Kinder sollten die Möglichkeit haben, in einer Umgebung aufzuwachsen, in der sie sich durch größtmögliche Vielfalt optimal entwickeln können. Diese Vielfalt kann beispielsweise durch den Kontakt zu verschiedenen Personen, durch das Bereitstellen von verschiedenen Spielzeugen und durch unterschiedliche Umgebungen geschaffen werden.
Von jeher waren vor allem Frauen für die Erziehung der Kleinsten zuständig. Männer nahmen an der frühkindlichen Erziehung kaum teil, doch seit einigen Jahren beginnt sich dieses Bild zu ändern. Durch das zunehmende Engagement der Väter für die Erziehung ihrer Kleinsten sind sie auch häufiger in den Kindertageseinrichtungen anzutreffen.
Auch der Paradigmenwechsel in der deutschen Gleichstellungspolitik spielt eine Rolle für das Umdenken. Die Gleichstellungspolitik bemüht sich seit Jahren nicht mehr nur um die Belange der Frauen, sondern auch um die der Männer. Es geht also auch darum, Männern mehr Handlungsmöglichkeiten einzuräumen und ihnen beispielsweise das Berufsfeld des Erziehers zu öffnen.
Aufgrund dieser Tatsachen setzt sich die Koordinationsstelle „Männer in Kitas“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) seit Anfang 2010 dafür ein, mehr Männer für Kindertageseinrichtungen zu werben. Doch warum fällt diese Aufgabe so schwer?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geschichte der Kita
2.1Strukturwandel der Familie
2.2 Entdeckung der Kindheit
2.3 Erste Konzepte der Kleinkinderziehung
2.4 Entstehung des Berufes „ErzieherIn“
3 Gründe für den geringen Männeranteil
4 Warum mehr Männer in Kitas?
4.1 Gründe des BMFSFJ
4.2 Andere Gründe für die Erhöhung des Männeranteils
5 Strategien zur Steigerung des Anteils männlicher Fachkräfte
5.1 Warum werden gerade jetzt Strategien erarbeitet?
5.2 Strategien des BMFSFJ
5.2.1 ESF-Modellprogramm
5.2.2 Koordinationsstelle „Männer in Kitas“
5.2.3 Stendaler Modellprojekt
5.3 Alternative Strategien aus kindheitswissenschaftlicher Sicht
5.3.1 Befragung von Kindern zum Thema „Männer in Kitas“
5.3.2 Gender im Bildungsprogramm Sachsen-Anhalt
5.3.3 Geschlechterbewusste Pädagogik in Kitas
5.3.4 Eigeninitiative der Kitas
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit den politischen Strategien zur Erhöhung des Männeranteils in Kindertageseinrichtungen auseinander. Dabei wird hinterfragt, inwieweit diese Maßnahmen tatsächlich dem Kindeswohl dienen oder primär wirtschaftliche und gleichstellungspolitische Ziele verfolgen.
- Historische Entwicklung der Kita und des Erzieherberufs
- Analyse der Beweggründe des BMFSFJ für die Männerquote
- Kritische Beleuchtung staatlicher Modellprogramme wie „MEHR Männer in Kitas“
- Reflexion der Perspektive von Kindern auf männliche Fachkräfte
- Notwendigkeit einer geschlechterbewussten Pädagogik und Gendersensibilisierung
Auszug aus dem Buch
3 Gründe für den geringen Männeranteil
Die Gründe für den geringen Anteil männlicher Fachkräfte in Kitas sind offensichtlich klar. Aufgrund der geschichtlichen Entwicklung des Berufes ErzieherIn wird heutzutage immer noch von einem typischen Frauenberuf gesprochen. Die traditionelle Geschlechterordnung führte zu stereotypen Geschlechterbildern und zu einer entsprechenden Arbeitsteilung. Diese Geschlechterordnung hatte eine geringe soziale Anerkennung sogenannter Frauenberufe zur Folge. Auch die Entlohnung dieser Frauenberufe war geringer als die der sogenannten Männerberufe.
Um weitere Gründe für den geringen Männeranteil in Kitas aufzuführen, soll die Studie „Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten“ als Grundlage dienen. Mit Hilfe dieser Studie wurde u.a. nach Gründen für den geringen Männeranteil in Kitas geforscht.
