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Von der Wehrmacht zur Bundeswehr. Tradition und Reform in der Gründungsphase der Bundeswehr (1950 - 1965)

Title: Von der Wehrmacht zur Bundeswehr. Tradition und Reform in der Gründungsphase der Bundeswehr (1950 - 1965)

Examination Thesis , 2005 , 106 Pages , Grade: 2

Autor:in: Sebastian Gottschalch (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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Summary Excerpt Details

„Die einen möchten das in Trümmer gegangene Haus dem alten Plan gemäß wiedererrichten, die anderen suchen nach einem neuen Entwurf.“

Diese Erkenntnis von Wolf Graf von Baudissin veranschaulicht eine Kontroverse, die sich durch die Geschichte der Gründungsphase der Bundeswehr, und auch noch darüber hinaus, vollzieht. Zwei grundlegend verschieden ausgerichtete Lager stritten in dieser Zeit um den künftigen Charakter der neuen Streitkräfte. Will man diese Auseinandersetzung anhand von Schlagwörtern definieren, so steht auf der einen Seite die ‚Reform’ und auf der anderen die ‚Tradition’. Während die Vertreter der ‚Reform’ die Chance eines Neuanfangs, eines Abstreifens überholter und unzeitgemäßer Wert und Ansichten zu nutzen und für die Streitkräfte umzusetzen versuchten, hatten sich die ‚Traditionalisten’ den vergangenen Werten der deutschen Militärgeschichte verschrieben und versuchten daran anzuknüpfen.
Diese beiden konträren Auffassungen, die die Gründungsphase der Bundeswehr prägten, sollen am Beispiel der Planung und Umsetzung des reformerischen Konzepts der ‚Innere Führung’ und dem aus ihr resultierenden Leitbild eines ‚Staatsbürgers in Uniform’ untersucht werden. Der ‚Staatsbürger in Uniform’, so das Bild des künftigen Soldaten, sollte auch in der Armee freie Bürger einer demokratischen Republik bleiben. Der Soldatenberuf sollte ein Beruf wie alle anderen sein, der weder geringeren noch höheren Wert hat. Er nahm also seine Würde nicht aus sich selbst, sondern erhielt sie durch die Art, wie er sich innerlich ethisch und politisch an die freiheitliche Gemeinschaft gebunden fühlte, der er als ‚Staatsbürger in Uniform’ dienen sollte. Konnte dieses Bild des Staatsbürgers in Uniform, in einer Zeit, in der man auf die alten Eliten des NS-Regimes angewiesen war, umgesetzt werden?
Zum einen wird der zentralen Frage nachgegangen, wie es zur Umsetzung des Konzeptes ‚Innere Führung’ im Widerstreit der Parteiungen innerhalb der neuen Streitkräfte, aber auch im Gefüge der parlamentarischen, bzw. „zivilen“ Vorarbeiten, Gespräche und Auseinandersetzungen gekommen ist. Darüber hinaus wird versucht, die Einarbeitung des Programms ‚Innere Führung’ in den Alltag der Streitkräfte zu dokumentieren. Dies geschieht anhand ausgewählter Literatur zum Thema entlang der Schnittlinie zwischen den Positionen der ‚Traditionalisten’ einerseits und den ‚Reformern’ auf der anderen Seite.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung von der Entmilitarisierung zum westdeutschen Verteidigungsbeitrag

