Geträumte Geschichte. "Ausflug der toten Mädchen" von Anna Seghers und "Der Traum" von Vercors im Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

31 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Die Grenzen der literarischen Darstellung von Geschichte
1.2 Der Traum als Grenzüberschreitung

2. Der Traum in Der Ausflug der toten Mädchen
2.1 Die Erzähltechnik und das Zeitverhältnis
2.2 Der Perspektivwechsel in der Binnenerzählung
2.3 Die Verwendung von Tempusformen
2.4 Die Traumsituation

3. Der Traum in Der Traum
3.1 Der Rahmen
3.2 Die Traumsituation
3.3 Die Begegnung der Darstellungsproblematik

4. Der Vergleich der Träume

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Die Grenzen der literarischen Darstellung von Geschichte

Die Darstellung von historischen Ereignissen ist, für die Kunst im Allgemeinen und die Literatur im Besonderen, schon immer ein beliebtes Sujet. Jedoch ist dies nicht ohne weiteres möglich, ohne auf eine Reihe von Problemen zu stoßen. Diese Probleme manifestieren sich speziell, wenn man ein historisches Ereignis mithilfe einer homodiegetischen Erzählinstanz zu präsentieren versucht. Diese Erzählsituation wirft unmittelbar die Frage auf, ob die gesamten Auswirkungen des betreffenden historischen Ereignisses, nur durch die subjektive Wahrnehmung einer einzelnen Person wiedergegeben werden können. Einzig durch die Wahl dieser Art der Darstellung entsteht also das Problem, dass die geschichtlichen Geschehnisse und deren Bedeutsamkeit für eine Vielzahl von Menschen auf die subjektiven Erlebnisse einzelner Figuren reduziert werden. Zudem eröffnet sich ein weiteres Problemfeld durch eine Tatsache, die unabhängig von der Erzählsituation auf jegliche literarische Darstellung von Geschichte zutrifft und die seit den ausführlichen Arbeiten Hayden Whites1 stark diskutiert wird. Bei diesem Umstand handelt es sich um die Frage, wie das Problem zu bewältigen ist, dass geschichtliche Ereignisse nur zeitlich rückblickend verstanden werden können. Solte-Gresser führt zu diesem Phänomen aus:

Für ihre schlüssige Darstellung müssen die ausgewählten Fakten und Ereignisse chronologisch angeordnet und kausallogisch verknüpft werden, damit eine kohärente, auf ein bestimmtes Ziel oder Ende hin ausgerichtete Geschichte entsteht. Eine solche historiographische (Re-)Konstruktion entspricht nicht der subjektiven Geschichtswahrnehmung der Zeitzeugen und lässt sich in der Wucht unmittelbarer Erfahrung kaum an nachfolgende Generationen vermitteln.2

Das Problem der Darstellung von Geschichte zeigt sich somit als ein Konflikt zwischen zwei Dingen. Das Erste ist die Art und Weise, wie man als Mensch den Verlauf von Ereignissen wahrnimmt, wenn man sie subjektiv erlebt. Auf der anderen Seite steht der im Nachhinein rekonstruierte historische Ablauf dieser Ereignisse, der auf Fakten beruht, die chronologisch und kausallogisch miteinander verknüpft werden, wozu man aber als Individuum während des Ereignisses nicht in der Lage sein kann.

Dieses Spannungsfeld stellt Autoren stets vor neue Herausforderungen, die sie versuchen mit unterschiedlichen literarischen Ansätzen zu bewältigen. Diese Strategien müssen sich zudem ebenfalls nach dem konkreten historischen Ereignis richten, welches beschrieben werden soll. Besonders relevant wird dies bei der Betrachtung von historisch bedeutsamen Ereignissen. Wichtige Beispiele aus der jüngeren Geschichte sind der Erste und Zweiten Weltkrieg, sowie die Shoah. Bei dieser geschichtlich sehr einschneidenden Thematik ergibt sich, neben den bereits erläuterten Schwierigkeiten, ein weiteres Problem. Während der Shoah wurde die systematische Vernichtung einer gesamten Bevölkerungsgruppe angestrebt, was auch die Beseitigung jeglicher Überbleibsel ihrer Existenz unweigerlich mit sich führt. Durch die Vernichtung können die Angehörigen dieser Bevölkerungsgruppe, die während der Shoah ermordet wurden und vergessen werden sollten, selber nicht als Zeugen für diesen Teil der Geschichte auftreten, sondern es müssen andere an ihre Stelle treten und für diese Menschen sprechen und berichten.3 Diese Problemantik der Darstellbarkeit, oder auch ‚Unsagbarkeit‘, spielt in den holocaust studies eine wichtige Rolle.4 Nach Agamben handelt es sich dabei um eine doppelte Aporie: Die geschichtlichen Ereignisse lassen sich nicht unter Zuhilfenahme einer klassischen Erzählstruktur vermitteln und die Überlebenden der Shoah sind zudem nicht die eigentlichen Zeugen. Die wahren Zeugen sind tot und können aus diesem Grund auch nicht mehr ihre eigene Geschichte erzählen.5 Anschließend an diese Überlegungen stellt sich für die Literatur zwangsläufig die Frage, welche Art der Präsentation am besten geeignet ist, um Geschichte authentisch literarisch darzustellen und die gleichzeitig den genannten Problemen Rechnung trägt.

