Mediation - ein modernes Instrument des Konfliktmanagement


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
22 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Entstehung und Herkunft
1.2 Ziel und Abgrenzung

2 Begriffsbestimmung und Abgrenzung
2.1 Definitionen
2.2 Wesentliche Merkmale der Mediation

3 Wirtschaftsmediation
3.1 Mediationseignung
3.2 Konflikte im Wirtschaftsleben
3.3 Einsatzmöglichkeiten der Wirtschaftsmediation

4 Methode der Mediation

5 Chancen und Risiken der Mediation
5.1 Vorteile des Mediationsverfahrens
5.2 Nachteile des Mediationsverfahrens

6 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Mediation ist in Deutschland ein sehr neues Thema und noch nicht sehr weit verbreitet. Bisher wurde das Verfahren hauptsächlich bei Familien- und Schei­dungskonflikten genutzt. Aber auch in der Wirtschaft und Arbeitswelt gewinnt dieses Verfahren zur Konfliktbearbeitung seit den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung.

1.1 Entstehung und Herkunft

Die Vermittlung zwischen Konfliktparteien ist keineswegs neu. Bereits im antiken China diente Mediation als Hauptinstrument der Konfliktbeilegung. Auch in Japan blickt dieses Verfahren auf eine lange Tradition zurück und spiegelt sich im heu­tigen Verhandlungsstil wieder. Ein versöhnlicher Umgang und die Wertschätzung persönlicher Beziehung sind dabei maßgebend.[1]

Entwickelt wurde das Mediationsverfahren in den sechziger Jahren in den USA. Dort wurde Mediation zunächst hauptsächlich bei Familienproblemen prak­tiziert. Die klassische Anwendung des Verfahrens lag in der Unterstützung bei der Bewältigung des Scheidungsprozesses, um den betroffenen Kindern den Kontakt zu beiden Elternteilen erhalten zu können. Die Mediation wurde aber auch in anderen Bereichen, wie etwa in der Wirtschaft, Politik, Umwelt, in Schu­len und im Täter-Opfer-Ausgleich, zur Konfliktbewältigung erfolgreich eingesetzt. Auch in einigen anderen Ländern ist dieses Verfahren als alternative Methode der Konfliktbeilegung schon verbreitet, im europäischen Raum, z.B. in Frank­reich, Spanien, Italien, Großbritannien, Belgien, aber auch in Neuseeland, Ka­nada und Australien. Seit den achtziger Jahren wird Mediation ebenfalls in den deutschsprachigen Ländern angeboten und gewinnt dabei zunehmend an Be­deutung.[2]

1.2 Ziel und Abgrenzung

Ziel dieser Arbeit ist es, Mediation als alternative Methode der Konfliktbeilegung vorzustellen. Dabei wird speziell auf den Bereich der Wirtschaftsmediation ein­gegangen.

In Kapitel 2 werden zunächst die Begrifflichkeiten "Mediation" und "Konflikt" de­finiert, danach werden die Charakteristika des Mediationsverfahrens näher erläutert. Kapitel 3 befasst sich mit dem Bereich der Wirtschaftsmediation. Zunächst wird die Frage geklärt, in welchen Fällen sich Mediation überhaupt als Methode zur Konfliktbeilegung eignet. Weiterhin werden die unterschiedlichen Konflikte im Wirtschaftsleben näher beleuchtet und zuletzt die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten der Wirtschaftsmediation aufgezeigt. Das vierte Kapitel beschreibt den Ablauf einer Mediation in fünf Phasen. Die Vor- und Nachteile des Mediationsverfahrens werden im fünften Kapitel vorgestellt. Die Arbeit endet mit einem Fazit und Ausblick in Kapitel 6.

2 Begriffsbestimmung und Abgrenzung

Zunächst werden die Begriffe "Mediation" und "Konflikt" definiert und im Anschluss die wesentlichen Merkmale der Mediation aufgezeigt.

