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War die Deindustrialisierung Ostdeutschlands eine Folge der Privatisierungspolitik?

Title: War die Deindustrialisierung Ostdeutschlands eine Folge der Privatisierungspolitik?

Seminar Paper , 2006 , 25 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Christina Jordan (Author)

Economics - Industrial Economics
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Viele Regionen Ostdeutschlands sind heute weitgehend deindustrialisiert, „blühende Landschaften“ oder zumindest eine Angleichung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse sind nicht in Sicht. Dagegen beobachtet man wirtschaftliche Stagnation, Massenarbeitslosigkeit, Abwanderung und anhaltender Produktivitätsrückstand. Ostdeutschland ist heute eine strukturschwache Region, in der ein selbsttragender Aufschwung nicht zu erkennen ist und die dauerhaft abhängig ist von finanziellen Transfers.
Die Transformation im Zuge der Deutschen Vereinigung hat in Ostdeutschland völlig neue wirtschaftliche Strukturen entstehen lassen. Insgesamt veranlasste sie einen beispiellosen Schrumpfungsprozess der industriellen Produktionskapazitäten und begründet so die heutige Problemlage der ostdeutschen Wirtschaft. Diese Arbeit untersucht, ob die Privatisierungspolitik Ursache dieser flächendeckenden Deindustrialisierung ist. Privatisierungspolitik meint dabei die Verkaufspraxis der Treuhandanstalt und die gesetzliche Reprivatisierung über das Prinzip der Rückgabe enteigneter Vermögenswerte. Wie sich herausstellen wird, ist die Privatisierungspolitik allerdings nicht die einzige Erklärungsvariable und kann nicht für sich allein betrachtet werden, infolgedessen noch weitere Ursachenkomplexe dargestellt werden.

In diesem Zusammenhang wird zuerst der Begriff der Deindustrialisierung geklärt und es werden die wirtschaftliche Situation und die entstandene Wirtschaftsstruktur Ostdeutschlands beschrieben. Im nächsten Schritt wird dann auf die Struktur der DDR-Wirtschaft eingegangen und der wirtschaftliche Zusammenbruch dargestellt. Anschließend werden die verschiedenen Ursachen analysiert und am Ende in einem Fazit zusammengefasst.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Wirtschaft und Industrie in Ostdeutschland

2.1 Begriffsklärung: Deindustrialisierung

2.2 Allgemeine wirtschaftliche Situation in Ostdeutschland

2.3 Wirtschaftsstruktur Ostdeutschlands

3. Die DDR-Wirtschaft 1989/90 und Veränderungen nach 1990

3.1 Wirtschaftsstruktur der DDR

3.2 Der Zusammenbruch der ostdeutschen Wirtschaft 1990/91

4. Ursachen der Deindustrialisierung in Ostdeutschland

4.1 Die Währungsunion

4.2 Der überfällige Strukturwandel

4.3 Die Systemübertragung

4.4 Die Privatisierungspolitik

4.4.1. Die Privatisierungspraxis der Treuhand

4.4.2. Restitution: Privatisierung per Gesetz

4.5 Weitere Ursachen

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Seminararbeit untersucht, inwiefern die Privatisierungspolitik durch die Treuhandanstalt und das Restitutionsprinzip als ursächlich für die flächendeckende Deindustrialisierung Ostdeutschlands nach der Wiedervereinigung zu betrachten ist.

  • Analyse der wirtschaftlichen Transformationsprozesse nach 1990.
  • Untersuchung der Rolle der Privatisierungspraxis der Treuhandanstalt.
  • Evaluation der Auswirkungen der Restitution („Rückgabe vor Entschädigung“) auf Investitionen.
  • Einordnung weiterer Einflussfaktoren wie Währungsunion und Systemübertragung.
  • Kritische Würdigung der Eigentümerstruktur in Ostdeutschland.

Auszug aus dem Buch

Die Privatisierungspraxis der Treuhand

Privates Eigentum ist eine Voraussetzung der Marktwirtschaft, nur unter eindeutig definierten Eigentumsverhältnissen kann der Markttausch zwischen den Akteuren effizienzsteigernd wirken. Bei der Gründung der Treuhandanstalt (THA) durch das Kabinett Modrow noch vor der deutschen Vereinigung wurde die THA mit der treuhänderischen Verwaltung und der Wahrung des volkseigenen Vermögens beauftragt. Mit dem Treuhandgesetz vom 17. Juni 1990 erhielt die Treuhand dann ihren eigentlichen Auftrag: die Privatisierung und Verwertung des ihr übertragenen Volksvermögens.

Die Treuhand besaß zu Beginn der 90er Jahre 8.500 ehemals volkseigene Betriebe und Kombinate, ca. 3,6 Mio. Hektar land- und forstwirtschaftliche Nutzfläche und beschäftigte 4,1 Mio. Arbeitnehmer (knapp die Hälfte aller ostdeutschen Arbeitnehmer). Nach der Entflechtung der branchenumfassenden Kombinate erhöhte sich die Zahl der zu privatisierenden Unternehmen auf ca. 12.500. Durch die Entflechtungen und Heraustrennung von lukrativen Unternehmensteilen wurden jedoch die Produktions- und Lieferverbindungen innerhalb der Unternehmen gestört und somit die Überlebensfähigkeit dieser Betriebe gesenkt.

