Die Mehrwertsteuer (MWSt) ist für die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU)eine der wichtigsten Einnahmequellen. In Deutschland z.B. machte die Mehrwertsteuer 2000 ca. 30 Prozent der Staatseinnahmen aus. (Gebauer u.a., 2002, S. 1)
In dieser Seminararbeit soll das bestehende Mehrwertsteuer-Übergangssystem und verschiedene Alternativen für eine endgültige Mehrwertsteuerreform in der Europäischen Union beschrieben werden. Weiterhin werden die Vor- und Nachteile der verschiedenen Mehrwertsteuervorschläge beleuchtet und ihr Harmonisierungsbedarf für die EU-Mitgliedsländer diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mehrwertsteuer - der Begriff
2.1. Die Bedeutung der Mehrwertsteuer
2.2. Die Geschichte der Mehrwertsteuer
3. Das Übergangssystem und der 1996er Vorschlag
4. Reformmodelle
4.1. Harmonisierung und Bereinigungsbedarf
4.2. Anforderungen an ein Mehrwertsteuersystem
5. Die Vorschläge für ein endgültiges Mehrwertsteuersystem
5.1. VIVAT
5.2. dual VAT
5.3. CVAT
5.4. Vanistendael’ s Vorschlag
6. Koordinationsbedarf der alternativen Mehrwertsteuersysteme
6.1. kritische Betrachtung der Vorschläge
7. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Seminararbeit ist die Analyse und Beschreibung des bestehenden Mehrwertsteuer-Übergangssystems in der Europäischen Union sowie die Untersuchung verschiedener Reformalternativen für ein endgültiges Mehrwertsteuersystem. Dabei werden insbesondere die Vor- und Nachteile sowie der jeweilige Harmonisierungsbedarf für die Mitgliedsstaaten kritisch beleuchtet.
- Analyse des EU-Mehrwertsteuer-Übergangssystems
- Charakterisierung von Reformmodellen (VIVAT, dual VAT, CVAT)
- Bewertung der Anforderungen an ein endgültiges Mehrwertsteuersystem
- Vergleich des Koordinationsbedarfs der verschiedenen Ansätze
- Diskussion der Steuerautonomie versus Binnenmarktziele
Auszug aus dem Buch
5.1. VIVAT
Michael Keen und Stephen Smith schlagen eine Zwei-Ebenen-Mehrwertsteuerstruktur vor, die sie VIVAT nennen. VIVAT steht für viable integratet VAT (funktionsfähige integrierte Mehrwertsteuer). Die erste der zwei Ebenen ist eine „Euro-Mehrwertsteuer“. Diese Euro-Mehrwertsteuer ist durch einen EU-weit harmonisierten Mehrwertsteuersatz gekennzeichnet und wird für alle steuerpflichtigen Transaktionen zwischen registrierten Unternehmen der EU-Mitgliedsstaaten verwendet. Die registrierten Unternehmen können eine Mehrwertsteuererstattung der Euro-Mehrwertsteuer auf innergemeinschaftlichen Erwerb beanspruchen. Da die Mehrwertsteuer für innergemeinschaftliche Lieferungen im Ursprungsland erhoben, das dementsprechende Mehrwertsteuerguthaben aber im Bestimmungsland gewährt wird, ist ein Bereinigungsmechanismus erforderlich, um die Mehrwertsteuereinnahmen von Mitgliedsstaaten mit einem Rechnungsüberschuss zu Mitgliedsstaaten mit einem gegenwärtigen Rechnungsdefizit umzuverteilen. Somit müssen die Mehrwertsteuereinnahmen an eine übernationale Behörde transferiert werden, die dann die Gutschriftansprüche der registrierten Unternehmen bearbeitet.
Da der Mehrwertsteuersatz in der gesamten Europäischen Union derselbe ist, ist ein multilateraler Bereinigungsmechanismus ausreichend, um die Lücke der Mehrwertsteuereinnahmen, die durch die Differenz der innergemeinschaftlichen Lieferungen und der innergemeinschaftlichen Erwerbe jedes Mitgliedsstaates zu schließen.
Die zweite Ebene ist eine nationale Einzelhandelsverkaufssteuer, die auf alle Verkäufe an Endkonsumenten und nicht registrierte Unternehmen erhoben wird. Diese Einzelhandelsverkaufssteuer liegt im Ermessen jedes Mitgliedsstaates und wird durch die nationalen Steuerbehörden verwaltet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Bedeutung der Mehrwertsteuer als Einnahmequelle für die EU-Staaten und führt in die Thematik der notwendigen Reform des Übergangssystems ein.