2.1 Die Entmilitarisierung Westdeutschlands

2.2 Die erste Diskussion um einen Verteidigungsbeitrag im Zuge des Ost-West-Konflikts

2.3 Der Koreakrieg als Katalysator

2.4 Die Auseinandersetzung mit dem Verteidigungsbeitrag in der westdeutschen Gesellschaft

2.5 Von der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft zum NATO-Beitritt

3. Die Planungsphase der Bundeswehr

3.1 Der Planungsbeginn

3.2 Die „Himmeroder Denkschrift“

3.2.1 Inhalte der Denkschrift

3.2.2 Gerhard Graf von Schwerins Reaktion auf die Denkschrift

3.3 Das Amt Blank

3.3.1 Die Unterabteilung Innere Führung im Amt Blank

3.3.1.1 Das Konzept ‚Innere Führung’

3.3.1.2 Die historischen Bezüge

3.3.1.3 Der ‚Staatsbürger in Uniform’

3.3.1.4 Die Ausarbeitung des Konzepts für den Alltag der Bundeswehr

3.3.2 Bedeutung und Stellenwert des Konzepts in der Öffentlichkeit und im ‚Amt Blank’

3.3.2.1 Konflikte und Probleme der Planungsabteilung ‚Innere Führung’

3.4 Die ‚Siegburger Tagung’ und die Frage ‚Was zu tradieren ist’

3.5 Die Rolle des Sicherheitsausschuss bei der Konzeption

3.6 Der Personalgutachterausschuss

3.6.1 Berücksichtigung des Konzepts ‚Innere Führung’ bei der Auswahl der Bewerber

3.7 Die SPD und das Reformkonzept

4. Die Aufstellungsphase der Bundeswehr: Zwischen Reform und Tradition

4.1 Die gesetzliche Verankerung der Bundeswehr

4.2 Institutionen zur Verwirklichung und Unterstützung des Konzepts ‚Innere Führung’

4.2.1 Die „Schule für Innere Führung“

4.2.1.1 Das „Handbuch Innere Führung“

4.2.2 Der Wehrbeauftragte

4.2.3 Der „Beirat für Innere Führung“

4.3 Verteidigungsminister Strauß und der Vormarsch der ‚Traditionalisten’

4.3.1 Traditionsübernahmen in die Bundeswehr

4.3.2 ‚Ein Haus gemäß dem alten Plan’

4.4 Der „Traditionserlass“ von 1965

4.4.1 Die ersten Entwürfe des „Traditionserlasses“

4.4.2 Die Vollendung des „Traditionserlasses“

4.4.2.1 Inhalte des Erlasses

4.4.3 Erste Reaktionen nach der Veröffentlichung

5. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die geschichtliche Entwicklung und Umsetzung des Reformkonzepts „Innere Führung“ während der Gründungs- und Aufstellungsphase der Bundeswehr (1950–1965). Dabei wird der fortwährende Widerstreit zwischen den „Reformern“, die einen demokratischen Neuanfang anstrebten, und den „Traditionalisten“, die sich an Werten der Vergangenheit orientierten, analysiert, um zu verstehen, wie das Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“ in der Realität der jungen Streitkräfte Fuß fassen konnte oder an restaurativen Strukturen scheiterte.

  • Die Kontroverse zwischen „Reform“ und „Tradition“ in der Gründungsphase.
  • Die Genese und praktische Umsetzung des Konzepts „Innere Führung“.
  • Der Einfluss der parlamentarischen Kontrolle und des Sicherheitsausschusses.
  • Die Rolle des Personalgutachterausschusses bei der Auswahl des Führungspersonals.
  • Die Auseinandersetzung um den „Traditionserlass“ von 1965.

Auszug aus dem Buch

3. Die Planungsphase der Bundeswehr

In einem Meinungsaustausch mit dem amerikanischen Hohen Kommissar, John McCloy, Ende September 1950 kündigte Konrad Adenauer seine Absicht an, das „deutsche Militär zu reformieren und künftig Offiziere nach ihrer demokratischen Grundhaltung und nach ihrem fachlichen Können auszuwählen.“ Diese Versprechen einer Reform war die Antwort der Bundesrepublik Deutschland auf die Befürchtungen des Auslands und der deutschen Bevölkerung vor einem neuen ‚Primat des Militärs’, dem ‚Staat im Staate’, der erneuten Entwicklung der Streitkräfte zu einer eigenständigen und autonomen Macht in Deutschland. Sie führte in den 1950er-Jahren zur Konzeption der ‚Inneren Führung’, einer zeitgemäßen militärischen Führung, die es dem einzelnen Soldaten ermöglicht, seinen Auftrag zu erfüllen, ohne dass seine Rechte als Bürger verletzt werden. Dieses Konzept stellte den Versuch dar, den Bürger mit dem Soldaten zu versöhnen und die Kluft zwischen demokratischen und militärischen Kräften zu überwinden.

Führungsverfahren sowie Rechte und Pflichten der Soldaten und ihrer Vorgesetzten mussten dem Bild eines freiheitlichen und verantwortungsbewussten Staatsbürgers, das im Grundgesetzt festgehalten war, entsprechen. Die Umsetzung der ‚Inneren Führung’ sollte folglich durch Lehrgänge in politischer Bildung und psychologischer Kriegsführung unterstütz werden. Eine Reform des Wehrgesetzes nach dem Grundsatz des ‚Staatsbürgers in Uniform’ wurde angestrebt. Als die Bundesregierung in den fünfziger Jahren ihr Versprechen einer Reform umzusetzen versuchte, erwies sich dies aus den Umständen des grundlegenden Konflikts zwischen demokratischen Werten und militärischen Traditionen als recht problematisch. Die Strukturen der neuen Streitkräfte mussten einerseits im Staat verwurzelt, andererseits jedoch so offen sein, um als „ein Teil eines aus pluralistischen Gesellschaften bestehenden Vereinigten Europas“ auftreten zu können.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die zentrale Kontroverse zwischen „Reformern“ und „Traditionalisten“ in der Aufbauphase der Bundeswehr und definiert den Untersuchungsrahmen hinsichtlich des Konzepts „Innere Führung“.

