In der hier vorgelegten Arbeit soll die Theorie des US-Amerikanischen Politologen Samuel P.
Huntington zum Demokratisierungs- und Transformationsprozess (Huntington 1991) dargestellt
und kritisch hinterfragt werden.
Zunächst einmal soll es nach einer kurzen Definition des Begriffs Demokratie um die von
Huntington beobachteten ersten beiden Wellen gehen, bevor die Analyse der dritten Welle
beginnt, die auch Hauptthema dieser Ausarbeitung ist. Die Gliederung entspricht, was die
Darstellung der Theorie betrifft, die von Huntington. Zum einen wird dann ein Abgleich mit
dem Originalwerk einfacher, zum anderen wird die Argumentationslinie an dieser Stelle beibehalten.
Im weiteren Verlauf wird diese Gliederung erneut aufgegriffen, diesmal jedoch um
Huntingtons Theorie schrittweise zu hinterfragen und in Teilen zu kritisieren.
In einem Fazit soll dann abschließend die Fragestellung dieser Arbeit beantwortet werden, die
lautet: Ist Huntingtons Demokratisierungstheorie richtig und wenn nicht, an welchen Stellen
weißt seine Theorie Fehler auf?
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass der Autor alleine aus Platzgründen gar nicht auf
die von Huntington im dem Werk (Huntington 1991) beschriebenen Charakteristika der Demokratien
dieser dritten Welle, die Hypothesen über Dauer dieser Demokratien, die Perspektiven
oder auf eine mögliche „reverse wave“ wie bei den ersten beiden Wellen beobachtet,
eingehen. Diese Einschränkung hat jedoch noch einen anderen Grund. Der Autor sieht schon
in den Grundannahmen Huntingtons (als dem „what, why and how?“) Probleme und Fehler,
von daher muss hier erstmal begonnen werden.
Inhaltsverzeichnis
1.0 EINLEITUNG
2.0 ZUM BEGRIFF DER DEMOKRATIE BEI HUNTINGTON
3.0 DIE 1.UND DIE 2. WELLE
3.1 DIE 1. WELLE
3.2 DIE 1. RÜCKWELLE
3.3 DIE 2. WELLE
3.4 DIE 2. RÜCKWELLE
4.0 DIE 3. DEMOKRATISIERUNGSWELLE
4.1 ZEITLICHER RAHMEN („WHEN?“)
4.2 URSACHEN FÜR DIE DRITTE WELLE („WHY?“)
4.2.1 LEGITIMATIONS- UND LEISTUNGSKRISEN
4.2.2 WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG UND WIRTSCHAFTSKRISEN
4.2.3 EINFLUSS DER RELIGION AUF DIE DEMOKRATISIERUNG
4.2.4 AUßENSTEHENDE AKTEURE
4.2.5 SCHNEEBÄLLE UND ÄHNLICHES
4.3 DER DEMOKRATISIERUNGSPROZESS („HOW?“)
4.3.1 TYPEN AUTORITÄRER REGIME
4.3.2 DREI ARTEN DER DEMOKRATISIERUNG
5.0 KRITIK AN HUNTINGTONS THEORIE DER DEMOKRATISIERUNG
5.1 ZU HUNTINGTONS BEGRIFF DER DEMOKRATIE
5.2 ZU DEN URSACHEN („WHY NOT“)
5.2.1 LEGITIMATIONS- UND LEISTUNGSKRISEN
5.2.2 WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG UND WIRTSCHAFTSKRISEN
5.2.3 RELIGIÖSE VERÄNDERUNG
5.2.4 AUßENSTEHENDE AKTEURE
5.2.5 SCHNEEBÄLLE UND ÄHNLICHES
6.0 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Samuel P. Huntingtons Theorie zum Demokratisierungs- und Transformationsprozess darzustellen und einer kritischen wissenschaftlichen Hinterfragung zu unterziehen, um deren Validität und Schwachstellen aufzuzeigen.
- Darstellung der ersten beiden Demokratisierungswellen nach Huntington
- Analyse der Ursachen und Prozesse der dritten Demokratisierungswelle
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Demokratiebegriff bei Huntington
- Überprüfung der Erklärungsansätze zu Legitimationskrisen, wirtschaftlicher Entwicklung und Religion
- Reflektion über die Rolle externer Akteure und Demonstrationseffekte
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Legitimations- und Leistungskrisen
Schon Rousseau stellte fest, dass der stärkste nie stark genug sein wird um immer der Herrscher zu bleiben, es sein Stärke wird in Recht und Gehorsam in Pflicht umgewandelt. So waren in vormodernen Gesellschaften Religion oder Traditionen häufig die Quelle von Legitimation (Huntington 1991: 46). Die Legitimationsprobleme mit denen autoritäre Regime des 20. Jahrhunderts zu kämpfen hatten, so stellt Huntington fest, so vielfältig wie die Regimetypen. Gemeinsam war ihnen allen jedoch, das die Legitimität dieser Regime abnahm, weil die Bevölkerung durch nicht eingehaltene Versprechen frustriert war (ebenda).