2.1 Definitionen

Der Begriff Mediation kommt von dem englischen Terminus "mediation", was übersetzt "Vermittlung" bedeutet. Sein Ursprung liegt allerdings in der lateini­schen Sprache ("mediare", bedeutet übersetzt "in der Mitte sein").[3]

Breidenbach definiert Mediation als "die Einschaltung eines (meist) neutralen und unparteiischen Dritten im Konflikt, der die Parteien bei ihren Verhandlungs- und Lösungsversuchen unterstützt, jedoch über keine eigene (Konflikt-) Entscheidungskompetenz verfügt".[4]

Nach Duves Auffassung "fällt jede Mitwirkung eines Dritten, die über eine rein kommunikative Unterstützung - wie z.B. in einer Moderation - hinausgeht und nicht von vornherein - wie z.B. in einer Schlichtung - auf einen unverbindlichen Vorschlag ausgerichtet ist, grundsätzlich unter den Begriff der Mediation, wenn sich mindestens die Erörterung der Interessen, Einigungsoptionen und Nichteinigungsalternativen der Beteiligten einschließt."[5]

Dulabaum beschreibt das Mediationsverfahren als eine informelle und außergerichtliche Art der Konfliktbearbeitung, die gegenseitiges Verstehen und eine konstruktive Kommunikation anstrebt, um eine einvernehmliche Konflikt­beilegung zu erreichen.[6] Das Mediationsverfahren zielt demnach auf eine kooperative Bewältigung von Konflikten, in denen ein Mediator vermittelt.

"Konflikte sind ein wichtiges Signal dafür, daß etwas nicht (mehr) stimmt und verändert werden muß, eine Chance zur Entwicklung und zur Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen".[7] Nach Lenz und Mueller liegt ein Konflikt vor, "wenn die Interessen des einen von denen des anderen abweichen. Inwieweit es dann in einer Auseinandersetzung zur Eskalation kommt, liegt an den weiterführenden Interessen und Möglichkeiten der Beteiligten".[8]

2.2 Wesentliche Merkmale der Mediation

Mediation ist ein außergerichtliches Konfliktbeilegungsverfahren, in dem die Konfliktparteien von einem neutralen Dritten[9], dem so genannten Mediator, da­bei unterstützt werden, gemeinsam eine einvernehmliche Lösung zu finden. Die Teilnahme am Mediationsverfahren erfolgt freiwillig und die Beteiligten ha­ben jederzeit die Möglichkeit, die Mediation abzubrechen oder zu beenden. Der Inhalt des Verfahrens ist vertraulich und nur der Mediator und die Beteiligten selbst haben davon Kenntnis. Der Mediator besitzt keinerlei Entscheidungsgewalt, er unterstützt die Konfliktparteien und leitet die Verhandlung.[10] Dabei wird nicht die Vergangenheit aufgearbeitet und die juristische Frage "Wer will was von wem woraus?" beantwortet, sondern es werden gemeinsam die Interessen der Beteiligten sichtbar gemacht, um daraus eine zukunftsorientierte und wirtschaftliche Lösung zu erarbeiten. Der Grundgedanke der Mediation lässt sich an dem häufig in der Literatur verwendeten Orangenfall darstellen:

Zwei Schwestern streiten um die letzte Orange, jede möchte die ganze Orange für sich haben. Da beide den gleichen Rechtsanspruch auf die Orange haben, müsste sie geteilt werden. Ein Mediator hingegen würde die Interessen der beiden Schwestern zunächst hinterfragen. Dabei könnte sich herausstellen, dass eine Schwester nur die komplette Schale zum Kuchenbacken benötige, die andere nur das Fruchtfleisch essen wolle. Durch das Teilen der Orange, müssten beide auf die andere Hälfte verzichten. In einem Mediationsverfahren würde der Mediator beide dazu anregen, eine faire Lösungsmöglichkeit vorzu­schlagen. So bekäme eine Schwester die komplette Schale, die andere Schwester das ganze Fruchtfleisch. Beide hätten dadurch einen Vorteil für sich errungen, eine so genannte "Win-Win-Situation"[11]

Die Person des Mediators darf dabei kein eigenes Interesse an einem be­stimmten Konfliktausgang haben, sondern sollte immer neutral und allparteilich sein. Allparteilich bedeutet, dass ein Mediator eine neutrale Haltung einnimmt, aber sich dennoch für die Interessen der Konfliktparteien einsetzt und wenn nötig, ein Gleichgewicht zwischen den Parteien herstellt. Der Mediator ist nur für den Gesprächsverlauf verantwortlich, die Konfliktparteien gestalten den Inhalt selbst. Er hilft ihnen dabei, sich über ihre wahren Interesse und Beweggründe klar zu werden und diese auszudrücken. Es ist also für einen positiven Verlauf sehr wichtig, dass der Mediator das Vertrauen und den Respekt der Beteiligten genießt. Lässt sich keine gemeinsame Lösung finden, so kann der Mediator auch von sich aus das Gespräch abbrechen.[12]

