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Lohnzurückhaltung und Beschäftigung

Title: Lohnzurückhaltung und Beschäftigung

Seminar Paper , 2004 , 27 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Diplomökonom Felix Genze (Author)

Economics - Economic Cycle and Growth
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In ihrer Argumentation gleichen alle Sozialwissenschaften, also auch die Ökonomie, einem zweischneidigen Schwert. Auf der einen Seite ermöglicht das hermeneutisch-historische Wesen sozialwissenschaftlicher Theoriebildung ein unbekümmertes Aufstellen von Gesetzmäßigkeiten nach dem Motto "Ausnahmen bestätigen die Regel". Auf der anderen Seite hingegen verleiht genau diese Eigenschaft jedem sozialwissenschaftlichen Diskurs zu einem gewissen Grad den Charakter einer "Never ending story".

Die Thematik der Lohnpolitik ist insbesondere deswegen ein „heißes Pflaster“, weil sie die Existenz der Tarifautonomie zu einem Wechselspiel verschiedenster Interessengruppen und Entscheidungsträger macht. Vor dem Hintergrund, dass zudem selbst innerhalb einer relativ überschaubaren ökonomischen Gruppierung – welche höchstes Ansehen unter dem Fachpublikum genießt – Uneinigkeit über elementare Ursache-Wirkungs-Beziehungen beschäftigungspolitischer Maßnahmen herrscht, lässt sich schlussfolgern, dass ein Ende der Debatte nicht in Sicht ist1. Verwunderlich ist gerade deswegen der oftmals geradezu apodiktisch anmutende Stil, in welchem Verlautbarungen zu dieser Problematik publik gemacht werden, deren wissenschaftlicher Status quo definitiv noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Dies trifft mit Sicherheit auch auf vorliegende Arbeit zu - sie erhebt daher also weniger Anspruch darauf, eine weitere in der Sammlung gut gemeinter Arbeitsmarkttheorien zu sein, sondern soll eher als eine Zusammenstellung des theoretisch- empirischen State-of-the-Art in Sachen „Lohnzurückhaltung und Beschäftigung“ verstanden werden.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich grob in drei Teilbereiche. Das folgende Kapitel soll dem Leser einen Überblick bezüglich der gesamtwirtschaftlichen Wirkung von Löhnen geben. Im Weiteren werden die Wirkungen von Erwartungshaltungen auf den Märkten analysiert, es erfolgt ein Exkurs in den Diskurs um strukturelle Arbeitslosigkeit. Im dritten Kapitel wird die Wirkung nationaler Lohnpolitik hinsichtlich internationaler Wettbewerbsfähigkeit geprüft. Kapitel 4 beleuchtet die empirischen Entwicklungen und deren Kompatibilität mit vorgestellter Theorie. Hierbei wird insbesondere auch auf das exemplarische Beispiel Poldermodell eingegangen. Abschließend wird die deflationäre Wirkung von Lohnzurückhaltung vor dem Hintergrund der japanischen Rezession thematisiert und eine wirtschaftspolitische Schlussfolgerung gezogen.

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Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Über den Nexus zwischen Lohn und Arbeit

2.1 Die Janusköpfigkeit des Lohnes

2.2 Exkurs: Erwartungen und akzellerierende Effekte

2.3 „5% Inflation sind besser als 5% Arbeitslosigkeit“ – die NAIRU

3 Globalisierungstendenzen – Chance oder Risiko?

3.1 Die Wirkung von Produktivität und technischem Fortschritt

3.2 Rückkopplungseffekte offener Volkswirtschaften

4 Lohnpolitik im Test

4.1 Empirische Evidenz – oder eher Auslegungssache?

4.2 Über Äpfel und Birnen – das Poldermodell

4.3 Die Deflationsgefahren zurückhaltender Lohnpolitik

5 Zusammenfassung und wirtschaftspolitische Schlussfolgerung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die ökonomischen Wirkmechanismen von Lohnzurückhaltung und deren Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation unter Berücksichtigung verschiedener wirtschaftstheoretischer Ansätze und empirischer Evidenzen. Die zentrale Forschungsfrage hinterfragt, ob Lohnzurückhaltung tatsächlich ein geeignetes Instrument zur Beschäftigungssteigerung ist oder ob sie deflationäre Risiken birgt, die das wirtschaftliche Wachstum langfristig gefährden.

  • Theoretische Auseinandersetzung mit Lohn- und Beschäftigungstheorien (Neoklassik vs. Keynesianismus).
  • Analyse der Bedeutung von Produktivität, technischem Fortschritt und globalen Rückkopplungseffekten.
  • Empirische Überprüfung lohnpolitischer Strategien anhand des deutschen und niederländischen Beispiels.
  • Untersuchung der deflationären Gefahren einer restriktiven Lohnpolitik.
  • Wirtschaftspolitische Handlungsempfehlungen zur Förderung von Stabilität und Investitionen.

Auszug aus dem Buch

2.1 Die Janusköpfigkeit des Lohnes

Was aber würde - von eben dargestellten Beispiel ausgehend - passieren, wenn sämtliche Löhne einer Volkswirtschaft auf einmal gekürzt würden? Für die Neoklassik ist diese Frage nicht von Relevanz. Sie unterstellt grundsätzlich die Homogenität von Güter- und Arbeitsmärkten (bezüglich deren Gleichgewichtsbedingungen) und der Möglichkeit deren Räumung über flexible Preise. Unter dem Postulat vollständiger Konkurrenz auf allen Märkten (inkl. Arbeitsmarkt) sowie sofortiger Markträumung zu jedem Zeitpunkt infolge völlig flexibler Löhne und Preise kann eine hinreichend große Anpassung der Löhne ein Vollbeschäftigungsgleichgewicht erzeugen (falls die Möglichkeit zur Einstellung eines Gleichgewichts auf Angebots- und Nachfrageseite gegeben ist). Dies hätte in der Theorie also eine Verbilligung des Produktionsfaktors Arbeit in Relation zu Kapital zur Folge und zöge eine arbeitsintensivere Produktionsweise nach sich, die wiederum eine Steigerung der Beschäftigung bewirke.

