Abstract
Jugendarbeitslosigkeit, Ausbildungsplatzmangel und die in diesem Zusammenhang oftmals diskutierte mangelnde Berufsfähigkeit von Schulabgängern, sind immer noch aktuelle Themen in Politik und Gesellschaft.
Im Rahmen dieser Arbeit werde ich versuchen die Ausbildungsplatzsituation im Obstbau möglichst differenziert darzustellen.
Die Branche Gartenbau gliedert sich in 7 Fachrichtungen, Baumschule, Zierpflanzenbau, Gemüsebau, Garten- und Landschaftsbau, Staudengärtner, Friedhofsgärtner und Obstbau.
Für jede Fachrichtung gibt es entsprechend auch einen Ausbildungsberuf. „Mit bundesweit rund 20 000 Ausbildungsverhältnissen stellt der Gärtner den bedeutendsten Ausbildungsberuf im Berufsfeld "Agrarwirtschaft" dar. Qualifizierte Fach- und Führungskräfte werden in vielen Bereichen des Gartenbaus gesucht und haben gute Berufschancen und Zukunftsperspektiven.“
Wenn man die Ausbildungsstatistik der 7 Fachrichtungen des Gartenbaus jedoch genauer betrachtet bildet sich für den Obstbau ein deutliches Alleinstellungsmerkmal heraus.
Es besteht eine enorme Diskrepanz zwischen der Anzahl der Obstbaubetriebe und der Anzahl der Auszubildenden im deutschen Obstbau.
Wie die folgende Tabelle eindeutig darstellt, kommt auf 35 Obstbaubetriebe nur ein Auszubildender, in den anderen Fachrichtungen ist dieses Verhältnis wesentlich enger.
Baumschule: 2.300 Betriebe, 1514 Auszubildende
GaLaBau:12.087 Betriebe, 10077 Auszubildende
Zierpflanzenbau: 9.561 Betriebe, 4132 Auszubildende
Obstbau: 9.200 Betriebe, 262 Auszubildende
Wie in der Einleitung bereits festgestellt wurde besteht in ganz Deutschland eine Diskrepanz zwischen der Anzahl der Betriebe, dem Ausbildungsplatzangebot und der Zahl der Auszubildenden im Obstbau.
– Wo liegen die Ursachen für dieses Missverhältnis? –
Nur wenn die Ursachen für die geringe Anzahl von Auszubildenden im deutschen Obstbau analysiert sind, können gezielte Maßnahmen ergriffen werden um zu mehr Auszubildenden im Obstbau zu kommen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Problematik und Zielstellung
2. Fragestellung und Hypothesen
3. Untersuchungsmethodischer Weg
4. Darstellung der Ausgangssituation
4.1 Faktoren der betrieblichen Ausbildungsbereitschaft
4.2 Der Obstbau in Deutschland
4.2.1 Die Obstanbaugebiete in Deutschland
4.2.2 Größenstrukturen der deutschen Obstbaubetriebe
4.2.3 Strukturwandel im Obstbau
4.3 Ausbildungskosten im Obstbau
4.4 Saison Arbeitskräfte im Obstbau
4.5 Trends für die Ausbildung im Gartenbau in Deutschland
4.6 Demografische Entwicklung
5. Theoretische Auseinandersetzung mit den Hypothesen
5.1 Fachkräftebedarf im Obstbau
5.2 Die wirtschaftlichen Lage im Obstbau
5.3 Image und Berufsinformation
5.3.1 Das Image des Berufs Gärtner/in
5.3.2 Informationen zum Ausbildungsberuf Gärtner/in im Obstbau
5.4 Die geforderte „Ausbildungsreife“ für den Beruf Gärtner/in
5.5 Negativen Erfahrungen mit Auszubildenden als Ausbildungshemmnis
5.6.1 Berufschule als Ausbildungshemmnis
5.6.2 Durchschnittsalter der Lehrer in Deutschland
5.6.3 Anpassung der Lerninhalte an Veränderungen in der beruflichen Praxis
5.6.4 Zweiter Berufsschultag
5.6.5 Schulstandort
6. Überprüfung der Hypothesen durch eine Befragung
6.1 Fragebogenkonstruktion
6.2 Auswahlverfahren und Befragungsdurchführung
6.3 Ergebnisse der Befragung
6.4 Diskussion der Untersuchungsergebnisse
7. Schlussfolgerungen und Handlungsoptionen
8. Zusammenfassung
9. Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Ursachen für die Diskrepanz zwischen der hohen Anzahl an Betrieben und der geringen Anzahl an Auszubildenden im deutschen Obstbau zu analysieren, zu evaluieren und auf dieser Basis Handlungsoptionen für eine Erhöhung der Ausbildungsquote aufzuzeigen.
- Analyse der betrieblichen Ausbildungsbereitschaft im Obstbau
- Untersuchung der wirtschaftlichen Lage und des Fachkräftebedarfs
- Bewertung von Imagefragen und Berufsinformationen
- Evaluation von Ausbildungshemmnissen durch eine Befragung der Betriebe
- Entwicklung von Maßnahmen zur Nachwuchsförderung
Auszug aus dem Buch
4.1 Faktoren der betrieblichen Ausbildungsbereitschaft
Bei einer Beschäftigung mit den Ursachen, warum anerkannte Ausbildungsbetriebe im Obstbau keine oder nur wenige Auszubildende haben, sollte zunächst gefragt werden wovon die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe abhängt. Dazu wird im Folgenden zwischen einer einzelwirtschaftlichen, einer gesamtwirtschaftlichen und einer gesellschaftlichen Ebene unterschieden. Die Darstellung nach Ebenen soll die relevanten Faktoren für eine Ausbildungsbereitschaft transparent machen.
