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Gottfrieds Tristan und die Musik

Titre: Gottfrieds Tristan und die Musik

Exposé (Elaboration) , 2006 , 8 Pages

Autor:in: Dr. phil. Daria Hagemeister (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Ancienne, Littérature Médiévale
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Das, was wir heute über die mittelalterlichen Spielleute wissen, stammt meist von schreibenden Mönchen. Unser Mittelalterbild ist durch die Augen der Kirche gefiltert. Doch was sagen die „elenden“ selbst dazu? Wir wissen darüber nichts, denn sie haben nicht geschrieben. Auch Tristan gehört zu den „elenden“. Mit 14 Jahren wird er von fahrenden Kaufleuten geraubt, weil sie an seinem Saitenspiel und seiner Schachkunst Gefallen gefunden hatten. Doch dann wird er aus Angst vor Gottes Strafe von ihnen in einem fremden Land einfach ausgesetzt. Nun tritt Tristan als Kulturbringer auf. Beim Einzug in die Burg Tintajol lässt er sich ein Horn geben und erstaunt die Menge mit fremdartigen Klängen. In dieser Szene wird deutlich, womit man bei Hofe beeindrucken kann: mit Jagdkünsten, Musikalität, Redekunst und natürlich mit dem Aussehen. Um 1200 beginnt die weltliche Oberschicht, die „potentes“, die Sänger und Dichter zu schreiben. Für Guido von Arezzo, der etwa um 1050 die Notenschrift erfunden hat, waren die Spielleute minderwertig, da sie die Sprache und Schrift der Gelehrten nicht beherrschten. Doch vielleicht wussten sie, die Zusammenspieler, viel mehr über Musik als die Zusammenleser. Auch für den höfischen Spielmann Tristan war die Musik nicht gelesen, sondern er spielt seine Noten nach dem Ohr, doch kommt es im „Tristan“ erstmalig zu der Verbindung von Buch und Spiel. Auch wird das erste Mal in der deutschsprachigen Literatur die Musik in einem derartigen Ausmaß thematisiert. Der Detailreichtum lässt auf Gottfrieds eigene musikalische Ausbildung schließen. Und wenn Tristan in den Versen 19188–19218 mit seiner Musik um Isolde Weißhand wirbt, dann wird er hier explizit als Komponist ausgewiesen. In den Versen 3591 – 3600 wird direkt auf die Rezeption der Musik Bezug genommen und auf ihre Wirkung auf die Zuhörer hingewiesen. In Gottfrieds „Tristan“ wird Musik ganz gezielt eingesetzt, um Beziehungen anzubahnen, um bei Hof und anderen Menschen Eindruck zu machen und um sich einzuschmeicheln. Tristan wirbt für sich selbst und seine Kultur, die er an das andere Volk weitergibt. In der Liebesgrotte musizieren die Liebenden dann mit der größten Hingabe und Ausdauer, welches „spil“ wegen der Zweideutigkeit des Ausdrucks auch als Liebesspiel verstanden werden kann. Die Musik und die Ausgiebigkeit, mit der sich das Paar der Musik widmet, werden so zum Gradmesser ihrer Innerlichkeit und damit auch zum Ausdruck ihrer Liebe.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. „Gottfried’s Tristan und die Musik“

1.1 Der Tristanstoff als Antithese zur Artussage

1.2 Realhistorische Wurzeln und Etymologie

1.3 Die Symbolik des Tristan

1.4 Emotionen und die Rolle der Minne

1.5 Tristan als Verkörperung des Hermes

1.6 Der Sänger Tristan und das Phänomen Macht

1.7 Die Vaterfiguren und die Bedeutung der „Vaterlosigkeit“

1.8 Die Stellung des Mutterbruders (Avunkulat)

1.9 Konflikte und Heilung im Kontext irischer Kontakte

1.10 Musik als Ausdruck von Emotionen und Liebesbeziehung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit analysiert die zentrale Rolle der Musik sowie die zugrunde liegenden sozialen und familiären Strukturen in Gottfried von Straßburgs „Tristan“. Dabei wird untersucht, wie die Figur des Tristan als widersprüchliches Symbol zwischen gesellschaftlicher Ordnung, persönlichem Begehren und musikalischer Inszenierung fungiert.

  • Stellung des Tristanstoffs als Antithese zur Artussage
  • Bedeutung der Musik als Kommunikationsmittel und Ausdruck von Emotionen
  • Analyse der Vater-Sohn-Beziehungen und des Avunkulats
  • Tristan als mythische Figur mit Zügen des Götterboten Hermes
  • Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichem Zwang und individueller Freiheit

Auszug aus dem Buch

Die Rolle der Musik bei Hofe und in der Liebesgrotte

In dieser Szene wird deutlich, womit man bei Hofe beeindrucken kann: mit Jagdkünsten, Musikalität, Redekunst und natürlich mit dem Aussehen. In dieser Szene könnte man die Rolle und Bedeutung des fremdartigen Hörnerklanges mit einem Terminus aus der Rhetorik als Exordium bezeichnen. Diese Bezeichnung wird dem literarischen Verfahren, nach welchem Gottfried die Ankündigung Tristans durch Musik inszeniert, durchaus gerecht. Die Propositio darf durchaus Überraschungsmomente beinhalten. Diese Überraschung ist durch die Fremdartigkeit der Klänge gelungen. Auch die Forderung, das Publikum aufmerksam und lernbereit zu machen wird erfüllt. Bei der darauf folgenden Insinuatio kann Tristan unter Beweis stellen, dass er auch die höfischen Aptumregeln beherrscht.

