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Das Problem sozialer Gerechtigkeit in der ökonomischen Theorie

Title: Das Problem sozialer Gerechtigkeit in der ökonomischen Theorie

Seminar Paper , 2004 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Diplomökonom Felix Genze (Author)

Business economics - Economic and Social History
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Summary Excerpt Details

Eine Parabel:

U ist auf der Suche nach einer wissenschaftlichen Hilfskraft und lädt auf die Ausschreibung hin A, B und C zu Vorstellungsgesprächen ein. U stellt fest, dass A, B und C indifferent in ihrem Bestreben sind, die Stelle zu bekommen. Ebenso schätzt U die von A, B und C zu erwartende Arbeitsleistung pro Lohneinheit gleichwertig ein. Unterschiede stellen sich nur wie im Folgenden beschrieben dar: Alle drei Aspiranten sind arm, A jedoch der Ärmste. B hingegen ist zwar reicher als A, verarmte jedoch erst in letzter Zeit. Da A und C sich schon an die Armut gewöhnt haben ist B daher der Unglücklichste unter den Dreien. U erfährt im Gespräch mit C, dass dieser unter einer chronischen, stoisch ertragenen Krankheit leidet und mit dem HiWi-Lohn eine heilende Therapie bezahlen könnte [vgl. Sen (1999, S.71f.)].


Es ist unschwer von diesem Beispiel abzuleiten, wie sehr das Problem einer gerechten Entscheidung abhängig von den ihr zugrunde liegenden Informationen und der individuellen Gewichtung einzelner Aspekte dieses Informationspools ist. So ist im vorliegenden Fall A aus Gesichtspunkten ausgleichender materieller Gerechtigkeit der Job zuzusprechen. B hätte ihn nach einer klassisch utilitaristischen Argumentationsweise gemäß Lust und Glück als Gerechtigkeitsmaßstab verdient. C hingegen sollte den Zuschlag bekommen, orientierte sich U an Gerechtigkeitsvorstellungen bezüglich der Lebensqualität von Menschen.


Seitdem Menschen in gemeinsamer, aber unterschiedlicher Anstrengung und Leistungsfähigkeit Güter produzieren und Dienstleistungen erbringen, stellt sich die Frage nach dem Verfügungsrecht der Beteiligten an dem Arbeitsergebnis, dem Sozialprodukt. Je arbeitsteiliger der Produktionsprozess, je unterschiedlicher die Leistungsbeiträge nach Art, Qualität und Quantität, je heterogener die Gesellschaftsstruktur, desto dringlicher stellt sich die soziale Frage - das Problem der gerechten Verteilung von Lasten und Erträgen dieser Zusammenarbeit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINFÜHRUNG

2. GERECHTIGKEITSVERSTÄNDNIS IM WANDEL DER ZEIT

2.1 Suum Cuique & Nikomachische Ethik – gerechtigkeitstheoretische Wurzeln

2.2 Scholastische Weiterentwicklung

2.3 Von Gerechtigkeit, Gleichheit und Glück - Utilitarismus

2.4 Wohlfahrtstheorie

3. JOHN RAWLS – GERECHTIGKEIT ALS „FAIRNESS“

3.1 Urzustand und der Schleier des Nichtswissens

3.2 Gerechtigkeits-, Unterschiedsprinzip und Maximin-Strategie

3.3 Achillessehnen des Rawlsschen Systems - kritische Positionen

4. VERTEILUNGSPRINZIPIEN ALS ROHBAU SOZIALER GERECHTIGKEIT

4.1 Leistungs-, Start-, Bedarfsgerechtigkeit und Sozialprinzip

4.2 Zwischen Szylla und Charybdis – Eine Gegenüberstellung

5. PRAXISMODELLE STAATLICHER EINWIRKUNG

5.1 Angewandte Umverteilungspolitik zur Herstellung von Startgerechtigkeit

5.2 Inzidenzanalyse steuerpolitischer Maßnahmen

5.3 Staatliche Sicherungspolitik

6. HERAUSFORDERUNG GLOBALISIERUNG – EINE SCHLUSSBETRACHTUNG

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das vielschichtige Problem sozialer Gerechtigkeit innerhalb der ökonomischen Theorie. Ziel ist es, klassische und moderne Gerechtigkeitstheorien zu analysieren und deren Anwendbarkeit sowie Konfliktpotentiale im Kontext staatlicher Umverteilung und marktwirtschaftlicher Rahmenbedingungen kritisch zu hinterfragen.

  • Historische Entwicklung des Gerechtigkeitsbegriffs von der Antike bis zum Utilitarismus.
  • Die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls und das Prinzip der Fairness.
  • Verteilungsprinzipien als Grundlage staatlicher Eingriffe und sozialer Sicherung.
  • Die Herausforderungen der Globalisierung für nationale Umverteilungssysteme.
  • Operationalisierung theoretischer Konzepte in der wirtschaftspolitischen Praxis.