1.2 Der Traum als Grenzüberschreitung

Eine Möglichkeit diese Grenzen zu überschreiten bietet der Traum. Dieser eignet sich hervorragend für die Darstellung von Unsagbarem, da sich im Modus des Traums ohnehin die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion überschreiten und ebenfalls chronologische Abfolgen von Ereignissen zum Verständnis nicht zwangsläufig vorausgesetzt sind. Zu weiteren Vorteilen des Traums konstatiert Solte-Gresser:

Gerade mittels literarischer Traumdarstellungen lassen sich Individuelles und Kollektives, Körperlich-Emotionales, unmittelbar Gegenwärtiges und Historisches oder Überzeitliches, Eigenes und Fremdes, Tatsächlich-Faktisches wie Fiktional-Erfundenes auf komplexe Weise miteinander verschränken. Im Traum können sie gar bis zur Untrennbarkeit zusammenfallen, um auf diese Weise dem viel – und äußerst kontrovers – diskutierten Phänomen der ‚Unsagbarkeit‘ und seinen Aporien zu begegnen.

Der Traum zeigt sich somit als probates Mittel, um literarische Darstellung von Geschichte möglich zu machen. Zumindest wird dies deutlich, wenn es darum geht, Erinnerungen an Weltkriege und die Shoah präsent zu halten. Jedoch wird der Traum nicht von jedem Autor auf die gleiche Art und Weise genutzt, um der Unsagbarkeit zu begegnen. Grade die Vielfalt der literarischen Inszenierungen unter Zuhilfenahme des Traums in ihrer gesamten kreativen Bandbreite ist es, die die Untersuchung von ‚historischem Träumen‘ so ergiebig macht. Zwei unterschiedliche Herangehensweise an diese Form werden im Folgenden analysiert, um so die unterschiedlichen Möglichkeiten exemplarisch darzustellen. In diesem Zusammenhang handelt es sich auch um zwei Texte, in denen die Themen Krieg und Shoah zentral sind. Konkret sind die Texte Der Ausflug der toten Mädchen von Anna Seghers und Der Traum von Vercors (bürgerlich Jean Marcel Bruller) Gegenstand der Untersuchung. Primär soll dabei festgestellt werden, wie die literarisch-ästhetische Darstellung der Träume funktioniert, welchen Zweck sie verfolgt und inwieweit durch das Setting des Traums die Möglichkeit eröffnet wird, der Unsagbarkeitsproblematik zu begegnen.

Das erste Analysekapitel befasst sich mit Der Ausflug der toten Mädchen. Als Erstes werden die Erzähltechnik und das Zeitverhältnis in den Fokus gerückt. Zu diesem Zweck werden danach auch der Perspektivwechsel in der Binnenerzählung und die Verwendung von verschiedenen Tempusformen analysiert. Der letzte Punkt in diesem Kapitel ist die konkrete Untersuchung der Traumsituation. Im zweiten Analysekapitel wird Vercors Der Traum thematisiert. Dieses Kapitel befasst sich mit der Rahmenerzählung gefolgt von der Traumsituation. Am Schluss des Kapitels steht die Analyse der Begegnung der Darstellungsproblematik in diesem Text. Auf die beiden Analysekapitel folgt der Vergleich der beiden Traumsituation. In diesem Abschnitt werden die Ergebnisse der Analysekapitel miteinander verglichen, um auf diese Weise die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Texte und Traumsituationen zu ermitteln. Ein Fazit, welches die Ergebnisse zusammenfasst und einordnet, bildet den Schluss der Arbeit. Durch diese Untersuchungen soll ein Beitrag zum Verständnis von literarischer Auseinandersetzung und Darstellung von Geschichte geleistet werden. Dieser Bereich ist besonders in Bezug auf die Shoah von Bedeutung, da dieses historische Ereignis sowohl die Geschichtswissenschaft als auch jegliche Form der Kunst mit der Darstellungsproblematik konfrontiert. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, die literarischen Möglichkeiten nachzuvollziehen und auszuloten, die in diesem Fall besonders der Traum zu bieten scheint.

