Im Rahmen des Hauptseminars Sportpsychologie hatten die Autoren die Aufgabe, sich mit dem Thema „Psycho-sozialen Aspekte des Alterssports“ zu befassen. Im Zuge der vorbereitenden Recherche war die erste Erkenntnis, dass die Literaturlage zum Thema nicht üppig ist. So wurden die gefundenen Quellen und Aussagen um viele eigene Überlegungen zum Thema angereichert. Als erstes wollen wir klären, warum wir uns mit der Problemstellung befassen. Dies nimmt einigen Raum ein, denn zugrunde liegt ein gesellschaftliches Problem, dass so oder ähnlich in vielen westlichen Kulturen zu beobachten ist. Auch kann man die Situation der Älteren nicht isoliert von den Entwicklungen in jüngeren Generationen betrachten. So ist das Dropout aus dem Sport im jungen Erwachsenenalter eine Voraussetzung für die Notwendigkeit eines Wiedereinstiegs im Alter. Über eine Klärung des Bearbeitungsstandes und der Begriffe kommen wir dann zu den konkreten Bedingungen, unsere Zielgruppe betreffend. Abschließend werden wir Übungsbeispiele aus dem Alterssport daraufhin untersuchen, ob er unseren Ansprüchen aus psycho-sozialer Sicht gerecht werden. Dabei wollen wir auch die motorischen und physiologischen Ansprüche der Übungen betrachten, bevor wir ein Resümee ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 PROBLEMSTELLUNG
2.1 Drop out
2.1.1 Exkurs
2.2 Bearbeitungsstand
3 BEGRIFFSBESTIMMUNG
3.1 Gesundheit
3.2 Alter
4 PSYCHO-SOZIALE FAKTOREN IM ALTERSPROZESS
4.1 Theorien des Alterns
4.2 Psychische Veränderungen im Altersprozess
4.3 Soziale Veränderungen im Altersprozess
5 PSYCHO-SOZIALE AUSWIRKUNGEN VON ALTERSSPORT
5.1 Bedürfnissituation Älterer
5.2 Psycho-soziale Auswirkungen sportlicher Betätigung
6 ÜBERFÜHRUNG DER ERKENNTNISSE IN DIE PRAXIS
6.1 Handlungsgeschehen
6.1.1 Entstehungs- oder Antriebsphase
6.1.2 Vorbereitungsphase
6.1.3 Realisierungsphase
6.1.4 Nachwirkphase
6.1.4.1 Ergociser-RR Study
6.2 Übungsgestaltung
6.2.1 Bewegung und Spannungsregulation
7 RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die psycho-sozialen Aspekte des Alterssports und analysiert, wie sportliche Betätigung dazu beitragen kann, den Herausforderungen des Alterns zu begegnen und die Lebensqualität im Alter zu steigern. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit den Gründen für den Sport-Dropout im Alter sowie den Möglichkeiten, durch gezielte, an die Bedürfnisse der Zielgruppe angepasste Sportangebote und qualifiziertes Feedback eine nachhaltige Motivation zur sportlichen Aktivität zu fördern.
- Demografischer Wandel und gesellschaftliche Bedeutung des Alterssports
- Alterstheorien (Aktivitäts- vs. Disengagement-Theorie)
- Psychologische Faktoren im Altersprozess (Intelligenz, Lernfähigkeit, Persönlichkeit)
- Soziale Rollenwechsel und deren Einfluss auf die Sportteilnahme
- Praktische Handlungsfelder für Übungsleiter und gesundheitspsychologische Ansätze
Auszug aus dem Buch
6.1.4.1 Ergociser-RR Study
Den engen Zusammenhang zwischen Sportpsychologie und Sportmedizin belegt eindrücklich eine bisher unveröffentlichte Studie zur sekundären Prävention bei Patienten mit Bluthochdruck, die uns dankenswerterweise von Dr. Dahm zur Verfügung gestellt wurde und die wir in diesem Abschnitt etwas genauer vorstellen wollen.
7 Patienten (Alter 42 +/- 11 Jahre) mit langjähriger Bluthochdruckgeschichte (9 +/- 7 Jahre) nahmen dabei an einem intensiven Ausdauertraining (Intensität: 70%, Umfang: 5 mal wöchentlich 25-30 min.) teil. Die Kontrollgruppe aus 9 Patienten trainierte 1 mal in der Woche für 90 min. Der Zeitraum betrug 120 Wochen. In den folgenden Intervallen wurden Blutdruck und der Umfang der medikamentösen Therapie erfasst: 3, 6, 12, 18 und 24 Monate. Alle 16 Teilnehmer absolvierten vorab ein 12monatiges Trainingsprogramm, bei dem sie 1mal wöchentlich unter Anleitung eines Physiotherapeuten und eines Kardiologen trainierten und Ernährungsmaßnahmen festgelegt wurden.
