José Rizal und der Unabhängigkeitskampf der Filipinos bis 1896


Seminararbeit, 2005
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Philippinen von ihrer Entdeckung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts

3. Biographie José Rizals
3.1 Abstammung und Jugendzeit
3.2 Als Student in Europa
3.3 Noli me tangere
3.4 Rückkehr nach Europa / El Filibusterismo
3.5 Die Liga Filipina
3.6 Rizal in der Verbannung, der Aufstand 1896 und sein Tod

4. Schlussteil

5. Quellennachweis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit dient dem Zweck, einen kurzen Abriss des Lebens des geistigen Vaters der philippinischen Nation José Rizal zu liefern. Ursprünglich wollte ich mich mit der philippinischen Unabhängigkeit an sich befassen, erkannte aber schnell, das Rizal so sehr im Zentrum dieser Bewegung stand, dass er auch Kern meiner Arbeit sein sollte. Seine ausführliche Biographie von Bernhard Dahm liest sich wie ein Abenteuerroman, weshalb u.a. auch auf dieser Biographie mein Hauptaugenmerk lag. Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften konnte ich nicht verwerten, weil keine von Ort verfügbar sind. Einige Quellen haben auch eine solch pathetische Färbung und gehen in Richtung einer Hagiographie, etwa das Buch von Pio Duran, dass ich vorsichtig beim Gebrauch wurde. Viele Quellen im WWW sind ebenfalls voll von –verständlichem- nationalen Pathos und Heldenverehrung. Ich hoffe trotzdem, eine halbwegs neutrale und klare Schilderung bieten zu können.

2. Die Philippinen von ihrer Entdeckung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts

Magellan entdeckte die Philippinen 1521 bei seiner Weltumseglung und nahm sie für die spanische Krone in Besitz. Der Widerstand gegen die Fremdherrschaft begann sofort und resultierte in der Ermordung Magellans noch im gleichen Jahr auf der kleinen Insel Mactan, als dieser versuchte, den Häuptling Lapu-Lapu zur Anerkennung der spanischen Machtansprüche zu zwingen[1]. 40 Jahre später schickte die spanische Krone Miguel Lopez de Legaspi von Mexiko aus mit einer Flotte, um die Philippinen zu unterwerfen und den spanischen Herrschaftsanspruch durchzusetzen. 1565 wurde die erste spanische Kolonie gegründet. Manila wurde 1571 eingenommen, was die bis auf ein britisches Intermezzo während des Siebenjährigen Krieges ununterbrochene spanische Herrschaft einläutete. Auf den Philippinen lebten immer nur wenige Spanier, 1877 etwa waren es bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 5,5 Millionen 13.500, also nur 0,25 %[2]. In Lateinamerika waren es im Mittel 20%! Der Widerstand der Filipinos war bis 1872 lokal, spontan und unkoordiniert, erst ab 1872 gab es konzertierten bewaffneten Widerstand. (Burgos-Prozeß, Cavite-Meuterei, s.u.) Der Grund hierfür liegt im inneren Zwist der einzelnen Völker und Stämme des Archipels. Die spanische Herrschaft bestand nicht nur aus grausamer Unterdrückung, sondern auch aus Zivilisierung und –begrenzter- Bildung der autochthonen Bevölkerung durch die evangelisierenden Orden der Augustiner, Franziskaner, Dominikaner und Jesuiten. Verbesserte Infrastruktur sorgte im Laufe der Jahre für einen verstärkten Austausch der verschiedenen Stämme und Völker untereinander und das allmähliche Entstehen eines Wir-Gefühls.[3] Die autochthone Bevölkerung, welche die Spanier auf dem Archipel vorfanden, beruhte auf sesshaften Dorfgemeinschaften, den sogenannten Barangays, die nicht mehr als jeweils 100 Familien umfassten. Es gab keine übergeordnete regionale oder gar staatliche Organisation, was die Eroberung und Bekehrung der Bewohner der Inselgruppe für die Spanier einfacher machte, als etwa einen organisierten indigenen Staat zu unterwerfen. Regiert wurden die Barangays von Häuptlingen (datuks). Diese fortan „Principales“ genannte Adelskaste wurde in ihren Ämtern belassen und diente den Kolonialherren als Mittler zum Volk. Die Spanier begannen die Barangays zu größeren Dörfern (pueblos) zu reduzieren, wie es auch in Hispanoamerika, v.a. in Paraguay geschah. Oberhalb der „cabezas de barangay“ wurde auf lokaler Ebene der Rang eines „Gobernadorcillo“ eingeführt, aus den „cabezas de barangay“ gewählt. Über diesem gab es das Amt des Provinzgouverneurs (alcalde mayor), das immer ein Spanier bekleidete, eingesetzt durch den Generalgouverneur, sowie klerikale Verwaltungsstrukturen, sprich Priester, größtenteils aus den Mönchsorden, als Gemeindevorsteher. Diese übten eine enorme Macht aus, was später stark kritisiert werden sollte. Die große Machtfülle der Orden entstand aus ihrer „Doppelfunktion als Seelsorger und Vertreter der Interessen der spanischen Macht in der Provinz“, sowie der Kontrolle des Unterrichtssystems[4]. Die drei genannten Strukturen standen bis zum Ende der Kolonialherrschaft in einem andauernden Konflikt miteinander.[5]