2. Der Traum in Der Ausflug der toten Mädchen

2.1 Die Erzähltechnik und das Zeitverhältnis

Der Traum in Der Ausflug der toten Mädchen ist Teil einer sorgsam ausgefeilten Erzähltechnik, die sich Anna Seghers zunutze macht. Die Basis dieser Erzähltechnik ist die Kombination von unterschiedlichen Bewusstseinsebenen. In den verschiedenen Bewusstseinsebenen gibt es dabei eine synchrone Verschmelzung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Im Zuge dessen, gehen die zeitlichen Schichten fließend ineinander über und darüber hinaus kommt es an einigen Stellen innerhalb der Erzählung sogar zu einer Vermischung der äußeren und inneren Erlebniswelt.

Insgesamt gibt es in der Erzählung zwei räumlich-zeitliche Ebenen und eine weitere Ebene, die aus den anderen beiden entsteht und schwer als einzelne Ebene zu erfassen ist. Die Erzählergegenwart ist das mexikanische Exil, in das die Protagonistin während des Zweiten Weltkriegs geflüchtet ist: „Mir kam es plötzlich genauso phantastisch wie ihm vor, daß ich aus Europa nach Mexiko verschlagen war.“6 Dieses mexikanische Exil stellt sich als die erste Ebene dar und bildet den Rahmen für das Zurückversetzen in Kindheit und Schulzeit der Protagonistin. Das Zurückversetzen geschieht in Form eines Schulausflugs, der zeitlich vor dem Ersten Weltkrieg angesiedelt ist. Dieser Schulausflug tritt in das Bewusstsein der Protagonistin und bildet die zweite Ebene der Handlung. Ab diesem Punkt wird der Protagonistin die Anwesenheit alter Schulfreundinnen bewusst, die mit ihr auf dem Schulausflug sind. Haller-Nevermann stellt dazu fest: „Die Vergegenwärtigung der einzelnen beteiligten Schülerinnen ist dann (als eine dritte Ebene) der Ausgangspunkt für einen in die Zeit des Nationalsozialismus führenden Ausblick auf das spätere Geschick der Beteiligten.“7 Der Schulausflug und die Geschichten der Schülerinnen sind miteinander verknüpft und bilden so die Binnengeschichte.

Diese unterschiedlichen Ebenen sind sehr geschickt miteinander verbunden und der Wechsel zwischen den einzelnen Ebenen verläuft äußerst flüssig. Auf der ersten Ebene unternimmt die Emigrantin einen Spaziergang durch ihr mexikanisches Exil, welches aber von Anfang an als traumhaft charakterisiert wird. Dies geschieht durch Beschreibungen wie „Auch diese Bäume schienen eher zu brennen als zu blühen“ und „Ich konnte, obwohl mir die Augen vor Hitze und Müdigkeit brannten, den Teil des Weges verfolgen“ (A S. 207). Die erste Vorausdeutung auf den Rückblick in die Vergangenheit und die Heimat der Protagonistin ist die Verwendung des Begriffs „Heimfahrt“ (A S. 208). Dieser Begriff wird verwendet, nachdem sie von ihrem schlechten körperlichen Zustand berichtet und ihre Lage in ihrem neuen Aufenthaltsort beschreibt: „Um Rettung genannt zu werden, dafür war die Zuflucht in diesem Land zu fragwürdig und zu ungewiß.“ (A S. 207). Zudem wird bereits sehr früh von der „Müdigkeit“ (A S. 207) der Emigrantin gesprochen. Dies ist ein weiterer Hinweis auf den baldigen Wechsel in die traumhafte Binnengeschichte. Der Wechsel geschieht schließlich, als die Exilantin sich während ihres Spaziergangs niederlässt. Durch die Mischung aus Sehnsucht nach der Heimat, welche durch die Äußerung „Es gab nur noch eine einzige Unternehmung, die mich anspornen konnte: die Heimfahrt“ (A S. 208) deutlich wird und die Müdigkeit der Protagonistin, geht sie auf der Bank in eine Art Schlaf- oder Tagtraum über. Sie befindet sich in dieser Situation in einem „Schwebezustand, in dem außen und innen unlösbar verbunden erscheinen“8. Dieser Zustand wird wie folgt beschrieben: „Das Rancho lag, wie die Berge selbst, in flimmrigem Dunst, von dem ich nicht wußte, ob er aus Sonnenstaub bestand oder aus eigener Müdigkeit, die alles vernebelte, so daß die Nähe entwich und die Ferne sich klärte wie eine Fata Morgana.“ (A S. 208). Diese Sequenz bildet den Übergang in den Traum, was sich dadurch zeigt, dass die Müdigkeit der Emigrantin nun „zuwider“ ist und der Dunst vor ihren Augen nach dem Aufstehen „ein wenig verrauchte“ (A S. 208). Sie setzt ihren Weg fort und geht nun auf die „weiße Mauer“ (A S. 209‘) zu, was ein erneutes Indiz für den Traumzustand ist. Diese Mauer konnte die Protagonistin bereits zu Beginn von Weitem sehen und sie bewegt sich nun auf einem weißen Weg an dieser entlang. Die weiße Mauer wird nun, innerhalb des Traumerlebnisses, zu einer Projektionsfläche ihrer inneren Bilder.9 Als sie durch ein Tor tritt zeigt sich, dass sie den Traum sowohl sinnlich, als auch körperlich, absolut unmittelbar erlebt:

