Hyperaktives und impulsives Verhalten sowie eine Störung der Aufmerksamkeit sind die zentralen Merkmale einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern und Themengegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Diskussionen.
Es gibt kaum Elternfachzeitschriften, die das Thema "ADHS" noch nicht behandelt haben. Denn es besteht die Tatsache, dass die Thematik mehr denn je hoch aktuell ist und immer mehr Eltern, Lehrer und Erzieher sich von diesen Kindern und deren problematischen Verhaltensweisen stark belastet fühlen.
Jedoch erhält man immer noch die unterschiedlichsten Informationen darüber, wie sich das Phänomen angeblich erklären lässt. Sehr oft werden Fehlinformationen verbreitet, die dann zu großem Unwissen und ebensolcher Unsicherheit führen. Die Erklärungsansätze zur Entstehung von ADHS reichen von zu viel Fernsehkonsum über eine "schlechte" Erziehung bis hin zu einer falschen Ernährung. Dabei sind die Besonderheiten der Störung schon seit langem bekannt und zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen berichten einerseits darüber, welche Auswirkungen eine Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung mit falscher Unterstützung auf die Entwicklung der Kinder haben, aber andererseits auch wie man sie gezielt fördern kann (vgl. Aust-Claus, Hammer 2002, 16).
In Kapitel 2 dieser Arbeit erfolgt zunächst eine Definition des Begriffs "ADHS", um hinterher eine Einordnung anhand der diagnostischen Klassifikationssysteme DSM-IV und der ICD-10 vornehmen zu können. Anschließend werden potentielle Ursachen (neurobiologische, psychosoziale) für die Entsehung von Aufmerksamkeitsstörungen diskutiert. Weiterhin soll u.a. das Erscheinungsbild des ADHS-Kindes in der Schule näher dargestellt werden, da die Verhaltenssymptome dort zum überwiegenden Teil in Erscheinung treten.
Kapitel 3 beschäftigt sich vorwiegend damit, geeignete Interventionsmöglichkeiten vorzustellen, mit denen Lehrer ihre ADHS-Schüler im Unterricht ganzheitlich fördern können. Dabei soll auch das außerschulische Lernumfeld des Kindes Beachtung finden.
Die Kapitel 4-7 stellen den empirischen Teil der Arbeit dar. Das Ziel der Untersuchung bestand darin, die bisherigen Erfahrungen von Lehrern der Primarstufe im Umgang mit ADHS-Schülern zu erfassen, um dadurch die Aus- und Weiterbildung der Lehrer im Umgang mit aufmerksamkeitsgestörten und hyperaktiven Kindern zu verbessern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Persönliche Motivation und Zielsetzung dieser Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Formale Aspekte
2. Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen : Begriffsklärung, Ursachenfrage und Erscheinungsbild
2.1 Begriffsklärung: Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen
2.2 Ursachen für die Entstehung von Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen
2.2.1 Neurobiologische Faktoren
2.2.2 Psychosoziale Faktoren
2.3 Auftretenshäufigkeit und Geschlechterverteilung
2.4 Erscheinungsbild des aufmerksamkeitsgestörten und hyperaktiv-impulsiven Kindes
2.4.1 Verhalten in der Schule
2.4.2 Folgeerscheinungen
2.4.3 Positive Seiten des ADHS-Kindes
3. Wirksame Interventionen zur Förderung von ADHS-Kindern in der Schule
3.1 Fördermöglichkeiten für das ADHS-Kind in der Schule
3.1.1 Organisatorische Maßnahmen im Klassenzimmer
3.1.2 Klare Strukturen und ritualisierte Abläufe
3.1.3 Bewegung
3.1.4 Lernen mit allen Sinnen
3.1.5 Strategien zur Selbststeuerung
3.1.5.1 Arbeiten mit Selbstinstruktionen
3.1.5.2 Kognitives Modellieren
3.1.6 Verstärkungsmaßnahmen
3.1.7 Arbeiten mit Förderplänen
3.2 Fördermöglichkeiten für das ADHS-Kind außerhalb der Schule
3.2.1 Entschärfung der Hausaufgabensituation
3.2.2 Pharmakotherapie und verhaltenstherapeutische Maßnahmen
3.2.3 Kooperation mit den Eltern
4. Fragestellung
4.1 Prämissen
4.2 Formulierung der empirischen Fragestellungen
5. Methode
5.1 Beschreibung der geplanten Stichprobe
5.2 Fragebogen
5.3 Durchführung
6. Ergebnisse
6.1 Die Stichprobe
6.2 Darstellung der Ergebnisse
7. Diskussion
8. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Möglichkeiten der Förderung für Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im schulischen Kontext zu untersuchen. Auf Basis theoretischer Grundlagen wird in einer empirischen Studie der aktuelle Wissensstand und die Anwendung von Förderstrategien durch Grundschullehrkräfte analysiert, um Anhaltspunkte für eine verbesserte Lehrerbildung und Unterstützung im Unterrichtsalltag zu identifizieren.
