Das Ziel dieser Arbeit ist es, das Gedicht „Zimnjaja imperija dereva (...)“ von Arkadij Dragomo(?)čenko unter der Annahme und dem Aspekt eines zum Teil bewusst postmodernistischen und dekonstruktivistischen Werks zu analysieren und zu interpretieren. Es ist ein Fragment aus einem mit „Pod podozrenijem“ überschriebenen Ganzen aus dem Zyklus „Opisanie“, entstanden in den 90-er Jahren des 20. Jh.1
Der postmodernistische und dekonstruktivistische Aspekt ergibt sich sicherlich auch aus der Perspektive meiner Lektüre. Es scheint als müsse man bei der Interpretation moderner Lyrik sehr vorsichtig sein. Einen Text fixieren, einengen, in seinen Möglichkeiten einschränken und kategorisieren zu wollen, scheint die größte Sünde beim Lesen zeitgenössischer Lyrik zu sein,2 was zum großen Teil in ihrem Wesen selbst angelegt ist. Eine gewisse Fixierung des Textes wird sich jedoch bei einer Interpretation, auch wenn sie dekonstruktivistische Ansätze hat, nicht vermeiden lassen. Wie gesagt, soll das Gedicht unter dem Aspekt des Postmodernismus und Dekonstruktivismus unter Zuhilfenahme der „Grammatologie“ von Jacques Derrida3 gelesen werden.
1 http://www.vavilon.ru/texts/dragomot4.html (11.03.2004)
2 vgl. dazu den Kommentar von Anatolij Barzah zu dem Zyklus „Opisanie“ von A. Dragomoscenko unter http://www.vavilon.ru/texts/barzakh1.html (11.03.2004)
3 Derrida, Jacques: Grammatologie. Suhrkamp. Frankfurt am Main 1983.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Was ist Postmodernismus?
2. Analyse des Gedichts „Zimnjaja imperija dereva (...)“
2.1. Spiel mit der Erfahrung der Präsenz. Zeitliche und räumliche Bezüge
2.1.1. Semantische Beziehungen von „Heute ... Gestern ... Vergangenheit“
2.1.2. Partizipien und Adverbialpartizipien
2.1.3. Teilung des Raumes: draußen oder drinnen?
2.1.4. „Verzeitlichung“ und Aufschub
2.2. Dekonstruktion des Musen – Mythos
2.2.1. Das Personalpronomen “ona”
2.2.2. Intertextuelle Bezüge zu Achmatova und Mandel´štam
2.2.3. Sinnlosigkeit als Allegorie
2.3. „Zimnjaja imperija dereva (...)“ - ein postmodernistisches Gedicht
3. Zitierte und erwähnte Originaltexte
3.1. „Zimnjaja imperija dereva (...)“, Arkadij Dragomoščenko, 90-er Jahren des 20. Jahrhunderts
3.2. „Bessonnica. Gomer. (...)“, Osip Mandel´štam, 1915
3.3. „Bessonnica“, Anna Achmatova, 1912
3.4. „Muza“, Anna Achmatova, 1924
3.5. „Muza“, Aleksandr Puškin, 1821
4. Literaturverzeichnis
4.1. Links
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Gedicht „Zimnjaja imperija dereva (...)“ von Arkadij Dragomoščenko unter Berücksichtigung postmodernistischer und dekonstruktivistischer Ansätze, insbesondere unter Zuhilfenahme der „Grammatologie“ von Jacques Derrida. Die zentrale Forschungsfrage ist dabei, wie Dragomoščenko durch die Relativierung von Raum-Zeit-Beziehungen und die Dekonstruktion des klassischen Musenmythos das Sprachsystem von innen heraus sabotiert.
