Die internationalen Finanzmärkte haben in den letzten Jahren einen enormen Wandel durchlaufen. Diese Strukturwende drückte sich vor allem durch die Entstehung neuer innovativer Finanzinstrumente, technologischen Fortschritt, Marktliberalisierungen und -konsolidierungen und einer stetig steigenden Internationalisierung der Kreditinstitute und Ihrer Kunden aus.
Mit diesen Veränderungen mussten nicht nur die Finanzunternehmen Schritt halten, auch die internationale Bankenaufsicht sah sich vor der Aufgabe, ihre Regulierungen den neuen Gegebenheiten anzupassen.
Im dieser Arbeit werden die neuen Regelungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht behandelt. Speziell soll auf die Mindestkapitelanforderungen und das Bankaufsichtliche Überprüfungsverfahren eingegangen. Die nationale Umsetzung des Teilbereiches „Bankaufsichtliches Überprüfungsverfahren“ in den „Mindestanforderungen an das Risikomanagement“ wird insbesondere im Hinblick auf das Kreditgeschäft betrachtet. Der Vollständigkeit halber wird kurz die Vorgabe der Marktdisziplin erläutert.
Abschließend wird auf die Auswirkungen der neuen Regelungen aus „Basel II“ und den „MaRisk“ auf das Kreditgeschäft mit Firmenkunden eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Basel II
2.1 Historie
2.2 Von Basel I zu Basel II
2.3 Das Konzept von Basel II
2.4 Mindestkapitalanforderungen („Säule 1“)
2.4.1 Kreditrisiken
2.4.1.1 Standardansatz (StA)
2.4.1.2 Auf internem Rating basierende Ansätze (IRBA)
2.4.2 Operationelle Risiken
2.5 Bankaufsichtliches Überprüfungsverfahren („Säule 2“)
2.5.1 Ziele
2.5.2 Mindestanforderungen an das Risikomanagement (“MaRisk“)
2.5.2.1 Übersicht
2.5.2.2 Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft
2.6 Marktdisziplin („Säule 3“)
3 Auswirkungen auf das Kreditgeschäft mit Firmenkunden
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die neuen Regulierungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht im Kontext von Basel II und den MaRisk. Das primäre Ziel ist die Analyse der Auswirkungen dieser qualitativen und quantitativen Anforderungen auf das Kreditgeschäft mit mittelständischen Firmenkunden.
- Entwicklung und Historie von Basel I zu Basel II
- Die drei Säulen von Basel II (Kapitalanforderungen, Überprüfungsverfahren, Marktdisziplin)
- Verfahren zur Messung von Kredit- und operationellen Risiken
- Konkrete Anforderungen an das Risikomanagement durch die MaRisk
- Implikationen für die Kreditvergabepraxis und die Bank-Kunde-Beziehung
Auszug aus dem Buch
2.4.1.2 Auf internem Rating basierende Ansätze (IRBA)
Bei den Verhandlungen um die zukünftigen Regelungen hat insbesondere die deutsche Seite Wert darauf gelegt, auch interne Ratings für die Risikogewichtung zu berücksichtigen. Die in Deutschland vorherrschende „Ratinglücke“ hätte ohne die Genehmigung interner Ratings Wettbewerbsnachteile – insbesondere gegenüber den US-amerikanischen Banken – zur Folge gehabt. Der interne Ratingansatz läuft in 4 Stufen ab:
1. Einordnung der Aktiva des Anlagebuchs (Staaten, Banken, Nichtbanken, Privatkundengeschäft, Projektfinanzierung und Beteiligungsbesitz)
2. Berechnung der Risikokomponenten: a. Ausfallwahrscheinlichkeit (PD, Probability of Default), b. Ausfallrate (LGD, Loss Given Default), c. Forderungsbeträge bei Ausfall (EAD, Exposure at Default), d. Restlaufzeit (M, Maturity)
3. Entwicklung kreditnehmerspezifischer Risikogewichte und darauf folgend ein aggregierter Risikowert der Gesamtbankaktiva
4. Korrektur für die Diversifikation des Kreditportfolios
Die Funktionen zur Ermittlung des Risikogewichts und damit der Eigenkapitalanforderungen berücksichtigen das Risiko eines unerwarteten Verlusts, da davon ausgegangen wird, dass zu erwartende Verluste als Risikoprämie vereinnahmt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Strukturwandel-Problematik der Finanzmärkte ein und umreißt die behandelten Basel-II-Regelungen sowie die Rolle der MaRisk.
2 Basel II: Dieses Kapitel erläutert die Historie, das Konzept der drei Säulen sowie die spezifischen Anforderungen an die Kapitalhinterlegung und das bankaufsichtliche Überprüfungsverfahren.
3 Auswirkungen auf das Kreditgeschäft mit Firmenkunden: Hier werden die Konsequenzen der neuen regulatorischen Anforderungen für die Kreditbepreisung, die Bonitätsbeurteilung und die Kommunikation zwischen Bank und Firmenkunde thematisiert.
Schlüsselwörter
Basel II, MaRisk, Eigenkapitalanforderungen, Risikomanagement, Kreditrisiko, Operationelles Risiko, Standardansatz, IRBA, Bankenaufsicht, Firmenkundengeschäft, Rating, Bonität, Risikogewichtung, Marktdisziplin, Kreditvergabepraxis
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Ziel der Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Baseler Eigenkapitalvereinbarungen (Basel II) sowie der nationalen MaRisk auf die Risikomanagementprozesse und das Firmenkundengeschäft von Kreditinstituten.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die Messung von Kredit- und operationellen Risiken, die Eigenkapitalhinterlegung sowie die qualitativen Anforderungen an die Organisation und Strategie von Banken.
Was besagt die „Säule 1“ von Basel II?
Säule 1 definiert die quantitativen Mindestkapitalanforderungen, die Banken zur Absicherung ihrer Kredit-, Marktpreis- und operationellen Risiken vorhalten müssen.
Welche Messmethoden für Kreditrisiken werden beschrieben?
Es wird zwischen dem Standardansatz (StA) auf Basis externer Ratings und dem auf internen Ratings basierenden Ansatz (IRBA) unterschieden.
Was ist das zentrale Element der MaRisk im Kreditgeschäft?
Die MaRisk fordern eine klare Funktionstrennung zwischen Markt und Marktfolge sowie ein Votierungskonzept, das auf dem Vier-Augen-Prinzip basiert.
Welche Rolle spielt das Rating für Firmenkunden?
Da die Eigenkapitalhinterlegung stärker an die Bonität gekoppelt ist, führt dies zu einer Differenzierung der Kreditkonditionen, was Ratingoptimierung für Unternehmen essenziell macht.
Warum war der Übergang von Basel I zu Basel II notwendig?
Basel I wurde kritisiert, da die vierstufige Differenzierung die tatsächlichen Risikostrukturen nicht ausreichend abbildete und Anreize für eine ungünstige Selektion bot.
Was versteht man unter dem Begriff „Ratinglücke“?
Dies bezeichnet den Umstand, dass viele deutsche Firmenkunden keine externen Ratings besaßen, weshalb interne Ratings zur Risikogewichtung als notwendige Alternative gefordert wurden.
- Quote paper
- Heiko Mehlhop (Author), 2006, Basel II und die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61099