Die spanische Verwaltung wurde nach zentralistischem Prinzip von Madrid aus gelenkt. Filipinos[6] waren nur auf lokaler Ebene an der Regierung beteiligt und auch hier durch Wahlrechtsbeschneidung nur Angehörige der traditionellen Elite, was der Verwaltung einen oligarchischen Charakter gab. Der katholische Glaube beeinflusste in seiner spezifischen philippinischen Ausprägung maßgeblich das Leben der Filipinos. Die Bekehrung war relativ einfach gewesen, da die Missionare eine Bevölkerung vorfanden, die aufgrund der geographischen Lage der Philippinen weit ab der Handelsrouten noch nicht hinduistischem, buddhistischen oder muslimischen Einfluß ausgesetzt gewesen waren. Als Ausnahme sind nur das muslimisch geprägte Mindanao im Süden und das uneroberte Bergland Nordluzons zu nennen. Durch die zunehmenden wirtschaftlichen Beziehungen der Philippinen auch mit anderen Staaten als dem Mutterland sowie den Sturz der konservativen Regierung Königin Isabellas 1868 durch liberale Kräfte begann zum einen liberales Gedankengut sich auch in der Kolonie zu verbreiten und es bildete sich zum anderen im 19. Jahrhundert eine neue Elite aus der reichen Pflanzerschicht heraus. Die Ordensbrüder, Vertreter der Kolonialmacht auf lokaler Ebene und damit einziger Berührungspunkt mit Spanien für die meisten Filipinos, leisteten dem Wunsch der „Ilustrados“ nach Reformen und Gleichberechtigung entschiedenen Widerstand. Sie pochten auf die angebliche kulturelle Höherwertigkeit der Spanier, verwehrten den Zugang zu bestimmten Wissensgebieten und weigerten sich etwa, einheimische Priester mit Führungsaufgaben zu betrauen. Die o.a. geringe Anzahl ethnischer Spanier auf den Philippinen war auch ein maßgeblicher Grund dafür, dass den Kastiliern nichts an einem Unabhängigkeitskampf gegen das Mutterland lag. Ihnen ging es um die Verteidigung ihrer Privilegien, wogegen vor allem die ca. 177.000 spanischen und chinesischen Mestizen aufbegehrten, indem sie Gleichberechtigung forderten[7].

[...]


[1] Dahm, Bernhard: José Rizal – Der Nationalheld der Filipinos, p. 10, Muster-Schmidt-Verlag Göttingen, 1988

[2] Driesch, Wilhelm von den: Grundlage einer Sozialgeschichte der Philippinen unter spanischer Herrschaft (1565-1820), p. 488, Frankfurt/Main, 1984; zitiert in: Dahm, Bernhard: José Rizal – Der Nationalheld der Filipinos, Muster-Schmidt-Verlag Göttingen, 1988

[3] vgl. Duran, Pio: Philippine Independence and the Frar Eastern Question, p. 10 f, University of the Philippines Press, Manila 1935

[4] Dahm, Bernhard: José Rizal – Der Nationalheld der Filipinos, p. 13, Muster-Schmidt-Verlag Göttingen, 1988

[5] vgl. Sánchez Gómez, Luis Ángel: Elites Indígendas y Política Colonial en Filipinas (1847-1898), p. 417 f; in: La Nación Soñada; Cuba, Puerto Rico y Filipinas ante el 98, Consuelo Naranjo Orovio et al. (ed.), Ediciones Doce Calles S.L., Madrid 1995

[6] „Filipinos“ war ursprünglich die Bezeichnung für auf den Philippinen geborene Spanier. Erst später eignete sich die autochthone Bevölkerung den Begriff als Selbstbezeichnung im Zuge des Entstehens eines Nationalgefühls an.

[7] Dahm, Bernhard: José Rizal – Der Nationalheld der Filipinos, p. 15, Muster-Schmidt-Verlag Göttingen, 1988

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
José Rizal und der Unabhängigkeitskampf der Filipinos bis 1896
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar )
Veranstaltung
Proseminar Geschichte der Iberischen Kolonialreiche in Afrika und Asien (1400 – 1975)
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V60362
ISBN (eBook)
9783638540629
ISBN (Buch)
9783638831529
Dateigröße
1186 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
José, Rizal, Unabhängigkeitskampf, Filipinos, Proseminar, Geschichte, Iberischen, Kolonialreiche, Afrika, Asien
Arbeit zitieren
Marcus Theodor Schauerte (Autor), 2005, José Rizal und der Unabhängigkeitskampf der Filipinos bis 1896, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60362

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