Die allgemeine Fragestellung, die wir uns erarbeitet haben, lautet wie folgt: Wie unterschiedlich schüren etablierte Zeitungen, wie die BILD oder die FAZ, – Angst in der Flüchtlingskrise?
Betrachtet man die Auswirkungen der Medien auf das Schüren von Angst in der Gesellschaft, so lassen sich viele Aspekte finden, die einer wissenschaftlichen Untersuchung wert sind. Besonders beim Vergleich verschiedener Zeitungen lassen sich markante Unterschiede in der Berichterstattung erkennen. Infolgedessen haben wir uns entschieden, das bestimmende Thema der Medien im Zeitraum vom 28.10.2015 bis zum 24.11.2015 – genauer die Berichterstattung zur Flüchtlingskrise – mittels einer qualitativen inhaltlich-strukturierenden Inhaltsanalyse zu untersuchen . Dafür haben wir zwei im Kontrast stehende Zeitungen gewählt und diese in einer sogenannten „künstlichen Woche“ miteinander verglichen – die einflussreiche Boulevardzeitung BILD mit mehr als 12 Millionen Lesern im gesamtdeutschen Bundesgebiet und die als renommiert geltende Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) mit rund zwei Millionen Lesern.
Dabei haben wir im Voraus die Annahme getroffen, dass Angst in der Flüchtlingskrise durch Medien sehr wohl geschürt wird. Unsere Annahme hat sich während der Forschung bestätigt. Nach Erarbeitung der allgemeinen Forschungsfrage haben wir fünf Theorien ausgewählt – Agenda Setting, Identitätstheorie, Securitization, Kritische Diskursanalyse und die Nachrichtenwerttheorie, mit der wir unsere eigene spezifische Fragestellung belegen sollten. Dabei habe ich mich für die Securitization-Theorie entschieden und bin im Prozess der Kategorienbildung induktiv vorgegangen.
Gegenstand der folgenden wissenschaftlichen Ausarbeitung ist die Frage, wie die Medienberichterstattung die potentiellen Migrationsbedrohungen konstruiert hat und warum es zu einer Versicherheitlichung der Politik kam.
Zuerst werde ich die Theorie vorstellen und sie auf den konkreten Fall anwenden. Dann stelle ich die Methode vor, mit der ich gearbeitet habe. Im Hauptteil präsentiere ich schließlich meine Ergebnisse. Der Diskussionsteil dient der Gegenüberstellung meiner Ergebnisse und knüpft an den aktuellen Stand der Forschung an.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie
2.1 Securitization
2.2 Begründung der Wahl der Theorie
3. Methode:
3.1 Forschungsdesign
4. Hauptteil
4.1 Ergebnis. (1. Teil der Frage – wie wurde die potentielle Migrationsbedrohung konstruiert)
4.2 Ergebniss. (2 Teil der Frage – warum kam es zu einer Versicherheitlicung der Politik?)
4.3 Diskussion
5. Resümee
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht mittels einer qualitativen inhaltlich-strukturierenden Inhaltsanalyse, wie die Zeitungen BILD und FAZ im Zeitraum vom 28.10.2015 bis zum 24.11.2015 Angst in der Flüchtlingskrise thematisiert und geschürt haben, wobei insbesondere die Konstruktion von Migrationsbedrohungen und die Versicherheitlichung der Politik analysiert werden.
- Vergleich der Berichterstattung zwischen Boulevard- und Qualitätsjournalismus
- Anwendung der Securitization-Theorie nach Buzan et al.
- Analyse der Konstruktion von Feindbildern und Migrationsbedrohungen
- Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Medienrhetorik und politischem Handeln
- Bewertung der Rolle der Medien in der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Flüchtlingskrise
Auszug aus dem Buch
4. Hauptteil
Allgemein lässt sich auf den ersten Blick sofort sagen, dass sich die Berichterstattung zwischen Bild und FAZ drastisch unterscheiden. Dies liegt am unterschiedlichen Leserklientel und völlig anderen Zielen der beiden Verlage. Die Boulevardzeitung BILD hat es wie alle Boulevardzeitungen zum Ziel einfach und prägnant Fakten darzustellen, die bestimmte Erwartungen des Lesers an die Zeitung erfüllen - indem ein gemeinsames Weltbild erschaffen wird. Zudem wollen sie ihre Leser unterhalten und moralisieren. Die FAZ ist eine Tageszeitung, die eher darauf abzielt, ein objektivistisches Bild über einen Sachverhalt darzustellen und die Leser zu einer Meinungsbildung zu fördern.
