Wie unterschiedlich schüren etablierte Zeitungen - BILD und FAZ - Angst in der Flüchtlingskrise?

Inhaltsanalyse zur Flüchtlingskrise


Seminararbeit, 2016

16 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Theorie
2.1 Securitization
2.2 Begründung der Wahl der Theorie

3. Methode:
3.1 Forschungsdesign

4. Hauptteil
4.1 Ergebnis. (1. Teil der Frage – wie wurde die potentielle Migrationsbedrohung konstruiert)
4.2 Ergebniss. (2 Teil der Frage – warum kam es zu einer Versicherheitlicung der Politik?)
4.3 Diskussion

5. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Betrachtet man die Auswirkungen der Medien auf das Schüren von Angst in der Gesellschaft, so lassen sich viele Aspekte finden, die einer wissenschaftlichen Untersuchung wert sind. Besonders beim Vergleich verschiedener Zeitungen lassen sich markante Unterschiede in der Berichterstattung erkennen. Infolgedessen haben wir uns entschieden, das bestimmende Thema der Medien im Zeitraum vom 28.10.2015 bis zum 24.11.2015 – genauer die Berichterstattung zur Flüchtlingskrise – mittels einer qualitativen inhaltlich-strukturierenden Inhaltsanalyse zu untersuchen . Dafür haben wir zwei im Kontrast stehende Zeitungen gewählt und diese in einer sogenannten „künstlichen Woche“ miteinander verglichen – die einflussreiche Boulevardzeitung BILD mit mehr als 12 Millionen Lesern im gesamtdeutschen Bundesgebiet und die als renommiert geltende Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) mit rund zwei Millionen Lesern. Die allgemeine Fragestellung, die wir uns erarbeitet haben, lautet wie folgt: Wie unterschiedlich schüren etablierte Zeitungen, wie die BILD oder die FAZ, – Angst in der Flüchtlingskrise?

Dabei haben wir im Voraus die Annahme getroffen, dass Angst in der Flüchtlingskrise durch Medien sehr wohl geschürt wird. Unsere Annahme hat sich während der Forschung bestätigt. Nach Erarbeitung der allgemeinen Forschungsfrage haben wir fünf Theorien ausgewählt – Agenda Setting, Identitätstheorie, Securitization, Kritische Diskursanalyse und die Nachrichtenwerttheorie, mit der wir unsere eigene spezifische Fragestellung belegen sollten. Dabei habe ich mich für die Securitization-Theorie entschieden und bin im Prozess der Kategorienbildung induktiv vorgegangen.

Gegenstand der folgenden wissenschaftlichen Ausarbeitung ist die Frage, wie die Medienberichterstattung die potentiellen Migrationsbedrohungen konstruiert hat und warum es zu einer Versicherheitlichung der Politik kam.

Zuerst werde ich die Theorie vorstellen und sie auf den konkreten Fall anwenden. Dann stelle ich die Methode vor, mit der ich gearbeitet habe. Im Hauptteil präsentiere ich schließlich meine Ergebnisse. Der Diskussionsteil dient der Gegenüberstellung meiner Ergebnisse und knüpft an den aktuellen Stand der Forschung an.

2. Theorie

2.1 Securitization

Die Securitization-Theorie von Buzan, Barry/Waever, Ole/de Wilde, Jaap 1998: versucht:

1. Sicherheitsbedrohungen aus sozialkonstruktivistischer Sicht zu erfassen
2. Materielle Unterfütterung von Bedrohungen zu abstrahieren
3. Den Sicherheitsbegriff um nicht militärische Bedrohungen zu erweitern
4. Den Wandel von Sicherheitsbedrohungen abzubilden (Stahl 2014: 126)

