In den letzten Jahren haben steigende Ausgaben die Kommunen in Nordrhein-Westfalen, wie auch in anderen Bundesländern, in eine tiefe Finanzkrise gestürzt. Das klassische kamerale Rechnungswesen öffentlicher Verwaltungen kann den zukünftigen Anforderungen zur Dokumentation und Gestaltung von Verwaltungshandeln nicht mehr Rechnung tragen. Ein doppisches Haushaltswesen auf der Basis des Neuen Kommunalen Finanzmanagements soll Kommunen in die Lage versetzen, betriebswirtschaftlich wie ein Kaufmann zu rechnen. Welche ausschlaggebenden Vorteile bietet das Neue Kommunale Finanzmanagement gegenüber dem traditionellen kameralistischen Haushalts- u. Rechnungswesen? Kann ferner durch ein integriertes Datenverarbeitungs- bzw. Anwendungssystem der Firma SAP AG das Neue Kommunale Finanzmanagement mit all seinen Anforderungen vollständig abgebildet werden? Der Autor Michael Ohrem beantwortet in diesem Buch die Kernfrage, ob Kommunen überhaupt mit der Branchenlösung SAP for Public Sector und weiteren SAP-Anwendungen in die Lage versetzt werden das Neue Kommunale Finanzmanagement mit seinen Komponenten und Geschäftsprozessen abbilden zu können. Im Hinblick auf diese Fragestellung analysiert er die Entwicklung und Realisation des Neuen Kommunalen Finanzmanagements mit Hilfe von SAP for Public Sector und weiteren SAP-Anwendungen anhand von ausgewählten typischen Geschäftsprozessen auf kommunaler Ebene.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen des kommunalen Finanzmanagements
2.1 Grundlagen der Kameralistik
2.1.1 Prinzipien der Kameralistik
2.1.2 Verwaltungskameralistik
2.1.3 Erweiterte Kameralistik
2.2 Doppik
2.2.1 Doppikbegriff
2.2.2 Aufgaben und Funktionen der Doppik
2.2.3 Anpassung der Doppik an kommunale Bedürfnisse
2.2.4 Buchungstechnische Ergänzungen
2.2.4.1 Variante von Lüder
2.2.4.2 Variante der KGSt
2.2.4.3 Vergleichende Bewertungen der Varianten
2.3 Neues Kommunales Finanzmanagement
2.3.1 Konzeptionelle Merkmale des Neuen Kommunalen Finanzmanagements
2.3.2 Komponenten des Neuen Kommunalen Finanzmanagements
2.3.2.1 Haushaltsplan
2.3.2.2 Bilanz
2.3.2.3 Ergebnisrechnung
2.3.2.4 Finanzrechnung
2.3.2.5 Jahresabschluss
3 Unternehmen der SAP AG
3.1 Unternehmensbeschreibung
3.2 Produkte der SAP AG
3.2.1 SAP R/3 und SAP R/3 Enterprise
3.2.2 mySAP Business Suite
3.2.3 Branchenlösungen
3.3 SAP for Public Sector
4 Realisierung des Neuen Kommunalen Finanzmanagements mit SAP for Public Sector
4.1 Strukturen der kommunalen Doppik mit SAP for Public Sector
4.1.1 Bestandteile des kommunalen Rechnungswesens
4.1.2 Integrative Grundstrukturen der kommunalen Doppik
4.1.2.1 Doppische Basisfunktionalitäten
4.1.2.2 Organisatorische Sichten
4.1.3 Zentrale Stammdaten
4.1.3.1 Kommunaler Kontenrahmen
4.1.3.2 Kostenstellen
4.1.3.3 Produkte
4.1.3.4 Investitionsprogramm
4.1.3.5 Anlagenbuchhaltung
4.2 Planung des Haushalts
4.2.1 Planungsprozess
4.2.2 Budgetierung
4.2.2.1 Outputorientierte Budgetierung
4.2.2.2 Investitionsbudgetierung
4.3 Geschäftsvorfälle
4.3.1 Buchungsgeschäft allgemein
4.3.2 Aufwandsbuchungen
4.3.3 Ertragsbuchungen
4.3.4 Zahlungszuordnungsverfahren
4.3.5 Tagesabschluss
4.4 Offene Schnittstellen
5 Probleme bei der Umsetzung
5.1 Probleme im personalen Bereich
5.2 Probleme im strukturellen Bereich
5.3 Probleme in den Bereichen Datensicherheit/Datenschutz
6 Schlussbemerkung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern Kommunen in Nordrhein-Westfalen die Anforderungen des Neuen Kommunalen Finanzmanagements (NKF) durch den integrierten Einsatz der Branchenlösung SAP for Public Sector sowie weiterer SAP-Anwendungen effizient abbilden und umsetzen können.
- Grundlagen des kommunalen Rechnungswesens und der Doppik
- Konzeptionelle Merkmale und Komponenten des NKF
- Einsatzmöglichkeiten von SAP R/3 und SAP for Public Sector in der öffentlichen Verwaltung
- Integrative Prozesse der kommunalen Doppik im SAP-System
- Herausforderungen und Problemlösungen bei der Implementierung des NKF
Auszug aus dem Buch
4.1.3.1 Kommunaler Kontenrahmen
Um alle Geschäftsvorfälle der Gemeinde zu verbuchen, bedarf es einer Menge an Konten. Damit diese Konten systematisch geordnet sind und die Zusammengehörigkeit bestimmter Einnahmen oder Ausgaben in Gruppen festgelegt werden kann, bedient man sich eines passenden Kontenrahmens. Dieser Kontenrahmen stellt quasi eine Organisationsübersicht der Buchführung dar. Darin sind die Konten und Kontenklassen nach bestimmten Kriterien gegliedert. Der Kontenrahmen der kommunalen Doppik lehnt sich an dem Kontenrahmen des Modellprojektes zur Einführung eines doppischen Kommunalhaushalts in Nordrhein-Westfalen (KR-K) an.
