Die Grundlagen meiner folgenden Ausführungen beschäftigen sich mit einer Netzwerkindustrie, bezugnehmend auf die Telekommunikationsbranche. Um umfangreiche Dienstleistungen in diesem Bereich anbieten zu können, müssen die einzelnen Firmen kooperieren. Jedoch nimmt jede Firma für sich ihre Kunden unter Vertrag. Sind die Netzwerke der Unternehmen für Konkurrenten zugänglich, impliziert dies, dass die Firmen sowohl im Betrieb als auch in der Preisbildung zusammenarbeiten müssen bzw. wollen um ihre Ergebnisse zu optimieren. In diesem Kontext spielt die regulierungspolitische Diskussion um Bill and Keep- Arrangements gegenwärtig eine vehemente Rolle. Bei diesem Abrechnungsverfahren bleiben die Netze zusammengeschaltet und tauschen Dienstleistungen aus. Diese Ströme werden aber nicht als Interconnectionleistung untereinander verrechnet, sondern die Netze vereinnahmen ein Ent-to-End-Entgelt direkt vom Telefonnutzer. Die Reformen in den US-amerikanischen und europäischen lokalen Telekommunikationsfestnetzen haben das Potential des Wettbewerbs zwischen Netzwerken besonders hervorgehoben. Schlüsselelement im Wettbewerb ist die Tatsache der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen den konkurrierenden Netzwerken. Die Kosten für die Bereitstellung von Gesprächen zwischen und möglicherweise sogar innerhalb eines Netzes, werden durch Preisabsprachen und der Vereinbarung einer Weiterleitungsgebühr für durchgestellte Telefonate der Netze beeinflusst. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Die Einleitung
2. Das Modell
3. Die gleichgewichtige Anschlussgebühr
4. Die Weiterleitungsgebühr
5. Die Schlussfolgerungen
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomischen Auswirkungen von Interconnection-Regulierungen in der Telekommunikationsbranche. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich unterschiedliche Weiterleitungsgebühren auf den Wettbewerb, die Anschlussgebühren der Konsumenten und die strategische Preisgestaltung der Netzbetreiber auswirken, insbesondere unter dem Aspekt kollusiver Ergebnisse bei Bill and Keep-Arrangements.
- Regulierung von Netzwerkindustrien
- Interconnection-Abrechnungsverfahren (Bill and Keep)
- Wettbewerb zwischen Telekommunikationsfestnetzen
- Einfluss von Weiterleitungsgebühren auf die Preisbildung
- Strategien zur Gewinnmaximierung unter Preisdiskriminierung
Auszug aus dem Buch
1. Die Einleitung
Die Grundlagen meiner folgenden Ausführungen beschäftigen sich mit einer Netzwerkindustrie, bezugnehmend auf die Telekommunikationsbranche. Um umfangreiche Dienstleistungen in diesem Bereich anbieten zu können, müssen die einzelnen Firmen kooperieren. Jedoch nimmt jede Firma für sich ihre Kunden unter Vertrag. Sind die Netzwerke der Unternehmen für Konkurrenten zugänglich, impliziert dies, dass die Firmen sowohl im Betrieb als auch in der Preisbildung zusammenarbeiten müssen bzw. wollen um ihre Ergebnisse zu optimieren. In diesem Kontext spielt die regulierungspolitische Diskussion um Bill and Keep- Arrangements gegenwärtig eine vehemente Rolle. Bei diesem Abrechnungsverfahren bleiben die Netze zusammengeschaltet und tauschen Dienstleistungen aus. Diese Ströme werden aber nicht als Interconnectionleistung untereinander verrechnet, sondern die Netze vereinnahmen ein Ent-to-End-Entgelt direkt vom Telefonnutzer.
