In dieser Arbeit wird ein mediumanalytischer Vergleich zwischen einem literarischen Werk und seiner filmischen Adaption durchgeführt. Zu diesem Zweck wurden Arthur Schnitzlers Traumnovelle (2000) und ihre Verfilmung durch Stanley Kubricks Eyes Wide Shut (1999) ausgesucht. Es wird zunächst der Film in seiner historischen und kulturellen Dimension abgegrenzt, um folglich zu einer mediumspezifischen Unterscheidung zwischen der literarischen und filmischen Kunstform zu gelangen. Die Traumnovelle und Eyes Wide Shut werden hauptsächlich auf das Thema der Liebe in der ehelichen Beziehung untersucht, wobei im zweiten Teil der Analyse besonders auf die filmische Umsetzung eingegangen wird. Außerdem werden Schnitzler und Kubrick hinsichtlich ihrer Eigenschaften als Künstler und Lebensphilosophien vorgestellt. Ziel der Arbeit wird somit zu sehen, wie Kubrick das literarische Material adaptiert hat. Dabei sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede hervorgebracht werden. Schließlich werden die künstlerischen Eigenschaften und die Bedeutung des Films als neues Medium des 20. Jh.s angesprochen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einführung: Film und Literatur
3 Schnitzlers Traumnovelle und Kubricks Eyes Wide Shut
4 Arthur Schnitzler als Wissenschaftler und Schriftsteller
5 Die Traumnovelle als Sieg von Ethos über Eros
6 Stanley Kubrick: Genie und Perfektion
7 Von der Traumnovelle zu Eyes Wide Shut
8 Der Film als Kunstform
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit führt einen mediumanalytischen Vergleich zwischen Arthur Schnitzlers literarischem Werk "Traumnovelle" und Stanley Kubricks filmischer Adaption "Eyes Wide Shut" durch. Ziel ist es, die künstlerische Umsetzung des Stoffes zu untersuchen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung von Liebe und Eifersucht herauszuarbeiten und die Bedeutung des Films als eigenständiges Medium des 20. Jahrhunderts zu beleuchten.
- Vergleich zwischen Literatur und Film als Medium
- Analyse der Themen Liebe, Ehe und Eifersucht bei Schnitzler und Kubrick
- Gegenüberstellung von literarischer Vorlage und filmischer Adaption
- Untersuchung der Regie-Handschrift von Stanley Kubrick
- Reflektion über die Entwicklung des Films als Kunstform
Auszug aus dem Buch
Die Traumnovelle als Sieg von Ethos über Eros
Die Erzählung ist abgesehen von einigen Rückblenden linear aufgebaut, chronologisch erzählt und in sieben Kapiteln eingeteilt. Die Erzählerperspektive ist die des allwissenden Erzählers, der mit psychologisch orientierten Kommentaren das Handeln und Denken der Figuren begleitet. Sie wechselt jedoch oft schlagartig in die der Figuren, sodass die Erzählform die der erlebten Rede wird, um einen besseren Einblick in die Gedankenwelt der Personen zu erhalten:
Der Schnee in den Straßen war geschmolzen, links und rechts waren kleine schmutzig weiße Häuflein aufgeschichtet, die Gasflammen in den Laternen flackerten, von einer nahen Kirche schlug es elf. Fridolin beschloß, vor dem Schlafengehen noch eine halbe Stunde in einer stillen Kaffeehausecke nahe seiner Wohnung zu verbringen. [...] Auf einer Bank der Länge nach ausgestreckt, den Hut in die Stirn gedrückt, lag ein ziemlich zerlumpter Mensch. Wenn ich ihn aufweckte, dachte Fridolin, und ihm Geld für ein Nachtlager schenkte? Ach, was wäre damit getan, überlegte er weiter, dann müßte ich morgen auch für eines sorgen, sonst hätte es ja keinen Sinn, und am Ende würde ich noch sträflicher Beziehungen mit ihm verdächtigt. Und er beschleunigte seinen Schritt, wie um jeder Art von Verantwortung und Versuchung so rasch als möglich zu entfliehen. (Schnitzler 2000: 21).