Dieser Kontenrahmen dient dazu, dass die Bezeichnungen der Konten eindeutig und verständlich gewählt werden und die Buchführung übersichtlich gegliedert ist, sodass sich jeder Fachmann sofort etwas darunter vorstellen kann und die gebuchten Vorgänge klar sind. Es dürfen dabei auch nur artgleiche Geschäftsvorfälle auf demselben Konto verbucht werden. Der oben angeführte Kontenrahmen folgt in seinen Grundzügen dem Abschlussgliederungsprinzip, womit die Reihenfolge der Kontenklassen den zu zeigenden Posten der Bilanz und der Ergebnisrechnung entspricht. Einen Unterschied zu herkömmlichen Kontenplänen findet man in den Kontenklassen 7 (Einzahlungen) und 8 (Auszahlungen). Jede Finanzrechnungskontierung (im KR-K Kontenklassen 7 und 8) ist einem Sachkonto der Finanzbuchhaltung (Kontenklassen 0-6) eindeutig zugeordnet. Bei zahlungsrelevanten Buchungen erfolgt automatisiert die Fortschreibung der (Teil-) Finanzrechnung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit des Wechsels vom kameralen zum doppischen Rechnungswesen in NRW und die Rolle von SAP bei dieser Transformation.
2 Theoretische Grundlagen des kommunalen Finanzmanagements: Dieses Kapitel erläutert die Prinzipien der Kameralistik, das Konzept der Doppik sowie die spezifischen Anforderungen des Neuen Kommunalen Finanzmanagements (NKF).
3 Unternehmen der SAP AG: Hier werden das Unternehmen SAP, dessen Produktportfolio mit Fokus auf R/3 und die mySAP Business Suite sowie die spezifische Lösung für den öffentlichen Sektor vorgestellt.
4 Realisierung des Neuen Kommunalen Finanzmanagements mit SAP for Public Sector: Der Hauptteil beschreibt die praktische Umsetzung des NKF im SAP-System, inklusive Stammdaten, Haushaltsplanung, Geschäftsvorfälle und Schnittstellen.
5 Probleme bei der Umsetzung: Dieses Kapitel untersucht Herausforderungen im personalen und strukturellen Bereich sowie Aspekte der Datensicherheit bei der Implementierung des NKF.
6 Schlussbemerkung und Ausblick: Zusammenfassung der Kernaussagen und Bewertung der Zukunftsfähigkeit des NKF in Verbindung mit SAP-Lösungen für die Kommunen in NRW.
Schlüsselwörter
Neues Kommunales Finanzmanagement, NKF, Doppik, Kameralistik, SAP for Public Sector, kommunale Haushaltsführung, Finanzbuchhaltung, Ressourcenverbrauchskonzept, Ergebnisrechnung, Finanzrechnung, SAP R/3, öffentliche Verwaltung, Haushaltsplanung, Kostenstellenrechnung, Projektsystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Umstellung des kommunalen Rechnungswesens in Nordrhein-Westfalen von der traditionellen Kameralistik auf das doppische Modell, unterstützt durch SAP-Softwarelösungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die theoretischen Grundlagen des Finanzmanagements, die technischen Möglichkeiten der SAP-Module im öffentlichen Bereich sowie die Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung in der Verwaltung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, ob Kommunen in NRW mittels der Branchenlösung SAP for Public Sector in der Lage sind, die Anforderungen des Neuen Kommunalen Finanzmanagements (NKF) fachgerecht und effizient abzubilden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptiv ausgerichtete wissenschaftliche Arbeit, die den Umsetzungsprozess anhand typischer Geschäftsprozesse auf kommunaler Ebene theoretisch und praktisch analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der SAP-Produkte und die detaillierte Darstellung der Umsetzungsschritte im SAP-System, unter anderem für Haushaltsplanung, Investitionsmanagement und Zahlungsverkehr.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind NKF, Doppik, SAP for Public Sector, Ressourcenverbrauchskonzept, Haushaltsvollzug und kommunale Kostenrechnung.
Wie unterscheidet sich die neue Buchführung von der alten Kameralistik?
Die neue doppische Buchführung basiert auf dem Ressourcenverbrauchskonzept statt auf dem reinen Geldverbrauchskonzept und ermöglicht eine bilanzorientierte Darstellung sowie Kosten- und Leistungsrechnung.
Warum spielt die Kostenstellenrechnung eine so zentrale Rolle?
Die Kostenstellenrechnung ermöglicht eine detaillierte Wirtschaftlichkeitskontrolle und bildet die Grundlage für die verursachungsgerechte Verteilung von Gemeinkosten in der öffentlichen Verwaltung.
Welche Rolle spielt das SAP-Projektmodul für Kommunen?
Das Projektsystem (Modul PS) bündelt Produkte und Dienstleistungen der Kommune, unterstützt die Optimierung von Geschäftsprozessen und dient als Instrument für Planung und Steuerung.
- Quote paper
- Dipl.-Betriebswirt (FH) Michael Ohrem (Author), 2006, Umsetzung des Neuen Kommunalen Finanzmanagements in Nordrhein-Westfalen mit SAP for Public Sector, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57427