Die vorliegende Arbeit vertieft das im Rahmen des Seminars „Die Epoche des Avantgardismus in Spanien“ gehaltene Referat über Ramón Gómez de la Sernas Werk Ismos1. Die Besonderheit des Werkes ergibt sich aus der Zusammensetzung seiner einzelnen Teile. Daher kann die für literaturwissenschaftliche Arbeiten bekannte tiefergehende Analyse eines spezifischen Phänomens dem Werk nicht gerecht werden. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, werden seine reichhaltigen Facetten pars pro toto anhand ausgewählter Kapitel beispielhaft dargestellt.
Vorerst gibt die Arbeit einen allgemeinen Überblick über das Werk und seine Struktur. Dem Ziel des Werkes entgegenarbeitend werden die Kapitel der Übersichtlichkeit halber zwei gegensätzlichen Kategorien zugeordnet. Bei dieser Einteilung gehören Kapitel mit biographischem Charakter den so genannten ‚Personalismos’ an, jene, die es nicht sind bilden die Gruppe der „nicht-biographischen Ismos“. Für Ramón steht das künstlerisch-literarische Produkt immer in Interdependenz mit der Person des Künstlers, er vermeidet es, sich selbst sowie die in seinen Augen bedeutenden Persönlichkeiten einer spezifischen ästhetischen Strömung unterzuordnen:
Verdaderamente él, que sabía, como había de decir después, que todos los ismos no son al fin y al cabo más que “personalismos”, posiciones personales que reflejan la figura de su creador, se resistió siempre a dejarse encuadrar en cualquier tendencia creada por otro.2
Auf eine weitere Unterscheidung unterhalb dieser Kategorien, z.B. zwischen Künstlern und Schriftstellern, wird hier verzichtet, da keinesfalls alle Kapitel einzeln behandelt werden können. Zunächst werden kurz die nicht biographisch geprägten Essays skizziert, also jene, die sich auf die Sachwelt beziehen oder Phänomene der beschriebenen Epoche darstellen, die nicht an eine spezifische Person gebunden sind. Dabei bildet das Kapitel Surrealismo den Übergang zu den biographisch geprägten Kapiteln, da es keiner der beiden Kategorien eindeutig zugeordnet werden kann. Bei den personenbezogenen ‚Ismos’ wird insbesondere auf die für Ramón wichtigsten Vertreter und Vorreiter der Avantgarde in Kunst und Literatur eingegangen, mit denen er sich zudem am stärksten identifiziert: Guillaume Apollinaire und Pablo Picasso. Das Kapitel über Emilio Filippo Tommaso Marinetti wird vergleichend herangezogen, jenes über Salvador Dalí bildet den Abschluss.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Werk Ismos
2.1. Die Bedeutung von ‚lo nuevo’
2.2. Die nicht-biographischen ‚Ismos’
2.2.1 Humorismo – Humor als avantgardistische Strategie
2.2.2 Surrealismo – Übergang zu den ‚Personalismos’
2.3. Die ‚Personalismos’
2.3.1 Apollinerismo
2.3.2 Picassismo
2.3.4 Futurismo
2.3.5 Daliísmo
3. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert Ramón Gómez de la Sernas Werk Ismos (1931), um die Struktur, die ästhetischen Konzepte des Autors sowie die gegenseitigen Einflüsse von Avantgarde-Künstlern und Literatur aufzuzeigen. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie der Autor als „Komplize“ seiner Zeit ein subjektives, fragmentarisches Zeugnis dieser Epoche erstellt.
- Die Kategorisierung der Avantgarde-Strömungen in "biographische" und "nicht-biographische" Ismos.
- Die Bedeutung von „lo nuevo“ als zentrales Maßstab für künstlerisches Schaffen.
- Die Rolle des Humors als avantgardistische Strategie und Lebenshaltung.
- Der Einfluss von Paris als urbanes und kulturelles Zentrum der Avantgarde.
- Die kritische Auseinandersetzung mit der Identität der Avantgardisten und deren Vernetzung.
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Bedeutung von ‚lo nuevo’
Im Prolog erklärt Ramón seine beiden Hauptmotive für das Verfassen bzw. Zusammenstellen des Werkes. Er möchte ein Zeugnis seiner Zeit abgeben: “Estamos saliendo de una época y hay que dejar explicado nuestro tiempo.” und zudem gleichzeitig den wichtigsten Vorläufern und Vertretern der Avantgarde gerecht werden: „En este libro hago justicia a los más destacados precursores y hago algo por que quede claro su itinerario sobre las divagaciones.”
Dies tut er jedoch nicht mehr als Avantgardist, da diese nun bereits der Vergangenheit angehören und nichts mehr Neues sind, sondern als „porvenirista“:
He sido tiroteado en la vanguardia y he dado el pecho y la respuesta siempre como vanguardista, siendo en la actualidad porvenirista, que es situación menos guerrera y también menos retórica que futurista, pues el futuro es mucho más lejano y engolado que el porvenir.
