Huntingtons dritte Demokratisierungswelle - Eine kritische Darstellung


Referat (Ausarbeitung), 2006
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1.0 EINLEITUNG

2.0 ZUM BEGRIFF DER DEMOKRATIE BEI HUNTINGTON

3.0 DIE 1.UND DIE 2. WELLE
3.1 DIE 1. WELLE
3.2 DIE 1. RÜCKWELLE
3.3 DIE 2. WELLE
3.4 DIE 2. RÜCKWELLE

4.0 DIE 3. DEMOKRATISIERUNGSWELLE
4.1 ZEITLICHER RAHMEN („WHEN?“)
4.2 URSACHEN FÜR DIE DRITTE WELLE („WHY?“)
4.2.1 LEGITIMATIONS- UND LEISTUNGSKRISEN
4.2.2 WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG UND WIRTSCHAFTSKRISEN
4.2.3 EINFLUSS DER RELIGION AUF DIE DEMOKRATISIERUNG
4.2.4 AUßENSTEHENDE AKTEURE
4.2.5 SCHNEEBÄLLE UND ÄHNLICHES
4.3 DER DEMOKRATISIERUNGSPROZESS („HOW?“)
4.3.1 TYPEN AUTORITÄRER REGIME
4.3.2 DREI ARTEN DER DEMOKRATISIERUNG

5.0 KRITIK AN HUNTINGTONS THEORIE DER DEMOKRATISIERUNG
5.1 ZU HUNTINGTONS BEGRIFF DER DEMOKRATIE
5.2 ZU DEN URSACHEN („WHY NOT“)
5.2.1 LEGITIMATIONS- UND LEISTUNGSKRISEN
5.2.2 WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG UND WIRTSCHAFTSKRISEN
5.2.3 RELIGIÖSE VERÄNDERUNG
5.2.4 AUßENSTEHENDE AKTEURE
5.2.5 SCHNEEBÄLLE UND ÄHNLICHES

6.0 FAZIT

7.0 LITERATURVERZEICHNIS

8.0 VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN

1.0 Einleitung

In der hier vorgelegten Arbeit soll die Theorie des US-Amerikanischen Politologen Samuel P. Huntington zum Demokratisierungs- und Transformationsprozess (Huntington 1991) dargestellt und kritisch hinterfragt werden.

Zunächst einmal soll es nach einer kurzen Definition des Begriffs Demokratie um die von Huntington beobachteten ersten beiden Wellen gehen, bevor die Analyse der dritten Welle beginnt, die auch Hauptthema dieser Ausarbeitung ist. Die Gliederung entspricht, was die Darstellung der Theorie betrifft, die von Huntington. Zum einen wird dann ein Abgleich mit dem Originalwerk einfacher, zum anderen wird die Argumentationslinie an dieser Stelle bei- behalten. Im weiteren Verlauf wird diese Gliederung erneut aufgegriffen, diesmal jedoch um Huntingtons Theorie schrittweise zu hinterfragen und in Teilen zu kritisieren.

In einem Fazit soll dann abschließend die Fragestellung dieser Arbeit beantwortet werden, die lautet: Ist Huntingtons Demokratisierungstheorie richtig und wenn nicht, an welchen Stellen weißt seine Theorie Fehler auf?

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass der Autor alleine aus Platzgründen gar nicht auf die von Huntington im dem Werk (Huntington 1991) beschriebenen Charakteristika der Demokratien dieser dritten Welle, die Hypothesen über Dauer dieser Demokratien, die Perspektiven oder auf eine mögliche „reverse wave“ wie bei den ersten beiden Wellen beobachtet, eingehen. Diese Einschränkung hat jedoch noch einen anderen Grund. Der Autor sieht schon in den Grundannahmen Huntingtons (als dem „what, why and how?“) Probleme und Fehler, von daher muss hier erstmal begonnen werden.

2.0 Zum Begriff der Demokratie bei Huntington

Wie zu erwarten findet sich in der Politikwissenschaft auch bei dem Wort Demokratie keine allgemeine oder gar umfassende Definition. Dafür ist der Begriff der Demokratie auch zu komplex und zu vielschichtig. Zunächst einmal soll an dieser Stelle Huntingtons Definition erläutert werden. Huntington verwendet eine an Schumpeter angelehnte Demokratiedefinition. Eine wie er es nennt - Prozedurahle - Definition, denn:

„ The central procedure of democracy is the selection of leaders through competitive electi ons by the peoply they govern. “ (Huntington 1991: 6)

Demokratie hier also lediglich als Methode zur Auswahl von Regierungsmitgliedern. Diese Definition wird in Teil fünf der Ausarbeitung erneut aufgegriffen.