- Analyse postmodernistischer und dekonstruktivistischer Literaturtheorien
- Untersuchung von Zeit- und Raumbegriffen in der zeitgenössischen Lyrik
- Dekonstruktion traditioneller Musenmotive
- Intertextuelle Bezüge zu russischen Dichtern wie Mandel'štam und Achmatova
- Die Rolle der Sinnlosigkeit als sprachliches Konstrukt
Auszug aus dem Buch
2.1. Spiel mit der Erfahrung der Präsenz. Zeitliche und räumliche Bezüge
Was das Gedicht im Ganzen betreibt, scheint eben eine „Deplazierung des Systems“ zu sein. Es ist unmöglich etwas zu situieren: weder die Zeit, noch wer und ob überhaupt jemand spricht, noch die Aufteilung des Raumes. Es spielt mit der Erfahrung der Präsenz, des Hier-, Jetzt- und Selbst-Seins. Schon die ersten fünf Zeilen geben die ersten Rätsel auf.
Zimnjaja imperija dereva... – vot čto menja izumilo v to utro. Pripodnjavšis´ na lokte, gljadja v okno, p´janyj posle včerašnego, ja proiznes, nogtem skrebja po ščetine,
Passiert das Erstaunen, das Gucken aus dem Fenster, das Betrunkensein und das Sprechen gleichzeitig, oder nicht? Es scheint als wären die Ausdrücke „v to utro“ und „posle včerašnego“ in einer Gleichzeitigkeit unmöglich. Včera oder včerašnij kann man scheinbar nur sagen, wenn man heute spricht. Wenn man jedoch heute spricht, kann man über den gestrigen Morgen nicht sagen „v to utro“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel legt die Zielsetzung dar, das Gedicht unter dem Aspekt des Postmodernismus und Dekonstruktivismus zu analysieren, und führt in die theoretischen Grundlagen ein.
1.1. Was ist Postmodernismus?: Es wird die Position Dragomoščenkos im literaturkritischen Diskurs beleuchtet, um ein Verständnis für seine bewusste Einordnung in den postmodernen Stil zu schaffen.
2. Analyse des Gedichts „Zimnjaja imperija dereva (...)“: Hier erfolgt die eigentliche Interpretation des Werks, wobei der Fokus auf der Bewegung und dem Zustand des Werdens liegt.
2.1. Spiel mit der Erfahrung der Präsenz. Zeitliche und räumliche Bezüge: Die Untersuchung zeigt, wie die Zeitwahrnehmung und das Selbstverständnis im Gedicht durch die Dezentrierung der Präsenz in Frage gestellt werden.
2.1.1. Semantische Beziehungen von „Heute ... Gestern ... Vergangenheit“: Analyse der zeitlichen Ambiguität und der Unmöglichkeit, das Sprechereignis präzise in einer linearen Zeit zu verorten.
2.1.2. Partizipien und Adverbialpartizipien: Untersuchung der grammatikalischen Mittel, durch die ein undurchdringliches Geflecht von Gleichzeitigkeit erzeugt wird.
2.1.3. Teilung des Raumes: draußen oder drinnen?: Analyse der räumlichen Grenzziehung, die als ambivalent und instabil dekonstruiert wird.
2.1.4. „Verzeitlichung“ und Aufschub: Erklärung des Verfahrens, durch das ein Gegenstand sprachlich fixiert, aber inhaltlich unendlich aufgeschoben wird.
2.2. Dekonstruktion des Musen – Mythos: Das Kapitel widmet sich der Zerstörung des traditionellen Bildes der Muse als göttliche Inspiration.
2.2.1. Das Personalpronomen “ona”: Analyse, wie das Pronomen zur Personifizierung der Sinnlosigkeit und zur Distanzierung beiträgt.
2.2.2. Intertextuelle Bezüge zu Achmatova und Mandel´štam: Aufzeigen der intertextuellen Verknüpfungen, die den Musenbegriff durch eine schlaflose Sinnlosigkeit substituieren.
2.2.3. Sinnlosigkeit als Allegorie: Darstellung der Sinnlosigkeit selbst als sprachliches Konstrukt, das der Dekonstruktion unterzogen wird.
