Die Zukunftsfähigkeit eines Wirtschaftsstandortes hängt maßgeblich von seinen Innovationsleistungen ab. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, mit welchen Rahmenbedingungen forschende Unternehmen bestmöglich unterstützt werden können. Die deutsche Bundesregierung adressiert die Frage mit der Einführung des Forschungszulagengesetzes (FZulG). In Ergänzung zur bestehenden Projektförderung wurde zum ersten Januar 2020 eine steuerliche Förderung mit Rechtsanspruch für alle beschränkt und unbeschränkt steuerpflichtigen Unternehmen unabhängig von ihrer Größe, ihrer Rechtsform und unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Betätigung eingeführt – die sogenannte Forschungszulage.
Die Einführung des Forschungszulagengesetzes ist der Versuch der Bundesregierung, verstärkte Anreize für Forschungs- und Entwicklung (FuE) in Deutschland zu schaffen. Darüber hinaus zielt das Gesetz darauf ab dafür zu sorgen, dass der Anschluss an internationale Entwicklungen aus steuer- und wirtschaftspolitischer Sicht nicht verpasst wird. Viele große Industriestaaten wie die USA, China, Japan, Frankreich und Großbritannien finanzieren die Investition in FuE von Unternehmen bereits seit Jahren über steuerliche Maßnahmen, wodurch zusätzliche Investitions- und Innovationsanreize gesetzt werden. Daher überrascht, dass Deutschland als nahezu einzige Industrienation auf eine steuerliche Förderung von FuE bisher verzichtet hat. Diese Lücke versucht der Gesetzgeber mit dem FZulG bzw. mit der Forschungszulage zu schließen um kurz- bis mittelfristig in die Spitzengruppe aufzuschließen und für gleiche Standortbedingungen zu sorgen.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Untersuchung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Notwendigkeit einer steuerlichen Forschungszulage
2.2 Grundsätze der steuerlichen Förderung von FuE
3 Ökonomischen Auswirkungen steuerliche FuE-Förderung
3.1 Gestaltungsalternativen einer steuerlichen Förderung von FuE
3.2 Steuerwirkung der Forschungszulage
4 Kritische Würdigung
4.1 Vorteile der Forschungszulage gegenüber der Projektförderung
4.2 Nachteile der Forschungszulage gegenüber der Projektförderung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Auswirkungen der zum 01.01.2020 eingeführten steuerlichen Forschungszulage in Deutschland. Ziel ist es, die Steuerwirkung und Steuergestaltung zu beleuchten sowie die Implikationen dieser Förderung im Vergleich zu internationalen FuE-Modellen zu bewerten, um herauszufinden, welchen Beitrag sie zur Stärkung des Forschungsstandorts Deutschland leistet.
- Wirtschaftliche Bedeutung und Notwendigkeit steuerlicher FuE-Förderung
- Vergleich internationaler Ansätze zur steuerlichen FuE-Förderung (Frankreich, Österreich, Niederlande, USA)
- Ausgestaltung und Bemessungsgrundlagen des deutschen Forschungszulagengesetzes (FZulG)
- Vorteile und Herausforderungen der Forschungszulage im Vergleich zur klassischen Projektförderung
- Rolle der steuerlichen Förderung im internationalen Steuerwettbewerb
Auszug aus dem Buch
2.1 Notwendigkeit einer steuerlichen Forschungszulage
Aus ökonomischer Sicht gibt es gute Gründe dafür, dass der Staat Investitionen in FuE (direkt z.B. mit Hilfe von Projektförderung oder indirekt mit Hilfe der steuerlichen Forschungszulage) unterstützen sollte. Investitionen in FuE können den Charakter eines öffentlichen Gutes haben, da nicht alle FuE-Erkenntnisse patentierbar und vor der Konkurrenz zu verbergen sind und somit gesamtwirtschaftlich positive Externalitäten für die Gesellschaft verursachen können. Anreize in Form von finanziellen Beiträgen des Staates zu den privaten Investitionen in FuE kann helfen Investitionshemmnisse in diesem Bereich zu vermindern.