3.0 Die 1.und die 2. Welle

An dieser Stelle soll kurz auf die von Huntington beschriebenen ersten beiden Wellen eingegangen werden.

3.1 Die 1. Welle

Huntington definiert die 1. Welle für den Zeitraum 1828 - 1926 und definiert sie somit als lange Welle. Die Wurzeln liegen in der Amerikanischen und Französischen Revolution, jedoch ist das entstehen der Nationaldemokratien definitiv dem 19. Jahrhundert zuzuordnen. Der Zeitpunkt 1828 erklärt Huntington wie folgt. Jonathan Sunshines Kriterien sehr locker folgend, lässt sich die US-Amerikanische Präsidentschaftswahl von 1828 als Demokratisch bezeichnen, denn: Wähler sind 50% der Männer und es existiert eine Exekutive welche entweder eine Mehrheit in einem gewählten Parlament haben muss oder in regelmäßig stattfindenden Wahlen gewählt werden. (Huntington 1991: 16)

An dieser Stelle muss schon einmal Huntingtons Darstellung hinterfragt werden. Es wird deutlich dass Huntington hier einen - aus heutiger Sicht - extrem eingeschränkten Demokra- tiebegriff wählt. Es stellt sich sogar die Frage, ob hier überhaupt von Demokratie gesprochen werden kann.

Zu den Ländern der 1. Welle gehören laut Huntington neben den USA auch die Schweiz, die britischen Überseegebiete, Frankreich, Großbritannien, mehrere kleinere europäische Länder sowie einige andere. (Huntington 1991: 17).

3.2 Die 1. Rückwelle

In den 1920er und 1930er Jahren beobachtet man dann eine Abkehr von der Demokratie und eine Rückkehr zu totalitären auf Massen basierenden System oder aber zu alten autoritären Systemen. (Huntington 1991: 17)

3.3 Die 2. Welle

Die zweite Welle wird zeitlich auf 1943-1962 datiert und kann somit als kurze Welle klassifiziert werden. Vor allem durch die Alliierten, so Huntingtons These, sei diese Welle hervorgerufen. Zu den Ländern dieser Welle gehören Westdeutschland, Italien, Österreich, Japan und Korea sowie Türkei, Griechenland, sowie eine Vielzahl von Lateinamerikanischen Ländern (Huntington 1991: 18 - 19)

3.4 Die 2. Rückwelle

Anfang der 1960er Jahre hatte sich die 2. Welle erschöpft und schon ende der 1950er Jahre begann ein Rückschritt zu autoritären Regimen, Vor allem in Lateinamerika (Peru, Brasilien und Bolivien, Argentinien, Ecuador, Uruguay und Chile) kamen Militärregierung an die Macht die den Typus des „bürokratischen Autoritarimus“ entwickelten. Auch in asiatischen Ländern kamen Militärdiktaturen an die Macht und auch in Griechenland sowie in Afrika kam es zu einer rückwärts gehenden Entwicklung hin zu autoritären Regimen.

4.0 Die 3. Demokratisierungswelle

Im folgenden Teil wird Huntingtons 3. Demokratisierungswelle detailliert dargestellt. Ein Schwerpunkt liegt hier auf die von Huntington genannten Gründe für diese Welle („Why?“) und auf dem Transformationsprozess („How?“).

4.1 Zeitlicher Rahmen(„When?“)

Der Beginn der dritten Welle wird von Huntington mit dem Ende der portugiesischen Diktatur 1974 festgelegt. In der Zeit bis 1989 „[...], democratic regimes replaced authoritarian ones in approximatley thirty countries in Europe, Asia, and Latin America. In other countries, considerable liberalization occured in authoritarian regimes. In still others, movement promoting democracy gained strength and legitimacy. “ (Huntington 1991: 21) Diese Welle manifestierte sich, so Huntington, als erstes in Südeuropa und er beobachtet: „[...] the movement toward democracy seemed to take on the charakter of an almost irre sistible global tide moving on from one triumph to the next. “ (ebenda)

4.2 Ursachen für die dritte Welle ( „ Why? “ )

In diesem Abschnitt soll es um die verschiedenen Ursachen dieser dritten Welle gehen, an ihnen wird auch später ein Teil der Kritik an Huntingtons Theorie festgemacht.

