Hat frühkindliche Bildung im Rahmen einer familienexternen Betreuung Auswirkungen auf den Schulerfolg?


Hausarbeit, 2019

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Bildung
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Frühkindliche Bildung
2.3 Inhalt und Leistung frühkindlicher Bildung

3 Rolle von Betreuungsangeboten
3.1 Familienergänzende Betreuung
3.1.1 Frühkindliche Einrichtungen
3.1.2 Qualität
3.2 Deutsches Kindergarten Gütesiegel

4 Entwicklungspsychologie
4.1 Kognitive Entwicklung
4.1.1 Gehirnentwicklung
4.1.2 Frühe Bindungserfahrungen
4.1.3 Denken
4.2 Soziale und emotionale Entwicklung

5 Ausgewählte Studien zu Auswirkungen familienexterner Betreuung
5.1 Effective Provision of Pre-School Ecucation Projekt (EPPE)
5.1.1 Forschungsergebnis
5.2 Schuleingangsuntersuchungen in Deutschland
5.2.1 Forschungsergebnis

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Seit einigen Jahren haben Bildungsforscher die Zeit von der Geburt eines Kindes bis zu dessen Einschulung genauer in den Blickwinkel genommen: Bereits in den ersten Lebensjahren wird die Grundlage für den späteren Bildungserfolg gelegt. Die beim Schulantritt festgestellten Defizite lassen sich während der folgenden Schuljahre nur noch schwer beheben. Bleiben Fragen der Kinder unbeantwortet, hören sie auf, Fragen zu stellen.

Mit dieser Erkenntnis stellt sich die Frage, inwiefern der Besuch familienexterner Betreuungen zu einer erfolgreichen Entwicklung beitragen können, bzw. was solche leisten müssen, um den Ansprüchen der Gesellschaft gerecht zu werden und die Kinder optimal zu fördern. Der Druck ist groß, denn heute stellen frühkindliche Einrichtungen eine nahezu selbstverständliche Station im kindlichen Lebenslauf dar, der von den Eltern in hohem Maße akzeptiert wird.

Diese wissenschaftliche Arbeit setzt sich mit der Fragestellung auseinander, inwieweit sich frühkindliche Bildung auf die Entwicklung des Kindes und den Schulerfolg auswirkt. Hierbei werden sowohl die Entwicklung des Kindes als auch Ergebnisse verschiedener Studien thematisiert.

Die Arbeit beginnt mit einer kurzen Einführung in den Begriff Bildung mit anschließender Spezialisierung zum Begriff frühkindliche Bildung. Danach werden einige wichtige Grundlagen, wie zum Beispiel die Inhalte einer frühkindlichen Bildung oder die Qualität von Betreuungsangeboten thematisiert, auf denen die späteren Ergebnisse maßgeblich aufbauen sollen. Daraufhin werden die Grundzüge der kognitiven, sozialen und emotionalen Entwicklung des Kindes erklärt, um anschließend auf die Bedeutsamkeit von frühkindlicher Bildung eingehen zu können. Abschließend wird ein Fazit gezogen, in dem auf die Bedeutung der gewonnenen Erkenntnisse eingegangen wird.

2 Bildung

2.1 Begriffsdefinition

Bis heute bildet Humboldts Grundgedanke die Grundidee des Bildungsbegriffs. Sie versteht Bildung als Verhältnis zwischen dem individuellen Ich und der Welt. Diese Individualität wird durch die Auseinandersetzung mit dieser Welt gewonnen.1 Das Subjekt benötigt ein Gegenüber, durch das es sich bilden kann.

Damit geht einher, dass die Aneignung von Inhalten oder die Anhäufung von Kenntnissen nicht ausreicht, um Bildung zu erwerben. Vielmehr steht die Verbesserung der individuellen Kräfte der eigenen Natur und die Verbesserung der Werkzeuge im Mittelpunkt. Ziel ist laut Humboldt die höchste und „proportionierlichste“ Bildung der Kräfte zu einem Ganzen.2

Bildung ist außerdem ein allgegenwärtiges Wort der Alltagssprache. Jeder Mensch hat eine Meinung dazu, was Bildung ist und wie sie sein soll, da jeder zwangsläufig Erfahrung mit Bildung sammelt.3