3 Wirtschaftsmediation

Die Wirtschaftsmediation basiert auf den Erkenntnissen der Verhandlungsforschung und gehört somit zur Kategorie der Verhandlungsmediation. Hierbei wird auf den Ansatz der therapeutischen Mediation verzichtet, welcher mehr auf den Bereich der Psychotherapie setzt. Im Vergleich zu anderen Mediationsformen, wie z.B. der Familienmediation, ist die Wirtschaftsmediation stärker sachverhaltsbezogen und rechtlich ausgerichtet. Das Verfahren der Wirtschaftsmediation verläuft weit nüchterner, Beziehungsprobleme und Emotionen stehen dabei eher im Hintergrund.[13]

Wirtschaftsmediation lässt sich in vielen Bereichen der Wirtschaft einsetzen. Bei unternehmensexternen Konflikten, wie bspw. bei Haftungsfragen und Gewährleistungen, Konflikte zwischen Unternehmen und Öffentlichkeit (z.B. bei einem Bauvorhaben oder Umweltkonflikten) oder bei Konflikten mit Kunden, Lieferanten und Verbrauchern; aber auch bei unternehmensinternen Konflikten, wie Konflikte zwischen Mitarbeitern, Teams oder Abteilungen, Konflikte in Familienunternehmen, bei Fragen der Unternehmensnachfolge oder bei Gesellschafterkonflikten wird das Mediationsverfahren eingesetzt.[14]

3.1 Mediationseignung

Grundsätzlich sind alle Konflikte für die Mediation geeignet, vorausgesetzt, die Konfliktparteien streben eine Lösung des Konfliktes an und sind dafür zu Gesprächen mit der Gegenseite bereit. Einen allgemein gültigen Kriterienkatalog für mediationsgeeignete Konflikte gibt es nicht, allerdings lassen sich einige Kriterien für die Eignung eines Mediationsverfahrens zur Orientierung festhalten:

[...]


[1] Vgl. Marx, A.: Mediation und Sozialarbeit, 1999, S. 9.

[2] Vgl. Klammer, G. / Geißler, P. (Hg.): Mediation, 1999, S. 9-13.

[3] Vgl. Marx, A.: Mediation und Sozialarbeit, 1999, S. 16.

[4] Breidenbach, S.: Mediation, 1995, S. 4.

[5] Duve, Ch.: Mediation in der Wirtschaft, 2003, S. 59.

[6] Vgl. Dulabaum, N.: Mediation. Das ABC, 2000, S. 9 f.

[7] Besemer, Ch.: Mediation. Vermittlung in Konflikten, 1995, S. 24.

[8] Lenz, Ch. / Mueller, A.: Businessmediation, 1999, S. 20.

[9] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit durchgängig die männliche Form

verwendet. Gemeint sind selbstverständlich dabei immer die jeweils männliche und weibliche

Form.

[10] Vgl. Duve, Ch.: Mediation in der Wirtschaft, 2003, S. 58-59.

Vgl. ebenso Lenz, Ch. / Mueller, A.: Businessmediation, 1999, S. 73-74.

[11] Vgl. z.B. Dulabaum, N.: Mediation. Das ABC, 2000, S. 47 f.

[12] Vgl. Besemer, Ch.: Mediation. Vermittlung in Konflikten, 1995, S. 18 f.

[13] Vgl. Risse, J.: Wirtschaftsmediation, 2003, S.36 f.

[14] Vgl. Bundesverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt e.V. (Hrsg.): Wo wird Mediation in der Wirtschaft eingesetzt?, http://www.bmwa.de/wo.php?myOID=&myUID=, 17. Aug. 2006.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Mediation - ein modernes Instrument des Konfliktmanagement
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Veranstaltung
Unternehmensführung
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V64168
ISBN (eBook)
9783638570480
ISBN (Buch)
9783656773931
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediation, Instrument, Konfliktmanagement, Unternehmensführung
Arbeit zitieren
Sabine Jakobi (Autor), 2006, Mediation - ein modernes Instrument des Konfliktmanagement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64168

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