Bezogen auf unsere Analyse versucht die Bild, die Flüchtlingskrise als ein Chaos oder Tragödie der BRD darzustellen und eher Schuldige für die Migration zu finden, als Lösungsvorschläge aufzuzeigen. Die FAZ auf der anderen Seite, berichtet im selben Zeitraum im Detail, welche Herausforderungen Deutschland in Zukunft erwarten und mit welchen Problemen die Gesellschaft konfrontiert wird. Die Bild berichtet viel über die kleinsten jetzigen Geschehnisse, die FAZ über langfristige Probleme. Dabei berichtet die FAZ über Fakten, die als gesichert gelten, die Bild konzentriert sich auf klare, einfache, moralisierende Meinungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Ziel der Untersuchung dar, die unterschiedliche Angsterzeugung durch BILD und FAZ während der Flüchtlingskrise mittels einer Inhaltsanalyse zu vergleichen.
2. Theorie: Dieses Kapitel führt die Securitization-Theorie von Buzan et al. ein, um zu erklären, wie sicherheitspolitische Bedrohungen durch Sprache und politisches Handeln konstruiert werden.
3. Methode: Hier wird das Forschungsdesign beschrieben, welches die inhaltlich-strukturierende Inhaltsanalyse nach Mayring auf eine "künstliche Woche" von Zeitungsartikeln anwendet.
4. Hauptteil: Im Hauptteil werden die Analyseergebnisse präsentiert, die zeigen, dass die BILD eine moralisierende Krisendarstellung wählt, während die FAZ faktisch-langfristige Herausforderungen betont.
5. Resümee: Das Resümee stellt fest, dass die Medien durch die Konstruktion von Fremdbildern zur Wahrnehmung der Flüchtlingskrise beigetragen haben, wobei sich die Strategien der untersuchten Zeitungen deutlich unterschieden.
Schlüsselwörter
Flüchtlingskrise, Securitization, Medienberichterstattung, Angstschürung, BILD, FAZ, Inhaltsanalyse, Qualitative Forschung, Versicherheitlichung, Migrationsbedrohung, Boulevardjournalismus, Qualitätszeitung, Speech Acts, Mediale Konstruktion, Politische Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den medialen Einfluss auf die Wahrnehmung der Flüchtlingskrise und wie Zeitungen durch ihre Berichterstattung Angst in der Gesellschaft schüren oder thematisieren können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind der Vergleich zwischen Boulevard- (BILD) und Qualitätsmedien (FAZ), die Konstruktion von Migrationsbedrohungen sowie die Frage der Versicherheitlichung von Politik durch die Medien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie unterschiedlich etablierte Zeitungen wie die BILD und die FAZ Angst in der Flüchtlingskrise schüren bzw. wie sie Migrationsbedrohungen rhetorisch konstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Untersuchung verwendet?
Die Autoren nutzen die qualitative, inhaltlich-strukturierende Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring, unterstützt durch die Software MAXQDA.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil präsentiert die konkreten Ergebnisse der Inhaltsanalyse, wobei die unterschiedlichen Strategien der Zeitungen bei der Darstellung der Migrationsbedrohung und die Gründe für die politische Versicherheitlichung analysiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Securitization, mediale Konstruktion, Flüchtlingskrise, Versicherheitlichung und mediale Angstschürung charakterisiert.
Wie unterscheiden sich die Ansätze von BILD und FAZ laut dieser Analyse?
Die BILD nutzt eine emotionale, moralisierende und auf die Suche nach Schuldigen fokussierte Sprache, während die FAZ einen sachlicheren, differenzierteren und zukunftsorientierten Berichtsstil pflegt.
Führt die Analyse zu dem Schluss, dass die Flüchtlingskrise politisch missbraucht wurde?
Nein, das Fazit kommt zu dem Ergebnis, dass die durchgeführten Maßnahmen der Politik verhältnismäßig waren und die Flüchtlingskrise nicht für populistische Zwecke im Sinne einer bewussten Umdeutung missbraucht wurde.
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- B. A. Vaidotas Norkus (Autor), 2016, Wie unterschiedlich schüren etablierte Zeitungen - BILD und FAZ - Angst in der Flüchtlingskrise?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/583560