Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen potenziellen Regulierungsbedarf für politisches Microtargeting in Deutschland zu ermitteln. Als Referenzbeispiel für soziale Medien gilt hierbei Facebook, da es im Vergleich zu anderen Plattformen die höchste Anzahl an Nutzenden verzeichnet.
Microtargeting im politischen Diskurs wird immer beliebter. Politische Akteure nutzen die Methode in sozialen Netzwerken wie Facebook. Nutzende werden aufgrund ihrer persönlichen Eigenschaften und Präferenzen gezielt angesprochen - und dies mit Erfolg. In Deutschland ist die Anwendung der Kommunikationsmethode noch größtenteils unreguliert. Gleichzeitig sind die Effekte auf die beteiligten Akteure und den Prozess der politischen Willensbildung nur dürftig erforscht. Sind aktuelle Regulierungen noch zeitgemäß?
Bei der Bewertung dieser brisanten Frage werden im Besonderen die Folgen betrachtet, welche sich für den politischen Diskurs und die wahlberechtigte Bevölkerung aus der Nutzung der Methode ergeben. Neben vielen positiven Folgen häufen sich auch Berichte über die Beeinflussung von Wahlen. Der Arbeit liegt der vorrangige Zweck zugrunde, einen Regulierungsbedarf von Microtargeting in Deutschland im Hinblick auf die Anwendung im politischen Wahlkampf zu definieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen
2.1 Politische Wahlen in der Repräsentativdemokratie
2.2 Kommunikation im politischen Wahlkampf
2.2.1 Funktionen und Ziele
2.2.2 Instrumente
2.3 Soziale Medien
2.4 Microtargeting
2.4.1 Gründe für die Nutzung
2.4.1 Funktionsweise und Wirkung
2.5 Aktuelle Regulierungen
3 Diskussion über die Effekte von Microtargeting
3.1 Chancen
3.2 Risiken
4 Regulierungsbedarf
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, einen potenziellen Regulierungsbedarf für die Kommunikationsmethode des Microtargetings in der politischen Willensbildung in Deutschland zu ermitteln und kritisch zu hinterfragen.
- Grundlagen politischer Kommunikation und Wahlkampfprozesse
- Die Rolle sozialer Medien bei der politischen Meinungsbildung
- Analyse der Funktionsweise und Wirkung von Microtargeting
- Gegenüberstellung von Chancen und Risiken für die demokratische Ordnung
- Evaluierung bestehender rechtlicher Rahmenbedingungen (DSGVO, Grundgesetz)
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Funktionsweise und Wirkung
Unter dem politischen Begriff “Big Data” wird ein Prozess erfasst, in welchem Individuen nach Verhalten und Präferenzen in Kategorien eingeordnet und hochgerechnet wird (vgl. Fischl / Schachner 2019, S. 2). Diese Daten werden mithilfe von Algorithmen systematisch aus sozialen Netzwerken entnommen und weiterverarbeitet (vgl. Holtzhausen 2016, S. 25). Die Daten werden weiterverarbeitet, um Individuen vor dem Hintergrund der politischen Ansprache nach bestimmten Merkmalen in Gruppen einzuteilen (vgl. Fischl / Schachner 2019, S. 2f). Hierbei werden Daten auf individueller Ebene, wie Bedürfnisse und Ängste, und demo-, sowie geographische Daten erhoben (vgl. Bennett 2015, S. 374). Die Informationen werden im Anschluss dafür verwendet, im Rahmen der politischen Kampagnenführung die Inhalte der politischen Kommunikation genau auf das Verhalten, die Präferenzen und Interessen von bestimmten einzelnen Individuen oder Gruppen von Individuen anzupassen. Über soziale Netzwerke werden diese an die entsprechenden Individuen zielgenau gesendet (vgl. Fischl / Schachner 2019, S. 2f). Microtargeting “erfordert [...] umfangreiche Datenerhebung- und Auswertung” (Keller / Leder 2018, S. 24). Parteien lagern diesen Mehraufwand häufig an Agenturen aus (vgl. Keller / Leder 2018, S. 24). In sozialen Netzwerken werden Bürgerdaten erhoben. Mithilfe dieser ist es politischen Akteur*innen möglich, Informationen über persönliche und politische Einstellungen zu erfahren (vgl. Fischl / Schachner 2019, S. 2). Es werden Modelle von wahlberechtigten Personen erstellt, welche Rückschlüsse auf das Verhalten dieser zulassen (vgl. Endres / Kelly 2017, S. 4). Außerdem macht Microtargeting Werbeanzeigen in ihrer Wirkung effektiver. Dies soll darauf beruhen, dass diese Kommunikationsmethode individuelle Ansprache durch ein Anpassen der Werbung in der Form der Sprache, des Formates und der zu befriedigenden Bedürfnisse ermöglicht (vgl. Borgesius et al. 2018, S. 82).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des politischen Microtargetings in sozialen Netzwerken ein und formuliert das Ziel der Arbeit, den Regulierungsbedarf in Deutschland zu untersuchen.