Die Reformen in den US-amerikanischen und europäischen lokalen Telekommunikationsfestnetzen haben das Potential des Wettbewerbs zwischen Netzwerken besonders hervorgehoben. Schlüsselelement im Wettbewerb ist die Tatsache der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen den konkurrierenden Netzwerken. Die Kosten für die Bereitstellung von Gesprächen zwischen und möglicherweise sogar innerhalb eines Netzes, werden durch Preisabsprachen und der Vereinbarung einer Weiterleitungsgebühr für durchgestellte Telefonate der Netze beeinflusst. Dies beeinflusst die Effektivität des Wettbewerbs.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Netzwerkindustrie und die Bedeutung von Interconnection-Arrangements sowie die regulatorischen Herausforderungen des Wettbewerbs ein.
2. Das Modell: Hier wird der theoretische Modellaufbau definiert, der auf zwei Netzen mit identischer Technologie basiert, die um ein Kontinuum an Konsumenten konkurrieren.
3. Die gleichgewichtige Anschlussgebühr: Dieses Kapitel analysiert die simultane Festlegung der fixen Abonnementgebühren durch die Unternehmen als Nash-Gleichgewicht unter Berücksichtigung der Erträge aus weitergeleiteten Gesprächen.
4. Die Weiterleitungsgebühr: Die Untersuchung befasst sich mit den Auswirkungen unterschiedlicher Ansätze zur Festsetzung der Weiterleitungsgebühren auf Preise, Gewinne und Konsumentenwohlfahrt.
5. Die Schlussfolgerungen: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass niedrige Weiterleitungsgebühren den Wettbewerb aufweichen können und Bill and Keep-Arrangements als kollusive Instrumente fungieren können.
Schlüsselwörter
Telekommunikation, Netzwerkindustrie, Interconnection, Bill and Keep, Wettbewerb, Weiterleitungsgebühr, Preisdiskriminierung, Nash-Gleichgewicht, Anschlussgebühr, Netzbetreiber, Preisbildung, Konsumentenrente, Festnetz, Regulierungsökonomie, Marktanteile
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Anreize und Auswirkungen von Interconnection-Regelungen in der Telekommunikation, insbesondere die Auswirkungen von sogenannten Bill and Keep-Arrangements auf den Wettbewerb.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Regulierung von Telekommunikationsnetzen, die strategische Festsetzung von Weiterleitungsgebühren und deren Einfluss auf den Preiswettbewerb sowie die Wohlfahrt der Konsumenten.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Untersuchung zielt darauf ab zu klären, ob und wie die Aushandlung von Weiterleitungsgebühren zwischen konkurrierenden Netzbetreibern zu kollusiven Ergebnissen führen kann und welche Auswirkungen dies auf die Endkundenpreise hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet eine mikroökonomische Modellierung (modelltheoretische Analyse) eines Duopols, basierend auf dem Ansatz von Laffont, Rey und Tirole, um Nash-Gleichgewichte abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst den Modellaufbau, die Herleitung gleichgewichtiger Anschlussgebühren sowie die Analyse von Weiterleitungsgebühren unter verschiedenen strategischen Prämissen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Interconnection, Bill and Keep, Netzwerkwettbewerb, Preisdiskriminierung und Nash-Gleichgewicht sind die prägenden Begriffe.
Welche Rolle spielt das "Bill and Keep"-Arrangement in der Argumentation?
Der Autor argumentiert, dass solche Arrangements als Instrumente zur Reduzierung des Wettbewerbsdrucks dienen können, indem sie die Anreize zur aggressiven Neukundengewinnung senken.
Was ist das Hauptergebnis bezüglich der Weiterleitungsgebühren?
Es wird demonstriert, dass Netzbetreiber unter bestimmten Bedingungen Anreize haben, Weiterleitungsgebühren unterhalb der Grenzkosten auszuhandeln, um den Preiswettbewerb aufzuweichen und so die Gewinne zu steigern.
- Quote paper
- Diplom-Volkswirt Manuel Würtz (Author), 2006, Interconnection: Bill and Keep?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64862