„Die Reste des Wappens kamen mir bekannt vor. […] Ich hörte jetzt inwendig zum Erstaunen ein leichtes, regelmäßiges Knarren. Ich ging noch einen Schritt weiter. Ich konnte das Grün im Garten jetzt riechen. […] Jetzt war meine Neugier wach, so dass ich durch das Tor lief, auf die Schaukel zu. Im selber Augenblick rief jemand: >>Netty!<<“ (A S. 209).

Die Exilantin schafft es somit durch Riechen, Sehen und Hören, also ihre eigenen Sinneseindrücke, ein reales Erleben der Situation zu imaginieren. Durch das Ertönen ihres Mädchennamens ist der Übergang in den Traum vollständig vollzogen und die Protagonistin wird wieder zur Schülerin. Jedoch offenbart sich bereits an dieser Stelle, dass sie sich nicht vollständig in ihr kindliches Selbst verwandelt, sondern dass sie ihr Wissen beibehält. Dies zeigt sich dadurch, dass sie darüber nachdenkt, dass sie schon lange nicht mehr mit dem Namen Netty angesprochen wurde. Zudem fasst sie sich an die Zöpfe und stellt mit Verwunderung fest, dass man „sie also doch nicht im Krankenhaus abgeschnitten“ (A S. 210) hatte.

Am Ende der Erzählung erlebt die Emigrantin einen erneuten Übergang, dieses Mal ist der Übergang von Erzählervergangenheit in Erzählergegenwart, also eine Rückkehr aus dem Traum in ihre Wachwirklichkeit. Dieser Übergang geschieht unmittelbar vor dem Ende des Texts und ist erneut in mehrere Wahrnehmungsstufen gegliedert. Als Erstes vernimmt die Protagonistin für sie ungewohnte Geräusche: „Ich hörte hinter sämtlichen Türen das Klatschen von Händen auf Teig in vertrautem Rhythmus, daß man auf diese Art Pfannkuchen buk, befremdete mich […] Ich hörte zugleich vom Hof her das zügellose Schreien von Truthähnen und wunderte mich, wieso man plötzlich im Hof Truthähne züchtete“ (A S. 237). Bei diesen Geräuschen handelt es sich aber bereits um Eindrücke aus der Wachwirklichkeit der Erzählenden, da sie hört wie in der Pulqueria, in der sie sich niedergelassen hatte, Tortillas hergestellt werden. Direkt nach den Geräuschen wird die Emigrantin von einem „überaus starke[n] Licht aus den Hoffenstern“ (A S. 237) geblendet. Auch der „Dunst“ des Anfangs kehrt in dieser Instanz wieder, „das Bewusstsein der Vergangenheit verdämmert“10. Der Übergang in den wachen Zustand ist mit der Äußerung: „Wie schade, ich hätte mich gar zu gern von der Mutter umarmen lassen. Wenn ich zu müd bin, hinaufzusteigen, wo nehme ich da die Kräfte her, um mein höher gelegenes Ursprungsdorf zu erreichen, in dem man mich zur Nacht erwartet?“ (A S. 237) komplett. Dass sie sich nur „schwach“ (A S. 237) daran erinnert ist ebenso ein Hinweis auf die Rückkehr in den Ausgangszustand, wie die Tatsache, dass ihre Müdigkeit wieder einsetzt. Der vorletzte Satz der Erzählung zeigt allerdings, dass der Traum in der Ich-Erzählerin etwas ausgelöst hat: „Plötzlich fiel mir der Auftrag meiner Lehrerin wieder ein, den Schulausflug sorgfältig zu beschreiben“ (A S. 238). Der letzte Satz sorgt abschließend dafür, dass der Bogen von Vergangenem zu Gegenwärtigem geschlagen wird: „Ich wollte gleich morgen oder noch heute abend, wenn meine Müdigkeit vergangen war, die befohlene Aufgabe machen“ (A S. 238). Zimmermann erläutert dazu: „Die Erzählerin hat mit der Erfüllung des ihr vor drei Jahrzehnten erteilten Auftrags die Zeit bewältigt und damit auch ihre Identität, die sie beim Ertönen des Namens Netty verloren zu haben schien, wiedergewonnen“11. Der Traum zeigt sich somit als Binnengeschichte, die in der Vergangenheit der Protagonistin spielt. Diese Binnengeschichte ist in den Rahmen der Erzählergegenwart eingebettet. Dabei zeigt sich, dass der Traum Auswirkungen auf die Gegenwart und Wachwirklichkeit der Protagonistin hat, gleichzeitig aber auch das Wissen der Erzählergegenwart mit in den Traum genommen wird und es dadurch Einfluss auf diesen nimmt.