So wissenschaftlich sauber die "heile Welt der Klassik" anmutet, so unerbittlich wurde ihr das Fundament, auf dem sie steht, im Jahre 1936 abgegraben. Auf den Erkenntnissen wirtschaftspolitischer Fehlsteuerung während der Weltwirtschaftskrise nach 1929 aufbauend, hat der britische Ökonom John Maynard Keynes mit seinem Werk "The General Theroy of Employment, Interest and Money" den wohl bahnbrechendsten Beitrag zur ökonomischen Theorie im 20. Jahrhundert geleistet. Vor dem Verständnis seiner Nachfragetheorie ist für vorliegende Thematik insb. Kapitel 19 (fünftes Buch) von entscheidender Bedeutung. Keynes argumentiert wie folgt: Grundsätzlich beziehen sich Lohnverhandlung auf nominelle Werte. Finden auf breiter Front nun (nominelle) Lohnkürzungen statt, so sinkt das Gesamtbudget der Wirtschaftssubjekte auf Arbeitnehmerseite. Dieser negative Einkommenseffekt schlägt bei konstanter Sparquote mit einem Rückgang der effektiven Gesamtnachfrage zu Buche.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Lohnpolitik als umstrittenes wirtschaftspolitisches Feld ein und definiert den Begriff der Lohnzurückhaltung als reale Lohnsenkung.

2 Über den Nexus zwischen Lohn und Arbeit: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Arbeitsmarktes, kontrastiert neoklassische Sichtweisen mit keynesianischen Nachfragetheorien und diskutiert das Konzept der NAIRU.

3 Globalisierungstendenzen – Chance oder Risiko?: Hier werden die Auswirkungen von Produktivitätswachstum, technischem Fortschritt und globaler Verflechtung auf die Lohnpolitik sowie die Risiken durch Wechselkursanpassungen untersucht.

4 Lohnpolitik im Test: Dieses Kapitel vergleicht die theoretischen Hypothesen mit empirischen Daten, analysiert das niederländische Poldermodell kritisch und warnt vor den Gefahren deflationärer Lohnpolitiken.

5 Zusammenfassung und wirtschaftspolitische Schlussfolgerung: Das Fazit zieht den Schluss, dass Lohnzurückhaltung in der deutschen Volkswirtschaft kein geeignetes Mittel zur Beschäftigungssteigerung ist und fordert stattdessen eine investitionsorientierte Wirtschaftspolitik.

Schlüsselwörter

Lohnzurückhaltung, Beschäftigung, Neoklassik, Keynesianismus, NAIRU, Globalisierung, Produktivität, Lohnstückkosten, Poldermodell, Deflation, Binnennachfrage, Investitionsklima, Lohnquote, Reallohn, Wirtschaftspolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der ökonomischen Debatte um den Zusammenhang zwischen Lohnzurückhaltung und Beschäftigung, insbesondere vor dem Hintergrund aktueller wirtschaftspolitischer Herausforderungen in Deutschland.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Kontroversen zwischen neoklassischer und keynesianischer Sicht, die Auswirkungen der Globalisierung auf die Lohnpolitik sowie die Risiken von Deflation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu analysieren, ob Lohnzurückhaltung ein effektives Instrument ist, um die Beschäftigung zu steigern, oder ob sie durch eine Schwächung der Binnennachfrage eher schädliche Folgen hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretisch-empirische Analyse, bei der existierende ökonomische Theorien mit aktuellen Daten der EU-Kommission und anderen Studien konfrontiert werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen des Arbeitsmarktes erörtert, die Rolle von Produktivitätszuwächsen beleuchtet und anhand von Fallbeispielen, insbesondere dem Poldermodell, die empirische Evidenz diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Lohnzurückhaltung, Beschäftigung, Keynesianismus, NAIRU und Deflation charakterisiert.

Warum wird das niederländische Poldermodell als Fallbeispiel gewählt?

Das Poldermodell dient als prominentes Beispiel für eine Lohnzurückhaltungspolitik, deren Erfolg und Nachhaltigkeit in der Arbeit kritisch hinterfragt wird, um Lehren für die deutsche Situation zu ziehen.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur deutschen Wirtschaft?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Lohnzurückhaltung in der deutschen Volkswirtschaft kontraproduktiv ist, da sie die Binnennachfrage schwächt und ein investitionsfeindliches Klima schafft; stattdessen seien Investitionen in Bildung und Forschung nötig.

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Details

Title
Lohnzurückhaltung und Beschäftigung
College
University of Hohenheim  (Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik)
Course
Geld und Konjunktur
Grade
1,7
Author
Diplomökonom Felix Genze (Author)
Publication Year
2004
Pages
27
Catalog Number
V61915
ISBN (eBook)
9783638552653
ISBN (Book)
9783638668316
Language
German
Tags
Lohnzurückhaltung Beschäftigung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplomökonom Felix Genze (Author), 2004, Lohnzurückhaltung und Beschäftigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61915
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