Die Traumnovelle beginnt mit einem kleinen Mädchen, das an einem Eßtisch mit ihren Eltern sitzt und aus einem Märchenbuch vorliest, bis ihr plötzlich die Augen zufallen. Von der ersten Zeile an führt der Erzähler den Leser in eine Welt ein, in der sich die Wirklichkeit mit der Traumwelt durch die Abenteuer von Fridolin und Albertine überschneidet. Es wird eine vertraute Atmosphäre einer bürgerlichen Familie beschrieben, die eine sozial-sittliche Ordnung auszudrücken scheint:
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des mediumanalytischen Vergleichs zwischen der Traumnovelle und ihrer filmischen Adaption.
2 Einführung: Film und Literatur: Einordnung des Films als eigenständige Kunstform und Reflexion über die historische Beziehung zwischen Literatur und Film.
3 Schnitzlers Traumnovelle und Kubricks Eyes Wide Shut: Erläuterung der gemeinsamen Thematisierung des Spannungsverhältnisses zwischen Mann und Frau durch beide Autoren.
4 Arthur Schnitzler als Wissenschaftler und Schriftsteller: Analyse des Einflusses von Schnitzlers medizinischem Hintergrund und seiner Weltsicht auf seine literarische Arbeit.
5 Die Traumnovelle als Sieg von Ethos über Eros: Untersuchung der Themen Liebe, Treue und der Bedeutung der Träume sowie des Opfers in Schnitzlers Werk.
6 Stanley Kubrick: Genie und Perfektion: Porträt von Stanley Kubrick, seinem Arbeitsstil und seinem Verständnis von Wahrheit und künstlerischer Kontrolle.
7 Von der Traumnovelle zu Eyes Wide Shut: Analyse der filmischen Umsetzung, inklusive inhaltlicher Veränderungen und der Modernisierung des Schauplatzes.
8 Der Film als Kunstform: Fazit über das Verhältnis von Vorlage und Adaption sowie die Anerkennung des Films als innovatives Medium.
Schlüsselwörter
Traumnovelle, Eyes Wide Shut, Arthur Schnitzler, Stanley Kubrick, Literaturverfilmung, Medium, Adaption, Liebe, Eifersucht, Ethos, Eros, Traumwelt, Wirklichkeit, Filmkunst, Ehekrise
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht einen mediumanalytischen Vergleich zwischen Arthur Schnitzlers "Traumnovelle" und der filmischen Umsetzung durch Stanley Kubrick.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Liebe, Eifersucht, Ehe, der Konflikt zwischen Trieb und Moral sowie die Verschränkung von Traum und Wirklichkeit.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kubrick das literarische Material adaptiert hat, wo Gemeinsamkeiten und Unterschiede liegen und wie der Film als eigenständige Kunstform funktioniert.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin oder der Autor wendet eine mediumanalytische Vergleichsmethode an, um die literarische Vorlage und den Film als eigenständige ästhetische Werke zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu den Autoren Schnitzler und Kubrick, ihren Lebensphilosophien, der Bedeutung des Traummotivs sowie der konkreten filmischen Umsetzung des Stoffs.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Literaturverfilmung, Medium, Adaption, Ethos, Eros, Traum, Wirklichkeit und der künstlerische Perfektionismus von Stanley Kubrick.
Wie unterscheidet sich Kubricks Film inhaltlich von der literarischen Vorlage?
Kubrick verlegt den Schauplatz in das zeitgenössische New York, verändert die Zeitanlegung auf die Weihnachtszeit und nimmt Anpassungen an den Figuren und deren sozialen Hintergründen vor, um die Aktualität des Themas zu betonen.
Welche Bedeutung kommt dem Schlussdialog des Werkes zu?
Der Schlussdialog symbolisiert das wiedererlangte Vertrauen und die Auseinandersetzung mit der Wahrheit, wobei der Film im Gegensatz zum Buch eine Nuance durch das explizite "für immer" setzt.
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- MA Antonio Sisto (Author), 2004, Literaturverfilmung: Arthur Schnitzlers "Traumnovelle" und Stanley Kubricks "Eyes Wide Shut", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64816