- Begriffsklärung und neurobiologische sowie psychosoziale Ursachen von ADHS
- Erscheinungsbild und schulisches Verhalten aufmerksamkeitsgestörter Kinder
- Wirksame pädagogische Interventionsmaßnahmen im Unterricht
- Empirische Analyse der Lehrererfahrungen und Anwendung von Förderplänen
- Bedarf an professioneller Weiterbildung für Lehrkräfte
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Verhalten in der Schule
Die Mehrheit der Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung wird von seinen Lehrern meist als ablenkbar, aggressiv, mit einem geringen Selbstbewusstsein und schlechten sozialen Fähigkeiten erlebt, was einerseits an ihrer mangelnden Selbstkontrolle und andererseits an der unzureichenden motorischen Koordination und Konzentration liegen dürfte (vgl. Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung München 2003, 18).
Bei dem Gros der Kinder ist ein auffälliges motorisches Verhalten zu beobachten. Es ist ihnen kaum möglich, längere Zeit auf dem Stuhl sitzen zu bleiben, ohne dabei herumzuzappeln oder auf dem Tisch herumtrommeln zu müssen. In Stillarbeitsphasen laufen sie in der Klasse umher, obwohl ihnen Sitzen bleiben abverlangt wird.
Außenstehende erhalten durch die Verhaltensauffälligkeiten solcher Kinder leicht den Eindruck, dass sie stets rastlos und „getrieben“ wirken. Barkley (1994) hat das hyperaktiv-impulsive Verhalten der Kinder in folgender Beschreibung sehr treffend zusammengefasst: „Parents often describe these children as ‘always up and on the go,’ ‘acts as if driven by a motor,’ ‘climbs excessively,’ ‘can’t sit still,’ ‘talks excessively,’ ‘often hums or makes odd noises,’ and ‘squirmy.’” (Barkley 1994, 5)
Des Weiteren wirken ihre motorischen Aktivitäten oft unharmonisch auf den Betrachter und erscheinen ihm bedingt durch die mangelnde Körperbeherrschung als sehr steif und eckig. In der Feinmotorik sind bei vielen betroffenen Kindern ebenfalls große Schwierigkeiten zu verzeichnen, was sich primär in der unsauberen Handschrift widerspiegelt. Die Buchstaben sind krakelig und mit zu großem Druckaufwand geschrieben, sodass es dem Leser kaum möglich ist, diese zu entziffern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation des Verfassers und skizziert das Ziel, Fördermöglichkeiten für ADHS-Kinder in der Schule zu untersuchen.
2. Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen : Begriffsklärung, Ursachenfrage und Erscheinungsbild: Dieses Kapitel definiert ADHS anhand klinischer Kriterien, diskutiert Ursachen und beschreibt das Verhaltensbild betroffener Kinder im Unterricht.