Um das Vermögen der Treuhand in die soziale Marktwirtschaft zu überführen, standen ihr mehrere Optionen offen und die THA hatte wichtige Entscheidungen zu treffen, die im Folgenden beleuchtet werden. Eine dieser Entscheidungen war die Wahl zwischen einer Sanierung der Betriebe vor der Privatisierung oder eine Sanierung durch Privatisierung durchzuführen. Der Leitungsausschuss der Treuhand kam nach der Untersuchung der von rund 1500 Unternehmen eingereichten Unternehmenskonzepten zu dem Ergebnis, dass 65% dieser Unternehmen sanierungsbedürftig seien, während nur ca. 2% rentabel waren und 16% liquidiert werden sollten. Die Treuhand hatte mit ihrem zweiten Präsidenten Detlev Karsten Rohwedder beschlossen, die Privatisierung der Treuhandbetriebe so schnell wie möglich voranzutreiben, während die Sanierung Aufgabe der neuen Eigentümer sei.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Die Einleitung umreißt die wirtschaftliche Problemlage Ostdeutschlands und definiert das Ziel der Arbeit, den Einfluss der Privatisierungspolitik auf den Deindustrialisierungsprozess zu untersuchen.

2. Wirtschaft und Industrie in Ostdeutschland: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Deindustrialisierung und beschreibt die strukturellen Defizite sowie die wirtschaftliche Rückständigkeit der neuen Bundesländer.

3. Die DDR-Wirtschaft 1989/90 und Veränderungen nach 1990: Es wird die Wirtschaftsstruktur der DDR analysiert und die drastischen Auswirkungen der Transformation auf Produktion und Beschäftigung dargestellt.

4. Ursachen der Deindustrialisierung in Ostdeutschland: Hier werden die zentralen Faktoren für den wirtschaftlichen Absturz analysiert, darunter die Währungsunion, der Strukturwandel, die Systemübertragung sowie die spezifischen Auswirkungen der Treuhand-Privatisierung und Restitution.

5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das Zusammenspiel verschiedener Faktoren zum Zusammenbruch führte, wobei die Privatisierungspolitik eine erhebliche Mitschuld trägt.

Schlüsselwörter

Deindustrialisierung, Ostdeutschland, Treuhandanstalt, Privatisierungspolitik, Währungsunion, Deutsche Wiedervereinigung, Restitution, Strukturwandel, Transformation, DDR-Wirtschaft, Volksvermögen, Investitionen, Beschäftigungsabbau, Systemübertragung, Wirtschaftskrise.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Ursachen der massiven Deindustrialisierung, die Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung 1990 erlebte, wobei ein besonderer Fokus auf die Privatisierungspolitik gelegt wird.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Die Arbeit behandelt die industrielle Ausgangslage der DDR, den ökonomischen Schock der Wiedervereinigung, die Tätigkeit der Treuhandanstalt und die Auswirkungen der gesetzlichen Restitution von Vermögenswerten.

Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?

Die Autorin geht der Frage nach, ob und in welchem Ausmaß die Privatisierungspolitik für die flächendeckende Deindustrialisierung Ostdeutschlands verantwortlich gemacht werden kann.

Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewendet?

Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die ökonomische Daten und bestehende Analysen zur deutschen Transformation kombiniert, um die Kausalzusammenhänge der industriellen Schrumpfung zu erörtern.

Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Zusammenbruchs der DDR-Wirtschaft sowie eine detaillierte Ursachenanalyse der Deindustrialisierung, inklusive der Kritik an der Treuhand-Praxis und dem Restitutionsprinzip.

Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?

Wichtige Begriffe sind Deindustrialisierung, Treuhandanstalt, Währungsunion, Transformationsprozess und Restitution.

Welche Rolle spielte die Treuhand bei der Entstehung von Großbetrieben?

Die Treuhand führte durch Entflechtungen und Filetierungen von Kombinaten zu einem Mangel an Großbetrieben, wodurch die ostdeutsche Industrie überwiegend in klein- und mittelständische Strukturen zerfiel.

Warum war das Restitutionsprinzip ökonomisch problematisch?

Die Rückgabe von Eigentum vor einer Entschädigung führte zu jahrelanger Rechtsunsicherheit bei Investitionsvorhaben und blockierte den Verkauf vieler Unternehmen, was deren wirtschaftlichen Verfall beschleunigte.

Wie bewertet die Autorin den Vermögenstransfer?

Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass der Transfer von Volksvermögen überwiegend in westdeutsche und ausländische Hände erfolgte, während die ostdeutsche Bevölkerung weitgehend unbeteiligt blieb.

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Details

Title
War die Deindustrialisierung Ostdeutschlands eine Folge der Privatisierungspolitik?
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Wirtschaftstheorie)
Course
Volkswirtschaftliche Aspekte der deutschen Wiedervereinigung
Grade
2,3
Author
Christina Jordan (Author)
Publication Year
2006
Pages
25
Catalog Number
V62606
ISBN (eBook)
9783638558181
ISBN (Book)
9783656787020
Language
German
Tags
Deindustrialisierung Folge Privatisierungspolitik Volkswirtschaftliche Aspekte Wiedervereinigung Ostdeutschland Privatisierung Treuhand
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christina Jordan (Author), 2006, War die Deindustrialisierung Ostdeutschlands eine Folge der Privatisierungspolitik?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62606
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