Ausgangspunkt der Theorie bildet die Annahme, dass Sprache Realität ist und eine Art der Wirklichkeit durch sogenannte Speech Acts der Securitizing Actors abbildet (Stahl 2014: 126). Speech Acts sind beispielsweise Reden, Kommentare, Interviews oder Meinungen von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens (zumeist Politiker), die über einen bestimmten Status verfügen und denen Glaubwürdigkeit aus der Gesellschaft entgegengebracht wird. Ihre Meinung muss nicht der Wahrheit entsprechen, hat aber einen sofortigen Einfluss auf die Gesellschaft. Die Bedrohung, die der Securitizing Actor definiert, muss nur als real durch die Gesellschaft angesehen werden. Ein Beispiel für einen Securitizing Actor wäre z.B. ein Politiker, ein Lobbyverband oder eine staatliche Behörde wie die Bundespolizei. Nach Äußerung einer gewissen Betrachtungsweise, Position oder Meinung polarisiert folglich der Securitizing Actor das Thema – billigt die Argumente und die Notfallmaßnahmen der Gesellschaft, der internationalen Akteure, Medien oder Institutionen. Akzeptiert die Audience – also die Einheit, an welche sich der Securitizing Move richtet, die Maßnahme, die der Securitizing Actor polarisiert hat - so gilt die Securitization als erfolgreich (Stahl 2014: 127). Die Securitization geschieht zumeist durch emergency measures – sogenannte Notmaßnahmen. Das sind Maßnahmen, zu denen man in einer Notlage greift, um eine Notsituation abzuwenden (Duden.de). Politische Angelegenheiten, die versicherheitlicht werden, nehmen einen gegenüber anderen Sachkomplexen höheren und dringenderen Stellenwert ein und haben oberste Priorität, da nach der Logik der existenziellen Bedrohung alle anderen Probleme ihre Bedeutung verlören, würde dieses eine Problem nicht gelöst (Buzan et. Al. 1998: 24). Die Theorie erklärt, wie eineVersicherheitlichung zustande kommt, welche Schritte genau befolgt werden, um eine Maßnahme, die im Normalzustand auf eine niedrige Akzeptanz stoßen würde, zu rechtfertigen und umzusetzen. Zur Veranschaulichung wendet Buzan Barry/Waever, Ole/de Wilde, Jaap (1998: Jahr) die Theorie auf die Rechtfertigung des Irakkriegs 2003 an. Die Theorie erklärt allerdings nicht, weshalb es dazu kommt, aus welchem Grund die Versicherheitlichung in den Internationalen Beziehungen stattfindet und wer von dieser Situation profitiert. Das ist ein wesentlicher Nachteil der Theorie.

Das Gegenteil einer Versicherheitlichung ist Desecuritization, d.h. die Depolitisierung eines sicherheitspolitischen Themas, die Relativierung eines Problems. Die drastischen Unterschiede zwischen einem nicht politisierten Thema, einem politisierten und einem versicherheitlichten Thema der Internationalen Beziehungen kann man am besten durch unten zu sehende Grafik illustrieren. In einem nicht-politisierten Thema mischt sich der Staat in eine bestimmte Angelegenheit der Öffentlichkeit nicht ein. Ein Problem ist nicht Teil einer öffentlichen Debatte. Bei einem politisierten Thema wird ein Problem im Rahmen üblicher Spielregeln des politischen Systems gelöst. Bei einem versicherlichten Thema wird das Problem durch einen Akt des Securitizing Actors gelöst, dies geschieht jedoch nicht im Rahmen der üblichen politischen Regeln, sondern kann auch auf Kosten von Einschränkung von Menschenrechten, der Privatsphäre, Einführung staatlicher Überwachungsmaßnahmen, Einschränkung der Reisefreiheit für bestimmte Bevölkerungsgruppen, verstärkte Kontrollen sicherheitsrelevanter öffentlicher Einrichtungen wie Flughäfen, Bahnhöfe etc. geschehen (Stahl 2014: 128). Die oben genannten Notmaßnahmen (emergency measures) werden nicht immer zwangsläufig als geltendes Recht etabliert, sondern sind vorübergehende Einschränkungen, die ergriffen wurden. Jedoch geschehen Notmaßnahmen auch außerhalb der üblich anerkannten politischen Spielregeln, da Sicherheit einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft einnimmt und eines der Hauptaufgaben des modernen Staates ist. (Bundeszentrale für Politische Bildung: Das Gewaltmonopol des Staates). Die Einschränkung mancher Grundrechte der US-amerikanischen Verfassung ist eindeutig erkennbar anhand der nach 9/11 etablierten Institution - DHS „Department for Homeland Security”, der NSA – National Security Agency und CIA – Central Intelligence Agency (Stahl 2014: 128). Die Grundrechte auf Datenschutz und Freizügigkeit oder politisches Asyl sind aufgrund neuer Überwachungen, gesenkter Datenschutzstandards und der Einschränkung der Ein- und Ausreise massiv betroffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Buzan et. al, 1998 S. 23)