3. Wirksame Interventionen zur Förderung von ADHS-Kindern in der Schule: Es werden praxisnahe Strategien und Maßnahmen vorgestellt, um ADHS-Kinder im Unterricht sowie im außerschulischen Umfeld zu unterstützen.
4. Fragestellung: Basierend auf den theoretischen Erkenntnissen werden die zentralen Forschungsfragen für den empirischen Teil der Arbeit formuliert.
5. Methode: Dieser Abschnitt beschreibt das methodische Vorgehen der empirischen Studie, insbesondere die postalische Lehrerbefragung und die Stichprobenbeschreibung.
6. Ergebnisse: Die erhobenen Daten werden dargestellt und statistisch ausgewertet, wobei der Fokus auf der Anwendung von Förderplänen durch Lehrkräfte liegt.
7. Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert und auf Basis der wissenschaftlichen Literatur sowie der aufgeworfenen Fragestellungen diskutiert.
8. Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Gesamtschau der Erkenntnisse und einer Empfehlung für ein gezieltes Lehrertraining zum Thema ADHS.
Schlüsselwörter
ADHS, Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung, Schulförderung, Lehrerbefragung, Interventionsmaßnahmen, Förderplan, Unterrichtsgestaltung, Verhaltenssteuerung, Sonderpädagogik, Diagnose, Schulpädagogik, Selbststeuerung, Kognitives Modellieren, Token-System, Inklusion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Kindern mit ADHS an Schulen und untersucht, wie Lehrkräfte diese Kinder durch gezielte Fördermöglichkeiten und Maßnahmen im Unterrichtsalltag unterstützen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind das Störungsbild von ADHS, die Diagnosekriterien, Ursachenforschung, praktische Interventionsstrategien im Klassenzimmer sowie der Umgang von Lehrkräften mit dieser spezifischen Herausforderung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den aktuellen Wissensstand von Grundschullehrern zum Thema ADHS-Förderung zu erheben und aufzuzeigen, wie Aus- und Weiterbildung verbessert werden können, um den Lehrkräften Sicherheit und Kompetenz im Umgang mit ADHS-Schülern zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der empirische Teil basiert auf einer interkulturellen Vergleichsstudie in Form einer postalischen Befragung von Grundschullehrern in Nordrhein-Westfalen, deren Daten mittels statistischer Verfahren (SPSS) ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen ausführlichen theoretischen Teil zur Definition und Ursachen von ADHS sowie eine detaillierte Vorstellung wirksamer Förderkonzepte wie Strukturierung, Selbstinstruktion und Verstärkungsmaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind ADHS, Schulförderung, Lehrerbefragung, Förderplan, Interventionsmaßnahmen, Verhaltenssteuerung und Sonderpädagogik.
Wie wirken sich ADHS-Symptome konkret auf die Schulsituation aus?
Kinder mit ADHS zeigen häufig Schwierigkeiten bei der Konzentration, motorische Unruhe (Herumlaufen, Zappeln) sowie impulsives Verhalten, was zu schulischen Leistungsproblemen und Herausforderungen bei der sozialen Integration führt.
Welche Bedeutung haben Förderpläne für ADHS-Kinder?
Individualisierte Förderpläne sind essenziell, um zielgerichtete Unterstützung bei der Verhaltenssteuerung und beim Lernen zu bieten; die Studie zeigt jedoch, dass viele Lehrkräfte diese bisher nur unzureichend oder gar nicht einsetzen.
Warum ist eine spezielle Weiterbildung für Lehrkräfte so dringend erforderlich?
Die empirischen Ergebnisse belegen große Unsicherheiten und ein Informationsdefizit bei den Lehrkräften; viele wünschen sich konkrete Anleitung, um das Lern- und Sozialverhalten der betroffenen Kinder effektiver steuern zu können.
- Quote paper
- Henning Gädeken (Author), 2003, ADHD in der Schule und Möglichkeiten der Förderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59022