Im Juni 2010 erschien die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Studie „Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten“, in der Eltern, ErzieherInnen, Kita-LeiterInnen und Trägerverantwortliche zum Thema befragt wurden. Die Forschung bestand aus einer qualitativen und aus einer quantitativen Phase. In der qualitativen Forschungsphase wurden vier Gruppen befragt:
- LeiterInnen von Kitas und weitere ExpertInnen aus dem Bereich der frühkindlichen Erziehung und Bildung,
- männliche und weibliche Auszubildende,
- ErzieherInnen im Tätigkeitsfeld der Kita und
- Männer, die die Erzieherausbildung abgebrochen oder das Tätigkeitsfeld Kita verlassen haben.
In den standardisierten Telefonbefragungen wurden drei Gruppen befragt:
- 600 LeiterInnen von Kitas,
- 100 Trägerverantwortliche für Kitas und
- 1.000 Eltern mit Kindern im Alter von null bis sechs Jahren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Unterrepräsentanz von Männern in Kitas und stellt die Frage, ob diese einseitige Betreuungssituation die Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern einschränkt.
2 Geschichte der Kita: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von der frühindustriellen Zeit über die Entdeckung der Kindheit bis hin zur Entstehung des Berufs „ErzieherIn“ nach.
3 Gründe für den geringen Männeranteil: Hier werden die Ursachen für den geringen Männeranteil, wie traditionelle Geschlechterbilder und eine geringere gesellschaftliche Anerkennung des Berufsfeldes, analysiert.
4 Warum mehr Männer in Kitas?: Das Kapitel diskutiert die Argumente des BMFSFJ sowie weitere gesellschaftliche Gründe für die Notwendigkeit von mehr männlichen Fachkräften in der frühkindlichen Erziehung.
5 Strategien zur Steigerung des Anteils männlicher Fachkräfte: Hier erfolgt eine kritische Analyse politischer Maßnahmen wie des ESF-Modellprogramms sowie alternativer Ansätze aus kindheitswissenschaftlicher Sicht.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die Erhöhung des Männeranteils in Kitas ein langfristiger Prozess sein muss, der das Kindeswohl und eine geschlechterbewusste Pädagogik in den Mittelpunkt stellt.
Schlüsselwörter
Männer in Kitas, Erzieherberuf, Geschlechterrollen, BMFSFJ, Kindheitswissenschaften, Geschlechterbewusste Pädagogik, Kinderbetreuung, Gleichstellungspolitik, Modellprojekt, Berufliche Sozialisation, Genderkompetenz, Frühkindliche Bildung, Rollenvorbilder, Berufsfeld Kita, Fachkräftemangel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die aktuellen politischen Bestrebungen, den Anteil männlicher Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen zu erhöhen, und hinterfragt die zugrunde liegenden Strategien.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit deckt die historische Entwicklung des Kita-Wesens, die Ursachen für den geringen Männeranteil und die Analyse staatlicher Förderprogramme sowie kindheitswissenschaftlicher Lösungsansätze ab.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, die politische Strategie zur Steigerung des Männeranteils auf ihre Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit hin zu prüfen, wobei besonders der Aspekt des Kindeswohls und der Vermeidung von Rollenklischees im Fokus steht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, die kritische Auseinandersetzung mit aktuellen Studien (wie der Studie „Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten“) sowie die Einbeziehung kindheitswissenschaftlicher Perspektiven.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Gründen für den Männerüberschuss an Frauen, der Analyse des ESF-Modellprogramms und der Koordinationsstelle „Männer in Kitas“ sowie alternativen Ansätzen, etwa durch Befragungen von Kindern oder geschlechterbewusste Pädagogik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Geschlechterrollen, geschlechterbewusste Pädagogik, Gendersensibilisierung und die kritische Reflexion des Erzieherberufsbildes.
Welche Rolle spielt die Perspektive der Kinder bei der Männer-in-Kitas-Debatte?
Die Autorin betont, dass Kinder in den politischen Diskussionen oft vernachlässigt werden, obwohl sie diejenigen sind, die den pädagogischen Alltag erfahren. Eigene Pretests zeigen, dass Kinder durchaus männliche Bezugspersonen wünschen, diese jedoch häufig in traditionelle Rollenbilder (z.B. „Reparieren“, „Hausmeister“) drängen.
Inwiefern könnte die Männerquote Geschlechterklischees sogar verstärken?
Die Arbeit warnt davor, dass ohne vorherige Gendersensibilisierung des bestehenden Personals die Anstellung von Männern dazu führen könnte, dass diese lediglich für „typisch männliche“ Tätigkeiten eingesetzt werden, was die bestehenden Rollenstereotype in den Einrichtungen eher festigt statt auflöst.
- Citar trabajo
- Mareike Striecks (Autor), 2011, Männer in Kitas. Eine kritische Auseinandersetzung mit den politischen Strategien, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/590645