Auszug aus dem Buch

3.1 Urzustand und der Schleier des Nichtswissens

Rawls geht in seinem sehr egalitaristischen Gerechtigkeitsansatz von einer fiktiven gesellschaftlichen Konstruktion aus - dem Urzustand. „Die Menschen treten als gleichberechtigte, an ihren eigenen Interessen orientierte, rationale, ohne Neid handelnde Bürger in einen Entscheidungsprozess ein“ [Koch (1982, S.11)]. Hierbei ist zu beachten, dass der Rawlssche Urzustand nicht etwa dem Naturzustand bei Thomas Hobbes entspricht, bei dem anfängliche Ressourcen, natürliche Fähigkeiten oder körperliche Stärke antizipiert, bei Rawls hingegen durch den Schleier des Nichtswissens herausgerechnet werden. Die Subjekte verfügen über ein umfangreiches Wissen in sämtlichen Disziplinen menschlichen Interesses. Wichtig ist, die besondere Statik dieses Wissens zu erkennen. So sind jedem Subjekt seine persönliche Stellung in der Gesellschaft, seine soziale Herkunft, geistige, seelische oder körperliche Konstitution und seine individuelle Einordnung in den historischen Entwicklungsprozess unbekannt. „Im Urzustand sind faktisch alle Generationen vertreten“ [Rawls, Theorie (1975, S.325)]. Rawls versucht durch diese Konstruktion eines Schleiers des Nichtswissens nicht nur eine virtuelle Gesellschaft von Gleichen zu kreieren, er versucht vielmehr sämtliche (zufällig) gegebene natürliche oder gesellschaftliche Ungleichheiten auszumerzen und soziale Gerechtigkeit von Selbstgerechtigkeit zu sondieren. Der Urzustand ist folglich als hypothetisches Gefüge von Gleichheit, Vernunft, gegenseitigem Desinteresse, Gerechtigkeit, Schleier des Nichtswissens und vor allem einer absoluten Verbindlichkeit aller dieser Grundsätze gekennzeichnet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINFÜHRUNG: Diese Einleitung führt anhand einer Parabel in die Komplexität gerechtigkeitstheoretischer Entscheidungen ein und erläutert die methodische Herangehensweise der Arbeit.

2. GERECHTIGKEITSVERSTÄNDNIS IM WANDEL DER ZEIT: Das Kapitel bietet einen historischen Abriss über Gerechtigkeitskonzepte, von der antiken Ethik über scholastische Ansätze bis hin zum Utilitarismus und der Wohlfahrtstheorie.

3. JOHN RAWLS – GERECHTIGKEIT ALS „FAIRNESS“: Hier wird John Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit detailliert analysiert, insbesondere das Gedankenexperiment des Urzustands, das Differenzprinzip sowie kritische Gegenpositionen.

4. VERTEILUNGSPRINZIPIEN ALS ROHBAU SOZIALER GERECHTIGKEIT: Dieses Kapitel vergleicht verschiedene Verteilungsmodelle wie das Leistungs-, Start- und Bedarfsprinzip sowie das Sozialprinzip in ihrem Spannungsfeld.

5. PRAXISMODELLE STAATLICHER EINWIRKUNG: Der Fokus liegt hier auf der praktischen Umsetzung verteilungspolitischer Maßnahmen, wobei steuerliche Instrumente und soziale Sicherungssysteme im Kontext der BRD untersucht werden.

6. HERAUSFORDERUNG GLOBALISIERUNG – EINE SCHLUSSBETRACHTUNG: Abschließend wird erörtert, wie Globalisierung und zunehmende internationale Mobilität die Spielräume für staatliche Umverteilung einschränken und neue Anforderungen an die Sozialpolitik stellen.

Schlüsselwörter

Soziale Gerechtigkeit, Ökonomische Theorie, Utilitarismus, John Rawls, Urzustand, Fairness, Verteilungsprinzipien, Umverteilung, Leistungsprinzip, Sozialstaat, Globalisierung, Wohlfahrtstheorie, Steuerpolitik, Marktprozess, Chancengleichheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Herleitung und praktischen Ausgestaltung sozialer Gerechtigkeit in einer marktwirtschaftlich orientierten Volkswirtschaft.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind Gerechtigkeitstheorien (Rawls vs. Utilitarismus), Verteilungsmechanismen wie das Leistungs- oder Bedarfsprinzip sowie deren staatliche Umsetzung durch Steuer- und Sozialpolitik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die kritische Analyse, wie das philosophische Konzept der sozialen Gerechtigkeit in ökonomische Rahmenbedingungen übersetzt werden kann und wo die Grenzen staatlicher Umverteilung liegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine dogmenhistorische Analyse in Kombination mit einer ökonomischen Betrachtung ordnungspolitischer und steuerrechtlicher Modelle.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Auseinandersetzung mit Gerechtigkeitstheorien, die Definition von Verteilungsprinzipien und die Untersuchung konkreter staatlicher Einwirkungsmodelle wie Steuerprogression und Sozialversicherung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Soziale Gerechtigkeit, John Rawls, Umverteilung, Leistungsprinzip und Globalisierung sind die prägenden Begriffe.

Wie bewertet der Autor den Einfluss der Globalisierung auf soziale Gerechtigkeit?

Der Autor sieht in der Globalisierung sowohl eine Herausforderung für ineffiziente nationale Sozialsysteme als auch eine Chance, notwendige Reformen zur Effizienzsteigerung und zur Stärkung des Wettbewerbs voranzutreiben.

Welche Kritik übt der Autor am heutigen Steuersystem der BRD?

Der Autor kritisiert die geringe verteilungspolitische Effizienz, da durch zahlreiche Sonderabzugsmöglichkeiten der nivellierende Effekt der Steuerprogression stark abgeschwächt wird.

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Details

Title
Das Problem sozialer Gerechtigkeit in der ökonomischen Theorie
College
University of Hohenheim  (Lehrstuhl für Ordnungspolitik)
Grade
1,3
Author
Diplomökonom Felix Genze (Author)
Publication Year
2004
Pages
19
Catalog Number
V61912
ISBN (eBook)
9783638552622
ISBN (Book)
9783638766852
Language
German
Tags
Problem Gerechtigkeit Theorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplomökonom Felix Genze (Author), 2004, Das Problem sozialer Gerechtigkeit in der ökonomischen Theorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61912
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