2.2 Der Perspektivwechsel in der Binnenerzählung

Die Abgrenzung der beiden Ebenen in Form von Rahmen- und Binnenerzählung ist strukturell relativ einfach zu erkennen. Im Gegensatz dazu ist der Wechsel der Perspektiven innerhalb der Binnengeschichte deutlich komplexer gestaltet. Es kommt an einer Vielzahl von Stellen zu einer Verschmelzung der Erinnerung an den Schulausflug mit dem Wissen der Erzählergegenwart, wozu sich das Setting des Traums sehr gut eignet. Häufig wird die Kombination dieser beiden Ebenen sogar in einem einzigen Satz durchgeführt. Das erste Beispiel für eine derartige Kombination findet sich bereits zu Anfang der Binnengeschichte, als die Protagonistin ihre Schuldfreundin Leni erblickt:

„Ich wunderte mich zugleich, wieso man Lenis Gesicht gar keine Spur von den grimmigen Vorfällen anmerkte, die ihr Leben verdorben hatten. Ihr Gesicht war so glatt und blank wie ein frischer Apfel, und nicht der geringste Rest war darin, nicht die geringste Narbe von den Schlägen, die ihr die Gestapo bei der Verhaftung versetzt hatte, als sie sich weigerte, über ihren Mann auszusagen“ (A S. 210)

An dieser Stelle durchdringen sich die zeitlichen Ebenen das erste Mal gegenseitig. Dabei wird die Verwendung von Wörtern, die eine bestimmte zeitliche Verankerung vorgeben, geschickt genutzt, um den fließenden Übergang der Ebenen zu gewährleisten. Die Wörter „Spur“, „verdorben“, „Rest“ und „Narbe“ sind eigentlich Indizien dafür, dass es sich in diesem Fall um eine nachträgliche Erzählung handelt, da Narben nur von etwas bereits Geschehenem ausgelöst werden können und nicht von etwas, das erst geschehen wird. Dabei wirkt das Erzählte aber auch nicht unrealistisch, da das Bewusstsein der Erzählergegenwart noch vorhanden ist. Dies wird dadurch deutlich, dass die Erzählerin sich darüber „wundert“, dass keinerlei Spuren der späteren Taten zu erkennen sind. Diese Konstruktion zeigt, wie in diesem Traum Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als Gleichzeitigkeit inszeniert wird.12 Grossmann stellt zum Wechsel der zeitlichen Ebenen fest:

Vergangenheit ist durch die Dichtung Realität geworden. Eine vergangene Situation wird heraufbeschworen. Es bleibt aber nicht bei dieser Wiederentdeckung. Gleichzeitig wird auch das Wissen der Dichterin von der Zukunft der Menschen ihrer Erzählung, von alledem, was zwischen dem Gegenwart gewordenen Damals und dem realen Nachher liegt, mit eingebracht.13

Diese Vermischung der Ebenen sorgt ebenfalls dafür, dass die Ereignisse nicht chronologisch wiedergegeben werden. Bereits der Titel Erzählung, der als Oxymoron angelegt ist, weist auf diesen Umstand hin. Es zeigt sich mit zunehmender Härte, dass die Ereignisse des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie der Shoah, in die Erinnerungen an den idyllischen Schulausflug in der rheinischen Heimat der Protagonistin hereinbrechen, die zeitlich eigentlich weit von diesem entfernt liegen.

