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Welche Faktoren beeinflussen die Meinung der Gatekeeper über HIV/AIDS-Prävention und Sexualaufklärung in Uganda?

Title: Welche Faktoren beeinflussen die Meinung der Gatekeeper über HIV/AIDS-Prävention und Sexualaufklärung in Uganda?

Diploma Thesis , 2006 , 157 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Dipl. Pol. Tobias Raschke (Author)

Politics - Region: Africa
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Summary Excerpt Details

Vertrauen der Meinungsführer in Uganda
Gatekeeper sind Meinungsführer und damit Schlüsselfiguren in den Gesellschaften Ugandas beziehungsweise Afrikas. Sie entscheiden inwieweit Neuerungen, Innovationen oder Verhaltensänderungen zum Beispiel im Bezug auf HIV/AIDS-Prävention und umfassende Sexualaufklärung ablehnend oder zustimmend begegnet wird.
Der Fokus der Arbeit liegt nicht auf den üblichen medizinischen Fragen nach wirkungsvollen Schutz-Methoden vor HIV/AIDS wie Kondomen o.ä., sondern geht der Frage nach auf welche Informationsquellen Gatekeeper ihre Einstellungen stützen und wie sie diesen Quellen vertrauen. Gatekeeper bringen ihre Informationen in den afrikanischen Diskurs - ‚Palaver’ – ein und damit zu den Menschen vor Ort.
Über 230 Gatekeeper wie Ärzte, Krankenschwestern, Hebamen, Lehrer, Familienoberhäupter (Elder), Priester, Jugendberater / Peer Educator, Senga, Kirchen-Mitarbeiter (Laien), Nonnen, Imame, Dorf-Chefs, Traditionelle Geburtshelferinnen, Traditionelle Heiler, Marktleute und Hexen-Doktoren beantworteten dazu in Uganda im Untersuchungszeitraum Februar/ März 2006 einen mehrseitigen Fragebogen.
Ein Gatekeeper vertraut am ehesten einem anderen Gatekeeper. Etwa 400 Ugander kommen auf einen traditionellen Heiler oder Hexendoktor. Das Vertrauen in die traditionelle afrikanische Medizin ist gering im Vergleich zu Vertretern westlicher Schulmedizin. Höchstes Vertrauen genießen Ärzte, Krankenschwestern, Hebammen und Personal in Gesundheitszentren. 20.000 Einwohnern teilen sich in Uganda theoretisch einen Arzt. im Gegensatz zur vor Ort zugänglichen traditionellen Medizin ist die Schulmedizin kaum erreichbar. Daher ist die Bedeutung der Gatekeeper, insbesondere der traditionellen Heiler und der kulturellen Gatekeeper, im Kontext der HIV/AIDS-Prävention und umfassende Sexualaufklärung in Uganda nicht groß genug einzuschätzen.
Kampagnen lassen sich lokal nicht gegen Gatekeeper, sondern nur mit ihnen gemeinsam erfolgreich durchführbar. Gatekeeper fungieren als Multiplikatoren. Durch Einbindung der Gatekeeper werden Zielgruppen erreicht. Das heißt, Gatekeeper können Brücken bauen, Türen öffnen, die sonst verschlossen wären. Allerdings wird der Einfluss von Vertreter/innen religiöser Gruppierungen wie kirchlicher, kultureller, gesellschaftlicher und politischer Repräsentanten oft von NGOs unterschätzt.
Keywords: Gatekeeper, Meinungsführer, Schlüsselfiguren, Afrika, Uganda, HIV/AIDS, Prävention, Sexualaufklärung, Gesellschaft, Religion

