Gegenstand dieser Arbeit sind die Geschlechterkonstruktionen im Theaterstück Los Empeños de una casavon Sor Juana Inés de la Cruz. Die Komödie ist aus dem soziokulturellen Kontext der mexikanischen Kolonialgesellschaft des 17.Jh.s heraus geschrieben und ist erstaunlich ‚modern’ in Bezug auf die in ihr behandelten Diskurse über Geschlechter und Macht im weitesten Sinn. Vor allem durch die stilisierte, paraphrasierte Sprache der Figuren werden die grotesken und festgefahrenen Verhaltensnormen und -muster in der höfischen Gesellschaft der damaligen Zeit bloßgestellt und parodiert. Deshalb soll neben den Geschlechterdiskursen die Ironie, die diese gewissermaßen aufdeckt, als stilistisches Mittel in der Analyse Beachtung finden. Die Figuren, d.h. sowohl die Männer als auch die Frauen im Stück, sind meiner Meinung nach in ihren sozialen Geschlechterrollen, den ‚Gender’, gefangen und von der Autorin als solche dargestellt. Sor Juanas Biografie, die im Folgenden kurz beleuchtet werden soll, wird bei der späteren Betrachtung des Textes bewusst nicht oder nur sehr selten herangezogen. Stattdessen soll versucht werden, Los Empeños de una casamithilfe einer strukturalistischen, geschlechterdiskursanalytischen Methode zu ‚entschlüsseln’.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Sor Juana Inés de la Cruz
2.1 Leben, Werk und Wirkung
3. Los Empeños de una casa
3.1 Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte
3.2 Strukturalistische Lesart zu den Geschlechterdiskursen
3.2.1 Aufbau und Inhalt der Komödie
3.2.2 Figuren und Geschlechterkonstruktionen
3.2.3 Ironie, Parodie und Metatheater
4. Nachwort
5. Bibliografie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Geschlechterkonstruktionen in Sor Juana Inés de la Cruz’ Komödie "Los Empeños de una casa". Dabei wird analysiert, inwiefern die Autorin durch stilisierte Sprache und ironische Brechungen die rigiden Geschlechterrollen und sozialen Normen der kolonialzeitlichen Gesellschaft parodiert und dekonstruiert.
- Analyse der Geschlechterdiskurse und Rollenzuschreibungen im 17. Jahrhundert.
- Strukturalistische Untersuchung der Figurenkonstellation und Handlungsmuster.
- Untersuchung von Ironie, Parodie und Metatheater als stilistische Mittel.
- Vergleich der Darstellung von "Männlichkeit" und "Weiblichkeit" innerhalb des Stücks.
- Betrachtung der Bedeutung von Ehre und sozialer Abhängigkeit im kolonialen Kontext.
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Figuren und Geschlechterkonstruktionen
Im Stück werden die Diskurse über die Geschlechterkategorien und sozialen Konstrukte ‚Frau’ und ‚Mann’ explizit und implizit geführt. Explizit meint, dass die Figuren über ‚Gender’ reden, also die Geschlechterdiskurse direkt austragen, während die Geschlechterrollen der höfischen Gesellschaft über die konnotative und fast ausschließlich stilisierte stereotype implizite Figurenrede kategorisiert werden. Im Siglo de Oro war es für die Dramatiker üblich, keine oder kaum Regieanweisungen zu geben und jede Handlung über die Figurenrede laufen zu lassen. Daher und durch die inhaltliche Komplexität, bzw. die dargestellte Verwirrung in Los Empeños de una casa ist der Verlauf der Handlung oft nur schwer nachvollziehbar. Dies kann jedoch auch als bewusst stilistisches Mittel betrachtet werden und soll hier später noch Beachtung finden.
Die sozialen in der patriarchalischen Gesellschaft aufgestellten Verhaltensregeln, denen die beiden Geschlechter unterworfen sind und die stark mit den Diskursen über die sogenannte Ehre in Verbindung stehen, werden im Stück weniger explizit, als implizit geäußert. Don Rodrigo ist dennoch ein Vertreter der paraphrasierenden expliziten Rede über das, was eine ‚Frau’ sei und sein oder eben nicht sein sollte. Als er erfährt, dass seine Tochter Leonor mit einem Mann geflohen ist, deklamiert er:
“¡Oh mujeres! ¡Oh monstruo venenoso! / ¿Quién en vosotras fía / si con igual locura y osadía, / con la misma medida / se pierde la ignorante y la entendida?”
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Geschlechterkonstruktionen des Stücks mittels einer strukturalistischen Diskursanalyse zu entschlüsseln.
2. Sor Juana Inés de la Cruz: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Leben und Wirken der Autorin, ihre Rolle als intellektuelle Frau im 17. Jahrhundert und ihre literarische Bedeutung.
3. Los Empeños de una casa: In diesem Hauptteil wird das Theaterstück in seinen historischen Kontext eingeordnet und eine detaillierte strukturalistische Untersuchung der Geschlechterdiskurse, der Figuren und der satirischen Elemente durchgeführt.
4. Nachwort: Das Nachwort fasst zusammen, dass Sor Juanas Werk durch die ironische Bloßstellung gesellschaftlicher Konventionen eine moderne Aussagekraft behält.
5. Bibliografie: Dies ist das Literaturverzeichnis der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Sor Juana Inés de la Cruz, Los Empeños de una casa, Geschlechterkonstruktionen, Siglo de Oro, Gender, Patriarchat, Diskursanalyse, Ironie, Parodie, Metatheater, Theaterstück, Literaturwissenschaft, spanische Literatur, Kolonialgesellschaft, Frauenbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Theaterstück "Los Empeños de una casa" von Sor Juana Inés de la Cruz unter dem Aspekt, wie soziale Geschlechterrollen im Kontext des Siglo de Oro konstruiert, reflektiert und parodiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen Geschlechterkonstruktionen, der Begriff der "Ehre" als gesellschaftliche Norm, Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern und die Anwendung moderner analytischer Methoden auf barocke Theatertexte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Text als "modern" zu entschlüsseln, indem aufgezeigt wird, dass die Autorin die starren Geschlechterrollen ihrer Zeit durch gezielte Stilisierung und Ironie hinterfragt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine strukturalistische und diskursanalytische Methode, um den Text primär aus sich selbst heraus und durch die Analyse der Figurenrede zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Entstehungsgeschichte, eine strukturalistische Lesart, die inhaltliche Beschreibung, eine spezifische Figurenanalyse der weiblichen Charaktere sowie eine Untersuchung der Parodie- und Metatheater-Elemente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Geschlechterkonstruktionen, Gender, Siglo de Oro, Ironie, Parodie, Patriarchat und die Dekonstruktion von Verhaltensnormen.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Ana von der von Leonor?
Ana wird als autonome Intrigantin und Spielleiterin dargestellt, die männliche Eigenschaften übernimmt, während Leonor als die unschuldige, wenn auch besonnenheitslose "makellose Dame" gezeichnet wird.
Welche Bedeutung kommt der Figur des Castaño zu?
Castaño fungiert als eine Art transsexuelle Parodiefigur, die sich als Leonor verkleidet und damit die soziale Konstruktion von Geschlechtsidentität sowie die Austauschbarkeit von Rollen verdeutlicht.
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- Juliane Fehlig (Author), 2006, Sor Juana Inés de la Cruz - Geschlechterkonstruktionen in ihrer Komödie "Los empenos de una casa", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61158