Es handelt sich bei dieser Einteilung um eine theoretische Ebene, die eine Analyse relevanter Einflussfaktoren der betrieblichen Ausbildungsbereitschaft erleichtern soll. Die einzelwirtschaftliche Ebene bezieht sich dabei auf das ökonomische Interesse des einzelnen Betriebes an der Ausbildung. Betriebe verfolgen bei einer zu treffenden Ausbildungsentscheidung das Ziel, Kosten und Nutzen einer Ausbildung gegenüberzustellen und den Nettonutzen der Ausbildung möglichst zu maximieren (Vgl. Beicht/Walden/Herget 2004). Hierbei sind zwei Möglichkeiten einer positiven Nutzenbilanz zu unterscheiden. Investitionsorientierte Unternehmen sehen Ausbildung als langfristige Investition, die sich erst später – nach Übernahme des Auszubildenden in ein Beschäftigungsverhältnis – für den Betrieb rentiert. Produktionsorientierte Unternehmen können die Ausbildungskosten durch einen wirtschaftlichen Einsatz der Auszubildenden in der laufenden Produktion kompensieren (Vgl. Becker 1993).
Für Betriebe mit einer ausgeprägten Investitionsorientierung dürfte der zu deckende Fachkräftebedarf von wesentlicher Bedeutung für eine Beteiligung an der Ausbildung sein. Dies sind in der Regel größere Betrieb die eine höhere Zahl Beschäftigter und somit auch einen gewissen Ersatzbedarf haben.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung beschreibt die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors Agrarwirtschaft und thematisiert die Diskrepanz bei den Ausbildungszahlen im Obstbau.
1. Problematik und Zielstellung: Das Kapitel stellt das Missverhältnis zwischen Betriebsanzahl und Auszubildenden im deutschen Obstbau statistisch dar und leitet daraus die Forschungsfrage ab.
2. Fragestellung und Hypothesen: Hier werden die denkbaren Ursachen für die geringe Ausbildungsbereitschaft systematisiert und sechs zentrale Hypothesen formuliert.
3. Untersuchungsmethodischer Weg: Dieses Kapitel erläutert den wissenschaftlichen Vorgehensplan, insbesondere die geplante Repräsentativbefragung der Ausbildungsbetriebe.
4. Darstellung der Ausgangssituation: Es erfolgt eine theoretische Einordnung der Faktoren, die die Ausbildungsbereitschaft beeinflussen, sowie eine detaillierte Beschreibung des Obstbaus in Deutschland.
5. Theoretische Auseinandersetzung mit den Hypothesen: Die zuvor aufgestellten Hypothesen werden hier einer detaillierten theoretischen Prüfung unterzogen.
6. Überprüfung der Hypothesen durch eine Befragung: Dieses Kapitel beschreibt die Durchführung der empirischen Befragung und präsentiert die gewonnenen Daten zur Ausbildungssituation.
7. Schlussfolgerungen und Handlungsoptionen: Basierend auf den Untersuchungsergebnissen werden Ursachen benannt und Vorschläge zur Verbesserung der Ausbildungssituation unterbreitet.
8. Zusammenfassung: Die Kernaussagen und Erkenntnisse der gesamten Hausarbeit werden hier kompakt zusammengefasst.
Schlüsselwörter
Obstbau, Ausbildung, Ausbildungsquote, Fachkräftebedarf, Gärtner, Agrarwirtschaft, Ausbildungsbereitschaft, Ausbildungshemmnisse, Betriebsstruktur, Nachwuchsmangel, Berufsbildung, Wirtschaftliche Lage, Demografische Entwicklung, Ausbildungsreife, Berufsschule.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ursachen für das Missverhältnis zwischen der hohen Anzahl an Obstbaubetrieben und der vergleichsweise geringen Anzahl an Auszubildenden in diesem Sektor in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die betriebliche Ausbildungsbereitschaft, die wirtschaftliche Lage der Betriebe, das Image des Berufes Gärtner/in sowie die Rolle der Berufsschule und die Anforderungen an Bewerber.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen Gründe für die geringe Ausbildungsquote im Obstbau wissenschaftlich zu analysieren, um daraus Handlungsempfehlungen zur Steigerung der Anzahl an Auszubildenden abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor kombiniert eine theoretische Auseinandersetzung mit den aufgestellten Hypothesen mit einer empirischen Repräsentativbefragung unter anerkannten Ausbildungsbetrieben im Obstbau.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben der Beschreibung der Ausgangssituation und der theoretischen Einordnung der Hypothesen die Ergebnisse der schriftlichen Befragung ausführlich dargestellt und diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Obstbau, Ausbildung, Fachkräftebedarf, Ausbildungshemmnisse, Nachwuchsmangel, Gärtner und Berufsbildung.
Warum wird die Ausbildung im Obstbau als unrentabel empfunden?
Oft wird angeführt, dass die Betriebe zu klein für eine strukturierte Ausbildung sind, die Betreuung der Auszubildenden zu viel Zeit beansprucht und der saisonale Arbeitskräftebedarf nicht mit einer ganzjährigen Ausbildung korreliert.
Welche Rolle spielt die "Ausbildungsreife" der Bewerber?
Die Befragung zeigt, dass Betriebe häufig Defizite bei den Bewerbern in Bezug auf Motivation, Arbeitstugenden und Schlüsselqualifikationen sehen, was viele Betriebe davon abhält, erneut auszubilden.
- Arbeit zitieren
- Harm Sönksen (Autor:in), 2006, Ursachen der Diskrepanz zwischen der hohen Anzahl an Betrieben und der geringen Anzahl Auszubildender im deutschen Obstbau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63345