Excerpt


Gliederung

I. Einleitung

II. Aufklärung, Reproduktive Gesundheit und HIV/AIDS

1. Zu Begrifflichkeiten

2. Stand der Debatte: Abstinenzerziehung versus umfassende Aufklärung

3. Sozioökonomischer und kultureller Kontext

III. HIV/AIDS und Uganda

1. Uganda: Hintergrund, Geographie, Politik und Wirtschaft

2. Demographie und Indikatoren der reproduktiven Gesundheit

3. Vom Ursprung der Seuche zu ihrer unterschiedlichen Bewertung

4. Hintergründe der Ausbreitung von HIV/AIDS in Uganda

5. Uganda: Situation, Auswirkungen und „best practice“-Land

IV. Gatekeeper-Konzept und Gatekeeper in Uganda

1. Ansätze des Gatekeeper- Konzepts

2. Gatekeeper, reproduktive Gesundheit Jugendlicher und HIV/AIDS

3. Gatekeeper in Uganda

V. Befragung der Gatekeeper in Uganda

1. Hypothesen

2. Methode: Quantitative Interviews

2.1 Erhebungsinstrument

2.2 Auswahl der Stichprobe und Vorgehensweise

2.3 Repräsentativität

2.4 Zeitrahmen der Untersuchungsdurchführung

2.5 Probleme bei Untersuchungsdurchführung

3. Datenanalyse

3.1 Charakterisierung der Stichprobe

3.2 HIV/AIDS und die Gatekeeper der Stichprobe

4. Auswertung und Ergebnisse

4.1 Skalenbildung und verwendete Testverfahren

4.2 Ergebnisse

5. Diskussion der Ergebnisse

5.1 Diskussion: Methodenkritik

5.2 Diskussion: Betroffenheit

5.3 Diskussion: Geschlechter-Unterschiede (Gender)

5.4 Diskussion: Bildung, Beruf

5.5 Diskussion: Aktionsradius

5.6 Diskussion: Informationsquellen und Medien

5.7 Diskussion: Autoritäten/ Autoritätsgläubigkeit

5.8 Diskussion: Best-Practice verändert Einstellung

5.9 Diskussion: traditionelle Heiler und Hexen-Doktoren

5.10 Diskussion: Merkwürdigkeiten

5.11 Diskussion: Wem vertrauen Gatekeeper?

VI. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Ziel der Arbeit ist es, die Faktoren (säkulare oder religiöse Autoritäten oder Medien) zu identifizieren, welche die Meinung von Gatekeepern in Uganda in Bezug auf HIV/AIDS-Prävention und umfassende Sexualaufklärung beeinflussen. Die Forschungsfrage untersucht dabei, welchen Quellen und Autoritäten diese Schlüsselfiguren vertrauen.

  • Analyse des Gatekeeper-Konzepts und seiner Anwendung auf den ugandischen Kontext.
  • Empirische Befragung von Gatekeepern mittels quantitativer Interviews in Uganda.
  • Untersuchung von Einflüssen durch Bildung, Beruf, Religion und soziales Umfeld auf die Einstellung zu Präventionsmaßnahmen.
  • Diskussion der Bedeutung von Best-Practice-Beispielen in der HIV/AIDS-Bekämpfung.
  • Herausarbeitung des Vertrauensverhältnisses zwischen Gatekeepern und verschiedenen Informationsquellen.

Auszug aus dem Buch

1. Zu Begrifflichkeiten

Nicht in aktuellen Debatten, sondern auch für manche Schwierigkeiten bei der Feldforschung spielen Begrifflichkeiten eine Rolle. Die folgenden sind teilweise umstritten und werden von Vertreter/innen verschiedener Weltanschauungen unterschiedlich interpretiert. In Uganda stellte sich erst vor Ort heraus, dass bestimmte Ausdrücke gar nicht verwendet oder nicht verstanden werden.

„Reproduktive Gesundheit“ (Reproductive health) wurde bei der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung definiert: „Reproduktive Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens, und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechlichkeit, und zwar im Hinblick auf alle Belange in Zusammenhang mit dem reproduktiven System, seinen Funktionen und Prozessen.

Reproduktive Gesundheit schließt deshalb ein, dass Menschen ein befriedigendes und gesundheitlich ungefährliches Sexualleben möglich ist, und dass sie die Fähigkeit zur Fortpflanzung haben und die Freiheit zu entscheiden, ob, wann und wie oft sie sich fortpflanzen. Diese letzte Voraussetzung impliziert das Recht von Männern und Frauen, informiert zu werden und Zugang zu haben zu sicheren, effektiven, erschwinglichen und akzeptablen Methoden der Familienplanung ihrer Wahl, ebenso wie zu anderen Methoden der Fruchtbarkeitsregelung ihrer Wahl, die nicht gegen das Gesetz verstoßen, und das Recht auf Zugang zu geeigneten Dienstleistungen der Gesundheitsversorgung, die es Frauen ermöglichen, eine sichere Schwangerschaft zu erleben und Paaren die bestmögliche Chance bieten, ein gesundes Kind zu bekommen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von HIV/AIDS als globale Herausforderung ein und definiert das Erkenntnisinteresse des Autors bezüglich der Rolle von Gatekeepern.