2 Theoretischer Rahmen: Das Kapitel erläutert die Grundlagen demokratischer Wahlen, politische Kommunikation, Soziale Medien sowie die Funktionsweise und aktuelle Rechtslage zum Microtargeting.
3 Diskussion über die Effekte von Microtargeting: Hier werden die Chancen, wie etwa die zielgerichtete Information der Wählerschaft, den Risiken, wie Desinformation und Manipulation, gegenübergestellt.
4 Regulierungsbedarf: Dieser Abschnitt leitet auf Basis der Analyse den Bedarf für eine angemessene Regulierung ab, um die demokratische Integrität zu schützen.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass angesichts der Risiken ein dringender Bedarf für Forschung und regulative Maßnahmen besteht, um den politischen Prozess zu sichern.
Schlüsselwörter
Microtargeting, Politische Kommunikation, Soziale Medien, Wahlkampf, DSGVO, Repräsentativdemokratie, Big Data, Desinformation, Manipulation, Transparenz, Meinungsbildung, Regulierung, Datenschutz, Wahlentscheidung, Algorithmen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Kommunikationsmethode des Microtargetings in sozialen Netzwerken und untersucht, inwiefern hierfür in Deutschland ein spezifischer Regulierungsbedarf besteht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Mechanismen politischer Wahlkämpfe in der digitalen Ära, die Nutzung von Nutzerdaten für personalisierte Werbung sowie die rechtlichen Herausforderungen im Kontext der DSGVO.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis einer Analyse der Chancen und Risiken von Microtargeting zu ermitteln, ob die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen ausreichen oder ob weiterführende Regularien notwendig sind.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung und Literaturanalyse zum aktuellen Forschungsstand über die Wirkmechanismen und die rechtliche Situation von Microtargeting.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine detaillierte Diskussion der Chancen und Risiken für Akteure und das demokratische System sowie eine Analyse des Regulierungsbedarfs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Microtargeting, Politische Kommunikation, Soziale Medien, Desinformation, Regulierung und Datenschutz.
Warum ist Microtargeting laut der Arbeit kritisch zu sehen?
Es besteht die Gefahr von Desinformation, Manipulation, der Verzerrung der Themenwirklichkeit und der Ausbildung von Filterblasen, die den demokratischen Diskurs negativ beeinflussen können.
Welche Rolle spielt die DSGVO in diesem Kontext?
Die DSGVO setzt zwar enge rechtliche Grenzen für die Datenerhebung und -verarbeitung, bietet jedoch nach Ansicht des Autors noch keinen ausreichenden Schutz gegen die spezifischen Gefahren der politischen Manipulation durch Microtargeting.
- Arbeit zitieren
- Jens Wegmann (Autor:in), 2020, Microtargeting in der politischen Kommunikation. Regulierungsbedarf in Deutschland am Beispiel Facebook, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/594935