Innerhalb der Binnengeschichte sind zwei Arten des Verweises auf künftige Ereignisse zu erkennen: auf der einen Seite der direkte Verweis durch die Darlegung der späteren Geschehnisse und wie sie Einfluss auf die entsprechenden Personen nehmen. Auf der anderen Seite sind einige Stellen zu finden, die auf indirekte Art auf das spätere Geschehen verweisen. Diese beiden Verfahren werden auch kombiniert, so wie es bei der Darstellung des Mädchens Marianne festzustellen ist. Ihr Fehlverhalten wird zunächst nur durch Anspielungen vorausgedeutet: „Man sah ihr ebenso wenig wie einer Blume Zeichen von Herzlosigkeit an, von Verschulden oder Gewissenskälte“ (A S. 211). Erst kurz darauf wird durch eine direkte Darlegung der Ereignisse das spätere Leben und das „Verschulden“ von Marianne für den Rezipienten zugänglich gemacht: Als Marianne von den Nachbarn gefragt wird, ob sie Reisegeld für Lenis Kind leihen könnte „weigerte [sie] sich und fügte hinzu, ihr eigener Mann sei ein hoher Nazibeamter, und Leni samt ihrem Mann seien zu Recht arretiert, weil sie sich gegen Hitler vergangen hätten“ (A S. 213). Es zeigt sich zudem aber auch an mehreren Stellen, dass die Erzählerin nicht nur ihr eigenes Wissen aus der Gegenwart besitzt, sondern dass sie ebenfalls Dinge weiß, die sie nicht wissen kann. Dies geschieht bereits zu Anfang, als davon berichtet wird, dass Lenis Stirnfalte zu einem „ständigen Merkmal“ im Frauenkonzentrationslager wurde und, dass „sie selbst im Tod ihr Apfelgesicht mit der eingekerbten Stirn behalten hatte“ (A S. 211). Auch, dass Marianne „sich noch deutlich dieses Ausflugs [erinnerte], als Nora, die Leiterin der Nationalsozialistischen Frauenschaft geworden war, sie dort als Volksgenossin und ehemalige Schulkameradin begrüßte“ (A S. 215) kann die Erzählerin nicht wissen. Nach Cohen geht „das Wissen der Erzählerin […] in wachsendem Maße über das hinaus, was sie von irgendjemand erfahren haben könnte“14. An diesen Stellen wird somit ein Wissen inszeniert, „das sich nicht realistisch-kausallogisch, sondern nur mit der Logik des Traums erklären lässt“15. Die Darstellung der „unmittelbare[n], fast makabre[n] Verschmelzung von heiterem Beginn und grausamem Ende, von friedlicher Idylle und kriegerischer Zerstörung“16 ist somit das Hauptelement des Traums und dient dazu, dem Rezipienten die Unfassbarkeit der Lebenswege der einzelnen Figuren vorzustellen. Durch den geschickt inszenierten Übergang der verschiedenen Ebenen innerhalb der Binnengeschichte und unter zusätzlicher Zuhilfenahme des Settings ‚Traum‘, begegnet die Autorin auf diese Weise dem Problem der Unsagbarkeit der Ereignisse.

2.3 Die Verwendung von Tempusformen

Neben den verwendeten Erzähltechniken, die bereits erläutert wurden, ist die Verwendung verschiedener Tempusformen ebenfalls integral für die Verschmelzung der unterschiedlichen Ebenen innerhalb des Traums. Seghers bedient sich zum Erzählen hauptsächlich des Präteritums, auch um innerhalb der Binnenerzählung auf die Gegenwart zu verweisen. Dies ist nicht sonderlich verwunderlich, da es bei diesen Erzählvorgängen nicht prinzipiell um Vergangenes geht, „sondern weil es als Tempus der Erinnerung der Grundhaltung des Erzählens entspricht“17. Auffällig hingegen ist besonders die häufige Verwendung des Plusquamperfekts. Zur Veranschaulichung dieser Nutzung des Plusquamperfekts dient eine Stelle, die bereits in ähnlichem Zusammenhang zitiert wurde, die dieses Mal jedoch unter den grammatikalischen Aspekten untersucht werden soll:

„Auf jedem Ende der Schaukel ritt ein Mädchen, meine zwei besten Schulfreundinnen. Leni stemmte sich kräftig mit ihren großen Füßen ab, die in eckigen Knopfschuhen steckten. Mir fiel ein, daß sie immer die Schuhe eines älteren Bruders erbte. Der Bruder war freilich schon im Herbst 1914 im ersten [sic] Weltkrieg gefallen. Ich wunderte mich zugleich, wieso man Lenis Gesicht gar keine Spur von den grimmigen Vorfällen anmerkte, die ihr Leben verdorben hatten. Ihr Gesicht war so glatt und blank wie ein frischer Apfel, und nicht der geringste Rest war darin, nicht die geringste Narbe von den Schlägen, die ihr die Gestapo bei der Verhaftung versetzt hatte, als sie sich weigerte, über ihren Mann auszusagen“ (A S. 210)