2.2 Begründung der Wahl der Theorie

Anhand des Materials – den Bild Zeitungsberichten: „So trickst uns Österreich aus.“ (Artikel 28.10, BILD), „Sind unter den Flüchtlingen auch ISIS Terroristen?” (Artikel 16.11, BILD), „Was ist nur aus unserem Europa geworden“ (13.11.15 BILD), Asylfall Mohammad (Artikel 5.11 BILD) und den FAZ Zeitungsberichten - Magnet Deutschland (Artikel 13.11 FAZ), „Wohnraum für eine Million Migranten“(Artikel 28.10 FAZ), „Die Stunde von Architekten“, (Artikel 5.11 FAZ) und „Im Zeichen des Terrors“ (Artikel 5.11 FAZ) habe ich erkannt, dass durch die Rhetorik der Gesellschaftssubjekte auf einen Wandel in Deutschland vorbereitet wurde und dass dieser Umbruch die Gesellschaft als Ganzes sowohl mittelbar als auch unmittelbar betreffen wird.

Beim zweiten Überarbeiten der Kategorien war es mein Wille zu untersuchen, ob irgendwelche Notfallmaßnahmen durch sogenannte Speechacts erkennbar sind. Ob eine Versicherheitlichung anhand der Medienberichterstattung erkennbar ist, welche vermeintlichen Interessen dahinterstehen. Mein eigenes Interesse für Sicherheitspolitik habe ich dann mit der Medienberichterstattung verknüpft und habe mir so die Frage gestellt:

Wie hat die Medienberichterstattung die potentiellen Migrationsbedrohungen konstruiert und warum kam es zu einer Versicherheitlichung der Politik?

2.3 Theorieanwendung auf die folgende Fragestellung

Die Theorie lässt sich anwenden, wenn man unterstellt, dass es bei der Migrationsbedrohung um eine sicherheitspolitische Bedrohung handelt. Dabei versteht man unter Sicherheitspolitik alle Maßnahmen, die geeignet sind, um Konflikte zwischen Bürgern bzw. zwischen Staaten zu verhindern, und die der Schaffung bzw. dem Schutz der Unversehrtheit von Personen und Sachen bzw. der staatlichen Unverletzlichkeit dienen (Bundeszentrale für Politische Bildung: Sicherheitspolitik). Dieser Begriff umfasst nicht nur militärische Bedrohungen durch Staaten (wie z.B. die ISIS) oder Terrororganisationen wie Al Qaida i, sondern auch tiefer liegende Ursachen für Destabilisierung wie Armut, Hunger sowie ethnische oder religiöse Konflikte“. Als zweite wichtige Vorraussetzung, um die Theorie richtig interpretieren zu können, muss der Begriff Medien klar definiert werden. Unter Medien (lat. Medium = Mittel) versteht man die Instrumente, mit denen Informationen zwischen Sender und Empfänger ausgetauscht werden können. Medien lassen sich in Druckmedien (auch Printmedien), audiovisuelle Medien und elektronische Medien klassifizieren. Darunter fallen sowohl die Boulevardzeitung BILD als auch die FAZ, deren Berichterstattung in der weiteren Forschung untersucht werden.

3. Methode:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Mayring, P. 1993, S. 78)

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Wie unterschiedlich schüren etablierte Zeitungen - BILD und FAZ - Angst in der Flüchtlingskrise?
Untertitel
Inhaltsanalyse zur Flüchtlingskrise
Hochschule
Universität Passau
Note
2.0
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V583560
ISBN (eBook)
9783346191328
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Flüchtlingskrise, Bild, FAZ, Medien
Arbeit zitieren
B. A. Vaidotas Norkus (Autor), 2016, Wie unterschiedlich schüren etablierte Zeitungen - BILD und FAZ - Angst in der Flüchtlingskrise?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/583560

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