigentum in China bisher so schwierig?
Es fehlen Anreize für staatliche Akteure zur Durchsetzung, da die Fälscherindustrie oft ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist, und es existiert eine kulturelle Prägung, die Kopien eher als Tradition denn als Unrecht ansieht.
Was empfiehlt der Autor für Unternehmen als Schutzmaßnahme?
Empfohlen wird ein integriertes Management, welches über die bloße Rechtsverfolgung hinausgeht und die gesamte Wertschöpfungskette absichert sowie aktives Lobbying betreibt.
- Citation du texte
- Tobias Beetz (Auteur), 2005, Probleme und Lösungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit Intellectual Property in China, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56974