2.3. „Zimnjaja imperija dereva (...)“ - ein postmodernistisches Gedicht: Zusammenfassende Betrachtung der dekonstruktivistischen Strategien, die das Gedicht zu einem postmodernen Werk machen.
3. Zitierte und erwähnte Originaltexte: Dokumentation der primären Gedichttexte und ihrer Referenzbezüge.
3.1. „Zimnjaja imperija dereva (...)“, Arkadij Dragomoščenko, 90-er Jahren des 20. Jahrhunderts: Wiedergabe des analysierten Haupttextes.
3.2. „Bessonnica. Gomer. (...)“, Osip Mandel´štam, 1915: Abdruck des zitierten Originalgedichts von Mandel´štam.
3.3. „Bessonnica“, Anna Achmatova, 1912: Abdruck des zitierten Originalgedichts von Achmatova.
3.4. „Muza“, Anna Achmatova, 1924: Abdruck des zitierten Originalgedichts von Achmatova.
3.5. „Muza“, Aleksandr Puškin, 1821: Abdruck des zitierten Originalgedichts von Puškin.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Sekundär- und Primärquellen.
4.1. Links: Verzeichnis der Internetquellen für die genannten Texte und Analysen.
Schlüsselwörter
Postmodernismus, Dekonstruktion, Arkadij Dragomoščenko, Derrida, Lyrik, Sinnlosigkeit, Intertextualität, Musen-Mythos, Zeitbegriff, Raum-Zeit-Verhältnis, Sprachphilosophie, Signifikant, Akmeismus, Identität, Zeichentheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das postmodernistische Gedicht „Zimnjaja imperija dereva (...)“ von Arkadij Dragomoščenko und untersucht, wie der Autor durch dekonstruktivistische Methoden traditionelle Konzepte der Lyrik hinterfragt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Hauptthemen gehören die Dekonstruktion von Raum und Zeit, die intertextuelle Auseinandersetzung mit der russischen Literaturgeschichte und die philosophische Hinterfragung des Musenbegriffs.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den dekonstruktivistischen Charakter des Gedichts nachzuweisen und aufzuzeigen, wie Dragomoščenko innerhalb eines Begriffssystems arbeitet, um dieses gleichzeitig aufzubrechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt literaturwissenschaftliche Analyseansätze in Verbindung mit der philosophischen Methode der Dekonstruktion nach Jacques Derrida.
Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Im Hauptteil werden gezielt grammatikalische und semantische Mittel untersucht, die zeitliche und räumliche Bezüge relativieren sowie die Rolle der Sinnlosigkeit als allegorisches Konstrukt analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Postmodernismus, Dekonstruktion, Intertextualität, Sinnlosigkeit, Sprachphilosophie und der Musen-Mythos.
In welchem Verhältnis steht die Sinnlosigkeit zur Muse in diesem Gedicht?
Die Arbeit stellt fest, dass in Dragomoščenkos Gedicht die klassische Muse entthront wird und die „schlaflose Sinnlosigkeit“ deren Funktion als treibende Kraft der Dichtung übernimmt.
Welche Rolle spielt die Intertextualität bei der Interpretation?
Die Intertextualität ist essenziell, da Dragomoščenko gezielt auf Dichter wie Mandel'štam, Achmatova und Puškin Bezug nimmt, um durch diese Kontexte eine Verschiebung und Modifizierung des Musen-Begriffs zu erreichen.
Warum wird Jacques Derrida als Referenz herangezogen?
Da das Gedicht nach Ansicht der Autorin bewusst mit Strukturen der „Grammatologie“ spielt, dient Derridas Theorie als theoretischer Rahmen, um die Ambivalenz von Sinn und Bedeutung im Text zu erklären.
- Quote paper
- Katharina Friesen (Author), 2004, „Zimnjaja imperija dereva (...)“ von Arkadij Dragomoschenko – ein postmodernistisches Gedicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62581