In der Liebesgrotte musizieren die Liebenden dann mit der größten Hingabe und Ausdauer, welches „spil“ wegen der Zweideutigkeit des Ausdrucks auch als Liebesspiel verstanden werden kann. Die Musik und die Ausgiebigkeit, mit der sich das Paar der Musik widmet, werden so zum Gradmesser ihrer Innerlichkeit und damit auch zum Ausdruck ihrer Liebe. Die Musik im Tristan ist also aufs Engste mit der Performance von Emotionen verbunden.

Zusammenfassung der Kapitel

„Gottfried’s Tristan und die Musik“: Einleitende Betrachtung über die literarische Einordnung des Stoffes als Gegenentwurf zur Artussage und dessen keltische Ursprünge.

Der Tristanstoff als Antithese zur Artussage: Erörterung der moralischen und gesellschaftlichen Gegensätze zwischen der Artuswelt und der unentrinnbaren, als regelwidrig empfundenen Liebe Tristans.

Realhistorische Wurzeln und Etymologie: Untersuchung der Namensherkunft und der mythologischen Hintergründe der Protagonisten.

Die Symbolik des Tristan: Darstellung Tristans als Allegorie und Widerspiegelung mittelalterlicher Affektdarstellung.

Emotionen und die Rolle der Minne: Analyse des Minnebegriffs und der nonverbalen Kommunikationsformen in der mittelalterlichen Gefühlswelt.

Tristan als Verkörperung des Hermes: Vergleich der listenreichen und musikalischen Züge Tristans mit dem griechischen Götterboten.

Der Sänger Tristan und das Phänomen Macht: Reflexion über die Stellung von Sängern und Künstlern als „elende“ Fremde außerhalb der machtbasierten Gesellschaftsstruktur.

Die Vaterfiguren und die Bedeutung der „Vaterlosigkeit“: Analyse des „Grundmusters epischer Kindheitsgeschichten“ und der spezifischen Vater-Sohn-Konstellationen im Werk.

Die Stellung des Mutterbruders (Avunkulat): Anthropologische Einordnung der Bedeutung des Onkels als Autoritätsperson im Kontext matrilinearer und patrilinearer Strukturen.

Konflikte und Heilung im Kontext irischer Kontakte: Untersuchung des Kampfes gegen Morold und der Bedeutung von Musik für die Heilung und den gesellschaftlichen Status Tristans.

Musik als Ausdruck von Emotionen und Liebesbeziehung: Synthese über die Funktion der Musik als Instrument der Werbung, Zahlungsmittel und Indikator für die Intensität der Liebesbeziehung.

Schlüsselwörter

Tristan, Gottfried von Straßburg, Minne, Musik, Artussage, Mittelalter, Avunkulat, Symbolik, Emotionen, Hermes, Macht, Vaterlosigkeit, Erzählstruktur, Gesellschaftsutopie, Literaturgeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit Gottfried von Straßburgs Werk „Tristan“ unter besonderer Berücksichtigung der musikalischen Aspekte und der zugrunde liegenden sozialen sowie verwandtschaftlichen Strukturen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Rolle der Musik als Kommunikationsmittel, die Funktion des Helden als mythischer Außenseiter, verwandtschaftliche Abhängigkeiten sowie das Spannungsfeld zwischen höfischer Etikette und individueller Liebe.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Tristanroman als tiefgreifendes Symbolsystem zu entschlüsseln, in dem Musik nicht nur Unterhaltung ist, sondern direkt mit den Emotionen und dem Schicksal des Helden verknüpft ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch historische, anthropologische und rhetorische Perspektiven ergänzt wird, um die mittelalterliche Erzählweise zu erklären.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Identitätsfacetten Tristans, die Vater-Sohn-Beziehungen, die Bedeutung der Musik in verschiedenen Lebensstadien des Helden und die soziologischen Hintergründe der Avunkulat-Struktur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Tristan, Minne, Musik, Avunkulat, Symbolik, Mittelalter und Macht.

Welche Rolle spielt die Musik konkret bei Tristan?

Musik dient Tristan als Exordium, um Aufmerksamkeit zu erregen, als Instrument zur Integration bei fremden Völkern, als Zahlungsmittel und als emotionaler Gradmesser seiner Liebe zu Isolde.

Warum wird Tristan als „vaterlos“ bezeichnet?

Der Begriff bezieht sich auf das erzählerische Grundmuster epischer Helden, bei denen die leiblichen Väter früh sterben, wodurch der Held gezwungen ist, sich durch Ersatzvaterfiguren wie Rual oder Marke neu zu definieren.

Was besagt die Allianztheorie im Zusammenhang mit dem Tristanroman?

Die Theorie hilft zu verstehen, warum der Mutterbruder (Oheim) im Tristanroman eine solch prominente, autoritäre und emotionale Rolle einnimmt, was durch die mittelalterlichen matrilinear geprägten Gesellschaftsstrukturen erklärbar ist.

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Résumé des informations

Titre
Gottfrieds Tristan und die Musik
Université
University of Vienna  (Germanistik)
Cours
Proseminar
Auteur
Dr. phil. Daria Hagemeister (Auteur)
Année de publication
2006
Pages
8
N° de catalogue
V65598
ISBN (ebook)
9783638581240
ISBN (Livre)
9783656562832
Langue
allemand
mots-clé
Gottfrieds Tristan Musik Proseminar Isolde 12. Jahrhundert fahrende Sänger und Musiker Mittelalter Spielleute Liebe
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Citation du texte
Dr. phil. Daria Hagemeister (Auteur), 2006, Gottfrieds Tristan und die Musik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65598
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