Transkulturelle ambulante Altenpflege in Berlin - Eine Bestandsaufnahme


Hausarbeit, 2006
10 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 MigrantInnen und ambulante Pflege in Zahlen

3 Die Kommunikationsebene

4 Pflegekräfte mit Migrationshintergrund

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die hohe Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund stellt für das Gesundheitssystem besondere Anforderungen dar, speziell im Bereich der Altenpflege[1]. Diese Menschen kamen nach dem 2. Weltkrieg als so genannte Gastarbeiter nach Deutschland. Sie arbeiteten jahrzehntelang unter denkbar schlechten Bedingungen.[2] „[Diese] sind ein Hauptgrund dafür, dass Arbeitsmigranten oft früher krank werden.“[3]

Viele sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt, nachdem ganze Industriesparten verschwanden, wie etwa die Portugiesen, die in der Textilindustrie tätig waren. Viele der anderen leben aber heute noch in Deutschland, und ihre Lebensbedingungen haben sich im wohlverdienten Ruhestand nicht verbessert. Im Gegenteil: Durch Krankheit und Pflegebedürftigkeit haben sich ihre Probleme nur in andere Bereiche verschoben; schlechte Lebensbedingungen, verbunden mit unzureichender Lebensqualität sind die Folge.

Einige Zahlen sollen verdeutlichen, inwieweit das Problem besteht und wie ihm Rechnung getragen wird. Der hier dargestellte Blickwinkel beschränkt sich auf Berlin, weil hier schon vor der Wende viele sog. Gastarbeiter lebten.

Um adäquater auf die Situation älterer Migranten eingehen zu können, entstanden interkulturelle Pflegeeinrichtungen. Diese sollen kurz vorgestellt werden, denn sie haben sich darauf spezialisiert pflegebedürftigen MigrantInnen durch konkrete Hilfestellungen denn Alltag zu erleichtern.

Besonderes Augenmerk wird auf Erkenntnisse zur Kommunikation zwischen pflegebedürftigen MigrantInnen und Pflegenden gelegt. Zudem soll eine Betrachtung vorgenommen werden, inwieweit professionelle Pflegekräfte mit Migrationshintergrund als Ressource wertvolle Beiträge zur Pflege leisten.

2 MigrantInnen und ambulante Pflege in Zahlen

Statistischen Angaben zufolge lebten im Jahre 2003 etwa 444.000 Menschen mit Migrationshintergrund in Berlin. Davon waren im gleichen Jahr 11,8% über 65 Jahre alt[4], also über 50.000 Menschen. Laut Umfrage unter ihren pflegebedürftigen Klienten schreibt der in Berlin ansässige Träger der kultursensiblen ambulanten und Tagespflege, Deta-Med: „84,6 % unsere Patienten haben keine Kenntnis über Ambulante [!] [Pflege]“[5] Diese Einschätzung teilt der in Berlin erscheinende Tagesspiegel: „[Alte Migranten] fallen leicht durch die Information- und Vermittlungsraster des Gesundheitssystems. Zu sprachlichen Problemen kommt die unzureichende Information über Pflegeeinrichtungen."[6]

Genauso, wie diese Menschen auf Zugangsbarrieren im deutschen Gesundheitssystem stoßen, gibt es „zum jetzigen Zeitpunkt keine verlässlichen Daten über die Inanspruchnahme der sozialen und gesundheitlichen Dienste seitens der Migranten.“[7] - Diese allgemeine Unkenntnis verwundert wenig, wenn man in Zahlen liest, wie viele Einrichtungen im kultursensiblen Bereich für ältere oder pflegebedürftige MigrantInnen in Berlin etwas tun:

Kooperations- und Ansprechpartner in Berlin für ältere Migrantinnen und Migranten

Beratungsangebote für ältere Migrantinnen und Migranten

Migrantenorganisationen-Angebote für ältere Migrantinnen und Migranten

Angebote für Migrantinnen und Migranten in Seniorenfreizeiteinrichtungen

Ambulante Pflegedienste mit kultursensibler Ausrichtung

Selbsthilfegruppen für Seniorinnen und Senioren

AWO Berlin, Stand April 2006[8]

Auf die ambulante Pflege bezogen lassen diese Zahlen vermuten, dass aktuell max. 350 Menschen in Berlin kultursensibel gepflegt werden. Geht man davon aus, dass in einem ambulanten Pflegebetrieb etwa 40-50 Klienten versorgt werden können.

