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Territorialisierung am Beispiel des Erzstiftes Mainz

Title: Territorialisierung am Beispiel des Erzstiftes Mainz

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 23 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Constanze Kunze, geb. Martin (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Die Geschichte der Stadt Mainz ist wechselhaft. Ihre Kirchengeschichte ist es ebenfalls. Spätestens für die Zeit um 540/50 dürfen Erwähnungen von Mainzer Bischöfen als gesichert gelten. Die Entwicklung des Stiftes Mainz steht in untrennbarem Zusammenhang mit der Entwicklung des Bistums, dessen weltliche Habseligkeiten ersteres zu verwalten, zu betreuen und bisweilen auch zu mehren hatte. So wurde das Bistum 780/1 zum Erzbistum erhoben und mit ihm das Stift zum Erzstift. Die Grundlage allen weltlichherrschaftlichen Handelns des Erzbischofs bildete zunächst „das reiche Kirchengut, über welches das Erzstift schon in karolingischer Zeit“ in Mainz und seiner näheren Umgebung verfügte1. Das Vermögen fußte auf kirchlichem Zehnten, Eigenkirchen und Grundbesitz2. Eine weitere Voraussetzung für das nun folgende territoriale Handeln der Erzbischöfe bestand in der wahrscheinlich unter Bischof Wilhelm (954-968) erlangten Immunität des Mainzer Kirchenbesitzes. Diese machte eine Herauslösung aus zuvor bestehenden Besitzrechten erst möglich, wenn auch kaum anzunehmen ist, dass zu jener Zeit bereits nennenswerte Territorialkomplexe entstanden seien. Viel eher ist davon auszugehen, dass es sich um den für die Zeit üblichen Streubesitz handelte, der keineswegs ein regional homogenes Bild ergeben hätte3.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Das Erzstift Mainz – die Anfänge

2. Territorialisierung des Erzstiftes

2.1 Bestrebungen des Erzbischofs Adalbert I. (1111-1137)

2.2 Territoriale Entwicklung des Erzstiftes in den Jahren 1137 bis 1200

2.3 Die Gebiete des Erzstifts im 13. Jahrhundert

2.3.1 Großraum Hessen

2.3.2 Großraum Thüringen

2.3.3 Großraum Rhein-Main-Gebiet

2.3.4 Einfluss Rudolfs von Habsburg

3. Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht den Prozess der Territorialisierung des Erzstiftes Mainz vom Mittelalter bis zum ausgehenden 13. Jahrhundert. Dabei wird analysiert, wie die Mainzer Erzbischöfe trotz fehlender dynastischer Strukturen versuchten, ein geschlossenes Herrschaftsgebiet aufzubauen, und welche Faktoren – wie politische Rivalitäten oder kaiserliche Einflussnahme – diesen Prozess förderten oder hemmten.

  • Entwicklung des Erzstiftes als weltliches Herrschaftsterritorium
  • Strategien der Machtkonsolidierung unter den Erzbischöfen
  • Vergleichende Betrachtung der Territorialpolitik geistlicher und weltlicher Fürsten
  • Einfluss politischer Rahmenbedingungen wie Interregnum und Reichspolitik
  • Bedeutung von Schenkungen, Erwerbungen und Privilegien für den Gebietsaufbau

Auszug aus dem Buch

Territorialisierung des Erzstiftes

Versteht man den Begriff der Territorialisierung im wörtlichen Sinne, so bezeichnet er die Bildung zusammenhängender Herrschaftsgebiete. Dazu zählt auch das Schließen eventuell bestehender oder sich auftuender Lücken innerhalb des betreffenden Herrschaftsgebietes, sei es durch Kauf, Eroberung oder Zugewinn auf Grund dynastischer Verbindungen. Gerade letztere Möglichkeit erfreute sich seit jeher großer Beliebtheit, ermöglichte die Heiratspolitik hoher Häuser doch die Sicherung von Gebietserwerbungen. Hinzu kam, dass die neu geschaffenen Territorien dank der Kinder als Rechtsnachfolger Aussicht hatten, dauerhaft in Familienbesitz zu bleiben und von Generation zu Generation vergrößert zu werden.

Diese Möglichkeit stand den geistlichen Fürsten nicht offen. Sollte es je Abkömmlinge gegeben haben, so waren sie selbstredend keinesfalls nachfolgerelevant. Alternativ wurde im Laufe der Geschichte des Erzbistums und Erzstiftes Mainz zwar gelegentlich die Möglichkeit ergriffen, einen nahen Verwandten eines bereits zum Erzbischof Gewählten in dieses Amt zu versetzen. Außerdem scheint die Vogtei über die erzstiftischen Güter seit 1040 „ein und demselben Verwandtschaftskreis, der enge Beziehungen zur Abtei Fulda besaß“, anvertraut gewesen zu sein. Dennoch kann von dynastischem Denken und Handeln im eigentlichen Sinne keine Rede sein. Den Erzbischöfen blieben also entweder käuflicher Erwerb, Tausch oder Eroberung, soweit sie überhaupt ein Interesse an der Territorienbildung ihres Stiftes hatten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Das Erzstift Mainz – die Anfänge: Dieses Kapitel erläutert die frühe Entwicklung des Bistums Mainz zum Erzstift sowie die grundlegenden Bedingungen für das weltliche Handeln der Erzbischöfe.