Obwohl die einzelnen Etappen aus Lenis Leben in der korrekten historischen Abfolge dargestellt werden, verweist die grammatikalische Struktur auf eine andere Reihenfolge. Die Verwendung des Plusquamperfekts müsste sich an dieser Stelle auf eine Zeit vor dem Präteritum beziehen, welches durch die Wörter „ritt“, „steckte“ und „war“ etabliert wird. Die Struktur „war schon im ersten Weltkrieg gefallen“, „hatte ihr Leben verdorben“ und „hatte ihr die Gestapo versetzt“ setzt demnach voraus, dass diese Ereignisse vor dem Ritt auf der Schaukel liegen. Solte-Gresser erläutert dazu:

Das tut es aber nur, wenn man die Gegenwart nicht im Traumerleben selbst ansetzt, sondern im mexikanischen Exil; das heißt, wenn man sodann von dort direkt in die Erinnerung des Kinderausflugs eintaucht und die Kriegsereignisse erst als danach ins Bewusstsein gelangende, gewissermaßen als tief darunter liegende Schicht der Erinnerung betrachtet, die alles andere prägt oder gar erst hervorbringt.18

Der Schulausflug und die Reise in die Kindheit lassen sich also im Prinzip nur vor der Folie der Erzählergegenwart wahrnehmen, die durch ihr Wissen einen großen Einfluss ausübt.

Eine weitere Stelle in der das Plusquamperfekt genutzt wird, um ein Ereignis aus der Zukunft darzustellen, während im Präteritum berichtet wird, lautet: „Sie stand vergnügt und aufrecht da, bestimmt zu arbeitsreichem Familienleben, mit den gewöhnlichen Freuden und Lasten des Alltags, nicht zu einem grausamen Ende in einem abgelegenen Dorf, wohin sie von Hitler verbannt worden war“ (A S. 236). Es zeigt sich die gleiche Struktur wie im vorherigen Zitat: die Verbannung hätte, der grammatischen Struktur folgend, vor dem vergnügten und aufrechten Stehen geschehen müssen. In der Erzählung stehen das Harmonische und die Idylle des Schulausflugs im Traum direkt neben der erschreckenden Zukunft des Krieges. Um diesen Kontrast zwischen Gegenwärtigem und Zukünftigem darzustellen und die Zukunft offenzulegen, wird das Plusquamperfekt eingesetzt, da es das Ziel der Autorin ist „das Unwiderrufliche der Faktizität, des tatsächlich Geschehenen bewusst [zu machen], das hier um so mehr dieser Bekräftigung bedarf, als die Gegenwart gemeinhin den Blick in die Zukunft versperrt“19.

Neben der Verwendung des Plusquamperfekts sind aber auch noch weitere Tempusformen festzustellen. Das Futur ist eine weiter wichtige Zeitform, die häufig verwendet wird. Es wird genutzt, um beispielsweise von Mariannes Jugendfreund zu berichten, um den sie später „auch, wenn ihr Feldpostbrief mit dem Stempel >>Gefallen<< zurückkommt, wie eine Witwe trauern wird“ (A S. 222). Hier wird das Futur genutzt, um auf ein Ereignis zu referieren, welches nach dem Schulausflug liegt. Durch vorherige Informationen ist der relativ genaue Zeitpunkt sogar bekannt, er fällt „schon 1914 in einem Studentenbataillon in den Argonnen“ (A S. 221). Das Ereignis befindet sich somit nach dem Schulausflug, aber weit vor der Gegenwart im mexikanischen Exil. Zudem wird das Futur auch genutzt, um darzustellen, dass die Erzählerin etwas mehr weiß, als es ihre gegenwärtige Situation erlauben würde. Dies wird besonders an folgender Stelle deutlich:

[…] die runden Kulleraugen der kleinen Burschen und die schrägen, behaglichen des alten Kafeeschleckers von Lehrer lagen erfreut auf ihrem Lockenkopf, um den ein Samtband gedreht war. Einmal, im russischen Winter 1943, wenn ihr Spital unerwartet unter dem Bombardement liegt, wird sie genauso klar wie ich jetzt an das Samtbändchen in ihrem Haar denken und an das weiße, sonnige Wirtshaus und den Garten am Rhein und an die ankommenden Knaben und die abfahrenden Mädchen. (A S. 227)