Auf Grundlage der Überlegungen Humboldts lassen sich einige Merkmale ableiten, die auch heute noch wesentlich für das Verständnis des Bildungsbegriffs sind. Zum einen ist Bildung etwas, was der Mensch selbst verwirklichen muss und kann nicht von außen erzeugt werden. Es geht dabei um die Person selbst, zweitrangig ist dabei die Verwirklichung von Bildungszielen. Außerdem erzeugt Bildung eine innere Ordnung, die die Persönlichkeit ausmacht und sich auf die Handlungsweisen des Menschen auswirkt.4

Es existiert jedoch auch eine gesellschaftliche Dimension von Bildung. Bildung kann nicht nur auf das Subjekt bezogen werden, sondern hat auch gleichzeitig einen gesellschaftlichen Auftrag. Unsere Gesellschaft orientiert sich an Leistung und universalen Leistungskriterien, die nicht nur die Entfaltung des Einzelnen, sondern ebenso der Zuteilung von gesellschaftlichen Privilegien, zum Beispiel dem Besitz von Zertifikaten wie dem Abitur. Die Allgemeine Hochschulreife dient als Berechtigung zum Hochschulstudium und eröffnet den Weg zur Karriere.5

2.2 Frühkindliche Bildung

Die Verwirklichung von Selbsttätigkeit als zentralen Gedanken des Bildungsbegriffs soll in den folgenden Überlegungen in verschiedenen Ansätzen der Kindheitspädagogik nachgegangen werden.

Pionier Fröbel gilt als der frühpädagogische Bildungstheoretiker und -praktiker. Er entwarf den Kindergarten als einen Ort frühkindlicher Bildung und verstand die Familie als einen Ort der allseitigen Bildung des Kindes. Er gesteht dem Kind ein hohes Maß an Selbsttätigkeit zu, aber seine didaktischen Vorstellungen bleiben widersprüchlich. Die eine Konzeption geht vom frei erfindenden Explorieren des Kindes mit den Spielgaben aus. Die zweite didaktische Struktur trägt die Züge von Unterricht im Sinne von Vor- und Nachmachen.6

Den Grundgedanken der Selbsttätigkeit hat Montessori weitergedacht. Sie geht davon aus, dass in den ersten zwei bis drei Lebensjahren ein inflationärer Reichtum kindlicher Eindrücke vorliegt. Erst durch die Führung der Erwachsenen kann dies in eine Ordnung gebracht werden.7 Montessori bezeichnet das Kind außerdem als einen „geistigen Embryo“, der in der Lage ist, Verhältnisse, die er in seiner Umwelt vorfindet, unbewusst wie ein Schwamm aufzusaugen. Kinder können einzelne sinnliche, lebenspraktische oder geistige Funktionen selbst entwickeln. Die Hilfe der Erwachsenen wird dabei als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden.8

Der derzeitige frühpädagogische Bildungsbegriff versteht Bildung als einen aktiven Prozess. Das Kind wird als Akteur gesehen, der sich mit seinen sozialen, emotionalen und kognitiven Fähigkeiten mit der Welt und Menschen austauscht.9 Kinder sind von ihrem Wesen her wissbegierig, sie wollen Situationen mitgestalten und ihre Meinungen äußern. Hat die Institution Schule lange den Anspruch aufrechterhalten können, hier finde die erste Bildung der Kinder statt, hat sich dies mittlerweile geändert. Sowohl der Elementarbereich als auch der Primarbereich verfügen über einen Bildungsauftrag.10

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass frühkindliche Bildung die Anregung aller Kräfte des Menschen meint. Darunter fällt zum Beispiel das Erkunden, Selbstständig sein oder das Kommunizieren. Diese Anregungen bedürfen jedoch einer Unterstützung, der frühkindlichen Betreuung. Verhaltensweisen müssen gefördert, unerwünschte vermieden oder korrigiert werden. In der frühen Kindheit wird ein wichtiger Grundstein für den späteren Bildungs- und Lebenserfolg gelegt. Was hier unterlassen wird, kann später nur mit großem Aufwand aufgeholt werden.11

2.3 Inhalt und Leistung frühkindlicher Bildung

Frühkindliche Bildung besteht aus drei eng verwobenen Ebenen. Die gesamtgesellschaftliche, die organisatorische und die praxisbezogene Ebene.

Auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene ist die Aufgabe von frühkindlicher Bildung dreigeteilt. Herkunftsbedingte Chancenungleichheit soll ausgemerzt werden, um damit das Recht aller Menschen auf Gleichbehandlung konsequent realisieren zu können. Außerdem hat sie den Auftrag, in volkswirtschaftlicher Hinsicht in das Aufwachsen junger Kinder zu investieren. Die dritte Aufgabe stellt die Verankerung von Angeboten frühkindlicher Bildung dar.

Auf der Ebene der Organisationsstrukturen sollen Betreuungs- und Bildungskonstellationen ermöglicht werden. Dazu zählen z.B. institutionalisierte Betreuungsverhältnisse wie Krippen und Tageseltern.

Die Ebene der Praxis fordert den Ausgleich von Bedürfnissen, die sich bei einzelnen Kindern aufgrund ihrer sozialen und kulturellen Herkunft ergeben. Außerdem sollten individuelle Potenziale, Talente und Begabungen gefördert werden. Grundlage dafür ist die pädagogische Professionalität des Fachpersonals und die Qualität des Angebots, der Inhalte und der Prozesse.12

In den Bildungsgrundsätzen für Kinder von 0 bis 10 Jahren des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes NRW wird außerdem den Eltern eine bedeutsame Rolle zugeschrieben. Bindung stellt eine Voraussetzung für frühkindliche Bildung dar. Das Kind macht im Zusammenleben in der Familie erste Bindungserfahrungen. Es soll ermutigt und unterstützt werden, um an seine Grenzen zu gehen und Erkundungen in seiner Umwelt auszudehnen. Die Bindungsperson bietet Trost und Schutz sowie Hilfen bei Frustrationen.13

Bei der Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern handelt es sich außerdem um besonders sensible und bedeutsame Prozesse, weil in den ersten Lebensjahren die Weichen für künftige Entwicklung gestellt werden. Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen benötigen aus diesem Grund spezifisches Wissen über das Bindungsverhalten und die Entwicklung des Kindes in den ersten Lebensjahren. Die besondere Schutzbedürftigkeit, Stressbewältigung, der Spracherwerb sowie typische Lernstrategien der Jüngsten müssen im pädagogischen Handeln berücksichtigt werden.14

3 Rolle von Betreuungsangeboten

3.1 Familienergänzende Betreuung

Im weiteren Verlauf gilt es, die Rolle von Betreuungsangeboten näher zu erläutern. Sie werden auf der Organisationsebene erwähnt und auch in den Bildungsgrundsätzen des Landes NRW häufig als wichtiger Faktor von frühkindlicher Bildung genannt.

Unter den Begriff der familienergänzenden Betreuung fallen diverse öffentliche und auch private Betreuungsangebote für junge Kinder in einer breiten Variabilität an Modellen. Der Früh- und Vorschulbereich differenziert zwischen formell institutionalisierter und informell familienergänzender Betreuung. Der formelle Bereich umfasst Kindertagesstätten (Krippen, Spielgruppen, Horte etc.), Tagesbetreuungen und Einrichtungen für die schulergänzende Betreuung (Tageskindergarten, Mittagstisch, Hausaufgabenhilfe). Der informelle Bereich konzentriert sich auf die Betreuung durch Verwandte oder Bekannte, Nannys und Haushaltshilfen. In weiterem Verlauf wird die formelle Betreuung näher betrachtet.15

3.1.1 Frühkindliche Einrichtungen

Als erste Einrichtung für die Bildung in früher Kindheit gilt der von Friedrich Fröbel 1840 im thüringischen Bad Blankenburg gegründete „Kindergarten“. Der Kindergarten war nicht als eigenständiger Ort für frühkindliche Bildung gedacht, sondern als eine Art Schule für Mütter, die lernen sollten, ihre Kinder besser zu verstehen und ihre Bildungsprozesse zu unterstützen. Heute haben Tageseinrichtung für Kinder, wie Krippen, Kindergärten und Kitas, neben dem Bildungsauftrag auch den der Erziehung und Betreuung. Sie erhalten eine pädagogische und soziale Funktion. Bildungsprozesse setzen Erziehung voraus und Erziehung begleitet diese. Erziehung zielt darauf ab, Autonomie und Selbstbestimmung zu gewährleisten. Tageseinrichtungen nehmen außerdem gleichermaßen alle Kinder auf und unterscheiden sich so von allen anderen Bildungssystemen. Sie selegieren nicht, vielmehr ist ihr Auftrag, Bildung für alle Kinder überhaupt erst zu ermöglichen.16