4.2.1 Legitimations- und Leistungskrisen

Schon Rousseau stellte fest, dass der stärkste nie stark genug sein wird um immer der Herr- scher zu bleiben, es sein Stärke wird in Recht und Gehorsam in Pflicht umgewandelt. So wa- ren in vormodernen Gesellschaften Religion oder Traditionen häufig die Quelle von Legiti- mation (Huntington 1991: 46). Die Legitimationsprobleme mit denen autoritäre Regime des 20. Jahrhunderts zu kämpfen hatten, so stellt Huntington fest, so vielfältig wie die Regimetypen. Gemeinsam war ihnen allen jedoch, das die Legitimität dieser Regime abnahm, weil die Bevölkerung durch nicht eingehaltene Versprechen frustriert war (ebenda). Ein Hauptgrund für die Legitimations- und Leistungskrisen war in vielen Ländern ökonomische Probleme, teils hervorgerufen durch externe Ereignisse wie die Ölkrise Anfang der 1970er Jahre, teils durch schwache Volkswirtschaften. Zu diesen Ländern gehörten z.B. die Philippinen oder Griechenland Ein weiterer wichtiger Grund waren Probleme mit dem Militär, so geschehen auf den Philippinen, Portugal, Griechenland oder Argentinien. (ebenda) Welche Möglichkeiten hatten die autoritären Regime gegen diese Krisen anzukämpfen? Huntington zählt fünf Wege auf, um diesen Krisen zu begegnen.

Erstens könnten sie die Krise schlichtweg ignorieren, in der Hoffnung dass sich die Situation verbessern würde und sie an der Macht bleiben würden.

Zweitens, könnten sie ihre Bevölkerung noch mehr unterdrücken, Rousseau umkehrend also Pflicht in Gehorsam wandeln.

Drittens gäbe es laut Huntington die Möglichkeit einen Krieg nach außen zu beginnen, verbunden mit der Hoffnung ein dadurch evtl. entstehender Nationalismus würde Legitimität wieder herstellen.

Viertens könnten sie versprechen, dass sobald die Krise vorbei sei, eine Demokratisierung stattfinden würde und sie somit eine künstliche demokratische Legitimität für ihre Herrschaft produziert würden.

Der fünfte Weg wäre, den Weg zum Ende des autoritären Regimes zu beginnen und ein demokratisches System einzuführen. (Huntington 1991: 55-57)

4.2.2 Wirtschaftliche Entwicklung und Wirtschaftskrisen

Huntington stellt klar, dass es zwar keinen direkten Zusammenhang zwischen einem höheren wirtschaftlichen Entwicklungsstand gibt, allerdings einen mittelbaren, der in der nachfolgenden Grafik deutlich wird (siehe nächste Seite):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ecomomic Development as a Factor in Democratization (Huntington 1991: Figure 2.1; 69)

Zunächst einmal stellt Huntington fest:

An overall correlation exists between the level of economic development and decmocracy yet no level or pattern of economic development is in itself either necessary or sufficient to bring about democratization. “ (Huntington 1991: 59)

Es lassen sich drei ökonomische Faktoren feststellen, die auf die dritte Welle einwirkten. Erstens der schon genannte drastische Ölpreisanstieg, zweitens gab es Anfang der 1970er viele Länder, die ein Demokratieförderndes Wirtschaftliches Niveau erreicht hatten und drit- tens destabilisierte drastischer Wachstum die autoritären Regime einiger Länder. Diese Fakto- ren waren die wirtschaftliche Basis für die Demokratisierung der 1970er und 1908er Jahre (ebenda).

Huntington stellt anhand vom Bruttoinlandsprodukt pro Kopf fest, das als arm klassifizierte Länder zumeist nicht-demokratisch und als reich klassifizierte Länder meist demokratisch sind. Die Klassifikation wurde von der Weltbank anhand des Bruttoinlandsprodukt (BIP) /Kopf festgestellt.1 Es gibt zwischen diesen beiden Gruppen allerdings noch eine Zwischen-

[...]


1 Zu den „armen“ Ländern gehörten unter anderem Äthiopien (130 US$ BIP/Kopf) und Liberia (450 US$ BIP/Kopf). Zu den „reichen“ gehörten unter anderem Spanien (6,010 US$ BIP/Kopf) und die Schweiz (21,330 US$ BIP/Kopf) (Siehe Huntington 1991: 60)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Huntingtons dritte Demokratisierungswelle - Eine kritische Darstellung
Hochschule
Universität Osnabrück  (Fachbereich Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Globalisierung und Transformationsgesellschaften II
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V65260
ISBN (eBook)
9783638578738
ISBN (Buch)
9783640262878
Dateigröße
1691 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Huntingtons, Demokratisierungswelle, Eine, Darstellung, Globalisierung, Transformationsgesellschaften
Arbeit zitieren
B.A. Sassan Gholiagha (Autor), 2006, Huntingtons dritte Demokratisierungswelle - Eine kritische Darstellung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65260

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