Ein Hauptgrund für die Legitimations- und Leistungskrisen war in vielen Ländern ökonomische Probleme, teils hervorgerufen durch externe Ereignisse wie die Ölkrise Anfang der 1970er Jahre, teils durch schwache Volkswirtschaften. Zu diesen Ländern gehörten z.B. die Philippinen oder Griechenland Ein weiterer wichtiger Grund waren Probleme mit dem Militär, so geschehen auf den Philippinen, Portugal, Griechenland oder Argentinien. (ebenda)
Welche Möglichkeiten hatten die autoritären Regime gegen diese Krisen anzukämpfen? Huntington zählt fünf Wege auf, um diesen Krisen zu begegnen.
Erstens könnten sie die Krise schlichtweg ignorieren, in der Hoffnung dass sich die Situation verbessern würde und sie an der Macht bleiben würden.
Zweitens, könnten sie ihre Bevölkerung noch mehr unterdrücken, Rousseau umkehrend also Pflicht in Gehorsam wandeln.
Drittens gäbe es laut Huntington die Möglichkeit einen Krieg nach außen zu beginnen, verbunden mit der Hoffnung ein dadurch evtl. entstehender Nationalismus würde Legitimität wieder herstellen.
Viertens könnten sie versprechen, dass sobald die Krise vorbei sei, eine Demokratisierung stattfinden würde und sie somit eine künstliche demokratische Legitimität für ihre Herrschaft produziert würden.
Der fünfte Weg wäre, den Weg zum Ende des autoritären Regimes zu beginnen und ein demokratisches System einzuführen. (Huntington 1991: 55-57)
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 EINLEITUNG: Einführung in das Thema, die Fragestellung und der methodische Ansatz, Huntingtons Theorie kritisch zu hinterfragen.
2.0 ZUM BEGRIFF DER DEMOKRATIE BEI HUNTINGTON: Erläuterung von Huntingtons prozeduraler Demokratiedefinition, die sich an Schumpeter orientiert.
3.0 DIE 1.UND DIE 2. WELLE: Kurze historische Einordnung der ersten beiden Wellen und der jeweiligen Rückwellen.
4.0 DIE 3. DEMOKRATISIERUNGSWELLE: Detaillierte Darstellung der dritten Welle, ihrer Ursachen, Akteure und Transformationsprozesse.
5.0 KRITIK AN HUNTINGTONS THEORIE DER DEMOKRATISIERUNG: Kritische Analyse von Huntingtons Demokratiebegriff und der von ihm postulierten Kausalfaktoren.
6.0 FAZIT: Zusammenfassende Bewertung von Huntingtons Ansatz und dessen Stärken sowie Schwächen in der Transformationsforschung.
Schlüsselwörter
Huntington, Demokratisierung, Demokratisierungswelle, Transformation, Autoritarismus, Legitimation, Wirtschaftskrise, Politische Kultur, Transplacement, Replacement, Politische Transformation, Demokratietheorie, Transformationsforschung, Liberalisierung, Regimewechsel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die Demokratisierungstheorie von Samuel P. Huntington, insbesondere seinen Ansatz zur dritten Demokratisierungswelle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt die Definition von Demokratie, die historische Einordnung der Demokratisierungswellen sowie die Ursachen und den Prozess der dritten Welle ab.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob Huntingtons Demokratisierungstheorie korrekt ist und an welchen Punkten sie wissenschaftliche Fehler oder Defizite aufweist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor wendet eine kritische Analyse des Originalwerks von Huntington an, indem er dessen Argumentationsstruktur nachvollzieht und anhand theoretischer sowie empirischer Gegenbeispiele hinterfragt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Wellen, die Ursachen (Legitimation, Wirtschaft, Religion, externe Akteure) und die Arten des Demokratisierungsprozesses (Transformation, Replacement, Transplacement) detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Demokratisierung, Huntington, autoritäre Regime, Legitimation und Transformationsprozesse.
Inwiefern kritisiert der Autor Huntingtons Demokratiebegriff?
Der Autor bemängelt, dass Huntingtons prozeduraler Begriff – Demokratie als bloße Methode der Auswahl von Regierenden – den wesentlichen Aspekt der aktiven Bürgerbeteiligung vernachlässigt.
Welche Rolle spielen externe Akteure laut der Analyse?
Der Autor kritisiert, dass Huntington das Engagement externer Akteure einseitig positiv darstellt und dabei Eingriffe wie den Sturz demokratisch gewählter Regierungen durch die USA ignoriert.
- Citation du texte
- B.A. Sassan Gholiagha (Auteur), 2006, Huntingtons dritte Demokratisierungswelle - Eine kritische Darstellung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65260