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Der Begriff des ursprünglichen Erwerbs

Title: Der Begriff des ursprünglichen Erwerbs

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 24 Pages , Grade: 13 Punkte

Autor:in: Niklaus Jung (Author)

Law - Philosophy, History and Sociology of Law
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In der vorliegenden Arbeit soll der Begriff des ursprünglichen Erwerbs in Kants Rechtsphilosophie besprochen und der Arbeits-theorie von John Locke gegenübergestellt werden. Kants Lehre vom ursprünglichen Erwerb muss als Bestandteil eines philosophischen Gesamtwerks betrachtet werden, das wesentlich von vernunfttheoretischen Überlegungen geprägt ist. In der Vernunftfähigkeit des Menschen begründet sich seine Willensautonomie, seine Freiheit von den Bedingungen der Natur. Der Möglichkeit der Freiheit wohnt zugleich der Anspruch auf freiheitsgemäße Selbstverwirklichung inne. Kant sucht, die Gesetzmäßigkeiten der Vernunft zu beschreiben, die nicht die der Natur sind. Aus ihnen konstituiert sich das Rechtsverhältnis freiheitlich-selbstbestimmter Menschen, und in diesem Licht muss auch die dieser Arbeit zu Grunde liegende Untersuchung betrachtet werden. „Freiheit [...], sofern sie mit jedes anderen Freiheit nach einem allgemeinen Gesetz zusammen bestehen kann, ist dieses einzige, ursprüngliche, jedem Menschen kraft seiner Menschheit zustehende Recht.“ 1 Das Freiheitsrecht, das in der deutschen Verfassung im Menschenwürdebegriff seine Entsprechung und in den Grundrechten seine Konkretisierung findet, ist auch Bezugspunkt privatrechtlicher Überlegungen. Hierin besteht der Begründungsbedarf der Möglichkeit, Eigentum zu erwerben. ´Eigentum´ soll zunächst verstanden werden als das ausschließliche Gebrauchsrecht einer Person an einem äußeren Gegenstand. Kant und Locke gehen von einem ähnlichen Menschenbild aus, wonach die Menschen frei, gleich und vernunftfähig sind und sehen den ursprünglichen Erwerb als vorpositiven Rechtsbegriff, der bereits im Naturzustand seine Begründung findet. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der ursprüngliche Erwerb bei John Locke

2.1 Die Arbeitstheorie

2.2 Gegenargumente zur Arbeitstheorie

3. Der ursprüngliche Erwerb bei Immanuel Kant

3.1 Die Notwendigkeit des Erwerbs

3.2 Physischer vs. intelligibler Besitz

3.3 Einseitige Aneignung – wechselseitige Anerkennung

3.4 Die bürgerliche Gesellschaft

4. Bemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff des ursprünglichen Erwerbs in der Rechtsphilosophie Immanuel Kants und stellt diesen der bekannten Arbeitstheorie von John Locke gegenüber, um die Bedingungen und die Notwendigkeit von Privateigentum vor dem Hintergrund freiheitlicher Selbstbestimmung zu analysieren.

  • Vergleich der Eigentumsbegründungen bei Kant und Locke
  • Analyse der Arbeitstheorie als Grundlage des ursprünglichen Erwerbs
  • Untersuchung des "intelligiblen Besitzes" und der Rolle der Vernunft bei Kant
  • Die Bedeutung der wechselseitigen Anerkennung für die Rechtsordnung
  • Rechtfertigung von Eigentum in der bürgerlichen Gesellschaft

Auszug aus dem Buch

3.2 Physischer vs. intelligibler Besitz

Der physische Besitz ist der Besitz eines in meinem körperlichen Machtbereich befindlichen Gegenstandes. Er müsste mir schon entrissen werden, um mich in meiner uneingeschränkten, willkürlichen Gebrauchsbefugnis zu lädieren. Kant stellt diesem empiristischen Ansatz zu Beginn der Rechtslehre die Definition des „rechtlich Meine[n]“ gegenüber – „dasjenige, womit ich so verbunden bin, daß der Gebrauch, den ein anderer ohne meine Einwilligung von ihm machen möchte, mich lädieren würde.“

Eigentum einer äußeren Sache kann nur so gedacht werden, dass diese das rechtlich Meine bleiben muss, unabhängig vom physischen Status. Nach physischem Verständnis aber kann es keine Läsion durch den Gebrauch eines Gegenstands ohne Einverständnis geben, der außerhalb des körperlichen Machtbereichs liegt, obgleich ein Besitzanspruch besteht. Aus dem physischen Besitz geht noch keine hinreichende Erklärung für Eigentum hervor; es bedarf der Erweiterung um die gedachte Beziehung zwischen Mensch und Sache: den intelligiblen Besitz.

