Die Jahre von 1150 bis 1250 waren die entscheidenden in der Entwicklung der mittelalterlichen europäischen Städte und ihre Institutionen blieben bis in die Neuzeit ohne grundlegende Änderungen bestehen . In Italien bildeten sich Kommunen mit mehr Bürokratie als in den anderen europäischen Ländern.Die oberitalienische Region war neben Unteritalien, der Provence und Katalonien am offensten für Einflüsse aus der arabischen und der byzantinischen Welt.In Oberitalien ist die Kommune die Spitze einer Entwicklung, die schon in der fränkischen Zeit begann . Im Gegensatz zu Gallien, wo sich die Stadt im 3. und 4. Jahrhundert auf eine Zitadelle reduzierte, wurde die italienische Stadt von einer Mauer umgeben . In Gallien zog infolge dieser Entwicklung der Adel auf das Land und in Italien blieb die Aristokratie in der Stadt sesshaft . Die Mauer war im römischen Rechtsdenken heilig und dies kam auch in der Sage vom Sprung des Remus über die Stadtmauer zum Ausdruck . Das städtische Umland, der comitatus, wurde oft von der Kommune unterworfen und es hatte auch keine Teilhaberechte an der Kommune.In der weiteren Entwicklung konnte sich der ländlich orientierte Lehnsadel zwischen die bischöflichen und städtischen Strukturen schieben und eine innere Stabilität erreichen . In der Fachwelt gilt frühestens die Zeit der karolingischen Machtergreifung als die Geburtsstunde der Entstehung der Kommune . Während dieses Werdevorgangs des mittelalterlichen Stadt in Oberitalien standen diese in engstem politischen Kontakt mit Deutschland.Der Begriff Stadt bedeutete in Italien civitas, die der Mittelpunkt des umliegenden Territoriums war, das mit der Christianisierung zum Bischofssitz wurde . In den Urkunden des Lombardenbundes wird die Bezeichnung civitas den Bischofsstädten vorbehalten .
In den Kommunen wurde der hierarchisch-herrschaftlichen Ordnung des Mittelalters eine neue Form des menschlichen Zusammenwirkens mit neuen Formen der politischen Organisation entgegengesetzt .
Der Auslöser für die Ausbildung der städtischen Kommune war der seit der Herrschaft der Salier andauernde Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst: die Bedeutung der Bischöfe in den italienischen Städten hat durch diese Auseinandersetzung mehr zugenommen als in den Städten des Alten Reichs . Infolge der mit dem Investiturstreit einhergehenden Doppelwahlen kam es zur Entstehung von stärkeren sozialen und politischen Unruhen in den italienischen Kommunen .
Gliederung
1. Die Kommunen in Oberitalien
2. Consules, Podestàs und Rat
3. Die wirtschaftliche Entwicklung der oberitalienischen Kommunen
4. Die historische Entwicklung der Lombardei
4.1 Die Langobarden
4.2 Das bischöfliche Regime
5. Kaiser und Lombardenbund
5.1 Die Zeit bis Barbarossa
5.2 Ziele und Politik Barbarossas
5.3 Barbarossa und Italien
5.3.1 Ziele und Politik in Italien
5.3.2 Mailand
5.3.3 Erster Italienzug (1154)
5.3.4 Der Reichstag von Roncaglia bei Piacenza (1158)
5.3.5 Vierter Italienzug (Oktober 1166)
5.3.6 Der Lombardenbund
5.3.7 Fünfter Italienzug (1174)
5.3.8 Friede von Konstanz und Anerkennung des Lombardenbundes (1183)
6. Der Zweite und Dritte Lombardenbund
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Machtverhältnis zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und den aufstrebenden oberitalienischen Stadtkommunen. Dabei wird analysiert, wie sich die Autonomiebestrebungen der Kommunen, die kaiserliche Italienpolitik und die Bildung von Städtebündnissen wie dem Lombardenbund gegenseitig beeinflussten und zu einer nachhaltigen Veränderung der politischen Struktur im mittelalterlichen Reichsitalien führten.
- Die Entstehung und administrative Ausgestaltung der oberitalienischen Stadtkommunen.
- Die wirtschaftlichen Voraussetzungen und der Aufstieg der städtischen Kaufmannsschicht.
- Die Ziele der staufischen Reichspolitik unter Friedrich Barbarossa in Italien.
- Die Rolle der Rechtskonzeptionen und der Auseinandersetzung um die kaiserlichen Regalien.
- Die strategische Bedeutung der Lombardenbünde als militärische und politische Gegenmacht zum Kaiser.