II. Aufklärung, Reproduktive Gesundheit und HIV/AIDS: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe und beleuchtet die kontroverse Debatte zwischen Abstinenzerziehung und umfassender Aufklärung.

III. HIV/AIDS und Uganda: Hier werden der sozioökonomische Kontext Ugandas sowie die epidemiologischen Hintergründe der HIV/AIDS-Ausbreitung im Land dargestellt.

IV. Gatekeeper-Konzept und Gatekeeper in Uganda: Das Kapitel führt den soziologischen Begriff des Gatekeepers ein und überträgt ihn auf die ugandische Gesellschaft und deren Akteure.

V. Befragung der Gatekeeper in Uganda: Dieser Hauptteil beschreibt die empirische Methodik, charakterisiert die Stichprobe, stellt die Hypothesen auf und diskutiert die gewonnenen Ergebnisse.

VI. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Bedeutung von Gatekeepern als Multiplikatoren und fordert eine stärkere Einbindung lokaler Akteure in Präventionskampagnen.

Schlüsselwörter

HIV/AIDS, Uganda, Gatekeeper, Reproduktive Gesundheit, Abstinenzerziehung, Aufklärung, Opinion Leaders, Community Leaders, Prävention, Entwicklungspolitik, Sozialforschung, Mediennutzung, Religion, Empowerment, Multiplikatoren.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, welche Faktoren die Einstellungen von Gatekeepern in Uganda gegenüber HIV/AIDS-Prävention und Sexualaufklärung beeinflussen und welchen Akteuren diese Personen ihr Vertrauen schenken.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Gatekeeper-Konzept, die politische Debatte um Abstinenzerziehung versus umfassende Aufklärung, soziokulturelle Einflussfaktoren in Uganda und der Umgang mit der HIV/AIDS-Epidemie.

Was ist das primäre Ziel der Forschung?

Das Ziel ist es, zu verstehen, wie man Gatekeeper als Multiplikatoren gewinnen kann, um in ländlichen Regionen Ugandas effektivere Aufklärungsarbeit zur reproduktiven Gesundheit zu leisten.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es wurde ein quantitativer Ansatz gewählt, bei dem 232 Gatekeeper mittels eines fünfseitigen Fragebogens befragt wurden, ergänzt durch eine statistische Analyse mit dem Programm SPSS.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der empirischen Erhebung, der Charakterisierung der Stichprobe, der Überprüfung von 31 aufgestellten Hypothesen und einer ausführlichen Diskussion der Ergebnisse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Begriffe wie HIV/AIDS, Uganda, Gatekeeper, Reproduktive Gesundheit, Prävention und Opinion Leaders.

Welche Rolle spielen religiöse Institutionen in der untersuchten Stichprobe?

Die Arbeit zeigt, dass religiöse Institutionen zwar hohen Einfluss haben und oft Vorbehalte gegen eine liberale Sexualaufklärung besitzen, dennoch aber als wichtige Informationsquellen dienen, deren Einbindung für den Erfolg von Programmen entscheidend ist.

Was ist die Schlussfolgerung bezüglich der Abstinenzerziehung in Uganda?

Die Untersuchung deutet darauf hin, dass der staatlich favorisierte Abstinenzerziehungs-Ansatz in der Praxis problematisch ist und dass ein methodisch vielschichtigerer Ansatz, der auch die Realitäten der Bevölkerung berücksichtigt, notwendig ist.

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Details

Title
Welche Faktoren beeinflussen die Meinung der Gatekeeper über HIV/AIDS-Prävention und Sexualaufklärung in Uganda?
College
Free University of Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Grade
1,3
Author
Dipl. Pol. Tobias Raschke (Author)
Publication Year
2006
Pages
157
Catalog Number
V57111
ISBN (eBook)
9783638043038
ISBN (Book)
9783656815815
Language
German
Tags
Welche Faktoren Autoritäten Medien) Meinung Gatekeeper HIV/AIDS-Prävention Sexualaufklärung Uganda
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl. Pol. Tobias Raschke (Author), 2006, Welche Faktoren beeinflussen die Meinung der Gatekeeper über HIV/AIDS-Prävention und Sexualaufklärung in Uganda?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57111
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