„The home based training program was carried out on fully automated electrically braked ergometer with a computerized assessment of the working capacity, used calories, exercise time and fulfilled workload including a printer” (vgl. Dahm u.a. 2005). Zu den wöchentlichen Treffen mit den Betreuern mussten die Dokumentationen mitgebracht werden. Diese Treffen wurden während des 7. und 8. Monats auf ein Treffen monatlich reduziert, bei denen die Unterlagen nicht mit dem Arzt besprochen wurden.
In der Hauptsache ging es in der Studie natürlich um die Trainingsgestaltung und deren Auswirkung auf die physische Verfassung der Teilnehmer. In diesem Punkt konnte nachgewiesen werden, dass das intensive aerobe exercise training (IAET) signifikant bessere Werte erbrachte als das der Kontrollgruppe. Der Blutdruck unter submaximaler Belastung sank nach 3 Monaten um 12% und blieb in den folgenden 24 Monaten stabil. Die Menge der Medikamente sank um 27,9% bei der IAET-Gruppe, während sie in der Kontrollgruppe unverändert blieb. Ebenso verbesserte die erste Gruppe ihre Performance in Bezug auf die Leistungsfähigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Autoren begründen die Relevanz der Arbeit und erläutern den Fokus auf psycho-soziale Aspekte des Alterssports als Antwort auf ein gesellschaftliches Problem.
2 PROBLEMSTELLUNG: Es wird die abnehmende Sportaktivität im Alter beleuchtet und der Zusammenhang zwischen Gesundheit, Sport und den Folgen des Alterns für die Gesellschaft diskutiert.
3 BEGRIFFSBESTIMMUNG: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Gesundheit und Alter unter Berücksichtigung verschiedener wissenschaftlicher und lebensweltlicher Dimensionen.
4 PSYCHO-SOZIALE FAKTOREN IM ALTERSPROZESS: Die Autoren analysieren Alterstheorien sowie psychische und soziale Veränderungsprozesse, die das Handeln älterer Menschen beeinflussen.
5 PSYCHO-SOZIALE AUSWIRKUNGEN VON ALTERSSPORT: Hier werden die spezifischen Bedürfnisse Älterer und die positiven Effekte sportlicher Betätigung auf Psyche und soziales Wohlbefinden untersucht.
6 ÜBERFÜHRUNG DER ERKENNTNISSE IN DIE PRAXIS: Dieses Kapitel liefert praktische Ansätze zur Gestaltung von Sportangeboten, unterteilt in das Handlungsgeschehen und konkrete Übungsformen.
7 RESÜMEE: Die Autoren fassen die Arbeit zusammen und betonen die Notwendigkeit, den Fokus der Sportangebote stärker auf die psycho-soziale Dimension älterer Menschen zu legen.
Schlüsselwörter
Alterssport, Sportpsychologie, Gesundheit, Altern, Salutogenese, Lebensqualität, Aktivitätstheorie, Disengagement-Theorie, Seniorensport, Handlungsgeschehen, Trainingsgestaltung, soziale Einbettung, Prävention, psychisches Wohlbefinden, Kompetenzerweiterung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den psycho-sozialen Aspekten des Sports bei älteren Menschen und untersucht, wie sportliche Betätigung zur Förderung der Lebensqualität im Alter beitragen kann.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Gesundheit und Alter, theoretische Modelle des Alterns, die Analyse psychischer und sozialer Veränderungen im Alter sowie die praktische Gestaltung zielgruppengerechter Sportangebote.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Trend zur Aufgabe sportlicher Aktivitäten im Alter zu analysieren und Wege aufzuzeigen, wie durch eine stärkere Berücksichtigung psycho-sozialer Faktoren effektivere und motivierendere Sportangebote für Senioren entwickelt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Autoren stützen sich auf eine Literaturanalyse und integrieren zudem Fallbeispiele, wie die "Ergociser-RR Study", um den Zusammenhang zwischen Sport, physiologischen Effekten und psychologischem Feedback zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Begriffe Alter und Gesundheit theoretisch fundiert, gefolgt von einer Auseinandersetzung mit Alterstheorien und der Analyse psycho-sozialer Einflussfaktoren sowie deren praktische Anwendung im Trainingsbetrieb.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Alterssport, Sportpsychologie, Lebensqualität, Salutogenese und die theoretische Unterscheidung zwischen Aktivitäts- und Disengagement-Theorie charakterisiert.
Warum ist das Feedback durch einen Übungsleiter so entscheidend?
Die Studie im Kapitel 6.1.4.1 zeigt, dass qualifiziertes Feedback durch Fachkräfte essenziell für die Trainingsadhärenz älterer Menschen ist, da es den aktiven Prozess der Lebensgestaltung unterstützt und die psychische Komponente stärkt.
Welchen Stellenwert nimmt die "Salutogenese" in der Arbeit ein?
Das Modell der Salutogenese dient als theoretische Grundlage für das Verständnis von Gesundheit als aktiven Prozess, bei dem Sport dazu beiträgt, verschiedene "Widerstandsquellen" – physisch, kognitiv und sozial – zu stärken.
- Quote paper
- Ines Meier (Author), Michael Schnur (Author), 2005, Psycho-Soziale Aspekte des Alterssports, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59318