Berichte zu Aggression und Gewalt von Jugendlichen an Schulen, in der Öffentlichkeit oder zwischen rivalisierenden Banden, finden sich in den Medien in extremer Häufigkeit. Man bekommt den Eindruck als sei dies das einzige Thema über das im Zusammenhang mir Heranwachsenden berichtet wird. Doch meist fehlt es diesen Berichten in Fernsehen, Internet oder Zeitungen nicht nur an der theoretischen Fundierung, viel gravierender ist, dass vergessen wird, Möglichkeiten darzustellen wie mit Aggression umgegangen werden kann und welche Chancen der Prävention und Intervention vorhanden sind. Mit den genannten Aspekten möchte ich mich im Folgenden auseinandersetzen. Welche Theorien zur Aggression gibt es und welche Auswirkungen können deren spezifische Annahmen auf Intervention und Prävention speziell bei Jugendlichen haben. Zu diesem Zwecke werde ich zunächst die drei populärsten Theorieansätze zur Aggression versuchen darzustellen. Danach werde ich kurz umreißen wie aggressives Verhalten richtig diagnostiziert und wie auf Basis einer solchen Diagnose interveniert werden kann. Auch Möglichkeiten der Prävention sollen hier dargestellt werden. Zum Schluss werde ich dann versuchen ein kleines Fazit zu ziehen. Bevor ich jedoch beginne, möchte ich nicht den häufig (auch von renommierten Wissenschaftlern) begangenen Fehler machen, zentrale Begriffe, die immer wieder auftauchen werden, nicht zu definieren. Ich werde zu diesem Zweck, soweit es mir möglich ist, auf Definitionen aus bekannten Werken zurückgreifen.
Inhaltsverzeichnis
1. Definition zentraler Begriffe
1.1. Die Triebtheorie Freuds
1.2. Aggressions – Frustrations - Hypothese
1.3. Aggression als erlerntes Verhalten
2. Die Diagnostik aggressiven Verhaltens
2.1. Möglichkeiten der Intervention
2.2. Prävention bei Heranwachsenden
3. Auswirkungen der Theorien
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht psychologische Theorien zu aggressivem Verhalten bei Heranwachsenden, um daraus fundierte Ansätze für effektive Präventions- und Interventionsmaßnahmen abzuleiten.
- Analyse klassischer und moderner Aggressionstheorien
- Diagnostische Verfahren bei aggressivem Verhalten
- Strategien und Rahmenbedingungen der Intervention
- Präventionsansätze im schulischen Umfeld
- Synthese theoretischer Annahmen für die praktische Anwendung
Auszug aus dem Buch
1.3. Aggression als erlerntes Verhalten
Die Theorie des sozialen Lernens geht davon aus, dass aggressive Verhaltensweisen, ähnlich wie viele andere Verhaltensweisen, durch Belohnung, Bestrafung, soziale Normen und vor allem durch die Beobachtung von Modellen (meist Personen in der unmittelbaren Lebenswelt) erworben wird. Modelle können aber auch beispielsweise Filmfiguren sein. Kommt es zu aversiven Erlebnissen, reagiert das Individuum abhängig von seiner Lerngeschichte darauf. Hat es die Erfahrung gemacht, dass aggressive Verhaltensweisen belohnt werden, wird es diese mit größerer Wahrscheinlichkeit anwenden als wenn dies nicht der Fall ist. Andere erlernte Verhaltensmuster könnten aber auch der Rückzug auf sich selbst, die Suche nach Lösungsstrategien oder auch Verdrängung durch Hilfe von Substanzkonsum sein. (vgl. Zimbardo, 1995, S. 430f) Zentral ist, dass „Reaktionsmuster die im Rahmen sozialer Prozesse als deviant etikettiert werden, (...) geeignete soziale Lerneinflüsse [benötigen], damit sie erworben und aufrechterhalten werden.“ (Bandura, 1979, S.76) Bandura sieht aber auch den Einfluss von Kräften die im Inneren des Menschen liegen. Er selbst fasst seine Theorie wie folgt zusammen:
„Vom Standpunkt des sozialen Lernens aus wird der Mensch weder durch innere Kräfte getrieben noch durch Umwelteinwirkungen hilflos herumgestoßen. Psychologische Prozesse werden vielmehr am besten in Form kontinuierlicher reziproker Interaktionen von Verhaltensweisen und ihrer kontrollierenden Bedingungen aufgefasst.“ (Bandura, 1979, S. 59)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definition zentraler Begriffe: Dieses Kapitel erläutert grundlegende theoretische Ansätze zur Entstehung von Aggression, beginnend bei der Triebtheorie über die Frustrations-Aggressions-Hypothese bis hin zur Theorie des sozialen Lernens.
2. Die Diagnostik aggressiven Verhaltens: Hier werden multimodale und multimethodale Diagnoseverfahren vorgestellt, die als notwendige Voraussetzung für jede Form der therapeutischen oder präventiven Intervention dienen.
3. Auswirkungen der Theorien: Das abschließende Kapitel reflektiert die dargestellten Theorien und diskutiert, wie deren Erkenntnisse in der Praxis von Prävention und Intervention bei Heranwachsenden sinnvoll kombiniert werden können.
Schlüsselwörter
Aggression, Jugendgewalt, Prävention, Intervention, Triebtheorie, Frustrations-Aggressions-Hypothese, Soziales Lernen, Diagnostik, Verhaltensmodifikation, Psychologie, Heranwachsende, Katharsis, Erlerntes Verhalten, Komorbidität, Multimodale Diagnostik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Einordnung von Aggression bei Jugendlichen und untersucht, wie verschiedene psychologische Theorien die Praxis der Prävention und Intervention beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Aggressionstheorien, diagnostische Strategien sowie konkrete Ansätze zur Verhaltensänderung und Krankheitsverhütung im Jugendalter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie theoretische Annahmen über aggressives Verhalten in effektive diagnostische Schritte und praktische Förderprogramme übersetzt werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse relevanter psychologischer Standardwerke und wissenschaftlicher Studien zu den Themen Triebtheorie, Lernpsychologie und Diagnostik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die drei populären Theorieansätze erläutert, gefolgt von einer Darstellung notwendiger diagnostischer Schritte und verschiedenen Möglichkeiten der therapeutischen Intervention.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Aggression, Soziales Lernen, Prävention, Intervention und multimodale Diagnostik charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Schule bei der Prävention?
Die Schule wird als idealer Ort für Präventionsprogramme angesehen, da sie die Zielgruppe direkt erreicht und Lehrer gezielt für die Vermittlung sozialer Kompetenzen geschult werden können.
Ist Aggression nach Bandura angeboren?
Nein, Bandura vertritt den Standpunkt, dass Aggression eine erlernte Verhaltensweise ist, die durch soziale Prozesse, Modelle und Konsequenzen wie Belohnung oder Bestrafung geprägt wird.
- Quote paper
- Florian Rößle (Author), 2006, Betrachtung psychologischer Theorien zu aggressivem Verhalten bezüglich Möglichkeiten der Prävention und Intervention bei Heranwachsenden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57963