Der intelligible Besitz ist der „bloß rechtliche[]“, eine „rein gedankliche Relation“ zwischen Gegenstand und seinem Eigentümer, unabhängig der äußeren, erfahrbaren Umstände. Der Mensch bleibt Eigentümer des Gegenstands, gleichwohl er ihn beiseite legt, verleiht, verliert oder vergisst. Kant abstrahiert somit den Eigentumsbegriff und seine Verfügungsgewalt vom empirischen – der Gegenstand wird „als in meiner Gewalt [...] gedacht“; und erst mit diesem Konzept des intelligiblen Besitzes lässt sich ´Eigentum´ in seiner Qualität verstehen: dass etwas Äußeres das rechtlich Meine ist, der Mensch unabhängig von Zeit und Raum also mit der Sache verbunden ist und jederzeit die ausschließliche Verfügungsgewalt darüber innehat.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung ein, den ursprünglichen Erwerb als wesentlichen Bestandteil der rechtsphilosophischen Untersuchung von Freiheit und Eigentum bei Kant und Locke zu beleuchten.

2. Der ursprüngliche Erwerb bei John Locke: Dieses Kapitel erläutert Lockes Arbeitstheorie, in der Privateigentum durch die Vermengung von Arbeit mit Naturgegenständen legitimiert wird, und diskutiert die daran geübte Kritik.

3. Der ursprüngliche Erwerb bei Immanuel Kant: Das Hauptkapitel analysiert Kants Ansatz, der Eigentum als notwendige Rechtskategorie begreift, und differenziert dabei zwischen physischem und intelligiblem Besitz sowie der Bedeutung der bürgerlichen Gesellschaft.

4. Bemerkungen: Das abschließende Kapitel reflektiert die Anwendbarkeit der philosophischen Konzepte auf moderne Rechtsfragen, insbesondere unter Berücksichtigung des Grundgesetzes und aktueller sozialpolitischer Erfordernisse.

Schlüsselwörter

Ursprünglicher Erwerb, Rechtsphilosophie, Immanuel Kant, John Locke, Arbeitstheorie, Eigentumsbegriff, intelligibler Besitz, Freiheit, Rechtsverhältnis, bürgerliche Gesellschaft, Willensautonomie, Privateigentum, Naturzustand, Vernunftrecht, Besitzgemeinschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den philosophischen Begriff des ursprünglichen Erwerbs und untersucht, wie Privateigentum aus einem herrenlosen Urzustand rechtmäßig entstehen kann.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen umfassen die Arbeitstheorie Lockes, das Rechtsverständnis Kants, die Unterscheidung zwischen empirischem und rechtlichem Besitz sowie die Funktion des Staates bei der Eigentumssicherung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist ein kritischer Vergleich, wie Kant und Locke die Rechtmäßigkeit von Eigentum begründen und inwiefern diese Theorien auf moderne Rechtsverhältnisse übertragbar sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine rechtsphilosophische Analyse, die zentrale Texte (insbesondere Kants Metaphysik der Sitten und Lockes Zweite Abhandlung über die Regierung) im Kontext der Vernunfttheorie und Rechtslehre interpretiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird zunächst Lockes empiristische Arbeitstheorie kritisch hinterfragt, bevor detailliert auf Kants apriorische Rechtskategorien eingegangen wird, die Eigentum als Ausdruck der freien Selbstbestimmung legitimieren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Ursprünglicher Erwerb, Arbeitstheorie, Intelligibler Besitz, Freiheit, Willensautonomie, Privateigentum und Rechtssubjektivität.

Was unterscheidet Lockes "Arbeit" von Kants "Zueignung"?

Locke sieht die Arbeit als faktischen Akt zur Aneignung. Kant hingegen misst der bloßen körperlichen Handlung keine Rechtskraft bei; für ihn ist erst die Zueignung als Akt eines allgemein gesetzgebenden Willens rechtskonstitutiv.

Warum wird der "intelligible Besitz" bei Kant so betont?

Er ermöglicht es, Eigentum losgelöst von physischer Anwesenheit oder Nutzung zu denken, was für ein dauerhaftes Rechtsverhältnis an äußeren Gegenständen unabdingbar ist.

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Details

Title
Der Begriff des ursprünglichen Erwerbs
College
University of Hamburg
Grade
13 Punkte
Author
Niklaus Jung (Author)
Publication Year
2006
Pages
24
Catalog Number
V63499
ISBN (eBook)
9783638565448
ISBN (Book)
9783656789703
Language
German
Tags
Begriff Erwerbs
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Niklaus Jung (Author), 2006, Der Begriff des ursprünglichen Erwerbs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63499
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