Die verwendete Zeitform ist das Futur, jedoch verweist dieses hier auf eine doppelte Zukünftigkeit.20 Das beschriebene Ereignis ist zeitlich noch weit entfernt vom Schulausflug, aber im Gegensatz zum vorherigen Beispiel, fällt es auch nicht mit der Gegenwart im mexikanischen Exil zusammen. Das Zurückdenken an das Samtband geschieht als „jetzt“ innerhalb des Traumes und Ida wird es später während des Bombardements tun. So ergibt es sich, dass das Erzählen „für die Erzählerin […] ein rückwirkendes, erinnerndes Gedenken“21 ist. Durch die Formulierung „wird sie genauso klar wie ich jetzt“ zeigt sich aber, dass Ida sich erst später daran erinnern wird. Zimmermann stellt zur Verwendung der unterschiedlichen Tempi fest: „Die Zeitstufen sind damit ihres temporalen Charakters völlig entkleidet“22. Für ihn handelt es sich bei deren Verwendung „nicht um eine Zeitangabe, sondern allein um den Ausdruck einer bestimmten Sehweise“23.

[...]


1 Für eine Zusammenfassung vgl. Korhonen, Kuisma (Hg.): Tropes for the Past: Hayden White and the History /Literature Debate, Radopi, Amsterdam 2006.

2 Solte-Gresser, Christiane: Traumzeit und Geschichtserfahrung: Zu Anna Seghers‘ Der Ausflug der toten Mädchen, in: Zeit im Traum. Hrsg: Christian Quintes, Laura Vordermayer, Fink, Paderborn 2020, (im Druck).

3 Vgl. Solte-Gresser: Traumzeit und Geschichtserfahrung.

4 Zur Signifikanz der Unsagbarkeit für die holocaust studies vgl. LaCapra, Dominick: Representing the Holocaust. History, Theory, Trauma, Cornell University Press, London 1994.

5 Vgl. Agamben, Giorgio: Was von Auschwitz bleibt. Das Archiv und der Zeuge, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003, S. 137.

6 Seghers, Anna: Erzählungen. Band 1, Luchterhand, Berlin 1963, S. 207. Zitate aus diesem Text werden im Folgenden mit der Sigle >A< und Seitenangaben im Fließtext versehen.

7 Haller-Nevermann, Marie: Jude und Judentum im Werk Anna Seghers‘. Untersuchungen zur Bedeutung jüdischer Traditionen und zur Thematisierung des Antisemitismus in den Romanen und Erzählungen von Anna Seghers, Peter Lang, Frankfurt am Main 1996, S. 92.

8 Zimmermann, Werner: Anna Seghers, Der Ausflug der toten Mädchen (1962/1964), in: Werner Zimmermann: Deutsche Prosadichtungen unseres Jahrhunderts, Band 2, Pädagogischer Verlag Schwann, Düsseldorf 1969, S. 331.

9 Vgl. Solte-Gresser: Traumzeit und Geschichtserfahrung.

10 Zimmermann: Der Ausflug der toten Mädchen, S. 332.

11 Ebd.

12 Vgl. Solte-Gresser: Traumzeit und Geschichtserfahrung.

13 Grossmann, Walter: Die Zeit in Anna Seghers „Der Ausflug der toten Mädchen“, in: Sinn und Form, Heft 1 1962, S. 128.

14 Cohen, Robert: ‘Die befohlene Aufgabe machen‘. Anna Seghers‘ Erzählung „Der Ausflug der toten Mädchen“, in: Monatshefte 79,2 (1987), S. 189.

15 Solte-Gresser: Traumzeit und Geschichtserfahrung.

16 Zimmermann: Der Ausflug der toten Mädchen, S. 337.

17 Brinkmann, Hennig: Die deutsche Sprache, Schwann Verlag, Düsseldorf 1962, S. 331f.

18 Solte-Gresser: Traumzeit und Geschichtserfahrung.

19 Zimmermann: Der Ausflug der toten Mädchen, S. 336.

20 Vgl. Solte-Gresser: Traumzeit und Geschichtserfahrung.

21 Ebd.

22 Zimmermann: Der Ausflug der toten Mädchen, S. 335.

23 Ebd, S. 336.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Geträumte Geschichte. "Ausflug der toten Mädchen" von Anna Seghers und "Der Traum" von Vercors im Vergleich
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Lehrstuhl Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar "Erzähltextanalyse: Jüdische Geschichte als Fiktion"
Note
2,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
31
Katalognummer
V584903
ISBN (eBook)
9783346186140
ISBN (Buch)
9783346186157
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Traum, Geschichte, Anna Seghers, Ausflug der toten Mädchen, Vercors, Der Traum, Le songe, Geträumte Geschichte, Vergleich
Arbeit zitieren
Karsten Klein (Autor), 2020, Geträumte Geschichte. "Ausflug der toten Mädchen" von Anna Seghers und "Der Traum" von Vercors im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/584903

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