2. Die Entwicklung von der Entmilitarisierung zum westdeutschen Verteidigungsbeitrag: Hier wird der historische Prozess nach 1945 analysiert, der von der vollständigen Entmilitarisierung durch die Alliierten über den Einfluss des Koreakrieges bis hin zum NATO-Beitritt der Bundesrepublik führte.

3. Die Planungsphase der Bundeswehr: Dieses Kapitel widmet sich den ersten institutionellen Schritten zur Streitkräfteaufstellung, insbesondere der Arbeit der „Zentrale für Heimatdienst“, der Himmeroder Tagung und der Etablierung des „Amtes Blank“ sowie der Unterabteilung für Innere Führung.

4. Die Aufstellungsphase der Bundeswehr: Zwischen Reform und Tradition: Der Fokus liegt hier auf der gesetzlichen Verankerung der Bundeswehr, der Etablierung der Institutionen zur Stützung der „Inneren Führung“ und dem Ringen um einen angemessenen Umgang mit militärischen Traditionen bis zum Traditionserlass 1965.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass die Reformideen durch den Zeitdruck und den Einfluss restaurativer Kräfte oft nur lückenhaft umgesetzt werden konnten, wodurch die angestrebte „Innere Führung“ häufig hinter der militärischen Praxis zurückblieb.

Schlüsselwörter

Bundeswehr, Innere Führung, Staatsbürger in Uniform, Traditionspflege, Amt Blank, Wiederbewaffnung, Himmeroder Denkschrift, Traditionserlass, Wolf Graf von Baudissin, Westintegration, Demokratisierung, Militärreform, Personalgutachterausschuss, Sicherheitspolitik, Wehrverfassung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Aufbau der Bundeswehr in den Jahren 1950 bis 1965 und den damit einhergehenden Widerstreit zwischen demokratischen Reformbestrebungen („Innere Führung“) und dem Festhalten an traditionellen, militärischen Strukturen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Entwicklung der „Inneren Führung“, das Ringen um ein neues Traditionsverständnis, die personelle Neuausrichtung der Bundeswehr und der politische Einfluss auf die militärische Struktur.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, nachzuvollziehen, wie es zur Umsetzung des Konzepts „Innere Führung“ im Widerstreit der Interessen kam und wie sich dieses Leitbild in der alltäglichen Praxis der frühen Bundeswehr behaupten konnte.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor führt eine historisch-analytische Untersuchung auf Grundlage ausgewählter Fachliteratur, zeitgenössischer Denkschriften, Gesetze und Dokumente aus der Gründungsphase durch, um die Auseinandersetzung zwischen „Reformern“ und „Traditionalisten“ transparent zu machen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Planungs- und die Aufstellungsphase. Er behandelt detailliert die Entstehung der „Himmeroder Denkschrift“, die Arbeit des „Amtes Blank“, die Rolle des Personalgutachterausschusses sowie die langwierige Entstehung des Traditionserlasses von 1965.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Innere Führung“, „Staatsbürger in Uniform“, „Amt Blank“, „Wiederbewaffnung“ und „Traditionspflege“ geprägt.

Welche Rolle spielte die SPD bei der Reformkonzeption?

Obwohl die SPD die Wiederbewaffnung anfangs ablehnte, leistete sie durch die Mitarbeit ihrer Militärexperten einen konstruktiven Beitrag, um sicherzustellen, dass die neuen Streitkräfte fest in der demokratischen Gesellschaft verankert wurden und ein „Staat im Staate“ verhindert wurde.

Warum war der Traditionserlass von 1965 so umstritten?

Der Erlass war das Ergebnis jahrelanger, zäher Kompromissverhandlungen. Er wurde von der Öffentlichkeit als vage kritisiert und stieß innerhalb der Truppe auf Unverständnis, da er keine klaren, für den Dienstalltag handhabbaren Vorgaben machte und den Konflikt zwischen Reform und Tradition nicht auflöste.

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Details

Title
Von der Wehrmacht zur Bundeswehr. Tradition und Reform in der Gründungsphase der Bundeswehr (1950 - 1965)
College
University of Marburg
Grade
2
Author
Sebastian Gottschalch (Author)
Publication Year
2005
Pages
106
Catalog Number
V59005
ISBN (eBook)
9783638530484
ISBN (Book)
9783640860548
Language
German
Tags
Wehrmacht Bundeswehr Tradition Reform Gründungsphase Bundeswehr
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Gottschalch (Author), 2005, Von der Wehrmacht zur Bundeswehr. Tradition und Reform in der Gründungsphase der Bundeswehr (1950 - 1965), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59005
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