Über die Zeitintensität der Pflege dieser Zielgruppe gibt es keine offiziellen Daten. Die einen werden über die Behandlungspflege in wenigen Minuten versorgt, während zwischen den zeitintensiveren Klienten und der Pflegekraft über Grundpflege und andere Tätigkeiten ein wesentlich größerer zwischenmenschlicher Austausch stattfindet.

Vermutlich ist die pflegerisch betreute Zielgruppe der MigrantInnen aber höher. Im Telefongespräch mit einer Mitarbeiterin der Einrichtung „Hilfelotse Berlin“ - Datenbank für soziale und gesundheitliche Hilfe in Berlin[9], wurde diese Feststellung gemacht. Sie beruht auf der Tatsache, dass in vielen ambulanten Pflegebetrieben, die nicht offiziell als kultursensibel beschrieben sind, Pflegekräfte mit Migrationshintergrund eingesetzt sind. Diese pflegen dann vorzugsweise ihre „Landsleute", welche so in den Genuss kommen sich sprachlich und gefühlsmäßig aufgehoben und verstanden zu fühlen.

Trotzdem ist all dies nur ein Bruchteil dessen, was in Wirklichkeit angeboten wird und bald angeboten werden müsste: „Bis zum Jahr 2010 wird sich die Zahl der in Berlin lebenden Migranten über 65 Jahre auf fast 40.000 verdoppeln. Im Jahr 2020 sollen es nach Schätzungen über 57.000 sein. Nicht mitgezählt sind die Spätaussiedler und Eingebürgerten.[10] Durch die Einberechnung der o.g. nicht offiziellen kultursensibel Pflegenden geht der Autor spekulativ von der doppelten Anzahl Menschen dieser Zielgruppe, also 700 aus. Ließe man diese Zahl bis zum Jahr 2010 auf 1000 ansteigen, müssten sich in Berlin 40 Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund 1 Pflegeangebot teilen.

Über einen Handlungsbedarf zur Verbesserung dieser Situation ist sich die Fachwelt uneinig: Bei den einen besteht kein Grund zur Unruhe, denn „Gerade die ausländischen Pflegebedürftigen sind nach wie vor gut in die Familien integriert, so dass die Angehörigen den Großteil der Betreuung übernehmen […].“[11] Die anderen wiederum sehen „kulturelle Brüche entstehen, welche die althergebrachte Wertschätzung und Autorität des Alters verblassen und die Hilfsbereitschaft des familiären Netzes sinken lassen.“[12]

[...]


[1] Vgl. Dibelius/Uzarewicz 2006, S. 147

[2] Vgl. Domenig 2001, S. 74

[3] Vgl. Tagesspiegel, „Türkische Klänge im Altenheim“, 22. August 2006, S. 12, im Internet abrufbar unter: http://www.tagesspiegel.de/politik/archiv/22.08.2006/2726901.asp

[4] Vgl. Ohliger/Raiser 2003, S. 12 u. S. 16

[5] Vgl. Deta-Med 2006, aus dem Internet

[6] Vgl. hierzu im Folgenden: Tagesspiegel, „Türkische Klänge im Altenheim“, 22. August 2006, S. 12

[7] Vgl. Dibelius/Uzarewicz 2006, S. 147

[8] Vgl. PDF-Info-File der AWO aus dem Internet, 2006

[9] das Telefongespräch fand am 21.9.2006 statt

[10] Vgl. hierzu im Folgenden: Tagesspiegel, „Türkische Klänge im Altenheim“, 22. August 2006, S. 12

[11] Vgl. Lindl 2006, S. 203

[12] Vgl. hierzu im Folgenden: Domenig 2001, S. 388

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Transkulturelle ambulante Altenpflege in Berlin - Eine Bestandsaufnahme
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
10
Katalognummer
V64369
ISBN (eBook)
9783638572064
ISBN (Buch)
9783638767538
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Transkulturelle, Altenpflege, Berlin, Eine, Bestandsaufnahme
Arbeit zitieren
Alexander Weber (Autor), 2006, Transkulturelle ambulante Altenpflege in Berlin - Eine Bestandsaufnahme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64369

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