Der regelmäßige Besuch von Institutionen früher Bildung ist für immer mehr Kinder bereits ab dem zweiten Lebensjahr eine Selbstverständlichkeit und zu einer kulturellen Norm geworden. Ist dies regional aufgrund fehlender Angebote nicht möglich, wird dies zunehmend als Versäumnis wohlfahrtsstaatlicher Versorgung und als Zeichen defizitärer Bildungsstrukturen, als Skandal verstanden.17 Die Betreuungsquote in Kindertageseinrichtungen zuzüglich der Kinder in öffentlich geförderter Kinder­tages­pflege, die nicht zusätzlich eine Kindertages­einrichtung oder eine Ganztags­schule besuchen lag im März 2019 bei 93 % bei 3-5 Jährigen deutschlandweit.18

Die hohe Bildungsbeteiligung der Kinder und die Ausdehnung der täglichen Betreuungszeiten erfordert gute Rahmenbedingungen in den Kindergärten, die Wohlbefinden und Persönlichkeitsentwicklung der Kinder gewährleisten. Es entsteht ein Balanceakt zwischen Betreuung und Förderung der Kinder.19

[...]


1 Vgl. Stamm, Margrit (2010): Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung. Bern: Haupt. S. 19.

2 Vgl. Fried, Lilian/Roux, Susanna (2013): Handbuch. Pädagogik der frühen Kindheit. Berlin: Cornelsen. S.34.

3 Stojanov, Krassimir (2014): Bildung. Zur Bestimmung und Abgrenzung eines Grundbegriffs der Humanwissenschaft. In: Erwägen, Wissen, Ethik. 2014/2, S. 206.

4 Vgl. Fried, Roux (2013). S. 34.

5 Vgl. Tenorth, Heinz-Elma (2013): Bildung – zwischen Ideal und Wirklichkeit. https://www.bpb.de/gesellschaft/bildung/zukunft-bildung/146201/bildungsideale (05.10.2019)

6 Vgl. Fried, Roux (2013). S. 35.

7 Vgl. Stamm (2010). S. 19.

8 Vgl. Fried, Roux (2013). S. 35f.

9 Vgl. Seifert, Anja/Wiedenhorn, Thomas (2018): Grundschulpädagogik. Paderborn: Ferdinand Schöningh. S. 81.

10 Vgl. Seifert, Wiedenhorn (2018): S. 83.

11 Vgl. Stamm (2010). S. 12f.

12 Vgl. Stamm (2010). S. 22f.

13 Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW/Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW (2016): Bildungsgrundsätze. Mehr Chancen durch Bildung von Anfang an. Freiburg: Herder. https://www.mkffi.nrw/sites/default/files/asset/document/bildungsgrundsaetze_januar_2016.pdf (06.10.2019)

14 Vgl. Ministerien des Landes NRW (2016).

15 Vgl. Stamm (2010): S. 93.

16 Vgl. Lange, Andreas/Reiter, Herwig/Schutter, Sabina/Steiner, Christine (2018): Handbuch Kindheits- und Jugendsoziologie. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften. S. 170f.

17 Vgl. Lange, Reiter, Schutter, Steiner (2018). S. 175.

18 Vgl. Statistisches Bundesamt (2019). Betreuungsquote von Kindern unter 6 Jahren nach Bundesländern. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Kindertagesbetreuung/Tabellen/betreuungsquote-2018.html#fussnote-2-118856 (17.10.2019)

19 Vgl. Fried, Roux (2013). S. 346.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Hat frühkindliche Bildung im Rahmen einer familienexternen Betreuung Auswirkungen auf den Schulerfolg?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Seminar aus: Bildung, Sozialisation und Lebensformen, Bezeichnung: Gemeinschaft und Bildung. Gemeinschaftsbildung?
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V593704
ISBN (eBook)
9783346168856
ISBN (Buch)
9783346168863
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frühkindliche Bildung, Bildung, Schulerfolg, Betreuungsangebote, Kindergarten, Kita, Kognitive Entwicklung, Entwicklungspsychologie, Studien, Forschung, Gütesiegel, Gemeinschaft
Arbeit zitieren
Antonia Heeren (Autor:in), 2019, Hat frühkindliche Bildung im Rahmen einer familienexternen Betreuung Auswirkungen auf den Schulerfolg?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/593704

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