Am 2. September 2006 feierte die Transnistrische Moldauische Republik ihren 16. Jahrestag der Unabhängigkeit mit Kranzniederlegungen und Paraden. Zwei Wochen später, am 17. September kam ein international nicht anerkanntes Referendum erneut zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Eigenstaatlichkeit unterstützt und an engeren Beziehungen zu Russland interessiert ist.
Der kleine Landstreifen östlich des Dnjestrs (rumänisch: Nistru), der völkerrechtlich auf dem Gebiet der Republik Moldau liegt, hat in den vergangenen 16 Jahren quasistaatliche Strukturen und die Ansätze einer nationalen Identität und Staatsideologie aufgebaut. Seit ebenso langer Zeit versucht die internationale Gemeinschaft immer wieder eine Lösung für den Konflikt zu vermitteln – bisher ohne Erfolg.
Die vorliegende Arbeit widmet sich der Frage nach den Gründen und Ursachen des Konflikts. Dabei wird eine Kategorisierung der Konfliktdimensionen vorgeschlagene, die hilft, Ursachen und Triebkräfte zu verstehen. Die herausgearbeiteten Gründe für die Abspaltung und das Fortbestehen von de facto zwei Staaten sind vielschichtig. Als fortbestehendes Motiv für die Sezession wird die Statusbewahrung der etablierten kommunistischen und russischsprachigen Eliten identifiziert. Diese betreiben zur Mobilisierung weiterer Bevölkerungsgruppen gezielt die Stiftung einer transnistrischen Identität. Weitere Elemente des konstruierten Zusammengehörigkeitsgefühl sind die Anknüpfung an Sowjetideologie, der Bezug auf Russland und ein Personenkult um den Präsidenten Smirnov. Katalysatoren, die das Überleben des separatistischen Landstreifens sichern, sind in der Einkommensgenerierung durch vielfältigen und oft illegalen Handel und die Protektion durch Russland zu suchen. Die westliche internationale Gemeinschaft hingegen tritt den russischen Interessen in der Region nicht entschieden genug entgegen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Basisinformationen
- Entstehung und Entwicklung des Konflikts
- Vorgeschichte: Vom Fürstentum Moldau bis zum Ende der 1980er Jahre
- Unabhängigkeit und Abspaltung Transnistriens
- Konfliktlösungsversuche seit 1992
- Konfliktphasen
- Konfliktdimensionen
- Theoretischer Hintergrund
- Hintergrundbedingungen
- Mobilisierung
- Katalysatoren
- Resümee
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit analysiert die Entstehung und Entwicklung des Transnistrienkonflikts. Ihr Ziel ist es, die Ursachen und Hintergründe des Konflikts zu erforschen und die wichtigsten Entwicklungsphasen des Konflikts darzustellen.
- Die historischen Wurzeln des Konflikts in der Geschichte der Republik Moldau
- Die Abspaltung Transnistriens von der Republik Moldau und die Herausforderungen für die Konfliktlösung
- Die verschiedenen Konfliktphasen und die Rolle der internationalen Gemeinschaft bei der Konfliktlösung
- Die wichtigsten Konfliktdimensionen, darunter der theoretische Hintergrund, Hintergrundbedingungen, Mobilisierungsfaktoren und Katalysatoren
- Die Bedeutung des Konflikts für die Region und die internationalen Beziehungen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung bietet eine Einführung in die Thematik und die Relevanz des Transnistrienkonflikts. Im Anschluss werden Basisinformationen über die Republik Moldau und Transnistrien geliefert. Kapitel 3 beleuchtet die Entstehung und Entwicklung des Konflikts, angefangen von der Vorgeschichte bis hin zu den Konfliktlösungsversuchen seit 1992. Kapitel 4 untersucht systematisch die Dimensionen des Konflikts und beleuchtet Hintergrundbedingungen, Mobilisierungsfaktoren und Katalysatoren.
Schlüsselwörter
Transnistrienkonflikt, Republik Moldau, Abspaltung, Konfliktlösung, internationale Beziehungen, Geschichte, Politik, Konfliktdimensionen, Hintergrundbedingungen, Mobilisierung, Katalysatoren.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Transnistrienkonflikt?
Es handelt sich um einen "eingefrorenen Konflikt" um den Landstreifen Transnistrien, der sich 1990 völkerrechtswidrig von der Republik Moldau abspaltete und bis heute international nicht als Staat anerkannt ist.
Warum kam es zur Abspaltung Transnistriens?
Gründe waren die Angst der russischsprachigen Bevölkerung vor einer Rumänisierung Moldaus nach dem Zerfall der Sowjetunion sowie das Bestreben der dortigen Eliten, ihren politischen und wirtschaftlichen Status zu wahren.
Welche Rolle spielt Russland in diesem Konflikt?
Russland agiert als Schutzmacht Transnistriens, stationiert dort Truppen und unterstützt die Region wirtschaftlich und politisch, um Einfluss in der Republik Moldau zu behalten.
Wie wird die transnistrische Identität konstruiert?
Die Identität basiert auf der Anknüpfung an die Sowjetideologie, einem starken Bezug zu Russland, der russischen Sprache und einem Personenkult um Führungspersonen wie den langjährigen Präsidenten Smirnov.
Gab es Versuche, den Konflikt zu lösen?
Seit 1992 gab es zahlreiche Vermittlungsversuche durch die OSZE, Russland und die Ukraine, die jedoch bisher alle an der Statusfrage und den gegensätzlichen Interessen der Akteure scheiterten.
Wie finanziert sich der De-facto-Staat Transnistrien?
Die Region generiert Einkommen durch industrielle Produktion, vielfältigen (oft illegalen) Handel und massive finanzielle Unterstützung sowie Energielieferungen aus Russland.
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- Andreas Schmidt (Autor), 2006, Entwicklung und Ebenen des Transnistrienkonflikts, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61578