2. Mehrwertsteuer - der Begriff: Das Kapitel definiert den Begriff der Mehrwertsteuer, erläutert deren wirtschaftliche Wirkung als Allphasen-Umsatzsteuer und beschreibt die historische Entwicklung innerhalb Europas.
3. Das Übergangssystem und der 1996er Vorschlag: Hier wird das seit 1993 bestehende Übergangssystem analysiert sowie die Kritik der Kommission daran und der daraus folgende Reformvorschlag von 1996 erläutert.
4. Reformmodelle: Dieses Kapitel thematisiert das Dilemma zwischen Steuerautonomie und Binnenmarktzielen und untersucht den Harmonisierungs- sowie Bereinigungsbedarf bei verschiedenen Reformansätzen.
5. Die Vorschläge für ein endgültiges Mehrwertsteuersystem: Es erfolgt eine detaillierte Vorstellung und Prüfung der vier Konzepte VIVAT, dual VAT, CVAT und der Ansatz von Vanistendael.
6. Koordinationsbedarf der alternativen Mehrwertsteuersysteme: Der Fokus liegt hier auf dem notwendigen Harmonisierungsgrad der Kontrollmechanismen und dem Vergleich der verschiedenen Systemalternativen hinsichtlich ihrer Koordinationsanforderungen.
7. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die Problematik zusammen und bewertet die Reformdebatte im Lichte der wirtschaftlichen Machbarkeit sowie der laufenden Entwicklungen seit dem Jahr 2000.
Schlüsselwörter
Mehrwertsteuer, EU-Binnenmarkt, VIVAT, dual VAT, CVAT, Steuerharmonisierung, Bestimmungslandprinzip, Ursprungslandprinzip, Steuerautonomie, Mehrwertsteuerkette, Bereinigungsmechanismus, Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, Steuerverwaltung, Einnahmenverteilung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit behandelt die Reform der Mehrwertsteuersysteme innerhalb der Europäischen Union mit dem Ziel, ein endgültiges System zu finden, das den Anforderungen eines echten Binnenmarktes gerecht wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Analyse des bestehenden Übergangssystems, der Zielkonflikt zwischen nationaler Steuerautonomie und Binnenmarktzielen sowie der Vergleich verschiedener theoretischer Mehrwertsteuer-Reformkonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Vor- und Nachteile sowie den Harmonisierungsbedarf verschiedener Vorschläge wie VIVAT, dual VAT und CVAT zu untersuchen, um deren Eignung für die EU zu beurteilen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle wissenschaftliche Debatten und existierende Vorschläge zur Reform der europäischen Mehrwertsteuer gegenübergestellt und kritisch gewürdigt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition der Mehrwertsteuer, der Kritik am bestehenden Übergangssystem, der detaillierten Vorstellung von vier spezifischen Reformmodellen und einer vergleichenden Analyse des Koordinationsbedarfs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Mehrwertsteuer, Steuerharmonisierung, VIVAT, dual VAT, CVAT und Steuerautonomie.
Warum wird das VIVAT-System in der Literatur häufig diskutiert?
VIVAT wird als Modell hervorgehoben, da es eine zweistufige Struktur bietet, die nationale Steuerautonomie mit den Zielen eines Binnenmarktes zu verbinden sucht, obwohl es bisher nicht praxiserprobt ist.
Was ist die Hauptkritik am bestehenden Übergangssystem?
Die Kommission kritisiert vor allem die Ungleichmäßigkeit der Besteuerung von grenzüberschreitenden gegenüber einheimischen Transaktionen sowie die Anfälligkeit der Mehrwertsteuerkette für Betrug.
Was bedeutet das Prinzip der "home-state-taxation" im Kontext der Vorschläge?
Dieses Prinzip der Heimatort-Besteuerung sieht vor, dass die Mehrwertsteuer am Standort der Betriebsstätte erhoben wird, um eine Nullbewertung bei innergemeinschaftlichen Verkäufen zu vermeiden und den Bruch in der Mehrwertsteuerkette zu schließen.
- Quote paper
- Nicola Claaßen (Author), 2005, Mehrwertsteuer-Reformmodelle für die EU, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64976