2. Territorialisierung des Erzstiftes: Hier wird der theoretische Rahmen und der praktische Vollzug der Territorialbildung unter verschiedenen Erzbischöfen dargestellt.

2.1 Bestrebungen des Erzbischofs Adalbert I. (1111-1137): Das Kapitel analysiert die Politik Adalberts I., der als erster bedeutender Territorialpolitiker auf dem Mainzer Stuhl gilt und gezielt Burgen und Klöster für den Herrschaftsausbau nutzte.

2.2 Territoriale Entwicklung des Erzstiftes in den Jahren 1137 bis 1200: Hier werden die Rückschläge und Konsolidierungsphasen unter den Nachfolgern Adalberts sowie der Einfluss der Reichspolitik unter Friedrich Barbarossa thematisiert.

2.3 Die Gebiete des Erzstifts im 13. Jahrhundert: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die regionalen Besitzkonzentrationen, etwa in Hessen, Thüringen und im Rhein-Main-Gebiet.

2.3.1 Großraum Hessen: Fokus auf die Bemühungen der Mainzer, durch Entvogtung und Erwerbungen ihre Stellung in Hessen zu festigen.

2.3.2 Großraum Thüringen: Beschreibung der schwierigen territorialen Lage in Thüringen, wo die Eigenständigkeit der Stadt Erfurt die Mainzer Ambitionen herausforderte.

2.3.3 Großraum Rhein-Main-Gebiet: Analyse des bedeutenden Gebietszuwachses durch die Schenkung der Reichsabtei Lorsch im Jahr 1232.

2.3.4 Einfluss Rudolfs von Habsburg: Untersuchung der Rolle des neuen Herrschers Rudolf von Habsburg bei der Begrenzung der territorialen Eigenständigkeit des Erzstiftes.

3. Schlussbemerkungen: Das Kapitel fasst zusammen, dass das Erzstift Mainz trotz ständiger Behinderungen durch rivalisierende Mächte eine beachtliche, wenn auch territorial fragmentierte Machtbasis im Mittelalter schuf.

Schlüsselwörter

Territorialisierung, Erzstift Mainz, Erzbischof, Adalbert I., Mittelalter, Landesherrschaft, Reichspolitik, Herrschaftsgebiete, Vogtei, Privilegien, Gebietszuwachs, Territorialpolitik, Investiturstreit, Mainzer Freiheit, Stift

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung des Erzstiftes Mainz vom frühen Mittelalter bis zum Ende des 13. Jahrhunderts, mit einem besonderen Fokus auf dem Prozess der Territorialisierung.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind der Aufbau weltlicher Herrschaft durch geistliche Fürsten, der Umgang mit kaiserlicher Macht, die Rolle von Burgen und Klöstern im Herrschaftsgefüge sowie regionale Machtverschiebungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Mainzer Erzstift trotz der fehlenden dynastischen Erbfolge eine stabile territoriale Basis schaffen konnte und welche Hindernisse diesen Prozess prägten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin stützt sich auf eine Analyse einschlägiger historischer Forschungsliteratur, um die politische Handlungsweise der Mainzer Erzbischöfe chronologisch und thematisch aufzuarbeiten.

Was steht im Hauptteil im Mittelpunkt?

Im Hauptteil werden die Regierungszeiten bedeutender Erzbischöfe wie Adalbert I., die Auswirkungen der Stauferzeit sowie die regionalen Schwerpunkte der Territorialpolitik in Hessen, Thüringen und am Rhein analysiert.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Territorialisierung, Kurmainz, Territorialfürstentum, feudale Strukturen und Machtkonsolidierung.

Welche Bedeutung hatte das Privileg der „Mainzer Freiheit“?

Die „Mainzer Freiheit“ war ein strategisches Instrument der Erzbischöfe, um ihr Herrschaftsgebiet von fremdem weltlichen Einfluss abzuschirmen und die direkte Unterordnung unter das Erzbistum zu sichern.

Wie wirkte sich die Schenkung der Abtei Lorsch auf das Erzstift aus?

Die Schenkung durch Kaiser Friedrich II. im Jahr 1232 war ein entscheidender Meilenstein, der das Mainzer Gebiet entlang der Bergstraße und im Odenwald massiv ausdehnte.

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Details

Title
Territorialisierung am Beispiel des Erzstiftes Mainz
College
Johannes Gutenberg University Mainz
Course
Das Reich und Europa zur Zeit Rudolfs von Habsburg
Grade
2,0
Author
Constanze Kunze, geb. Martin (Author)
Publication Year
2006
Pages
23
Catalog Number
V58754
ISBN (eBook)
9783638528597
ISBN (Book)
9783640328123
Language
German
Tags
Territorialisierung Beispiel Erzstiftes Mainz Reich Europa Zeit Rudolfs Habsburg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Constanze Kunze, geb. Martin (Author), 2006, Territorialisierung am Beispiel des Erzstiftes Mainz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58754
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