Auszug aus dem Buch
5.3.2 Mailand
Zentrum des Widerstandes gegen den Kaiser war Mailand. Mailand war der wichtigste Verkehrsknotenpunkt für den Handel in Oberitalien. Es eroberte 1118 und 1127 Como, das den Weg zu den Alpen behinderte und 1027, 1107-1111 Lodi, das zwischen Mailand und dem Po lag. Es hatte schon zahlreiche schwächere Städte unterworfen und war für die Abnahme des Handelsvolumens anderer Städte verantwortlich. Dies war vor allem dadurch möglich geworden, dass die Angelegenheiten in Reichsitalien über einen langen Zeitraum den deutschen Königen gleichgültig gewesen waren, was zu einer erstarkten Machtposition Mailands geführt hat. Auch die anderen Barbarossa feindlich gesinnten oberitalienischen Städte und die Päpste, denen aus politischen Gründen die Ausbreitung der Macht des Reiches im Kirchenstaat, in Rom und überhaupt in Italien nicht willkommen war, schlossen sich zusammen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Kommunen in Oberitalien: Beschreibt den Aufstieg der Stadtkommunen ab der Mitte des 12. Jahrhunderts, die sich durch eine wachsende Bürokratie und ein auf Gleichberechtigung basierendes Selbstverständnis von der feudalen Ordnung abgrenzten.
2. Consules, Podestàs und Rat: Analysiert die Entwicklung städtischer Ämter wie der Konsuln und später des Podestàs, um der internen Konkurrenz und den gesellschaftlichen Spannungen innerhalb der Kommunen zu begegnen.
3. Die wirtschaftliche Entwicklung der oberitalienischen Kommunen: Beleuchtet den massiven Bevölkerungszuwachs, den Aufstieg des Fernhandels und das Erstarken der Kaufmannsschicht, welche die wirtschaftliche Basis für die politische Macht der Städte legte.
4. Die historische Entwicklung der Lombardei: Erörtert die Auswirkungen der langobardischen Landnahme und das spätere bischöfliche Regime, das als Integrationsinstanz für die Ausbildung städtischer Strukturen diente.
5. Kaiser und Lombardenbund: Untersucht die Italienpolitik Friedrich Barbarossas, insbesondere die Italienzüge und die rechtlichen Auseinandersetzungen in Roncaglia, die letztlich im Konstanzer Frieden mündeten.
6. Der Zweite und Dritte Lombardenbund: Skizziert kurz die Fortführung der städtischen Bündnispolitik unter den Nachfolgern Barbarossas und die weitere Professionalisierung der städtischen Organisation.
Schlüsselwörter
Friedrich Barbarossa, Lombardei, Stadtkommune, Lombardenbund, Italienpolitik, Reichsitalien, Regalien, Staufer, Mailand, Podestà, Konsuln, Investiturstreit, Frieden von Konstanz, Reichstag von Roncaglia, Mittelalter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die politische und gesellschaftliche Dynamik zwischen dem Kaiserreich unter Friedrich Barbarossa und den oberitalienischen Kommunen im 12. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Entwicklung der Stadtverfassungen, die staufische Italienpolitik, wirtschaftliche Veränderungen und die Bildung militärischer und politischer Städtebündnisse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Spannungen zwischen kaiserlichem Herrschaftsanspruch und städtischem Autonomiestreben zu neuen politischen Strukturen wie dem Lombardenbund führten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung historischer Quellen und einer Literaturanalyse zur Rechts- und Sozialgeschichte des hohen Mittelalters.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Kommunen, die administrativen Änderungen, die wirtschaftlichen Faktoren und die kaiserlichen Italienzüge sowie die Friedensschlüsse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Barbarossa, Lombardenbund, Stadtkommune, Regalien, Reichstag von Roncaglia und der Frieden von Konstanz.
Warum leistete Mailand den stärksten Widerstand gegen Barbarossa?
Mailand war als wichtiger Verkehrsknotenpunkt machtpolitisch erstarkt und sah in den kaiserlichen Forderungen nach Regalien eine direkte Bedrohung seiner ökonomischen und politischen Autonomie.
Welche Rolle spielte der Frieden von Konstanz für den Lombardenbund?
Der Frieden von Konstanz 1183 legalisierte die städtischen Regalienansprüche und wandelte den Lombardenbund von einem kaiserfeindlichen Bündnis in eine anerkannte politische Zwischeninstanz um.
Wie veränderte sich die städtische Führung im Laufe des 13. Jahrhunderts?
Es vollzog sich ein Wandel vom Konsulat zum Amt des Podestà, was mit einer stärkeren Professionalisierung und Bürokratisierung der Stadtverwaltung einherging.
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- Robert Tanania (Author), 2006, Barbarossa und der lombardische Städtebund - Die Reichspolitik der Staufer in Oberitalien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63033