Diese Hemmnisse werden durch Marktversagen im Bereich Forschung und Entwicklung durch sog. Spillover-Effekte verursacht. Der Nutzen, der aus FuE-Aktivitäten gezogen wird, kommt unter Umständen auch anderen Unternehmen zugute ohne, dass das forschende Unternehmen dafür angemessen entschädigt wird. Der gesamtwirtschaftliche Nutzen übersteigt daher den entsprechenden privaten Nutzen des forschenden Unternehmens und hemmt die private Investitionen vor allem in FuE-Projekten mit einem potenziell hohen gesamtgesellschaftlichen Nutzen.
Ein weiterer Grund für eine staatliche FuE-Förderung besteht aufgrund von Informationsasymmetrien zwischen forschenden Unternehmen und Fremdkapitalgebern. Die Asymmetrien bestehen darin, dass forschende Unternehmen in der Regel besser über den möglichen Nutzen und die Erfolgsaussichten von FuE-Projekten informiert als externe Kapitalgeber, woraus folgt, dass zu wenige Mittel für FuE-Projekte bereitgestellt werden bzw. die Finanzierungskosten zu hoch sind. Insbesondere KMU sind aufgrund nicht vorhandener Eigenkapitalressourcen auf ebensolche externen Kapitalgeber angewiesen, werden allerdings infolge von Informationsasymmetrien nicht ausreichend unterstützt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Untersuchung: Einführung in die Thematik der steuerlichen FuE-Förderung in Deutschland und Darlegung des methodischen Vorgehens sowie des Ziels der Untersuchung.
2 Theoretische Grundlagen: Erörterung der ökonomischen Rechtfertigung für staatliche FuE-Förderung basierend auf Marktversagen und die Vorstellung grundlegender Förderkonzepte.
3 Ökonomischen Auswirkungen steuerliche FuE-Förderung: Analyse verschiedener internationaler FuE-Modelle und detaillierte Untersuchung der Wirkungsweise der deutschen Forschungszulage.
4 Kritische Würdigung: Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile der Forschungszulage im Vergleich zur klassischen Projektförderung unter Berücksichtigung steuerplanerischer Aspekte.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Forschungszulage als Instrument der Innovationsförderung und Ausblick auf notwendige Weiterentwicklungen.
Schlüsselwörter
Forschungszulage, FuE, Forschung und Entwicklung, Steuergutschrift, FZulG, steuerliche Förderung, Marktversagen, Spillover-Effekte, KMU, Innovationsförderung, Projektförderung, Steuerwettbewerb, Bemessungsgrundlage, Steuerbelastung, Investitionsanreize.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der ökonomischen Analyse der 2020 eingeführten steuerlichen Forschungszulage (FZulG) in Deutschland und untersucht deren Wirkung als Instrument zur Förderung von Forschung und Entwicklung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die theoretische Begründung staatlicher FuE-Förderung, der Vergleich mit internationalen Fördermodellen sowie eine kritische Bewertung des deutschen FZulG.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die ökonomischen Auswirkungen der Forschungszulage, insbesondere deren Steuerwirkung und Implikationen für deutsche Unternehmen, fundiert herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analytische Literaturstudie durchgeführt, die ökonomische Argumente zusammenführt und nationale wie internationale FuE-Förderinstrumente vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert internationale FuE-Modelle (Frankreich, Österreich, Niederlande, USA), die Ausgestaltung des deutschen FZulG und vergleicht dieses kritisch mit der klassischen Projektförderung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Forschungszulage, FuE-Förderung, FZulG, Innovationsanreize und Steuergutschrift charakterisiert.
Warum ist die Forschungszulage insbesondere für KMU relevant?
Die Forschungszulage bietet auch für kleine und mittelständische Unternehmen eine steuerliche Förderung, die unabhängig vom Unternehmensgewinn gewährt wird und somit gerade in Verlustphasen Planungssicherheit schafft.
Wie unterscheidet sich die Forschungszulage von der klassischen Projektförderung?
Während die Projektförderung themenspezifisch ausgerichtet ist, zeichnet sich die Forschungszulage durch eine allgemeine Themenoffenheit und einen Rechtsanspruch für alle anspruchsberechtigten Unternehmen aus.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2020, Ökonomische Analyse der Forschungszulage. Steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/594563