Zu dem Zeitpunkt, an dem die Avantgardisten aufhören ‚neu’ zu sein und der Geschichte angehören, hört auch Ramón auf, sich zu ihnen zu zählen, da sein wichtigster Maßstab für Kunst und Literatur in der Bedeutung von ‚lo nuevo’ liegt. Ramón legte großen Wert darauf, dass seine Werke etwas Neues enthielten und keine Nachahmung von etwas bereits Bestehendem waren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über das Werk Ismos von Ramón Gómez de la Serna und erläutert die methodische Vorgehensweise, die Kapitel in zwei Kategorien zu unterteilen.
2. Das Werk Ismos: Es wird die Entstehung und Struktur des Werkes analysiert, wobei besonders die subjektive, fragmentarische Erzählweise des Autors im Vordergrund steht.
2.1. Die Bedeutung von ‚lo nuevo’: Dieses Kapitel beleuchtet das zentrale Konzept des „Neuen“ für den Autor und seine Abgrenzung zum klassischen Avantgarde-Begriff.
2.2. Die nicht-biographischen ‚Ismos’: Hier werden Strömungen behandelt, die sich auf Sachverhalte, Gegenstände oder allgemeine Phänomene beziehen und nicht an eine spezifische Person gebunden sind.
2.2.1 Humorismo – Humor als avantgardistische Strategie: Das Kapitel untersucht den Humor als zentrales Instrument zur formalen Befreiung der Literatur und als tiefgreifende Lebenshaltung.
2.2.2 Surrealismo – Übergang zu den ‚Personalismos’: Der Surrealismus dient als Brückenelement zwischen den allgemeinen Strömungen und den biographisch geprägten Kapiteln des Werkes.
2.3. Die ‚Personalismos’: Ramón widmet sich hier den bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten der Epoche und deren Einfluss auf Kunst und Literatur.
2.3.1 Apollinerismo: Die Analyse konzentriert sich auf Guillaume Apollinaire und dessen Rolle als Vorreiter und „geistiger Bruder“ von Ramón.
2.3.2 Picassismo: Dieses Kapitel thematisiert die künstlerische Nähe zwischen Picasso und Ramón sowie die Bedeutung der spanischen Identität im Kubismus.
2.3.4 Futurismo: Ramón distanziert sich kritisch vom Futurismus Marinettis und setzt diesen in Kontrast zur Ästhetik des Kubismus.
2.3.5 Daliísmo: Als Ergänzung zur Neuauflage beschreibt dieses Kapitel Salvador Dalí durch eine kollagenhafte Struktur und beleuchtet dessen Einflüsse.
3. Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, wie Ramón durch seine Essays die Lebendigkeit der Avantgarde als moderner Wegbereiter des Essay-Genres eingefangen hat.
Schlüsselwörter
Avantgardismus, Ramón Gómez de la Serna, Ismos, lo nuevo, Humorismo, Surrealismo, Personalismos, Apollinaire, Picasso, Kubismus, Literaturwissenschaft, spanische Kunst, Moderne, Fragmentarismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das 1931 erschienene Werk Ismos von Ramón Gómez de la Serna, eine Sammlung von Essays über avantgardistische Strömungen und Künstler seiner Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Einteilung der Avantgarde in biographische und sachbezogene "Ismos", die Bedeutung des „Neuen“, der Humor als künstlerisches Instrument und die Vernetzung der Künstler in Paris.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Ramón Gómez de la Serna als aktiver Zeitzeuge und „Komplize“ der Avantgarde ein subjektives, künstlerisch-fragmentarisches Zeugnis der Epoche geschaffen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der einzelne Kapitel beispielhaft behandelt werden, um das Gesamtwerk Ismos zu erschließen, unter Einbeziehung zeitgenössischer Primärquellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die nicht-biographischen Themen wie Humorismus und Surrealismus analysiert, gefolgt von einer detaillierten Betrachtung der sogenannten „Personalismos“, insbesondere zu Apollinaire, Picasso und Dalí.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Avantgardismus, Ismos, lo nuevo, Humorismus, Personalismos sowie die Namen der Schlüsselkünstler Apollinaire, Picasso und Dalí.
Warum ordnet der Autor die Kapitel in „biographisch“ und „nicht-biographisch“?
Diese Einteilung dient der Übersichtlichkeit für den Leser, wobei der Autor Ramón Gómez de la Serna jedoch betont, dass künstlerische Produkte immer in enger Interdependenz mit den Persönlichkeiten der Schöpfer stehen.
Welche besondere Rolle nimmt der Humor in der Analyse ein?
Humor wird nicht nur als literarische Technik, sondern als grundlegende Lebenshaltung und Rebellion verstanden, die zur formalen Befreiung der Kunst von alten, erstarrten Formen dient.
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- Cora Scholz (Autor), 2006, Ramón Gómez de la Serna "Ismos" - ein Werksüberblick, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63738